Der Wandel im deutschen Parteiensystem ist ein Phänomen, welches sich anhand vielerlei Grafiken und Statistiken belegen lässt. War es nach Reichsgründung 1870/1871 zu Zeiten des Kaiserreiches und Weimarer Republik ein sehr flexibles und variables System mit geringer Konzentration, so änderte sich dies mit Zäsur der Nazi-Diktatur und dem Ende des II. Weltkrieges, der für Deutschland 1949 einen umfassenden Neuanfang einläutete. Schnell kristallisierte sich ein stark auf zwei Parteien konzentriertes System heraus, das bis in die späten Siebziger nur eine liberale Partei – diese fungierte die meiste Zeit als Mehrheitsbeschaffer - und komplementären Koalitionär zuließ. Das fast 30 Jahre starre und erfolgreiche System brach, mit Einzug der Grünen (in die ersten Landesparlamente), Anfang der 80 er Jahre, auf. Seit dem hat sich das Parteiensystem aus seiner „Lethargie“ gelöst und ein gewisses Maß an Flexibilität gewonnen. Mit der Wende kam eine zweite – kleinere – Zäsur, die die Partei „die Linke“ schließlich in den Bundestag führen sollte. Es schien alles auf eine weitere repräsentative Stärkung des Volkes Stimme mit Einzug weiterer „Splitterparteien“ hinauszulaufen.
Die Bundestagswahl 2013 jedoch zeigt, dass ein Automatismus in Richtung Erweiterung des Parteienspektrums im Bundestag nicht existiert. Ob dies aber gleichzeitig auf eine Konzentration von wenigen, großen Parteien hindeutet, ist ebenso ungewiss.
Die Untersuchungsmethode wird quantitativ geführt. Dabei dient die Datenerhebung der Analyse und Auswertung. Nach einer Begriffsdefinition zur Festlegung und einem Perspektivenwechsel beleuchte ich die historische Entwicklung des deutschen Parteiensystems mit abschließendem Ausblick auf eine weitere, mögliche Entwicklung und Tendenzen des sich stetig wandelnden deutschen Parteiensystems.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Parteiensystem
3 Das deutsche Parteiensystem im Wandel
3.1 Reichsgründung bis 1945
3.2 BRD - die Anfangsjahre 1945 – 1950
3.3 Konsolidierungsjahre 1950 – 1982
3.4 Pluralisierung 1982 – 2013
4 Tendenzen zur Parteienabnahme: Konzentrationsphase seit 2013?
5 Gründe für den Wandel
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist es, die historische Entwicklung und den Wandel des deutschen Parteiensystems von seinen Anfängen bis hin zur Bundestagswahl 2013 zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob eine kontinuierliche Pluralisierung stattfindet oder ob Anzeichen für eine Konzentrationsphase innerhalb des Parteienspektrums erkennbar sind.
- Historische Entwicklung des deutschen Parteiensystems seit der Reichsgründung
- Analyse des Fragmentierungsgrades und der Parteienlandschaft
- Untersuchung der Ursachen für den Wandel durch soziologische und institutionelle Ansätze
- Bewertung des Wählerverhaltens und der sinkenden Parteienbindung
- Diskussion über das Fortbestehen von Volksparteien
Auszug aus dem Buch
3 Das deutsche Parteiensystem im Wandel
Die Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1870/71 durch Zusammenschluss des Norddeutschen Bundes und der bis dahin souveränen süddeutschen Staaten Baden, Hessen, Württemberg und Bayern soll hier als historischer Einstiegspunkt gewählt werden, da ein deutlicher Wendepunkt in der deutschen Geschichte eintritt – die Vereinigung vieler bis dahin kleinen, souveränen Fürstentümer zu einer Einheit. Dies bedingt auch in jeglicher Hinsicht die Entstehung von Parteien und ihrer strukturellen Systematik. Ebenso bedeutend und einflussreich ist die Gründung der ersten deutschen demokratischen Partei – der sozialdemokratischen Partei Deutschlands – SPD. Gut erläutern lässt sich das Parteienspektrum auf kurze und angemessene Weise anhand des Konfliktlinientheorems unter zu Hilfenahme Lepsius´ Milieutheorie. Hierbei handelt es sich um eine Kategorisierung der gesellschaftlichen Kräfte in vier Gruppen: konservative, katholische, liberale und sozialdemokratische Kräfte, die von politischen Gruppierungen repräsentiert wurden. Schwieriger zu beurteilen ist die Situation des strukturellen Aufbaus der Parteien.
