Die Unterschiedlichsten Fallbeispiele von Patienten mit Dissoziativer Identitätsstörung zeigen, wie extrem sich die Abspaltungen mit der Zeit voneinander unterscheiden. Sie führen mehr und mehr ein Eigenleben, entwickeln unterschiedliche Charakterzüge, Vorlieben, haben andere Freunde und Hobbys. Wenn diese schließlich doch als Personen anzusehen sind, welche Bedeutung hätte für sie dann eine Heilung von der Krankheit? Wie so oft in der Debatte um den Person-Begriff stellt sich auch hier die Frage: Wo fängt "Person sein" an und wo hört es auf?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dissoziative Identitätsstörung
2.1. Der Fall Christine Beauchamp
3. Multiple Persönlichkeiten und Person-Begriffe
3.1. Person-Begriff in der Psychologie
3.2. Person-Begriff in der Philosophie
3.2.1. Die Person bei Locke
3.2.2. Die Person bei Singer
4. Heilung durch Therapie
4.1. Folgen für die Personen
5. Fazit
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Fragestellung, ob die therapeutische Heilung einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) moralisch mit der Tötung der abgespaltenen Persönlichkeiten gleichzusetzen ist. Im Zentrum steht dabei die Analyse, ob die verschiedenen Teilpersonen eines DIS-Patienten als eigenständige Personen im philosophischen Sinne zu definieren sind.
- Phänomenologie der Dissoziativen Identitätsstörung anhand historischer Fallbeispiele
- Vergleichende Analyse des Person-Begriffs in Psychologie und Philosophie
- Diskussion der Definition von Person nach John Locke und Peter Singer
- Ethische Bewertung von therapeutischen Integrationsmaßnahmen und deren Folgen für die Teilpersonen
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Fall Christine Beauchamp
In der Fachliteratur, aber auch in der Gesellschaft sind im Laufe der Zeit verschiedenen Fälle multipler Persönlichkeiten bekannt geworden. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich die fiktive Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
1906 berichtete der Neurologe Morton Prince in seinem Buch „Dissociation of a Personality“ über den Fall der Christine Beauchamp. Anhand dieses Fallbeispiels, soll nun näher Bezug auf die verschiedenen Personen und deren mögliche Entwicklung im Laufe einer Therapie genommen werden.
Die Patientin Christine Beauchamp litt bereits in jungen Jahren unter Kopfscherzen, Schlafstörungen, Tagträumen und Halluzinationen. Als Kind wurde sie von ihrem Vater missbraucht und von der Mutter vernachlässigt. Eine Vergangenheit, die wie bereits erwähnt, typisch für multiple Persönlichkeiten ist. Mit 23 Jahren sucht sie schließlich den Neurologen Dr. Morton Prince auf, der ihren Fall studiert und sie zudem heilen möchte. Unter Hypnose traten mit der Zeit drei verschiedene Personen auf: Sally „der Teufel“, „die Frau“ und „die wahre Christine Beauchamp“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Krankheitsbild der Dissoziativen Identitätsstörung und Formulierung der ethischen Leitfrage bezüglich des Status der abgespaltenen Identitäten.
2. Dissoziative Identitätsstörung: Erläuterung der Entstehungsgeschichte und psychologischen Hintergründe der DIS als Überlebensstrategie des Geistes.
2.1. Der Fall Christine Beauchamp: Detaillierte Darstellung eines historischen Fallbeispiels zur Veranschaulichung der multiplen Persönlichkeitsstrukturen und deren Entwicklung unter Therapie.
3. Multiple Persönlichkeiten und Person-Begriffe: Einordnung der psychologischen und philosophischen Begriffsbestimmungen von "Person" im Kontext der multiplen Identitäten.
3.1. Person-Begriff in der Psychologie: Abgrenzung des psychologischen Person-Begriffs von der reinen Persönlichkeitsforschung.
3.2. Person-Begriff in der Philosophie: Untersuchung der verschiedenen philosophischen Herangehensweisen an das Person-Sein von der Antike bis in die Neuzeit.
3.2.1. Die Person bei Locke: Analyse von John Lockes Person-Definition, die Identität primär über das Bewusstsein und die zeitliche Kontinuität definiert.
3.2.2. Die Person bei Singer: Diskussion von Peter Singers utilitaristischem Person-Begriff und dessen Bedeutung für den Wert des Lebens.
4. Heilung durch Therapie: Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen wie der Integration oder Fusion von Persönlichkeiten.
4.1. Folgen für die Personen: Analyse des potenziellen Existenzverlusts der Teilpersonen als Folge erfolgreicher Therapieinterventionen.
5. Fazit: Zusammenfassende ethische Beurteilung, dass die Auslöschung einer Person durch Integration moralisch bedenklich sein kann.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Dissoziative Identitätsstörung, Multiple Persönlichkeit, Person-Begriff, John Locke, Peter Singer, Integration, Fusion, Ethik, Bewusstsein, Identität, therapeutische Heilung, Trauma, Existenzverlust, Teilperson, Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Problematik, ob die Heilung einer Dissoziativen Identitätsstörung durch die Integration abgespaltener Identitäten als Tötung der betroffenen Teilpersonen gewertet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die psychologischen Grundlagen der DIS, die philosophische Definition des Begriffs „Person“ und die ethische Bewertung therapeutischer Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Teilpersonen eines DIS-Patienten als eigenständige, schützenswerte Personen angesehen werden können und welche moralischen Konsequenzen dies für eine Therapie hätte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie Fallstudien (insb. Christine Beauchamp) mit philosophischen Definitionen von John Locke und Peter Singer vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Person-Begriff, stellt den Fall Christine Beauchamp vor und diskutiert die therapeutischen Ziele der Integration sowie die damit verbundenen moralischen Konflikte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Dissoziative Identitätsstörung, Person-Begriff, Identität, Integration, Existenzverlust und Ethik.
Inwiefern spielt der Fall Christine Beauchamp eine Rolle?
Er dient als konkretes Fallbeispiel, an dem die Herausbildung multipler Persönlichkeiten, deren Co-Existenz und das problematische therapeutische Ziel der Verdrängung dieser Persönlichkeiten durch Dr. Morton Prince verdeutlicht wird.
Was bedeutet die "Integration" im therapeutischen Sinne laut der Arbeit?
Integration beschreibt den Prozess, in dem abgespaltene Persönlichkeitsanteile wieder zu einer Gesamtheit verschmolzen werden, was jedoch den Verlust der individuellen Existenz der Teilpersonen bedeuten kann.
Warum ist das "Testament" von Sally im Fall Beauchamp relevant?
Das Testament deutet darauf hin, dass die Teilperson Sally sich ihrer bevorstehenden Auslöschung bewusst war, was ihre Identität als eigenständige Person untermauert und das therapeutische Vorgehen moralisch in Frage stellt.
Welche Position vertritt die Autorin bezüglich der Heilung?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der philosophischen Definitionen von Locke und Singer, bei denen die Person an das Bewusstsein und die individuelle Biografie geknüpft ist, die therapeutische Auslöschung einer solchen Person als moralisch bedenklich eingestuft werden muss.
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- Teresia Minjoli (Author), 2013, Heilung oder Tötung? Die Person im Blickfeld der Dissoziativen Identitätsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275476