„Beständigkeit und Reform“. Die SPD während der Novemberrevolution 1918


Hausarbeit, 2013
10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Regierungsbeteiligung der MSPD
2.2 Die revolutionären Anfänge und die Reaktion der MSPD
2.3 Die Ausrufung(en) der Republik
2.4 Die USPD in der ersten Phase der Novemberrevolution
2.5 Der Rat der Volksbeauftragten

3. Resümee

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frage nach Beständigkeit oder Reform verdeutlicht die beiden konträren Aspekte der sozialdemokratischen Taktik bei der Einnahme von Machtpositionen im Staat und in der Gesellschaft im Zeitraum während und auch vor der deutschen Revolution von 1918. Wie gestaltete sich der Weg zur Übernahme von politischer Macht? Und welche Folgen hat das Verhältnis von Ideologie und der politischen Praxis in der deutschen Sozialdemokratie in der Vorkriegs- und Kriegszeit auf das politische Handeln der MSPD speziell während der Novemberrevolution und nach dem Krieg? Hierbei muss man die Verhältnisse am Ende des Krieges betrachten und gleichzeitig beachten, welche Auswirkungen die politische Haltung des Volkes hatte, und wie das deutsche Volk die sozialdemokratische Partei in ihrem Handeln und Wirken hinderte oder förderte und unterstützte. Wie reagierte die MSPD auf die Verhältnisse in Deutschland im November 1918? Wie gewichtig ist dabei die Abspaltung der USPD 1917? Es ist notwendig, herauszuarbeiten, welche Ursachen dem Agieren der Partei zugrunde liegen und inwieweit sich darin die Rechtfertigung für die Ereignisse der folgenden Jahre finden lassen.

Als Ausgangsthese dieser Hausarbeit soll ein Zitat aus dem im März 1921 erschienenen Buch ,,Die deutsche Revolution, ihr Ursprung, ihr Verlauf und ihr Werk" des sozialdemokratischen Theoretikers Eduard Bernstein fungieren. Damit versuchte dieser, sich und seinen Zeitgenossen zu erklären, warum der Staatsumbruch in Deutschland viel weniger radikal abgelaufen war als alle großen Revolutionen der Geschichte und welche Rolle die Parteien dabei gespielt haben. Bernstein vertritt den Standpunkt, ,,[...]je ausgebildeter eine Gesellschaft ist, desto schwerer lässt sie Maßnahmen zu, die auf ihre radikale Umwälzung abzielten[...]" und beurteilte das Handeln der Sozialdemokraten während der Revolution mit den Worten: ,,Gleichviel, ob sie sich darüber theoretisch Rechenschaft ablegten oder nicht, haben die maßgebenden Führer der SPD dies aus Einsicht in die tatsächlichen Verhältnisse begriffen und ihre Praxis in der Revolution danach gerichtet".1

Kann man das Verhalten der MSPD während der Revolution als das Richtige und das den Umständen Angemessene bezeichnen?

2. Hauptteil

2.1 Die Regierungsbeteiligung der MSPD

Es konnte 1918 nicht um eine Einengung, sondern nur um die Erweiterung der Demokratie gehen, da es in Deutschland vor dem Krieg und währenddessen nur eine geringe politische Mitwirkung des Volkes und auch der Parteien gab. Eine Erweiterung der politischen Teilhaberechte bedeutete für die Sozialdemokraten mit dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht, dem Frauenstimmrecht und vor allem der Parlamentarisierung des Reiches, das preußische Dreiklassen-Wahlrecht zu ersetzen. Um aber die konstitutionelle Monarchie in eine parlamentarische umzuwandeln, fehlte eine parlamentarische Mehrheit, die das wirklich wollte und somit eine wichtige Voraussetzung.2 Lange Zeit war die MSDP dagegen, unter Hertling in die Regierung mit den bürgerlichen Parteien einzutreten. Ebert aber stellte seine Parteifreunde im Herbst 1918 vor eine Entscheidung: ,,Wollen wir jetzt keine Verständigung mit den bürgerlichen Parteien und der Regierung, dann müssen wir die Dinge laufen lassen, dann greifen wir zur revolutionären Taktik, stellen uns auf die eigenen Füße und überlassen das Schicksal der Partei der Revolution. Wer die Dinge in Russland erlebt hat, der kann im Interesse des Proletariats nicht wünschen, dass eine solche Entwicklung bei uns eintritt. Wir müssen uns im Gegenteil in die Bresche werfen, wir müssen sehen, ob wir genug Einfluss bekommen, unsere Forderungen durchzusetzen und, wenn es möglich ist, sie mit der Rettung des Landes zu verbinden, dann ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das zu tun."3

