Wann genau könnte politisches Schreiben brisanter sein als zu Zeiten des Nationalsozialismus in Deutschland? Die Machtergreifung Hitlers machte es für Schriftsteller wie Brecht notwendig, das faschistische Deutschland zu thematisieren und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen, um wenigstens einem kleinen Teil der Gesellschaft die Augen zu öffnen.
Die folgende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den Zielen Bertolt Brechts. Es soll geklärt werden, was er bei seinen Rezipienten mit seiner Art zu schreiben erreichen möchte und durch welche Methoden er seine Absichten verwirklicht. Diese Fragen werden mit einem besonderen Augenmerk auf die Kapitalismuskritik im Dreigroschenroman, in der ebenfalls Parallelen zu Geschichte dargestellt werden sollen, näher erläutert.
In einem weiteren Teil wird das Thema Schuld aus der Sicht Bertolt Brechts behandelt. Folgende Frage soll besonders untersucht werden: Wie wird die Rolle der Schuld im Dreigroschenroman thematisiert?
All diese Gesichtspunkte sind Bestandteile des politischen Schreibens und erfüllen einen bestimmten Zweck. Diesen gilt es näher zu untersuchen.
Am Ende dieser Arbeit steht ein Fazit, das die behandelten Gesichtspunkte zusammenfasst und überprüfen soll, wie gut es Brecht gelingt den Dreigroschenroman als ein politisches Lehrstück zu verfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Kompetenzbegriff
2.2 Modelle von Gesprächskompetenz
2.3 Gesprächskompetenz bei Grundler
2.4 Argumentieren im Unterricht
2.5 Mündliche Argumentationskompetenz nach Vogt und Grundler
2.6 Förderung der Argumentationsfähigkeit
3. Analyse schulischer Argumentationssituationen
3.1 Vorbedingungen
3.2 Positionierung
3.3 Argumente
3.4 Die Debatte/ Eröffnungsphase
3.5 Die gemeinsame Aushandlung eines Arguments
3.6 Die provokative Fragestellung als argumentativer Wendepunkt
3.7 Ergebnisse und Bewertung der Diskussion
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die gezielte Förderung der Argumentationskompetenz dazu beitragen kann, die allgemeine Gesprächskompetenz von Schülerinnen und Schülern im Unterricht zu verbessern. Dabei wird der theoretische Rahmen durch verschiedene Kompetenzmodelle abgesteckt und anschließend anhand einer empirischen Analyse einer Podiumsdiskussion aus dem Projekt "Jugend debattiert" praktisch überprüft.
- Grundlagen der Gesprächskompetenz und deren Messbarkeit
- Modelle zur mündlichen Argumentationskompetenz
- Methoden zur Förderung der Argumentationsfähigkeit in der Schule
- Analyse realer schulischer Argumentationssituationen
- Reflexion des Lehrer-Schüler-Verhältnisses durch Feedback-Kulturen
Auszug aus dem Buch
3.6 Die provokative Fragestellung als argumentativer Wendepunkt
Am Ende der Sequenz befindet sich das Gespräch also an einem Punkt, an dem die Pro-Seite bewiesen hat, dass die Möglichkeit der Lehrerzeugnisse ein kommunikatives Umfeld schafft, von dem die ganze Klasse profitiert. Die Diskussion verläuft für die Gegen-Seite also gerade denkbar ungünstig. Im Folgenden versucht also S2 das Gespräch in eine für die Contra-Seite günstige Position zu lenken. Er beruft sich dabei auf sein Argument aus der Eröffnungsrede, welches Probleme bei der praktischen Durchführung beinhaltet und fragt seine Gegner, wie diese sich den konkreten Ablauf vorstellen (T2, Z. 42). Mit seinem taktischen Appell verfolgt S2 zwei Ziele. Er provoziert zum einen, dass nun Sachverhalte ausgehandelt werden, mit denen er sich im Vorhinein intensiv auseinander gesetzt hat. Zum Anderen hofft S2 mit seinem Appell für ihn verwertbare responsive turns zu produzieren, welche er wiederum entkräften kann. Zu diesem Zweck präzisiert seine Aussage mit Fragen, die als Vorgaben gedeutet werden können, welche ihm in seiner Argumentationskette helfen würden: "Also soll sich da die ganze Klasse ähm zusammensetzen und dann alle Lehrer bewerten? Oder nur den Klassenlehrer [...]?" (T2, Z. 43,44)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der Gesprächskompetenz als basale Fähigkeit des Deutschunterrichts ein und stellt die zentrale These auf, dass diese durch Argumentationstraining effektiv gefördert werden kann.
