Der moderne Mensch als Sklave des Geldes. Welche Antworten kann die Anthropologie geben?


Hausarbeit, 2012

11 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

I N H A L T

1. Einleitung

2. Wer ist der Mensch?

3. Soziologische Ist-Analyse der Situation in Deutschland im 21. Jahrhundert

4. Definition: Was ist Geld?

5. Geld als Schuld

6. Zinsen: Der Mensch als Sklave des Geldes

7. Alternativen und Konsequenzen

8. Fazit: Welche Antworten hat die Anthropologie

9. Relevanz für die Soziale Arbeit

10. Bibliographie

Der Mensch im 21. Jahrhundert: Sklave des Geldes

Welche Antworten kann die Anthropologie geben?

1. Einleitung

Wer ist der Mensch? Dieser Frage gehe ich in meiner Hausarbeit auf den Grund, wobei ich die Reziprozität zwischen Geld und Mensch genauer beleuchten möchte. Sie bewegt mich, da es ein Thema von hoher Aktualität in der heutigen Zeit des Kapitalismus ist. Ich möchte nach der Wahrheit forschen. Mir stellt sich die Frage, ob der Mensch Sklave des Geldes ist und wenn es so ist, welche Antworten kann die anthropologische Wissenschaft geben. Zuerst werde ich kurz auf das Menschenbild in der humanwissenschaftlich-philosophisch ausgerichteten Anthropologie eingehen, um anschließend über eine soziologische IST- Analyse die aktuelle Situation in Deutschland im 21. Jahrhundert zu erforschen. Von diesem Standpunkt aus werde ich mir die Definition und Funktionen des Geldes anschauen und welche Bedeutung es für den heutigen Menschen hat. Genauer schaue ich dann auf den Prozess der Geldvermehrung um die Bedeutung des Geldsystems, insbesondere die der Zinsen für die Menschen hervorzuheben. Welche Folgen und Konsequenzen hat das Zinssystem auf die Menschen. Gibt es Alternativen zum aktuellen Geldsystem und welche Macht hat das Geld auf den Menschen? Wie steht diese Macht im Verhältnis zur Macht Gottes? In einem Fazit versuche ich Antworten aus anthropologischer Sicht zu geben, um anschließend die Relevanz für die Soziale Arbeit zu verdeutlichen.

2. Wer ist der Mensch?

Das liegt ganz im Auge des Betrachters: Das eigene Menschenbild, die Forschungsdisziplin, die Hermeneutik, die Zeit, das Vorwissen, die Kultur etc. sind Faktoren durch die hindurch ich mir die Frage stelle: Wer ist der Mensch? Das Subjekt Mensch (Ich) betrachtet also das Objekt Mensch und ist Subjekt und Objekt zugleich.

Das ist ein wesentlicher Aspekt des Menschen. Der Mensch erlebt sich selbst und kann sich zu seinem eigenen Leben noch einmal in Distanz und Beziehung setzten. Plessner nennt dieses Phänomen die „exzentrische Positionalität“ des Menschen, die uns von Pflanzen und Tieren unterscheidet. Somit ist alle Erkenntnis des Menschen ein Bewusstsein-von-etwas im Kontext seiner vielfältigen Beziehungen von Mensch und Welt.[1] Nach Scheler ist seine Sonderstellung im Vergleich zu allen anderen Lebewesen durch den Geist gekennzeichnet.

Philosophisch-anthropologisch betrachtet ist der Mensch ein komplexes, einheitliches und ganzheitliches bio-psycho-soziales-geistliches Wesen. Den Menschen als Ganzheit zu betrachten ist wichtig für die Soziale Arbeit. Er ist systemisch verbunden mit seinen Wurzeln, der Familie und seiner Umwelt. Seine Handlungen, die nach Gehlen der Schlüssel zum Verständnis des Menschen sind, werden durch viele Faktoren wie Zeit, Raum, Geschlecht, Herkunft, Kultur, Sozialisation, Erkenntnisse und Erfahrungen, seine Gedanken, Gefühle und Emotionen, seine innere Instanz (Gewissen), seine Werte, Glaubenssätze und der jeweilige Situation im Kontext bestimmt. Im Kontext dieser Hausarbeit steht die Beziehung des Menschen zum Geld.

