Felipe Pedrell und das Volkslied in Spanien


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Anfänge der Musikforschung in Spanien und erste Volksliedsammlungen

3. Das Volkslied in Spanien

4. Felipe Pedrell und das Volkslied
4.1. Das “Cancionero musical popular español”
4.2. Kunst- und Naturmusik
4.3. Die Einteilung des Liedes im „Cancionero“

5. Die gegenwärtige Entwicklung der Musikethnologie in Spanien

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Cancioneros existieren schon seit Jahrhunderten in Spanien. Unter Cancioneros versteht man Liedersammlungen in denen Volkslieder oder auch Volksmelodien gesammelt wurden. Jedoch gab es keine wissenschaftliche oder auch musikwissenschaftliche Erforschung dieser Volkslieder in Spanien bis ins 19. Jahrhundert hinein.[1] Dem Lehrer, Forscher und Komponisten Felipe Pedrell ist es zu verdanken, dass diese Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Nicht nur Komponisten, sondern auch das Volk sollten von diesem reichen musikalischen Repertoire Spaniens profitieren. Pedrell wollte eine Verbindung von Kunstmusik und Volksmusik, sowie durch Anlehnung an die nationale spanische Tradition, eine nationale Musik schaffen. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb er seine Hauptwerke mit denen er eine Escuela Nacional de Música española, also eine nationale Schule der spanischen Musik begründen und gleichzeitig als Initiator der spanischen Musikwissenschaft in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

In dieser Arbeit soll das theoretische Schaffen Pedrells in Hinblick auf das Volkslied erläutert werden, sowie seine und die heute übliche kategorisierte Einteilung des Volksliedes in Spanien.

Weiterhin wird näher auf die Hauptwerke Pedrells und auf ihre Bedeutung und Auswirkung auf die spätere Musikwissenschaft eingegangen werden.

Ein anderer Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Betrachtung der Musikethnologie in Spanien und die Bedeutung Pedrells für eben jene. Sind seine theoretischen Werke immer noch aktuell? Wie steht die spanische Musikforschung heute zu seinen Forschungsergebnissen? Wie fortschrittlich ist und war die Musikethnologie in Spanien?

2. Die Anfänge der Musikforschung in Spanien und erste Volksliedsammlungen

Der Begriff Cancionero (Sp.: „Liedbuch“; Port.: „cancioneiro“) wurde seit dem 15. Jahrhundert verwendet, um eine Sammlung von Gedichten zu beschreiben, jedoch ohne den musikalischen Kontext (wenn dieser vorhanden war) zu betrachten.[2] Der Begriff, der eine Liedsammlung innerhalb des musikalischen Kontextes bezeichnet, erscheint nicht eher als im 19. Jahrhundert. Die Bezeichnung Cancionero Musical wird daher eher im Zusammenhang mit einer Volksliedsammlung verwendet, als im eigentlichen Wortsinn .[3]

Schon im 16. Jahrhundert gab es erste Volksliedsammlungen, u.a. von Francisco de Salinas. Dabei hatte vor allem das Interesse an dem traditionellen Leben und der Folklore zu ersten Volksliedsammlungen geführt. Eine erste Sammlung von Seguidillas [4] erschien bereits im Jahre 1788 von Juan Antonio Iza Zamácola. Im Jahr 1799 dann gab es erste Ansätze zur Sammlung von Volksliedern von José González Torres de Nava, wobei dieses Projekt nie fertiggestellt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts richtete sich das Interesse der Forscher zunächst auf Volksdichtungen in regionalen, baskischen Gebieten, Katalonien und Galizien. Im Jahr 1826 veröffentlichte Juan Ignacio de Iztueta eine Sammlung baskischer Tänze und deren Transkriptionen. Viele der Volksliedsammlungen wurden von Autoren verfasst, deren Hauptaugenmerk auf literarischen und literaturwissenschaftlichen Aspekten lag und die somit eher Textsammlungen anlegten. In diesem Zusammenhang sollten zwei Autoren besonders hervorgehoben werden: Manuel Milà i Fontanals und Antonio Machado y Álvarez.

Milà i Fontanals, der von Herder beeinflusst war, beschäftigte sich hauptsächlich mit Balladenforschung. 1853 veröffentlichte er für das Forschungsfeld der Balladen sehr wichtige Werk Observaciones sobre la Poesía Popular. Sein Forschungsinteresse beschränkte sich demzufolge eher auf literarische Gebiete und die Analyse der Texte und nicht auf die Analyse von Melodien. Dennoch veröffentlichte er 1882 das Romancerillo Catalán, in dem er Transkriptionen hinzufügt, die aber sehr unprofessionell sind.[5] Antonio Machado y Álvarez` Interesse galt gleichfalls dem literarischen Gebiet und insbesondere der Literatur Andalusiens, wobei er auch die Gattung des Flamenco studierte. 1881 gründete er, wobei er sich an der Londoner Folk-Lore Society (1878) orientierte, die Gesellschaft El Folk-Lore Español, die sich das Sammeln und das Studieren von Folklore zur Aufgabe gemacht hatte und ebenso Einfluss auf das Interesse des Sammelns von Volksliedern nahm.

Auch Sammlungen, die Lieder und Melodien vereinten und sich nicht nur auf literarische Aspekte beschränkten, wurden nun häufiger veröffentlicht. An dieser Stelle seien nur zwei Vertreter genannt, einmal José de Manterola mit dem Cancionero Basco und Rodríguez Marín mit Cantos populares españoles. Üblich wurde es auch, Melodien mit Transkriptionen zu veröffentlichen, um diese erneut wiedergeben zu können, bzw. so vor dem Vergessen zu schützen.

