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Der eurozentrische wissenschaftliche Analphabetismus und die Bedeutung für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung

Title: Der eurozentrische wissenschaftliche Analphabetismus und die Bedeutung für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung

Essay , 2009 , 10 Pages

Autor:in: Wolfgang Krumm (Author)

Pedagogy - Theory of Science, Anthropology
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Ein wissenschaftlicher Forschungsbetrieb, welcher seine Ausübung an Universitäten und in Institutionen außerhalb der Hochschulen erfährt, bestimmt die wissenschaftliche Agenda. Das Aktionsprogramm der Wissenschaft beinhaltet Theorien, Analysen und Diskurse, welche zum Gegenstand der Forschung gemacht werden. Wissenschaft kann nun nicht als ein Gebilde in einem abgeschlossenen Raum angesehen werden, sondern eine wissenschaftlich betriebene Forschung zieht auch Folgen nach sich, was bedeutet, dass in der Regel mit direkten Auswirkungen auf die Praxis zu rechnen ist. Wenn innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsbetriebs Theorien und Tendenzen für die Entwicklungsforschung aufgestellt werden, dann kommt es in der Praxis der Entwicklungsforschung, also der Entwicklungszusammenarbeit, zur Entfaltung dieser wissenschaftlichen Grundlagen. Die Entwicklungsforschung fungiert somit als eine theoretische Denkfabrik, welche die Agenda der Entwicklungszusammenarbeit beeinflusst, wenn
nicht sogar bestimmt. Der Grad der Beeinflussung ist von der jeweiligen spezifischen Situation abhängig. Daher können die direkten Auswirkungen der Entwicklungsforschung in hohem Maße eintreten, genauso ist es aber auch möglich, dass nur geringe Elemente einer Beeinflussungsstruktur durchgesetzt werden können.

Bezüglich der wissenschaftlichen Forschungsbetriebe gibt es zahlreiche Fragen, die in diesem Zusammenhang zu stellen sind. Was bedeutet wissenschaftlicher Fortschritt? Was versteht man unter Objektivität? Was gilt als akzeptiertes Wissens, als ein gewisser Wissens-Kanon? Wie sieht wissenschaftliche Erkenntnis aus? Was ist unter einem "eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus" zu verstehen und was bedeutet dieser für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen

2.1 Eurozentrismus

2.2 Wissenschaft

2.3 Analphabetismus

3. Verknüpfung der Begriffe und die Rolle der westlichen Wissenschaft

4. Erscheinungsformen in der Entwicklungsforschung

5. Auswirkungen auf die Entwicklungsforschung in Österreich

6. Anerkennung von Wissenstraditionen und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Der vorliegende Essay untersucht die Problematik des sogenannten „eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus“ und analysiert dessen Auswirkungen auf die in Österreich betriebene Entwicklungsforschung, um Wege für einen gerechteren wissenschaftlichen Austausch aufzuzeigen.

  • Kritische Analyse des Eurozentrismus innerhalb westlicher Wissenschaftsstrukturen
  • Verständnis von Wissenschaft als machtvoller Prozess und Denkfabrik
  • Die Metapher des „eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus“
  • Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit im kapitalistischen Weltsystem
  • Notwendigkeit der Anerkennung globaler Wissenstraditionen

Auszug aus dem Buch

Der Begriff Eurozentrismus

Der Begriff Eurozentrismus beinhaltet, dass Europa als das Zentrum der Welt verstanden wird. Wenn man so will, als Mittelpunkt der Erde. Alles was außerhalb davon liegt, befindet sich in der Peripherie. Die Beurteilung außereuropäischer Kulturen erfolgt nach westlichem Maßstab. Dabei kommt es stets zu einer Abwertung der jeweiligen andersartigen Kultur. Die Erhöhung des Eigenen und die Herabsetzung des Anderen kann auf sozialer, ökonomischer, kultureller und wissenschaftlicher Ebene erfolgen. Das eigene Denken und Handeln ohne kritische Hinterfragung als überlegend einzustufen ist hierbei als äußerst kritisch einzustufen.