3. Soziologische IST-Analyse der Situation in Deutschland im 21. Jahrhundert

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. In der Realität ist es offensichtlich, wie in einer zehnjährigen soziologischen Studie von dem Sozialforscher Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer erforscht, dass der Mensch heutzutage in der Gesellschaft über seine Ressourcen (Geld, Status, Bildung, Beruf, etc..) definiert wird. Haben ist gefragt, nicht Sein! Medien und die Werte der Gesellschaft bestimmen, wer und wie die Menschen im 21. Jahrhundert zu sein, zu leben und zu denken haben. Wir leben in einer Eigentumsgesellschaft und nur wer etwas hat, wer etwas leistet, wer nützlich ist, wer effizient ist, zählt etwas.

Dieses ökonomische Prinzip, das in der Wirtschaft seine Berechtigung hat, ist mehr und mehr in das Denken der Menschen im 21. Jahrhundert eingedrungen. Es hat sich in den Wohnzimmern der Familien, in Schulen und sozialen Beziehungen eingenistet. Diese Ökonomisierung der Bewertung von Menschen ist zutiefst unmenschlich. Zuwanderer, Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Kranke, Behinderte sind nach diesen Maßstäben weniger wert. Die ökonomischen Einstellungen, die Orientierungslosigkeit, vor allem aber auch die Demokratieentleerung sind gefährliche Prozesse. Ebenso gibt es Signalereignisse, wie den 11. September 2001, die Einführung von Hartz IV oder die Wirtschafts- und Finanzkrise die Auslöser sind für eine menschenfeindliche Stimmung.[2]

Abstiegsangst und Arbeitslosigkeit lähmen die Menschen im 21. Jahrhundert. Das Problem ist der autoritäre Kapitalismus, der durch die Großkonzerne, Großbanken und Großinvestoren ausgeübt wird, und der seit Jahren seine Maxime gegenüber Religion, Politik, Wissenschaft und Forschung durchsetzen kann. Maßgebliche Teile der Elite und Machtinhaber ziehen sich aus der Solidargemeinschaft zurück. Soziale Integration und die Gleichwertigkeit aller Menschen stehen nicht auf ihrer Interessenliste, wenn es um ihren eigenen Machterhalt geht. Die soziale Gleichwertigkeit ist aber für eine humane Gesellschaft genauso wichtig wie psychische und physische Unversehrtheit.

Gewünscht ist der Mensch als unternehmerisches Selbst, der das gesamte Risiko und die Verantwortung für den Gewinn des Unternehmens trägt. Das ist jedoch Aufgabe des gesamten Unternehmens. Nutzen, Produktivität und Leistung sind die entscheidenden Schlüsselfunktionen des Arbeitnehmers im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts geworden. Diese Maxime ist inzwischen in das Denken der Menschen eingedrungen. Solidarität und Fairness, Werte, die für den Zusammenhalt einer Gesellschaft unentbehrlich sind, erodieren immer mehr.[3]

„Was zählt ist das Wachstum und die Wertschöpfung des Mammons und des Geldes. Der Mammon gilt geradezu als Inbegriff der Macht, dem Menschen sich unterwerfen. Damit ist nicht vorrangig das Streben nach Wohlstand bezeichnet, sondern das Bestreben, die Grundlagen des Lebens selbst in die Hand des Menschen zu bekommen. Nicht die Verschwendung oder Konsum erscheinen aus biblischer Perspektive als Sünde; im strikten Gegensatz zu den kapitalistischen Tugenden ist ihr Inbegriff vielmehr das Ansammeln des Besitzes um seiner selbst willen. Geld ist seiner bloßen Form nach neutral. Jeder Konsum ist eine Beschränkung der Freiheit, die Geld verspricht. Die reine Akkumulation und Vermehrung ist darum im Wesen des Geldes inhärent.“[4]

Geld regiert die Welt und versklavt die Menschen im 21. Jahrhundert. Ein Geldsystem, das von einigen wenigen Finanzoligarchen gemacht ist und durch den Zins und Zinseszins ein Kapitalverbrechen darstellt muss aufgedeckt werden. Es gibt in der Bibel einen einfachen Ausspruch: Habgier ist die Wurzel allen Übels! Das, was über Jahrzehnte gesät wurde, erntet man nun. Das Gesetz von Säen und Ernten ist ein unumstößliches Schöpfungsprinzip Gottes, das niemand außer Kraft setzen kann.