Ebert entschied damit eben diese Änderung des politischen Kurses der MSPD und trieb sie voran. Die Verhältnisse der Revolution in Russland und das Vorgehen der Bolschewiki sah man nicht als Sozialisierung oder Demokratisierung, sondern als Anarchie. Obwohl sich die Vorkriegssozialdemokratie zum Klassenkampf bekannte, erschien es der Mehrheit der Sozialdemokraten nun als eine der nötigen Aufgaben, Deutschland das Schicksal Russlands zu ersparen. Prinz Max von Baden, der das parlamentarischen Systems weder befürwortete noch als Anhänger der Friedensresolution vom Juli 1917 galt, wurde im Oktober 1918 gewählt, da es keiner der übrigen Regierungsparteien möglich war, einen Gegenkandidaten zu stellen. Der MSPD fiel die Zustimmung dazu besonders schwer, da man wusste, dass so der große Umbruch der Innenpolitik nicht nach außen gelangen würde, da nun erneut ein königlicher Prinz ernannt worden war. Friedrich Ebert war es, der die Sozialdemokraten dazu brachte, dieser Regierung unter Prinz Max von Baden zuzustimmen. Er hatte sich zum ,,Vernunftsmonarchisten" entwickelt und ,,er war sich dessen bewusst, dass nichts für das politische Bewusstsein des Bürgers gefährlicher ist als eine plötzliche, demonstrative Aufhebung der historischen Kontinuität".4 Seit Januar 1918 betrieb Ebert keine kontinuierliche Politik, stattdessen vollzog er ein politisches Taktieren, um nicht auf Ablehnung zu stoßen, die Zustimmung des Volkes ganz zu verlieren und vor allem weil er die Machtstellung seiner Partei innerhalb der Regierung nicht gefährden wollte. Besonders deutlich wird der ständige Wechsel seines politischen Vorgehens, als Ebert lediglich die Abdankung des Kaisers, nicht jedoch die Änderung der Institution des Kaiserreichs forderte, um einem Bündnis zu dem Generalleutnant Groener für die Erhaltung der parlamentarischen Monarchie zuzustimmen. Auch wenn dies wieder einen Verstoß gegen die sozialdemokratischen Grundsätze darstellte, war er sich trotzdem der Verantwortung seines Tuns bewusst. Er hatte von seinen Parteiangehörigen auch keine Gegenreaktion zu befürchten, da diese eine eher gleichgültige Haltung einnahmen und ihrem Parteivorsitzenden sämtliche Freiheiten einräumten.5 Lediglich Phillip Scheidemann widersprach Ebert. Der Fraktionsführer der MSPD, der die Regierung unter dem Prinzen nicht tolerieren wollte schätzte die Verantwortung, die nun auf den Sozialdemokraten lastete, als sehr bedenklich ein. Dass eine Regierungsbeteiligung zurzeit der einzige Weg sei, eine Militärdiktatur der Obere Heeresleitung und eine dadurch ausgelöste Revolution zu verhindern, davon überzeugt ihn Ebert. Dieser legitimierte sein Verhalten als eine Politik ,,friedlicher Reformen".6

Andere Parteien zogen sich weitgehend aus der Regierungsverantwortung zurück. Für die Folgen des Krieges, die Revolutionsbewegung und die aktuelle Tagespolitik Lösungen zu finden, überließen sie der MSPD. In der Rolle als Regierungspartei waren die MSPD allerdings ungeübt und sie waren bestimmt von ideologischen Parteigrundsätzen, und so wurde die Partei von den Erwartungen und den Revolutionsereignissen ,,überrollt", vielleicht auch überfordert.7

[...]


1 Vgl. Bernstein, Eduard, Die deutsche Revolution, ihr Ursprung, ihr Verlauf und ihr Werk, Berlin 1921, S.17.

2 Vgl. Winkler, Heinrich August, Weimar 1918 - 1933, München 1993,S. 16.

3 Vgl. Witt, Christian-Peter, Friedrich Ebert, Bonn 1987.

4 Vgl. Ritter, Gerhard A. / Miller, Susanne (Hrsg.), Die deutsche Revolution 1918-1919, Dokumente, Frankfurt/M. 1983, S.87.

5 Vgl. Kluge, Ulrich, Die deutsche Revolution 1918/19, Staat, Politik und Gesellschaft zwischen Weltkrieg und Kapp-Putsch., Darmstadt 1997, S.54-59.

6 Vgl. Bernstein, Eduard: Die deutsche Revolution, ihr Ursprung, ihr Verlauf und ihr Werk. Berlin 1921, S.22.

7 Vgl. Niess, Wolfgang: Die vergessene Revolution. In: Damals, 1993, S. 32-36.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
„Beständigkeit und Reform“. Die SPD während der Novemberrevolution 1918
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Tutorium
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V275667
ISBN (eBook)
9783656681632
ISBN (Buch)
9783656681625
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SPD, Novemberrevolution, 1918
Arbeit zitieren
Anne Reutgen (Autor), 2013, „Beständigkeit und Reform“. Die SPD während der Novemberrevolution 1918, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275667

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: „Beständigkeit und Reform“. Die SPD während der Novemberrevolution 1918


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden