Merkmale guten Sportunterrichts. Anwendung von Gütekriterien


Praktikumsbericht / -arbeit, 2012

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gütekriterien des Sportunterrichts
2.1 Strukturierung des Unterrichts
2.2 Optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit
2.3. Lange motorische Aktivitäten
2.4 Methodenvielfalt
2.5 Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen
2.6 Förderliches Unterrichtsklima
2.7 Sinnstiftendes Unterrichtsgespräch
2.8 Bewusstes Fördern und Üben
2.9 Schülerfeedback
2.10 Klare Leistungserwartungen und Kontrollen

3. Die Anwendung der Gütekriterien auf die Unterrichtsstunde vom 16.12.11
3.1 Klare Strukturierung der Unterrichtsstunde „Schlagball“
3.2 Optimale Zeitnutzung der Unterrichtsstunde
3.3 Lange motorische Aktivitäten der Schülerinnen
3.4. Angewandte Vielfalt der Methoden
3.5 Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidung in der analysierten Sportstunde
3.6 Förderliches Unterrichtsklima während meiner Unterrichsstunde
3.7 Sinnstiftende Unterrichtsgespräche
3.8 Bewusstes Fördern und Üben in Gruppen bzw. individuell
3.9 Schüler-Feedback innerhalb meiner Sportstunde
3.10 Klare Leistungserwartungen ohne Benotungskontrolle in diesem Sportunterricht

4. Reflexion der Unterrichtsstunde vom 21.06.12

5. Kritische Betrachtung der Gütekriterien

Literatur Anhang

1. Einleitung

Anfang der 80er Jahre lag in der Sportdidaktik eine sehr einseitige Sportorientierung vor, die sich nur sehr wenig mit pädagogisch relevanten Fragestellungen beschäftigte. Dieses Konzept wird auch die pragmatische Sportdidaktik genannt.1 Dieses Konzept geriet unter den nächsten Jahren immer mehr unter Kritik, welches unter Dieter Lenzens verstärkt wurde, der die Berechtigung des Schulfaches Sport anzweifelte. Dieses führte zu einer großen Diskussion und Infragestellung des damaligen Konzeptes des Sportunterrichts. Dadurch, dass die Kritik immer mehr an dem pragmatischen Konzept zunahm, kam es zu einer Umgestaltung des bisher vorherrschenden Models.2

Ende der 90er Jahre entwickelte sich das vorangegangene Konzept in den erziehenden Sportunterrichts.

Unter einem erziehenden Unterricht versteht man einen sogenannten Doppelauftrag des Sportunterrichts, der eine Erziehung zum Sport und eine Erziehung durch Sport gewährleisten.

In diesem Zusammenhang stellt sich also die zentrale Frage im schulischen Alltag, was denn überhaupt guter Sportunterricht ist. Hierzu dienen sog. Gütekriterien, die sich auf den praktischen Unterricht anwenden lassen und so Auskunft über die Qualität des tatsächlich erfolgten Unterricht geben können.

In seiner Begrifflichkeit ist der Sportunterricht sehr komplex und fordert daher zur Bildung von Kriterien heraus. Diese Kriterien wiederum dienen der Zergliederung in die Merkmale guten Unterrichts. In diesem Zusammenhang ist der Entwurf von Gütekriterien eine Möglichkeit den Begriff „guter zielführender Sportunterricht“ aus der individuellen in eine verbindliche Erklärung zu überführen. Guter Sportunterricht lässt sich nicht davon messen, dass alle Kriterien zu jeder Zeit, in jeder Stunde vollständig erreicht werden. Dabei kann es sich auch dann um einen „guten Sportunterricht“ handeln, wenn einzelne Kriterien im Unterrichtsgeschehen vernachlässigt wurden. Auch darf man nicht die individuelle Betrachtungsweise isoliert sehen, sondern auch die Aspekte betrachten wie die Lehrerpersönlichkeit und Schülerzusammensetzung, die Auswirkungen auf die Gütekriterien haben.

Die Auswahl der Inhalte des Sportunterrichts und ihre Umsetzung zu gutem Sportunterricht, also Gütekriterien, führt nicht zum entwicklungsförderlichen und bildungsrelevanten Ergebnisses, sondern die Art der didaktischen Thematisierung. Es stellt sich also die Frage:

Was ist guter Sportunterricht? Und welche Normen und Qualitätsmerkmale sind wichtig für den Sportunterricht?

Die vorliegende Ausarbeitung basiert auf den Erfahrungen meines Sportfachpraktikums an einer Grundschule mit einer 4 Klasse. Ziel dieser Arbeit ist es eine der in der Literatur gebildeten Gütekriterien, die von mir ausgewählt und zu Beginn vorgestellt werden, darzustellen. Die Kriterien wurden beachtet bei dem entwerfen meiner Unterrichtsstunde und wurden anhand dessen analysiert und bewertet.

2. Gütekriterien des Sportunterrichts

Fortlaufend wird im Text betrachtet, wie ein möglichst guter Sportunterricht gestaltet werden kann. Ausgangspunkt für diesen Unterricht ist die Entwicklungsförderung der Schülerinnen und Schüler3, um eine Verbesserung von Bewegung, Spiel und Sport zu erreichen. Daneben gelten als „unverzichtbare Qualitätsmerkmale für den Sportunterricht […] lernen, leisten und reflektieren“4.

Die Schüler stehen, wie auch in den kognitiv-orientierten Schulfächern, auch hier im Mittelpunkt der pädagogisch-didaktischen Überlegungen. Um diesem Ansatz eine nachvollziehbare Struktur zu geben, entwickelte Gebken eine Auflistung von Merkmalen guten Unterrichts, die er wie folgt benennt:

- „Strukturiertheit,
- Optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit,
- Lange Einbindung der SchülerInnen,
- Methodenvielfalt,
- Stimmigkeit der Ziele, Inhalte und Methoden,
- Unterrichtsklima,
- Sinnstiftende Unterrichtsgespräche,
- Förderhaltung,
- Schüler-Feedback,
- Leistungserwartungen und -kontrollen.“5

Dieser Ansatz berücksichtigt vor allem die Ergebnisse von Studien u.a. Balz (2000); Kurz (2000); König/ Zentgraf (1997) die Merkmale herausarbeiteten, die sich in Klassen mit dauerhaft hohen Lernerfolgen gezeigt hatten. Zwar beziehen sich die Studien auf kognitive Kompetenz, lassen sich aber als fächerübergreifende Ergebnisse auch auf den Sportunterricht übertragen.

Der Schritt vom Merkmal zum Gütekriterium setzt voraus, dass empirisch abgesicherte

Ergebnisse in didaktische Vorschläge entwickelt werden. Dementsprechend findet einee Umwandlung des Merkmals zum Gütekriterium statt. Zur Verdeutlichung wird im Folgenden die Definition der Gütekrierien nach Gebken herangezogen: „Gütekriterien des Unterrichts sind von Wissenschaftlerinnen definierte und empirisch abgesicherte Maßstäbe zur Beurteilung der Unterrichtsqualität.“6

Die von Gebken, unter den beschriebenen Voraussetzung, entwickelten Gütekriterien gliedern sich in zehn Bestandteile. Diesen Gütekriterien zur Folge sind Vorrausetzung für einen guten Sportunterricht:

1. „Klare Strukturierung des Unterrichts,
2. Optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit,
3. Lange motorische Aktivitäten,
4. Methodenvielfalt,
5. Stimmigeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen,
6. Förderliches Unterrichtsklima,
7. Sinnstiftende Unterrichtsgespräche,
8. Bewusstes Fördern und Üben,
9. Schüler-Feedback,
10. Klare Leistungserwartungen und -kontrollen“7.

