Cluster sind als Analyseinstrument und als Leitvorstellung regionaler und lokaler Wir tschaftspolitik in aller Munde. Seit Beginn der 90er Jahre haben sich eine Reihe von Untersuchungen mit der Entwicklung von Clustern beschäftigt, wobei die positive Wirkung von Clusterung auf die regionale Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit betont wurde. Dabei wird der Begriff von verschiedenen Autoren sehr unterschiedlich verwendet. Auch die zu Grunde liegenden Annahmen, wie etwa die Zunahme der Bedeutung innerregionaler Verflechtungen, sind umstritten. In dieser Arbeit möchte ich überblicksartig den Cluster-Begriff diskutieren, die Hintergründe für seine Entstehung darstellen, ihn an zwei Beispielen konkretisieren und abschließend Ansatzmöglichkeiten von Cluster-Politik und Clustermanagement auf lokaler Ebene darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Cluster-Konzept
2.1 Wirtschaftlicher Hintergrund
2.2 Der Cluster-Begriff
2.3 Innovative Milieus und Netzwerke
2.4 Kritik
3 Cluster und Politik
3.1 Regionalpolitik und Wirtschaftsförderung
3.2 Lokale Maßnahmen
4 Mediencluster Leipzig
4.1 Untersuchungskonzept
4.1 Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das Cluster-Konzept als Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung, analysiert dessen theoretische Grundlagen sowie die praktische Anwendung und kritische Erfolgsfaktoren anhand des Medienclusters Leipzig.
- Theoretische Fundierung des Cluster-Begriffs und dessen Abgrenzung zu Netzwerken
- Die Rolle der Cluster-Politik und lokale Interventionsmöglichkeiten
- Empirische Fallstudie zum Mediencluster Leipzig
- Herausforderungen bei der Implementierung clusterbezogener Strategien
- Diskussion von Wachstumshemmnissen und Lock-in-Effekten
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Cluster-Begriff
Der Begriff des Clusters ist nicht notwendigerweise an eine regionale räumliche Struktur gebunden. Als in den 80er Jahren damit begonnen wurde, systematisch die Schlüsselstellung des Produktionsfaktors Wissen in Relation zur Akkumulation von Kapital und Arbeitskraft für langfristiges wirtschaftliches Wachstum zu untersuchen, standen vergleichende empirische Studien auf Ebene der Nationalstaaten im Vordergrund. Auch in einer jüngeren Untersuchung der OECD wird die Bedeutung der Verflechtung von Unternehmen mit Bildung und Forschung sowie die Vernetzung der Unternehmen untereinander, besonders im F&E-Bereich, für die Innovationsfähigkeit auf nationaler Ebene untersucht. Cluster ist in diesem Zusammenhang ein Analysekonzept für eine ganze Volkswirtschaft, das deren innere Dynamik vermutlich besser erfassen kann als eine reine Sektorenbetrachtung.
Ein Cluster ist demnach ein „Produktionsnetzwerk von stark interdependenten Unternehmen (einschließlich spezialisierte Zulieferer), die in einer Wertschöpfungskette verbunden sind.“ Weiterhin heißt es: „Manchmal schließen Cluster auch strategische Allianzen mit Universitäten, Forschungsinstituten, wissensbasierten Dienstleistungen, Brücken-Institutionen (Broker, Berater) und Kunden ein.“ (OECD 1999). Der Staat kann in diesem Konzept kaum eine lenkende Position einnehmen. Ihm wird lediglich die Rolle eines Maklers zugebilligt, der Informationskosten senken kann. Zudem wird betont, dass im Niedergang befindliche Branchen nicht geeignet sind, Ausgangspunkt eines Clusters zu sein. Eine Aussage, die Cluster orientierten Ansätzen in der regionalen Wirtschaftspolitik fundamental widerspricht, besonders in altindustriellen Regionen, wo Unternehmen der fordistischen Industrie durch Integration in ein Cluster Innovationsimpulse erhalten sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Clustern als Analyseinstrument ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die theoretischen Hintergründe sowie die Anwendung an Fallbeispielen zu beleuchten.
2 Das Cluster-Konzept: Das Kapitel erläutert den wirtschaftlichen Wandel hin zu postfordistischen Strukturen und diskutiert verschiedene Cluster-Definitionen sowie die Bedeutung innovativer Milieus und Netzwerke.
3 Cluster und Politik: Dieser Abschnitt analysiert, wie politische Akteure auf verschiedenen Ebenen durch gezielte Maßnahmen und Wissensstrategien die Entwicklung von Clustern beeinflussen können.
4 Mediencluster Leipzig: Anhand eines Untersuchungskonzepts wird die Situation des Medienclusters in Leipzig analysiert, wobei besonders auf die Akteure, die Vernetzung und die Rolle der regionalen Politik eingegangen wird.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Cluster-Politik kein universelles Rezept ist und eine präzise Diagnose der endogenen Potenziale für nachhaltigen Erfolg unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Cluster, Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung, Innovationsfähigkeit, Wertschöpfungskette, Wissensmanagement, Standortwettbewerb, Mediencluster, Netzwerke, Postfordismus, Strukturwandel, Leipzig, Innovationsimpulse, Humankapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption von Clustern und deren praktischer Anwendung als Steuerungsinstrument in der regionalen Wirtschaftspolitik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel der Wirtschaftsstrukturen, den Definitionen von Clustern, der Rolle von Netzwerken sowie der konkreten Politikgestaltung in Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Cluster-Begriff zu diskutieren, die Hintergründe seiner Entstehung aufzuzeigen und die Erfolgsaussichten sowie Grenzen clusterbasierter Regionalpolitik kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Konzepte in Kombination mit einer Fallstudie zum Mediencluster Leipzig, um die Praxisrelevanz zu prüfen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung des Konzepts, eine Diskussion der politischen Eingriffsmöglichkeiten und eine detaillierte Auswertung des Fallbeispiels Leipzig.
Welche Schlüsselbegriffe sind zentral?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Cluster, regionale Entwicklung, Innovationsmilieus, Wettbewerbsfähigkeit und Standortpolitik.
Warum ist das Beispiel Leipzig für diese Untersuchung relevant?
Leipzig dient als Praxisbeispiel einer Stadt in den neuen Bundesländern, die versucht, durch gezielte Medienförderung und infrastrukturelle Investitionen ihre Wettbewerbsfähigkeit trotz schwacher industrieller Ausgangsbasis zu stärken.
Welche kritischen Faktoren für den Erfolg eines Clusters nennt der Autor?
Der Autor betont, dass eine bloße Konzentration von Unternehmen nicht ausreicht; entscheidend sind Kooperation, die Einbindung in globale Märkte sowie eine an die jeweilige Region angepasste Strategie ohne "Kochbuch-Rezepte".
Welche Rolle spielt die Politik bei der Clusterbildung?
Die Politik fungiert nicht als zentraler Lenker, sondern als Makler und Moderator, der Infrastruktur bereitstellt, Netzwerke fördert und einen Diskurs über Leitbilder anstößt.
- Quote paper
- Felix Müller (Author), 2003, Cluster als Konzept für regionale Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27512