Dieses Dokument analysiert den XXIV. Brief der Lettres Persanes von Montesquieu im Hinblick auf das eurozentristische Selbst- und Fremdbild Frankreichs im Zeitalter der Aufklärung. Das Werk, das Père Desmolets wie folgt ankündigen sollte: "Cela se vendra comme du pain", steht im Fokus der Analyse als Beginn der Parisbeschreibungen, genauer um die Funktion den Systemkritik: Was passiert im Subtext? WIe verhält sich Rica? und Inwiefern wird die handlungsleitende Zensur umgangen? sind drei Fragen, denen nachgegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktion der Systemkritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Thematik der Fremdheit im literaturgeschichtlichen Kontext der Aufklärung zu analysieren, wobei der Fokus gezielt auf dem XXIV. Brief der Lettres persanes von Montesquieu liegt.
- Analyse der Fremdheitsthematik im 18. Jahrhundert
- Gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung der Briefsatire
- Untersuchung der Systemkritik im XXIV. Brief
- Narratologische Analyse des dramatischen Modus
- Reflektion der Dichotomie von Orient und Okzident
Auszug aus dem Buch
Funktion der Systemkritik
Die Wahrnehmungsperspektive durch den dramatischen Modus im XXIV. Brief mit minimaler Distanz zum Erzählten und ohne reflexive Kommentare lässt diesen mehr wie ein Theaterstück als einen Brief wirken. Der XXIV. Brief ist darüber hinaus im Bezug auf die Systemkritik ein Konglomerat von Funktionen verschiedenster Provenienz:
Die vorliegende wirkungsmächtige pesudo-orientalische Briefsatire Montesquieus wirft in diesem Brief ein Schlaglicht auf die Welt- und besonders Selbsterkenntnis des Autors der zeitgenössischen französischen Gesellschaft durch die Augen des adeligen persischen Besuchers namens Rica. Der Autor spielt dabei gekonnt mit der scheinbaren Authentizität der Naivität und Oberflächlichkeit dessen Beurteilungen: Obwohl durch die gewählte Form der Erzähler scheinbar komplett verschwindet, so gibt es doch polyzentrische Bedeutungsebenen. Vordergründig geht es um das individuelle Handeln des Besuchers und dessen kurzsichtige, humorvolle und ironische Wahrnehmung der okzidental französischen Gesellschaft, z.B. wenn er Louis XIV als „grand magicien“ bezeichnet oder feststellt, dass er seit über einem Monat in Paris niemanden hat gehen sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Lettres persanes ein, stellt das Erkenntnisinteresse an der Fremdheitsthematik dar und definiert das methodische Vorgehen für die Analyse des XXIV. Briefs.
2. Funktion der Systemkritik: Dieses Kapitel analysiert die narratologische Struktur und die satirischen Funktionen des XXIV. Briefs, wobei insbesondere die Rolle Ricas als Mittel zur Kritik am französischen Absolutismus und der gesellschaftlichen Ordnung hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Montesquieu, Lettres persanes, Fremdheitsthematik, Briefsatire, Systemkritik, Orientalismus, Alterität, Französische Gesellschaft, XXIV. Brief, Literaturgeschichte, Satire, Absolutismus, Narratologie, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse des XXIV. Briefs aus Montesquieus Werk Lettres persanes unter besonderer Berücksichtigung der Fremdheitsthematik im 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die zeitgenössische französische Gesellschaftskritik, die Funktion des Orientalismus als literarisches Mittel sowie die narratologische Gestaltung der Briefsatire.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den XXIV. Brief als Einstieg in die Parisbeschreibung der Lettres persanes zu analysieren und aufzuzeigen, wie Montesquieu durch die Figur des persischen Besuchers Rica Kritik am Ancien Régime übt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgeschichtliche Einordnung kombiniert mit einer narratologischen Analyse des Modus im besagten Brief sowie einer kritischen Auswertung der fachspezifischen Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Funktion der Systemkritik, die Wahrnehmungsperspektive des Erzählers und die Bedeutung der Alterität für die satirische Darstellung der französischen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aufklärung, Systemkritik, Orientalismus, Alterität, Briefsatire und Gesellschaftskritik definieren.
Warum wählt Montesquieu gerade einen persischen Besucher als Erzähler?
Die Wahl der Figur Rica ermöglicht Montesquieu einen "naiven" Blick auf die europäische Zivilisation, wodurch er gesellschaftliche Konventionen, den Absolutismus und kirchliche Dogmen durch Ironie und satirische Distanz entlarven kann.
Inwiefern spielt der "dramatische Modus" eine Rolle im XXIV. Brief?
Der dramatische Modus minimiert die Distanz zum Erzählten, wodurch der Brief eine theaterstückartige Unmittelbarkeit erhält und die kritische Wirkung auf den Leser intensiviert wird.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des Vergleichs zwischen Orient und Okzident?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass der Orient im Werk als didaktisches Instrument dient, um ein kritisches Licht auf das zeitgenössische Frankreich zu werfen, wobei die Differenz zwischen den Kulturen als Mittel zur Entlarvung lokaler Missstände genutzt wird.
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- Laura Baier (Autor), 2013, Fremdheit im literaturgeschichtlichen Kontext der Aufklärung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275136