2.1 Strukturierung des Unterrichts

Unter der Strukturierung des Unterrichts wird verstanden, dass der angestrebte Stundenverlauf in einem sinnvollen Zusammenhang steht, so dass Unterrichtsinhalt und Aufgabenstellungen eine nachvollziehbare Linie verfolgen. Dabei tragen die Klarheit der Lehrersprache, sowie plausible Untergliederungen der Unterrichtsstunde und - einheit zur Nachvollziehbarkeit bei.8

2.2. Optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit

Die begrenzte Unterrichtszeit erfordert eine straffe Planung bei der insbesondere alle organisatorischen Materialien (Bälle, Geräte etc.) vollständig vorhanden, problemlos zugängig und zeitnah einsatzfähig sind. Im Sportunterricht ist zu überprüfen wie Wartezeiten an Geräten oder Diskussionen bei selbstständigen Gruppenbildungen vermieden werden können.9 Eine straffe Führung setzt auch einen pünktlichen Unterrichtsbeginn voraus, insbesondere durch klare Zeitangaben für das Anziehen der Sportkleidung.

2.3. Lange motorische Aktivitäten

Der Sportunterricht hat zum Ziel die effektive Bewegungszeit einer Schülerin und eines Schülers zu optimieren. Die Bewegungsdichte und motorische Leistungsfähigkeit, also die körperliche Bewegung, stehen bei diesem Unterricht im Zentrum. Zwischen der optimalen Zeitnutzung und der motorischen Aktivität besteht ein enger Zusammengang. In einer optimalen genutzten Unterrichtsstunde wird im Regelfall auch der zeitliche Rahmen für motorische Aktivitäten angemessen vorhanden sein. Dabei sollten notwendige Theoriephasen nicht ausgeklammert werden, sondern als sinnvolle Erholungszeit in die Stunde integriert werden.10

2.4 Methodenvielfalt

Es sind empirische Belege vorhanden, die dem Mix aus unterschiedlichen Sozialformen der Vermittlung wie z.B. Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, die bessere Lernwirkungen zuschreiben.11 Weitere Untersuchungen für den Sportunterricht in Bezug auf der Methodenvielfalt liegen nicht vor.

2.5 Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen

Der sich primär aus dem Curriculum entwickelnde Inhalt steht in Wechselwirkung mit dem angestrebten Ziel, woraus sich Methodenentscheidungen ergeben. Die Kunst der Lehrerin und des Lehrers liegt in der gelungenden Auswahl der Methoden, die ziel- und inhaltorientiert die gemeinsame Erarbeitung ermöglichen.12

[...]


1 vgl. Thiele, 2001, S. 44

2 vgl. ebd.

3 Der Übersichtlichkeit bzw. Einfachheit wird in der Folgenden Arbeit Schüler und Schülerinnen abgekürzt durch Schüler

4 Wolters; Klinge; Klupsch-Sahlmann & Sinning (2009), Was ist nach unseren Vorstellungen guter Sportunterricht, S.67

5 Gebken (2003), Gütekriterien des Sportunterricht, S. 2

6 ebd.. S. 3

7 ebd.. S. 3

8 vgl. Brophy, 2002, S.8 in Gebken (2003), S. 3

9 vgl. Gebken (2003), Gütekriterien des Sportunterrichts, S. 4

10 vgl. Reckermann (2004). Zehn Merkmale guten Sportunnterichts, S.2

11 vgl. Weinert/ Helmke, 1998, S. 249 in Gebken (2003), Gütekriterien des Sportunterrichts, S. 4

12 vgl. Gebken, Gütekriterien des Sportunterrichts 2003, S. 4

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Merkmale guten Sportunterrichts. Anwendung von Gütekriterien
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Sportwissenschaft und Sportpädagogik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V275548
ISBN (eBook)
9783656685517
ISBN (Buch)
9783656685500
Dateigröße
1234 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
merkmale, sportunterrichts, anwendung, gütekriterien
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts (B.A.) Tobias Zapf (Autor), 2012, Merkmale guten Sportunterrichts. Anwendung von Gütekriterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275548

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