Diese Arbeiten müssen jedoch noch als Arbeiten einzelner und isolierter Forscher, die von keinerlei institutionellen Hintergrund und in keiner Weise akademisch unterstützt wurden, angesehen werden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg das Interesse an den Wurzeln der Musik in Spanien, aber auch die Suche nach einer nationalen Musik.

Es wurde dabei nach einer Identifikation mit einem Staat und einer „eigenen“ Musik gesucht. Viele Forscher arbeiteten an dieser Aufgabe, wobei einige Arbeiten, vor allen in den baskischen und katalonischen Ländern sehr nationalen Charakter hatten.

Bereits 1847 wurde auf dem Gebiet der Oper eine nationale Bewegung etabliert, die Gesellschaft España musical. Sie stellte einen Zusammenschluss vieler junger Komponisten dar, die in Spanien eine Nationaloper etablieren wollten. Der Einfluss der italienischen Oper blieb jedoch ungebrochen bestehen. Auch weitere Bestrebungen und Unterfangen schafften es nicht, eine Nationaloper zu etablieren.[6]

Die 1870er Jahre brachten eine generelle Schaffensperiode der katalanischen Komponisten mit sich. Im Jahr 1874 wurden endlich verschiede nationale Opern aufgeführt, wobei auch Pedrell, bemüht um ein nationales Schaffen, 1874 L`último Abenzerraggio (El último abencerraje) schuf.

In diesen Jahren wurde eine Veränderung im Musikgeschmack des Publikums und auch der Komponisten spürbar. Vor allen Dingen die Musik Wagners fand ein breites Publikum sowie die Musik Zentraleuropas.

Der Einfluss Wagners ist auch Felipe Pedrell anzumerken, der 1868 im Almanach La España musical seine Schrift La Música del Porvenir veröffentlichte, in der er zur Verteidigung Wagners schrieb. Hier schon kann man sein Ziel, durch Studium der Volksgesänge eine „musikalische Nationalität“, bzw. eine Nationaloper zu schaffen und die Oper von dem Einfluss der Opera buffa des 18. Jahrhunderts zu trennen, klar erkennen.[7]

Anfang des 20. Jahrhunderts mündete der Versuch der Restaurationsbewegung in eine starke Bereicherung des Musiklebens, das mit dem Begriff regeneracionismo beschrieben werden kann. Viele Gesellschaften, philharmonische, symphonische, Konzert-, Chor- und Wagnergesellschaften trugen dazu bei.

In diesen Jahren veröffentlichte Felipe Pedrell sein vierbändiges Werk Cancionero musical popular español, welches theoretische Betrachtungen und eine Sammlung von Melodien aus ganz Spanien enthält.

Weitere wichtige Arbeiten erschienen, die sich auf regionale Gebiete spezialisierten. Als besonders wichtig ist in diesem Kontext die Arbeit Kurt Schindlers zu nennen, der vor allem in den Jahren 1929 bis 1933 von größter Bedeutung für die Musikforschung in Spanien war, da er als Erster phonographische Aufnahmen in Spanien unternahm.[8]

Ebenso unentbehrlich sind die Forschungsergebnisse und Arbeiten Higini Anglès`, dem Schüler Felipe Pedrells, der an einem außergewöhnlichem Unternehmen beteiligt war, dem L`Obra del Canconer popular de Catalunya (1921-39), welches katalanische Volkslieder sammelte und systematisch zusammenstellte.[9]

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Spanien die musikwissenschaftliche Forschung, ebenso das Editionswesen und die Musikkritik. In musikalischer Hinsicht wurde die Zarzuela wiederentdeckt und innerhalb der symphonischen Musik herrschten die Symphonie, Ouvertüre und symphonische Dichtung vor. Die Kirchenmusik jedoch, befand sich im Verfall.

Außerdem entstand in Spanien Mitte des 19. Jahrhunderts eine Chormusik-Bewegung, die ausgehend von Barcelona, sich vor allen Dingen an französischen Vorbildern orientierte und sich besonders in schon industriell erschlossenen Gebieten schnell verbreitete (wobei hier im Zusammenhang mit der schnellen Verbreitung der Name Juan Tolosa genannt werden muss). Die von Josef Anselm Clavé gegründeten Chorvereine verbreiteten sich ausschließlich in Katalonien. Diesen Chorvereinen folgten seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Orfeons, gemischte Chorvereine die besonders in Navarra-Baskenland, Katalonien, Kastilien, Asturien und Andalusien gepflegt wurden. In Gebieten also, wo national-regionales Bewusstsein und eine reiche Volksmusiktradition aufeinandertreffen.[10]

[...]


[1] The New Grove Dictionary of Music & Musicians, Bd. 3, S. 925

[2] Ebda.

[3] Ebda.

[4] Typische Tanzlieder aus der Region Kastiliens. (The New Grove Dictionary of Music & Musicians, Bd. 17,

S. 146)

[5] J. Martí 1997, S.108.

[6] Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 8, S. 1656

[7] A. Reiff 1920/21, S.304

[8] K. Schindler 1941, S. 24

[9] J. Martí 1997, S. 111

[10] H. Anglès 1938, S. 341

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Felipe Pedrell und das Volkslied in Spanien
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Spanien/Portugal/Lateinamerika in der Musikforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V275375
ISBN (eBook)
9783656681298
ISBN (Buch)
9783656681267
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
felipe, pedrell, volkslied, spanien
Arbeit zitieren
Cornelia Friebe (Autor), 2007, Felipe Pedrell und das Volkslied in Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275375

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