Im zu Ende gehenden Kaiserreich, dessen Prozess sich mit dem Ende des I. Weltkrieges deckt und im Versailler Vertrag bestimmt wurde, beginnt mit der Weimarer Reichsverfassung für kurze Zeit ein liberaler Zeitgeist – für damalige Verhältnisse – in Deutschland zu wehen. Diese Phase endet schnell mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Nazi-Regime von 1933 – 1945. Geschuldet ist diese äußerst kurze Episode in die deutsche Demokratie dem sozialen und besonders ökonomischen Umfeld der 20er Jahre, welche in einer Phase der Hyperinflation und hohen Arbeitslosigkeit mündete. Hitler nutzt diese schwierigen Zeiten, bringt die NSDAP an die Macht und führt NAZI-Deutschland in den II. Weltkrieg, der für Deutschland in einer Gesamtkatastrophe endet und die Teilung Deutschlands für 40 Jahre besiegelt. Diese historischen Aspekte beeinflussen das deutsche Parteiensystem in der Folgezeit in erheblichem Ausmaße und stellen einen massiven Einschnitt in die Parteienlandschaft Nachkriegsdeutschlands dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Wandel des deutschen Parteiensystems und definiert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Parteiensystem: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Parteiensystem-Begriffs anhand politikwissenschaftlicher Definitionen.
3 Das deutsche Parteiensystem im Wandel: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung des Systems von der Reichsgründung bis zum Jahr 2013.
4 Tendenzen zur Parteienabnahme: Konzentrationsphase seit 2013?: Hier wird die Entwicklung der Parteienlandschaft nach der Bundestagswahl 2009 und das Phänomen sinkender Mitgliederzahlen untersucht.
5 Gründe für den Wandel: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Erklärungsmodelle für den Wandel, wie soziologische Konfliktlinien und institutionelle Rahmenbedingungen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Parteiensystems.
Schlüsselwörter
Parteiensystem, Bundestagswahl, Wandel, Pluralisierung, Konzentration, Volksparteien, Fragmentierungsgrad, Konfliktlinien, Parteienbindung, FDP, SPD, CDU, Wahlsystem, politische Partizipation, Mitgliederzahlen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel und die strukturelle Entwicklung des deutschen Parteiensystems von der Reichsgründung bis zur Bundestagswahl 2013.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Genese, der Fragmentierungsgrad des Parlaments, die Entwicklung der Volksparteien sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher und institutioneller Faktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob sich das deutsche Parteiensystem in einer Phase der anhaltenden Pluralisierung befindet oder ob Anzeichen für eine Konzentration auf wenige große Parteien bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchungsmethode ist quantitativ orientiert, wobei Daten aus Wahlen und Mitgliederstatistiken für die Analyse ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Epochen, eine Untersuchung der Tendenzen seit 2013 sowie eine Erörterung der Ursachen für den Wandel durch wissenschaftliche Erklärungsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Parteiensystem, Pluralisierung, Fragmentierung, Volksparteien, Parteienbindung und politische Konfliktlinien.
Wie bewertet der Autor die Situation der FDP nach 2013?
Der Autor analysiert den erstmaligen Auszug der FDP aus dem Bundestag als signifikantes Ereignis und beleuchtet die damit verbundenen Verluste bei Landtagswahlen.
Welchen Einfluss haben historische Zäsuren auf das System?
Historische Zäsuren wie die beiden Weltkriege haben laut Autor tiefe Einschnitte in der Parteienlandschaft verursacht und als Katalysatoren für strukturelle Veränderungen gewirkt.
- Arbeit zitieren
- M.A. Gerrit Achenbach (Autor:in), 2014, Der Wandel des deutschen Parteiensystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275401