4. Definition: Was ist Geld?

Geld (ahd. gelt) gehört anfangs in die kultische Sphäre und bezeichnet „das, womit man Buße und Opfer erstatten bzw. entrichten kann“ und nimmt erst ab dem 14. Jahrhundert seine aktuelle Bedeutung als geprägtes Zahlungsmittel an. Die ersten Münzen werden bereits 500 vor Chr. benutzt. Geld kann in materieller oder immaterieller Form existieren; Geldmünzen und Banknoten stellen beispielsweise materielle Formen von Geld dar, während Bankguthaben und Kreditzusagen zu den immateriellen Geldformen gehören.

Die in einem Staat üblicherweise verwendete Geldsorte bezeichnet man als Währung. Geld hat drei unterschiedliche Funktionen; als Zahlungsmittel. Wertaufbewahrungsmittel und als Wertmaßstab. Der Wert einer Geldeinheit wird als Kaufkraft bezeichnet. Heute ist Geld eine Schuld, da es nicht mehr wie früher mit dem Bestand von Gold oder Silber gedeckt ist. Die führende Weltwährung ist der US Dollar. 80% aller Geschäfte werden über die Handelsplätze (Börsen) der Welt mit Dollar bezahlt. Somit ist die US Notenbank, die Federal Reserve Bank, die wichtigste Finanzinstitution der Welt. Sie ist bis heute in Privatbesitz und im Jahr 1913 von Bankiersfamilien gegründet worden, die bis heute die internationale Geldmarktpolitik bestimmen.

5. Geld als Schuld

Geld kann in unserem System nur dadurch entstehen, dass sich eine Bank bei der Zentralbank Geld leiht. Geld ist also ein Schuldschein und alles Geld, das in Umlauf ist, ist die Schuld von irgendjemandem an irgendjemand anderen. Je mehr Geld es gibt, desto mehr Schulden muss es geben. Fatalerweise muss auch der Staat einen Kredit aufnehmen, wenn er Geld in Umlauf bringen will - deshalb sind alle Staaten mit Zentralbanksystemen verschuldet. Das Geld, das sich die Banken von der Zentralbank leihen, wird benutzt, um Kredite zu vergeben. Jedoch verleiht die Bank nicht - wie man vielleicht meinen könnte - dieses Geld selbst, sondern „schöpft" das Geld einfach, das sie dann ihren Kunden anbietet. Eine Bank muss nur 10 % des Geldes, das sie verleiht auch tatsächlich besitzen. Das heißt: Wenn eine Bank 10 Euro hat, kann sie 100 Euro verleihen ohne dass es dieses Geld überhaupt gibt! Dies funktioniert deshalb, weil sie den Kunden den Kredit in fast allen Fällen nicht in Form von Geldscheinen, sondern in Form von Guthaben auf ihren Konten auszahlt. Durch diesen Vorgang steigt die Geldmenge täglich an. Es gibt allerdings auch eine positive Seite dieses Geldsystems. „Viele große Erfindungen und Errungenschaften der letzten zwei Jahrhunderte – die Dampfmaschine, die Eisenhahn, das Auto, der Computer, das Internet sind erst möglich geworden, durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln durch den Kapitalmarkt. Risiken sind der Preis der Freiheit und ohne das Streben nach Gewinn, das der Motor unseres Wirtschaftssystems ist, wäre der heutige Wohlstand, den wir genießen, unmöglich. Dem Geld kommt also eine große Bedeutung beim zivilisatorischen Fortschritt zu.“[5]

6. Zinsen – Der Mensch als Sklave des Geldes

Durch die Verwendung von Zinsen schließt sich dann der Griff der Banken um die Nationen und Menschen. Denn, schon wenn eine Bank sich Geld bei der Zentralbank leiht, entsteht eine Mehrschuld gegenüber dem vorhandenen Geld: Nehmen wir an, die erste Bank leiht sich 100 € von der Zentralbank zu einem Zins von derzeit 1%. Sie schuldet der Zentralbank dann also 101 €, obwohl überhaupt nur 100 € erschaffen wurden!