Unter der Bezeichnung Wissenschaft ist das Erschaffen von Wissen zu verstehen. Die Wissenschaft wird als ein Prozess angesehen. Die MitarbeiterInnen im Wissenschaftsbetrieb sind für die Forschung sowie die Lehre zuständig. Die Lehre beinhaltet die Vermittlung von Wissen. Das Feld der Wissenschaft ist bestimmt von AkteurInnen, Interessen und Diskursen. Dabei ist wissenschaftliches Handeln eingebettet in vorgegebene Strukturen. Wissenschaft wird nicht gänzlich autonom und in vollständiger Unabhängigkeit agieren können, denn an den Wissenschaftsbetrieb werden Ansprüche gestellt und verschiedene Gruppierungen haben zahlreiche Anliegen und Interessen an die Wissenschaft. Dennoch muss es Ziel der Wissenschaft sein, so weit wie möglich autonom zu agieren und Beeinflussungen von außerhalb abzulehnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Wissenschaft als theoretische Denkfabrik der Entwicklungsforschung und führt in die zentrale Fragestellung des eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus ein.

2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die drei zentralen Begriffe Eurozentrismus, Wissenschaft und Analphabetismus theoretisch erörtert, um eine gemeinsame Basis für die weitere Analyse zu schaffen.

3. Verknüpfung der Begriffe und die Rolle der westlichen Wissenschaft: Hier wird der vermeintliche Widerspruch zwischen Wissenschaft und Analphabetismus aufgelöst, indem der Begriff als Metapher für die Unwissenheit und mangelnde Objektivität westlicher Wissenschaftsstrukturen herangezogen wird.

4. Erscheinungsformen in der Entwicklungsforschung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie westliche Institutionen und Konzepte ohne kritische Abwägung in Entwicklungsländer exportiert werden und die Entscheidungshoheit dabei im Westen verbleibt.

5. Auswirkungen auf die Entwicklungsforschung in Österreich: Anhand von Beispielen aus der Ökonomie wird dargelegt, wie geographisch-sprachliche Hierarchien und der Ausschluss außereuropäischen Wissens die wissenschaftliche Praxis prägen.

6. Anerkennung von Wissenstraditionen und Ausblick: Der abschließende Teil fordert die Anerkennung indigener Wissenstraditionen und eine Abkehr von hierarchischen Strukturen, um zu einer gerechten Globalisierung beizutragen.

Schlüsselwörter

Eurozentrismus, Wissenschaft, Analphabetismus, Entwicklungsforschung, Österreich, Wissenstraditionen, Westliche Wissensgesellschaft, Machtstrukturen, Kapitalistisches Weltsystem, Local Knowledge, Objektivität, Bildung, Globalisierung, Indigene Gemeinschaften, Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung westlicher Wissenschaftsstrukturen und wie diese durch eine eurozentrische Sichtweise den Zugang zu anderem Wissen verhindern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die kritische Wissenschaftstheorie, die Entwicklungsforschung sowie die Analyse globaler Macht- und Wissensstrukturen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den „eurozentrischen wissenschaftlichen Analphabetismus“ zu definieren und aufzuzeigen, wie eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung diesen überwinden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Diskursanalyse, in der existierende wissenschaftliche Begrifflichkeiten dekonstruiert und in Bezug auf ihre praktische Anwendung in der Entwicklungszusammenarbeit bewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Erscheinungsformen eurozentrischer Wissenschaft in der Entwicklungszusammenarbeit sowie die negativen Auswirkungen auf die Integration außereuropäischer Wissensbestände.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Eurozentrismus, Entwicklungsforschung, westliche Wissenschaft und die Forderung nach Anerkennung vielfältiger Wissenstraditionen.

Was ist mit „eurozentrischem wissenschaftlichen Analphabetismus“ konkret gemeint?

Es beschreibt den Zustand, dass westliche Wissenschaft durch eine eurozentrische Brille Wissen aus anderen Kulturen systematisch negiert oder als nicht existent betrachtet, was einer intellektuellen Mangelerscheinung gleichkommt.

Wie kann die Entwicklungsforschung laut dem Autor aus dieser Sackgasse entkommen?

Durch die bewusste Anerkennung außereuropäischer Wissenstraditionen, die Förderung lokaler Fachkräfte und das Aufbrechen hierarchischer Machtstrukturen des kapitalistischen Weltsystems.

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Details

Title
Der eurozentrische wissenschaftliche Analphabetismus und die Bedeutung für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung
College
University of Vienna  (Institut für Internationale Entwicklung)
Course
Wissenschaftstheorie und -kritik
Author
Wolfgang Krumm (Author)
Publication Year
2009
Pages
10
Catalog Number
V275240
ISBN (eBook)
9783656675396
ISBN (Book)
9783656675389
Language
German
Tags
Eurozentrismus Analphabetismus Entwicklungsforschung Österreich Wissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Wolfgang Krumm (Author), 2009, Der eurozentrische wissenschaftliche Analphabetismus und die Bedeutung für eine in Österreich betriebene Entwicklungsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275240
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