Wenn vor 40 bis 50 Jahren – noch in meiner Kindheit – die Oma oder Uroma etwas vergessen hatte oder durcheinander brachte, lachte man gutmütig und meinte: „Die Oma ist auch schon tüdelig geworden.“ Das sollte besagen, dass es völlig „normal“ war, dass alte Menschen vergesslicher wurden, und auch ein Anrecht auf Berücksichtigung ihrer Eigenheiten hatten. Die heutige Gesellschaft mit ihren hohen kognitiven Ansprüchen, die auch oft junge Menschen nicht erfüllen können, wie meine tägliche Arbeit zeigt, lässt solche Defizite nicht mehr zu. Normabweichungen werden klassifiziert, stigmatisiert und nach Möglichkeit beseitigt.
„Die Demenz ist hier vor allem eine heimtückische Krankheit beziehungsweise ein Feind der Menschheit, der durch entsprechende medizinisch-medikamentös orientierte Verfahren besiegt und zum Verschwinden gebracht werden muss.“ (vgl. Wißmann 2010, S. 341)
Demenz wird im Allgemeinen als eine Krankheit betrachtet, die auch in der internationalen Klassifikation der Krankheiten, der ICD-10, als ein Syndrom definiert wird. Sie wird als eine organisch verursachte Erkrankung mit kognitiven Störungen als Leitsymptom verstanden. (ebd., S. 339) Mittlerweile haben sich jedoch in spezialisierten Kliniken Behandlungsweisen neben der Allopathie durchgesetzt, die ganzheitliche, eben nicht nur „krankheitsorientierte“ Ansätze zeigen. Man nutzt diverse Interventionsarten, z. B. pflegerische Interventionen, psychosoziale Interventionen wie SET, die Validation, die biografieorientierte Erinnerungstherapie oder Musik-, Tanz- und Maltherapie; tiergestützte sowie kognitive und physische Trainingsinterventionen (vgl. auch Ahlsdorf sowie Huxhold 2012, S. 261-290), und verbindet diese mit spezifischen Umgangs- und Kommunikationsweisen, einer demenzgerechten Gestaltung der räumlichen Umgebung sowie speziellen organisatorischen und tagesstrukturierenden Maßnahmen.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
I. Vorbemerkung
II. „Dialog Demenz“ von der Alzheimer Gesellschaft P. e.V.
III. Partner im lebensnahen Dialog – sanfte Intervention
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die detaillierte Darstellung und Analyse des Projektes „Dialog Demenz“ der Alzheimer Gesellschaft P. e.V. Dabei wird untersucht, wie durch politische Vernetzung, öffentliche Aufklärung und die Stärkung von Betroffenen und deren Angehörigen ein nachhaltiger, wertschätzender Umgang mit demenzkranken Menschen in der Gesellschaft gefördert werden kann.
- Politische Sensibilisierung und Partizipation auf kommunaler Ebene
- Stärkung der Angehörigenselbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement
- Methoden der sozialen Intervention zur Förderung der Lebensqualität
- Aufbau von Netzwerken und niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten
- Überwindung des defizitären gesellschaftlichen Bildes von Demenz
Auszug aus dem Buch
III. Partner im lebensnahen Dialog – sanfte Intervention
Das Konzept dieses Projektes basiert auf der Erkenntnis, dass „Reden hilft“. (http://www.kliniksprecher.de/reden-hilft-oder-wie-ein-gelungener-dialog-patienten-nuetzt/, letzter Zugriff: 22.02.2013) In diesem Falle wird Kommunikation genutzt, um verschiedene Ebenen nutzbringend zu verbinden. Politische Rückenstärkung als Konzeptbaustein ist ein erfolgversprechender Weg, um soziale Anliegen zu Gehör zu bringen.
Demenz wird mittlerweile in der Öffentlichkeit als eine beängstigende Zukunftsvorstellung, auch als globales Problem betrachtet. (vgl. Wißmann 2010, S. 341) Dass menschliche Schicksale dahinter stehen, wird gerne übersehen. Wie in der Vorbemerkung dargestellt, hat sich die Sichtweise der Bevölkerung auf alternde Menschen, und das Alter allgemein, in den letzten Jahrzehnten zu einem defizitären Bild gewandelt. Dadurch, dass alte und demente Menschen mehr und mehr gesellschaftlich abgewertet und prinzipiell ghettoisiert werden, wird es auch für die Angehörigen schwieriger, mit dieser Situation umzugehen. Die Neigung, alte Familienangehörige in „professionelle“ Hände zu geben, wird m. E., auch mit der im Verhältnis zu früheren Generationen veränderten Wohnsituation der Kleinfamilie, zunehmen. Es stellt sich die Frage: Wem nutzt das?
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorbemerkung: Die Autorin reflektiert den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit demenzkranken Menschen und stellt die Notwendigkeit ganzheitlicher, nicht-medizinischer Interventionsansätze dar.
II. „Dialog Demenz“ von der Alzheimer Gesellschaft P. e.V.: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung, die fünf Kernziele und die erfolgreichen Umsetzungsmaßnahmen des Projektes im Landkreis zur Förderung der Teilhabe von Betroffenen.
III. Partner im lebensnahen Dialog – sanfte Intervention: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Dialogkonzepts erörtert, wobei insbesondere die Bedeutung von Kommunikation, politischer Vernetzung und die Überwindung stigmatisierender Krankheitsbilder hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Demenz, Dialog Demenz, Alzheimer Gesellschaft, soziale Intervention, Angehörigenselbsthilfe, Teilhabe, politische Partizipation, Lebensqualität, Netzwerkarbeit, Prävention, gesellschaftliche Akzeptanz, bürgerschaftliches Engagement, niedrigschwellige Angebote, Altenarbeit, Gesundheitsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das regionale Projekt „Dialog Demenz“, das darauf abzielt, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen durch ein Netzwerk aus Politik, Gemeinden und ehrenamtlichem Engagement zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Aufklärung über Demenz, der politischen Vernetzung auf lokaler Ebene, der Förderung von Teilhabe und der Etablierung nachhaltiger Unterstützungsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel des Projektes?
Das primäre Ziel ist es, durch die Einbindung kommunaler Entscheidungsträger und Bürger das Bewusstsein für Demenz zu schärfen, Stigmatisierung abzubauen und durch „sanfte Interventionen“ die Lebensqualität Betroffener zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Projektanalyse, die auf sozialpädagogischen Ansätzen basiert und diese mit Fachliteratur sowie konkreten Berichten und Zwischenergebnissen des Projektes verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Projektaufbaus inklusive seiner fünf zentralen Projektziele sowie eine theoretische und konzeptionelle Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Dialog und Kommunikation als soziale Interventionsform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dialog Demenz, Teilhabe, soziale Intervention, Netzwerkarbeit und bürgerschaftliches Engagement definiert.
Warum spielt die Einbindung von Politikern eine so zentrale Rolle?
Die Politik dient als Multiplikator. Durch die Einbindung von Bürgermeistern und Räten können Strukturen in der Gemeinde verändert werden, was wiederum die Akzeptanz und die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Menschen mit Demenz fördert.
Wie definiert das Projekt das Bild von Demenz?
Das Projekt distanziert sich vom rein defizitären, medizinisch dominierten Blick auf Demenz und betont stattdessen das Bild des „Menschen mit Demenz“ als wertvolles Individuum, dessen soziale Teilhabe aktiv gefördert werden muss.
- Arbeit zitieren
- Annett Hornung (Autor:in), 2013, "Dialog Demenz" von der Alzheimer Gesellschaft P. e.V., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275700