Das gleiche Prinzip greift auch global: Über die angeblichen Hilfsinstitutionen IWF und Weltbank treiben die Industrienationen die Dritte Welt immer weiter in die Schuldenfalle - um sie dann auszubeuten und zu kontrollieren. Das Zinssystem ist also im Wesentlichen eine moderne Form der Kontrolle und Sklavenhaltung. Noch deutlicher wird dies, wenn man versteht, wie durch den Zins das Geld immer in die Hände einiger weniger Reicher fließt: Hat man erst einmal eine gewisse Summe Geld, vermehrt sich dieses durch den Zins automatisch. So werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Der Mensch ist somit Sklave des Geldsystems. Sollte dies einer breiteren Öffentlichkeit bewusst werden, könnte es zu einer der größten Krisen der Menschheit kommen.

Dass Geld starke Emotionen im Menschen weckt, sieht man an den vielen Konflikten und Straftaten die durch die Haltung zum Geld entstehen (Scheidungen, Selbstmorde bei Verlust des Geldes an den Börsen, Morde, Diebstähle, etc.).

Interessant ist, dass schon vor über 150 Jahren, die brillante Beschreibung des Scheingeldsystems von keinem geringeren als Johann Wolfgang Goethe im zweiten Teil seines Faust ab Vers 6054ff. verfasst wurde.[6] Selbst Luther hat im Jahr 1524 eine Schrift namens: „Von Kaufshandlung und Wucher“ verfasst, in welcher er das übermäßige Zinsnehmen um der wirtschaftlichen Gerechtigkeit willen anprangert. Wer etwas leiht und dafür Bürge nimmt, der geht ein Beziehungsverhältnis ein. Leihen, um nicht zurückzuerhalten, das ist für Luther der Weg eines Christenmenschen. Im Kern geht es ihm um eine Vertrauensbeziehung. Die Vertrauensbeziehung, das bin ich selbst in meiner Beziehung und worauf diese Beziehung sich wirft, das zeigt an, wer oder was das Wichtigste in meinem Leben ist, das, von dem alles andere seine Bestimmung, seine Wertigkeit und seinen Rang erhält. Das aber wohin unser Vertrauen geht, das ist unser wirklicher Gott.[7] „Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben oder er wird dem einen anhängen und den anderen gering achten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“[1] (Mt. 6,24), sagt Jesus in der Bergpredigt,

in der es im Kontext um die Solidarität und um die Wiederherstellung der Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich geht. Eine ebenso bekannte Stelle finden wir im Alten Testament im Buch 3. Mose, 35-38: „Und wenn dein Bruder verarmt und sich neben dir nicht halten kann, dann sollst du ihn unterstützen wie einen Freund, damit er neben dir leben kann. Du sollst ihm keinen Zins nehmen und auch keinen Wucher und du sollst deinen Gott fürchten, damit dein Bruder neben dir leben kann. Dein Gold sollst du ihm nicht gegen Zins geben, und auch deine Speise nicht gegen Wucher (3. Mose, 35-37).

Drei wichtige Punkte enthält das Zinsverbot Gottes. Es bezieht sich erstens auf den israelitischen Mitbürger („dein Bruder“). Ausländer konnten sehr wohl mit Zins und Wucher belastet werden. Zweitens sieht das Zinsverbot in der Gottesfurcht das zuverlässigste Heilmittel gegen wirtschaftliche Ausbeutung. Wo Religion und Moral stark sind, kommt es weniger zur sozialen Ausbeutung als dort, wo man in einer säkularisierten Gesellschaft ohne Moral lebt. Wo der Mensch seinen Gott fürchtet, da kann auch der Mitmensch neben ihm leben. Drittens bleibt die normale Ausleihe erlaubt. Nur Zins und Wucher sind verboten. Es zeigt sich, dass Israel eine der sozialsten Gesetzgebungen aller Völker besitzt. Von Israel hat der Koran das Zinsverbot übernommen (Sure 2,276; 30,38).

