„Seit dreißig Jahren sind sie nun auf der Suche nach Gerechtigkeit, die in unserer heutigen Welt noch seltener zu sein scheint als Wasser in der Wüste." So beschreibt der Schriftsteller Eduardo Galeano die Saharouis, die auf der Suche nach Frieden und Sicherheit die Leere fanden.
Sicherheit bedeutet für viele Menschen sein eigenes Land Heimat nennen zu dürfen, eine friedliche Nachbarschaft zu anderen Ländern zu pflegen oder auch das Privileg zu haben, nach eigenen Vorstellungen leben zu dürfen. All dies sind jedoch für das Volk der Saharouis, seit über dreißig Jahren, weit entfernte Wünsche. Die Westsahara, die saharouische Heimat, ist ein Gebiet voller Konflikte. Die Bevölkerung hatte nicht nur mit der spanischen Kolonialmacht zu kämpfen, sie musste sich auch gegen die Annexionsabsichten der Nachbarländer wehren.
Die vorliegende Hausarbeit soll dem Leser einen kurzen Einblick in die Geschichte und politische Entwicklung dieser Region geben. Zudem werden der anhaltende Konflikt mit Marokko und die wichtige Arbeit der Frente Polisario erläutert. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Lebenssituation der Flüchtlinge in Algerien und der Zurückgebliebenen im Gebiet der Westsahara gelegt. Anschließend soll anhand von ausgewählten Projekten die Arbeit der dort wirkenden Hilfsorganisationen beurteilt werden und ein Blick in die Zukunft gewagt werden.
Begleitend zu diesen Punkten wird das Konzept der Menschlichen Sicherheit aus dem UNDP Bericht von 1994 erläutert um die Umsetzung dessen Ziele mit der Realität zu vergleichen. So weit wie möglich sollen die Fragen im Vordergrund stehen, inwiefern die Vorstellungen des UNDP Berichts mit dem Leben der Saharouis übereinstimmen oder noch zu erreichen sind und warum der Westsaharakonflikt scheinbar unlösbar ist.
Die Informationen für das Erstellen dieser Arbeit wurden vorrangig aus schriftlichen aber auch aus mündlichen Quellen gezogen. Im Rahmen der Hausarbeit können leider nicht alle Aspekte des Themas ausführlich behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geographie
3. Geschichte ab dem 19. Jh.
3.2 Westsahara – eine Kolonie
3.3 Gründung und Arbeit der Frente Polisario
3.4 Der Westsaharakrieg
4. Menschliche Sicherheit
4.1 Leben in der Westsahara und den Flüchtlingslagern
5. Organisierte Hilfe aus dem Ausland
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und politische Entwicklung des Westsaharakonflikts unter Anwendung des Konzepts der „Menschlichen Sicherheit“ des UNDP-Berichts von 1994, um die Lebensbedingungen der Saharouis in Flüchtlingslagern und besetzten Gebieten kritisch zu bewerten.
- Historische Analyse des Kolonialismus und der Entstehung des Konflikts
- Rolle der Frente Polisario im Befreiungskampf
- Anwendung der Dimensionen menschlicher Sicherheit (wirtschaftlich, physisch, gesundheitlich)
- Bewertung der Rolle von Frauen und der internationalen humanitären Hilfe
- Aufzeigen der Diskrepanz zwischen UNDP-Zielen und der Realität vor Ort
Auszug aus dem Buch
4.1 Leben in der Westsahara und den Flüchtlingslagern
Die Vereinten Nationen gaben den Saharouis das Versprechen, in einem Referendum selber entscheiden zu können, ob sie unabhängig oder ein Teil Marokkos werden wollen. Doch bis heute sind sie dieses den Menschen schuldig geblieben. Die Realisierung wurde immer wieder verschoben oder abgesagt. Grund war immer wieder die Frage wer als wahlberechtigt zugelassen werden sollte. Die Polisario ist der Meinung, dass nur die Saharouis selber wählen sollten, aber Marokko bestand immer darauf die heutzutage, oft zwangsangesiedelten, Marokkaner auch mit einzubeziehen. Dies würde das Ergebnis jedoch erheblich verfälschen und zu Marokkos Gunsten ausfallen lassen.
