Das Ziel von Erziehung ist die Mündigkeit eines Menschen, welches man nur durch einen emanzipatorischen Erziehungsstil erreicht. Emanzipatorische Erziehung soll zur Selbstbestimmung befreien (vgl. Roth, 1971). In der partizipatorischen Erziehung lassen die ErzieherInnen mehr Spielraum für selbständiges Entscheiden und Handeln zu, sie respektieren das kindliche Bedürfnis, „etwas selbst tun“ zu dürfen. Die demokratische Kooperation soll den Willen zeigen, die Kinder an Entscheidungs- und Lernprozessen zu beteiligen und Konflikte auf demokratische Weise zu regeln. Offene Diskussionen mit vernünftigen Argumenten, auch Appelle an das Gewissen fördern das schöpferische und problemorientierte Lösungsdenken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Pädagogische Perspektiven der partizipatorischen Erziehung
2. Wegbereiter praktizierter Demokratie mit Kindern
2.1 Rousseau, Pestalozzi und Fröbel
2.2 Montessori, Korczak und Freinet
2.3 Summerhill und Neill
2.4 Elterninitiativen, Reggio und Antipädagogik
3. Ansprüche der aktuellen Elementarpädagogik
3.1 Veränderte Kindheit
3.2 Ideen, Konzepte und Ansprüche aus praxisorientierter Literatur
3.3 Forderungen des Partizipationsgedankens im Situationsansatz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten partizipatorischer Erziehung im Elementarbereich. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder durch demokratische Mitbestimmungsprozesse in Kindertageseinrichtungen zu einer eigenverantwortlichen und mündigen Persönlichkeit befähigt werden können, wobei die Herausforderungen der veränderten Kindheit eine zentrale Rolle spielen.
- Historische Entwicklungslinien der partizipatorischen Erziehung (von Rousseau bis zur Reformpädagogik)
- Analyse aktueller gesellschaftlicher Sozialisationsbedingungen und deren Einfluss auf Kinder
- Vergleich verschiedener Konzepte wie Reggio-Pädagogik, Elterninitiativen und Situationsansatz
- Die Rolle der ErzieherInnen bei der Gestaltung von Partizipationsmöglichkeiten und Machtabgabe
Auszug aus dem Buch
2.2 Montessori, Korczak und Freinet
Auch Maria Montessori geht von ähnlichen Erwägungen aus wie Ellen Key. Sie lehnt obligatorisch den Machtanspruch von Erwachsenen gegenüber Kindern ab und fordert die Anerkennung der sozialen Rechte des Kindes, um der „Erstarrung“ der gesamten Gesellschaft entgegenzuwirken. Sie schreibt: die Kinder „haben die Möglichkeit, sich zusammenzuschließen und damit praktisch einen Einfluß auf das soziale Leben auszuüben“ (Montessori, 1952 S. 300).
Um etwa die gleiche Zeit wie Montessori wirkten Freinet, Neill und etwas früher Korczak, die die Mitbestimmung der Kinder konkret umsetzten.
Freinet wollte als Reformpädagoge Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts die Schule radikal verändern. Als „Pädagogik des Volkes“ wollte die „Moderne Schule“ Partei ergreifen für die Kinder der Unterprivilegierten und sich für emanzipatorische Ziele einsetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Pädagogische Perspektiven der partizipatorischen Erziehung: Die Einleitung definiert Erziehung als Enkulturationshilfe und begründet die Bedeutung eines emanzipatorischen Erziehungsstils für die Mündigkeit und demokratische Teilhabe von Kindern.
2. Wegbereiter praktizierter Demokratie mit Kindern: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung pädagogischer Modelle nach, die Mitbestimmung und kindorientierte Erziehung fördern, von frühen Reformpädagogen bis hin zur Reggio-Pädagogik und Antipädagogik.
3. Ansprüche der aktuellen Elementarpädagogik: Das Kapitel befasst sich mit den modernen Herausforderungen der Kindheit, analysiert praxisorientierte Konzepte und diskutiert die Forderungen des Partizipationsgedankens innerhalb des Situationsansatzes.
Schlüsselwörter
Partizipation, Elementarpädagogik, Mitbestimmung, Demokratieerziehung, Reformpädagogik, Situationsansatz, Kindheit, Emanzipation, Autonomie, Selbstbestimmung, ErzieherInnenrolle, Sozialisation, Reggio-Pädagogik, Machtmonopol, Wertebildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und der praktischen Anwendung von Partizipation und Mitbestimmung von Kindern im Kontext der Elementarpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören historische Wegbereiter demokratischer Pädagogik, die veränderte Lebenssituation heutiger Kinder sowie verschiedene pädagogische Ansätze, die Partizipation fördern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder durch eine demokratisch gestaltete Erziehung in die Lage versetzt werden, ihr Leben autonom und kompetent zu bewältigen und sich als mündige Akteure in der Gesellschaft zu begreifen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse, um verschiedene pädagogische Konzepte und aktuelle Fachartikel auszuwerten und in Bezug zur heutigen Kindergartenpraxis zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Vordenker, eine Darstellung aktueller Sozialisationsbedingungen von Kindern (wie Medienkonsum oder Zeitdruck) und eine kritische Auseinandersetzung mit der Umsetzung von Partizipation im Kindergartenalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Partizipation, Selbstbestimmung, Demokratieerziehung und den Situationsansatz definiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der ErzieherInnen?
Die ErzieherInnen werden als zentrale Schlüsselfiguren gesehen, die durch eine bewusste Abgabe von Macht und die Förderung von Dialogen Kindern ermöglichen, eigene Regeln und Lösungen für ihr Zusammenleben zu finden.
Welche Rolle spielt der Situationsansatz?
Der Situationsansatz dient als zentrales pädagogisches Konzept, das eine lebensnahe Planung anstrebt, bei der Kinder als aktive Teilnehmende an der Gestaltung ihres Alltags und ihrer Lernumgebung beteiligt werden.
- Arbeit zitieren
- Oberstudienrätin Ines Leyens (Autor:in), 2002, Pädagogische Perspektiven partizipatorischer Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275659