Die Gnade gegen den Nächsten wird in Vers 38 mit der Gnade Gottes begründet: „Ich bin Jahwe, euer Gott, der euch aus dem Lande Ägypten geführt hat, um euch das Land Kanaan zu geben und euer Gott zu sein.“ Aus dem Bewusstsein des Erbarmens Gottes und der daraus resultierten Dankbarkeit seines Volkes zu ihm folgt die menschliche Barmherzigkeit untereinander.[8]

7. Alternativen und Konsequenzen

Schlussfolgernd daraus gibt es bereits Alternativen und Ideen zum heutigen Geldsystem wie etwa das Bürgergeld, Währungen auf Zeitbasis, ressourceneffiziente Ökologie und Ökonomie, z.B.: dass Gegenstände miteinander geteilt und getauscht werden und sie dem Nutzen aller dienen. Dies sind nur einige Aspekte. Sie alle werden aber nur dann funktionieren, wenn sich gleichzeitig auch das Bewusstsein der Menschen ändert.

Die Konsequenzen dieses Geldsystems sehen wir überall in der Welt: Hunger, Armut, Krieg, Angst, Misstrauen, Umweltzerstörung. Ein menschenfreundlicher Kapitalismus oder die Vorstellung, die Welt könne sich durch die Einsicht der Unternehmer wesentlich ändern, ist eine Illusion. Das System selbst ist so angelegt, dass es immer wieder Zustände produzieren wird, wie wir sie gegenwärtig haben.

Mathematisch gesehen muss dieses System alle 70-100 Jahre zusammenbrechen - was es bisher auch getan hat (1857 und 1929 global, 1990er Jahre nur in Asien, Russland und Lateinamerika). Die Welt hat am Ende eines Zyklus nur zwei Möglichkeiten:

Krieg oder ein anderes System. Bisher haben wir uns immer für Krieg entschieden - und danach dasselbe System wieder aufgebaut. Es ist nötig, das jeder versteht, dass das Geldsystem in dem Wir leben niemals Frieden und Wohlstand erzeugen kann und welche Auswirkungen das System auf unser Leben und unser Bewusstsein hat.

Die Universalität und Verfügbarkeit des Geldes machen es zum irdischen Gott und diese Eigenschaft verspricht Geld Omnipotenz – und gerät damit notwendig in Konkurrenz zur Anerkennung der Macht Gottes. Die Macht, die Besitz verspricht ist aber im Kern ein Versprechen gegen die Wechselfälle des Lebens gewappnet zu sein und so mit Gottes Herrschaft über Leben und Tod zu konkurrieren.[9]

8. Fazit - Welche Antworten hat die Anthropologie?

Die theologische Anthropologie sagt uns, dass der Mensch von Gott gewollt und geschaffen ist als sein Gegenüber, zu seinem Ebenbild, von Gott geliebt und zum Leben und zum Lieben bestimmt. Er ist von Gott beauftragt über die Schöpfung (Erde, Tiere, Pflanzen) zu herrschen, und sie verantwortlich zu bewahren, zu verwalten und zu gestalten. So ist er auch bestimmt, über das Geld zu herrschen, denn Geld ist eine Erfindung der Menschen. Der Mensch ist von Grund auf gut, fähig mit einem freien Willen ausgestattet eigenverantwortlich in Liebe zu entscheiden, Mitleid zu empfinden, zu helfen und Gutes zu Tun. Die Theologische Anthropologie beinhaltet Doxologie, Christologie, Soteriologie und Eschatologie. Denn wenn der Mensch als Gegenüber und Ebenbild Gottes zu sehen ist und Gott nach Karl Barth den Menschen ebenso braucht wie der Mensch Gott, er seinen Sohn Jesus Christus als Mittler sendet, um die Menschen mit ihm zu versöhnen und von ihrer Schuld zu erlösen; er der in Ewigkeit ist, Mensch wird und in die Welt kommt um den Menschen zur Gemeinschaft mit Gott und zum ewigen Leben zu führen, dann führt die Offenbarung und damit die Erkenntnis der Ereignisse der Kreuzigung und der Auferstehung Jesus Christi den Menschen unweigerlich zur Umkehr und Abwendung von der Macht des Geldes und des Mammon als Götzen hin zur Anbetung Gottes. Denn Geld ist nur Mittel zum Zweck und nicht Zweck an sich. Der Mensch entscheidet und bestimmt, welche Bedeutung er dem Geld gibt. Die Motive, die Einstellung, die Denk- und Verhaltensweisen des Menschen zum Geld bestimmen im Wesentlichen über den Erfolg oder Misserfolg im Umgang mit Geld.