2. Theoretische Vorüberlegungen: Es werden zentrale Konzepte wie der Kompetenzbegriff, verschiedene Gesprächskompetenzmodelle (Becker-Mrotzek, Grundler) sowie die spezifischen Dimensionen des argumentativen Handelns in schulischen Kontexten theoretisch fundiert.
3. Analyse schulischer Argumentationssituationen: Anhand von Transkripten einer Schülerdebatte zum Thema Lehrerzeugnisse werden konkrete Gesprächssequenzen analysiert, um die Anwendung argumentativer Strategien und Kompetenzen in der Praxis aufzuzeigen.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Argumentationstraining die Gesprächsfähigkeit nachhaltig stärkt, da Schüler lernen, aktiv zuzuhören, Beiträge sequentiell aufzubereiten und komplexe Gesprächssituationen konstruktiv zu lenken.
Schlüsselwörter
Gesprächskompetenz, Argumentationskompetenz, Deutschunterricht, Schülerdebatte, Kompetenzmodelle, Jugend debattiert, Podiumsdiskussion, Lehrerzeugnisse, kommunikative Handlungsfähigkeit, Mündlichkeit, interaktive Gesprächsführung, Didaktik, sprachliche Bildung, Transkriptanalyse, Argumentationsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbesserung der Gesprächskompetenz von Schülerinnen und Schülern durch die gezielte Förderung ihrer Argumentationsfähigkeit im schulischen Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Modellierung von Gesprächs- und Argumentationskompetenz, die methodische Unterrichtsgestaltung sowie die Analyse von Debattenbeiträgen.
Welches primäre Ziel oder welche Forschungsfrage verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Argumentationstraining nicht nur eine Teilkompetenz isoliert betrachtet, sondern die allgemeine Kommunikations- und Gesprächsfähigkeit der Lernenden verbessert.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung angewandt?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur zur Gesprächsdidaktik mit einer qualitativen Analyse von Transkripten aus einer realen Podiumsdiskussion.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Modelle von Becker-Mrotzek und Grundler sowie eine detaillierte Auswertung von Gesprächssequenzen hinsichtlich Positionierung, Argumentationsqualität und taktischer Gesprächsführung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesprächsstruktur, Argumentationskette, Mündlichkeit, didaktisches Arrangement und kommunikative Koproduktion charakterisiert.
Wie gehen die Schüler in der analysierten Debatte mit Gegenargumenten um?
Die Schüler nutzen Techniken wie defensive Imagearbeit, die Übernahme oder Abwehr von Argumenten und versuchen, das Gespräch durch gezielte Rückfragen in eine für sie vorteilhafte Richtung zu lenken.
Welche besondere Rolle spielt die "provokative Fragestellung" im analysierten Fallbeispiel?
Die provokative Fragestellung dient als taktischer Wendepunkt, um die Gegenseite in eine Bringschuld zu versetzen und den Verlauf der Debatte gezielt zu beeinflussen.
Was schließt die Arbeit als Ergebnis für die Schulpraxis?
Das Fazit betont, dass die Förderung der Argumentationskompetenz eine essenzielle Vorbereitung auf komplexe soziale Situationen darstellt und die Schüler befähigt, als mündige Bürger am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen.
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- Ina Schumacher (Autor), 2012, Verbesserung von Gesprächskompetenz durch Förderung der Argumentationskompetenz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275246