Schon während ihrer Ausbildung fielen der Autorin in den Lehrbüchern Frankls die vielen Fallbeispiele und Zitate auf, die er einerseits seinen Patienten als Intervention erzählte und die andererseits dem Leser die Lehrinhalte veranschaulichten. Heute ist das Storytelling ein wichtiges Element des psychotherapeutischen Arbeitsalltages.
Mit der vorliegenden Arbeit werden die Erfahrungen der Autorin in einem Konzept und als Idee einer Interventionstechnik vorgestellt.
Das „logotherapeutische Storytelling“, so die Idee, steht jedem Therapeuten zur Erweiterung seines Methodenrepertoires zur Verfügung.
Aus dem Inhalt:
- Erzählschemata.
- Die therapeutische Geschichte.
- Die Prozedur der Narration.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT/IDEE ZUR ARBEIT
2. DEFINITIONEN UND ANWENDUNG
2.1 Storytelling
2.2 Narration
2.3 Narratologie
2.4 Implizites Wissen
2.5 Bildung
2.6 Logotherapie und Existenzanalyse
2.7 Begriffssystematisierung
3. DAS STORYTELLING
3.1 Historischer Rückblick
3.2 Erzählschemata
3.2.1 Romanze
3.2.2 Die Tragödie
3.2.3 Die klassische Komödie
3.2.4 Die Satire
3.3. Literaturgattungen
3.3.1 Das Märchen
3.3.2 Die Fabel
3.3.3 Metapher
3.3.4 Das Symbol
3.4 Die Prozedur der Narration
4. DIE THERAPEUTISCHE GESCHICHTE
4.1 Definition und Anwendung
4.2 Entstehung und Entwicklungsgeschichte
4.2.1 Schlussfolgerung
4.3 Beziehungsstrukturen im Prozess der Therapeutischen Geschichte
4.3.1 Basale Beziehungsprozeduren
4.4 Anwendungsbereiche von therapeutischen Geschichten
4.5 Ziel / Funktion der therapeutischen Geschichte
5. LOGOTHERAPIE UND EXISTENZANALYSE
5.1 Allgemeines
5.2 Begriffserklärung im Speziellen
5.2.1 Die Dereflexion
5.2.2 Paradoxe Intention
5.2.3 Einstellungsänderung / Einstellungsmodulation
5.2.4 Die Existenzielle Bilanz
5.2.5 Das Sinnwahrnehmungstraining
5.2.6 Der Sokratischer Dialog
5.2.7 Der phantastische Dialog
5.3 Literaturrecherche zum Thema
5.3.1 Bibliotherapie
5.3.2 Fallgeschichten
5.3.3 Narrative Logotherapie
5.3.4 Werteimagination nach Böschemeyer
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Storytelling als fundierte Interventionstechnik innerhalb der Logotherapie zu etablieren, indem das Erzählen von Geschichten als Methode zur Förderung von Sinnfindung und persönlicher Neuorientierung theoretisch begründet und praktisch aufbereitet wird.
- Grundlagen des Storytellings und der Narratologie
- Strukturelle Analyse therapeutischer Geschichten
- Verbindung von logotherapeutischen Prinzipien mit Erzählmethoden
- Methoden der therapeutischen Intervention (z. B. Dereflexion, Paradoxe Intention)
- Praktische Anwendungsbeispiele und Fallorientierung
Auszug aus dem Buch
Die paradoxe Intention
Die paradoxe Intention soll, wie auch bei allen anderen psychotherapeutischen Techniken, erst dann durchgeführt werden, wenn zwischen dem Patienten und dem Therapeuten eine stabile therapeutische Arbeitsbeziehung hergestellt ist. Entwickelt Frankl 1929, erstmals publiziert 1938. Der Patient lernt unter Anleitung des Arztes oder Therapeuten, Angst- und Zwangsgedanken durch Selbstdistanzierung und Ironisierung zu überwinden und dadurch den Kreislauf von Symptom und Symptomverstärkung zu unterbrechen.
Die Person wird angeleitet sich paradoxerweise gerade das Gefühl, wovor sie sich fürchtet, zu wünschen. Die Konfrontation soll möglichst übertrieben, absichtlich gesteigert und humorvoll spielerisch ausgestaltet werden damit es zur gelungenen, starken und stabilen Selbstdistanzierung und zur Unterbrechung des neurotischen Vermeidungsverhaltens kommen kann (Symptom, Erwartungs-angst, Hyperreflexion, Symptomverstärkung).