So besteht auch aktuell noch die Situation, dass Marokko die westlichen zwei Drittel des Landes kontrolliert und die Polisario das Hinterland, die von ihr ausgerufene Demokratische Arabische Republik Sahara.
In den Flüchtlingslagern ist das Leben sehr schwer, da diese in einer menschenfeindlichen Geröllwüste liegen. Den Saharouis ist es so gut wie nie erlaubt diese zu verlassen. Das schlimmste für die Menschen ist die Perspektivlosigkeit. In der Wüste kann fast nichts angebaut werden und es gibt kaum Arbeit vor allem für die Jüngeren, die von einem besserem Leben Träumen. Die Menschen müssen mit ihren Familien in Zelten und Lehmhütten leben in denen es nur vereinzelt Strom über solarbetriebene Aggregate gibt. Auch die extremen Temperaturen, die im Sommer bis zu 57° C im Schatten erreichen, machen eine eigene Versorgung nahezu unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik des Saharouis-Volkes und Einführung in das Konzept der Menschlichen Sicherheit als theoretischer Rahmen der Untersuchung.
2. Geographie: Beschreibung des umstrittenen Gebiets der Westsahara und der geografischen Lage der Flüchtlingslager in der algerischen Wüste.
3. Geschichte ab dem 19. Jh.: Überblick über die koloniale Vergangenheit, die Formierung der Frente Polisario und den Verlauf des bewaffneten Konflikts.
4. Menschliche Sicherheit: Definition des Konzepts nach dem UNDP-Bericht von 1994 und Anwendung der sieben Sicherheitsdimensionen auf die aktuelle Lebensrealität der Saharouis.
5. Organisierte Hilfe aus dem Ausland: Analyse der humanitären Unterstützung durch internationale Organisationen und staatliche Akteure sowie die Forderung nach Hilfe zur Selbsthilfe.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der ausweglos erscheinenden Situation und Appell an die internationale Gemeinschaft zur Intensivierung der Öffentlichkeit- und Friedensarbeit.
Schlüsselwörter
Westsahara, Saharouis, Frente Polisario, Menschliche Sicherheit, UNDP, Flüchtlingslager, Marokko, Kolonialismus, Menschenrechte, humanitäre Hilfe, Friedensreferendum, Selbstbestimmung, Algerien, Konfliktlösung, Krisenregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die politische und soziale Lage der Saharouis vor dem Hintergrund des langjährigen Konflikts um die Westsahara.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des Gebiets, der Rolle der Befreiungsbewegung Polisario sowie den aktuellen Lebensbedingungen in Flüchtlingslagern.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern das Konzept der Menschlichen Sicherheit nach dem UNDP-Bericht von 1994 auf die Realität der Saharouis anwendbar ist und warum der Konflikt als unlösbar wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse schriftlicher und mündlicher Quellen sowie auf einen Vergleich theoretischer Sicherheitskonzepte mit den faktischen Lebensbedingungen vor Ort.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Anwendung von Sicherheitskriterien auf die Flüchtlingssituation und eine kritische Betrachtung der ausländischen Hilfsbemühungen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Menschliche Sicherheit, Selbstbestimmungsrecht, Flüchtlingshilfe, geopolitische Interessen und Menschenrechtsverletzungen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Frau in der saharouischen Gesellschaft?
Frauen nehmen eine Schlüsselrolle in den Lagern ein, da sie trotz widriger Umstände für Organisation und Bildung verantwortlich sind, während sich Männer im bewaffneten Kampf befinden.
Warum wird die humanitäre Hilfe kritisiert?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass zwar die Grundversorgung durch externe Hilfe gesichert wird, jedoch kaum nachhaltige Perspektiven zum Aufbau eines eigenen Lebens ermöglicht werden („Hilfe zur Selbsthilfe“ fehlt).
Welchen Einfluss hat die internationale Berichterstattung auf den Konflikt?
Die Autorin bemängelt, dass der Konflikt in der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, was die politische Lösungsfindung massiv erschwert.
- Citation du texte
- Friederike Selle (Auteur), 2012, Die Saharouis. Ihr Kampf um die Westsahara und die Menschlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275350