Eingebettet im therapeutischen Rahmen erfährt der Patient den gelungenen Ausgang, das Durchleben seiner Ängste ohne, dass das Befürchtete eintritt oder, dass die gefürchteten Konsequenzen eintreten oder, dass das Einlassen, der Kontrollverlust nicht das befürchtete Ende bedeutet. „Das Spielen“ (also das konsequente „Zuendedenken“ beendet die Chronifizierung) mit sich selbst, entmachtet die Angst, stärkt das Grundvertrauen zur Welt, das Selbstvertrauen an sich und führt zu einem Zulassen der eigenen Grenzen und Möglichkeiten. (Längle, 2000)
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT/IDEE ZUR ARBEIT: Die Autorin erläutert ihre persönliche Motivation und die Entstehungsgeschichte ihres Konzepts, das Storytelling als festes Element in den logotherapeutischen Alltag zu integrieren.
2. DEFINITIONEN UND ANWENDUNG: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Begrifflichkeiten rund um Storytelling, Narration, implizites Wissen und den Bildungsbegriff im Kontext der Logotherapie.
3. DAS STORYTELLING: Es erfolgt ein historischer Rückblick sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Erzählschemata und literarischen Gattungen, die als Basis für therapeutische Geschichten dienen.
4. DIE THERAPEUTISCHE GESCHICHTE: Hier wird der spezifisch therapeutische Einsatz von Geschichten definiert und die Entstehung sowie die beziehungsbildende Funktion im therapeutischen Prozess erörtert.
5. LOGOTHERAPIE UND EXISTENZANALYSE: Das Kapitel verknüpft die Grundlagen der Logotherapie nach Viktor Frankl mit konkreten Methoden wie der Dereflexion oder dem Sokratischen Dialog und deren Anwendungsmöglichkeiten.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Die Autorin fasst die zentralen Erkenntnisse ihrer Arbeit zusammen und betont das Potenzial des Storytellings als einheitlichen, dreiphasigen Prozess für die psychotherapeutische Arbeit.
Schlüsselwörter
Logotherapie, Existenzanalyse, Storytelling, therapeutische Geschichte, Narration, Metapher, Sinnfindung, Selbstdistanzierung, Selbsttranszendenz, implizites Wissen, Interventionstechnik, paradoxe Intention, Dereflexion, Werteimagination, Identitätsfindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Geschichten (Storytelling) als therapeutisches Instrument, um Klienten bei der Sinnsuche und der Bewältigung psychischer Belastungen zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Verknüpfung von narrativen Methoden mit der Logotherapie und Existenzanalyse sowie die Analyse von Wirkmechanismen therapeutischer Geschichten auf den menschlichen Geist.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Vorstellung eines fundierten Konzepts für das "logotherapeutische Storytelling", das Therapeuten ein strukturiertes Methodenrepertoire zur gezielten Intervention an die Hand gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturrecherche und die Integration psychologischer sowie neurobiologischer Erkenntnisse zur Wirkung von Metaphern und narrativen Prozessen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Begrifflichkeiten definiert, die historische Entwicklung von Erzählmustern analysiert und spezifische logotherapeutische Interventionstechniken detailliert erläutert und auf ihre Anwendung hin geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Logotherapie, Storytelling, Sinnfindung, Narratologie, therapeutische Metaphern und Existenzanalyse.
Was unterscheidet das "logotherapeutische Storytelling" von anderen Ansätzen?
Es unterscheidet sich dadurch, dass es individuell auf den Klienten zugeschnitten ist und den Prozess in eine Eingangs-, Kreativ- und Therapiephase gliedert, um direkt auf die geistige Dimension und Sinnorientierung einzuwirken.
Wie kann eine "lebendige Metapher" therapeutisch wirken?
Sie wirkt, indem die therapeutische Botschaft durch die Verknüpfung mit einer realen Aktivität physisch verankert wird, wodurch ein direkter Transfer vom Erzählten in das tägliche Leben des Klienten stattfindet.
Welche Rolle spielt das "Sinnwahrnehmungstraining"?
Es dient als konkretes, fünfstufiges Werkzeug, um Patienten zu helfen, in schwierigen Lebenssituationen die für sie sinnvollste Entscheidungsmöglichkeit aus einer Vielzahl von Optionen zu identifizieren.
Warum wird die "paradoxe Intention" als Technik verwendet?
Sie dient dazu, den Kreislauf von Symptom und Symptomverstärkung durch bewusste Ironisierung und Selbstdistanzierung zu durchbrechen und so die Angst zu entmachten.
- Arbeit zitieren
- Magistra Beate Pottmann-Knapp (Autor:in), 2006, Storytelling in der Logotherapie. Eine theoretische Einführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275597