Die Bestimmung Gottes für den Menschen oder nach Adler psychologisch betrachtet seinem eigenen Lebensplan zu folgen und mit Freude das zu tun, was einen Menschen leidenschaftlich im Herzen bewegt und sinnstiftend ist. Diese Freude in Geld zu verwandeln, um mit diesem verdienten Geld anderen und sich selbst wieder eine Freude zu bereiten, ist der Weg wie Geld fruchtbar eingesetzt werden kann. „Und ich sage euch: Schafft euch Freunde aus dem Mammon der Ungerechtigkeit.“ (Lk 16,9)

9. Relevanz für die Soziale Arbeit

Für die Soziale Arbeit heißt dies nichts anderes als aufzuklären, in der Schuldenberatung oder in der Schule präventiv zu arbeiten, um sinnvolle ethische Lösungswege im Umgang mit Geld aufzuzeigen. Den Kernpunkt sehe ich beim einzelnen Menschen in der Bildung. Der Mensch braucht im 21. Jahrhundert eine Korrektur in seinem Selbstbild. Solange er seinen Wert aus seiner Leistung bzw. aus seinem Besitz bezieht, wird sich nicht grundlegend etwas ändern. Wir Menschen brauchen ein neues Bild in Bezug auf das Besitzdenken bzw. „Haben-Wollens“. Dieses ständige Haben wollen bzw. Besitzdenken, um WER oder WAS zu sein, fördert die Habgier. Der heutige Mensch ist ein „Homo oeconomicus“, er muss wirtschaften, dazu ist es wichtig, dass wir ein Klima der Wertschätzung, der Liebe und der Kreativität verbreiten, in dem sich der Mensch zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit entfaltet und seinen Platz im Leben erkennt und einnimmt. C.G. Jung sagt: „In dem Maße, in dem sich der Mensch mit sich selbst versöhnt, versöhnt man sich mit der Umwelt und findet so einen inneren Frieden.“[10] Der Mensch erkennt dann sein göttliches ICH und beginnt aus dem Sein zu leben oder wie es Hildegard von Bingen formulierte: Werde was du bist, Mensch werde Mensch.

[...]


[1] Vgl. Schobert, Wolfgang: Einführung in die theologische Anthropologie, Darmstadt 2006, S. 65

[2] Vgl. Demmer, Ulrike: Die Gesellschaft ist vergiftet, Interview mit Prof. Heitmeyer Spiegel 50/2011, S. 72

[3] Vgl. Demmer, Ulrike, Die Gesellschaft ist vergiftet, In: Der Spiegel 50/2011, S. 72

[4] Schobert, Wolfgang: Einführung in die theologische Anthropologie, Darmstadt 2006, S. 124f

[5] Vgl. Burda, Michael, Das Glücksrad wird sich weiterdrehen, In: Spiegel Geschichte 4/2009, S.141f

[6] Janich, Oliver: Das Kapitalismus-Komplott, 5. Auflage, München 2008, S.74

[7] Hailer, Martin: Götzen, Mächte und Gewalten, Göttingen 2008, S. 162f

[8] Vgl. Maier, Gerhard: Wuppertaler Studienbibel, Brockhaus Verlag 1994, S. 439f

[9] Vgl.: Schobert, Wolfgang: Einführung der theologischen Anthropologie, Darmstadt 2006, S. 124f

[10] Vorlesung WS 2011 CVJM Hochschule, Anthropologie, B.Schellhammer

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der moderne Mensch als Sklave des Geldes. Welche Antworten kann die Anthropologie geben?
Hochschule
CVJM-Kolleg Kassel
Veranstaltung
Humanwissenschaftliche, theologische und philosophische Grundlagen
Note
2,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V275736
ISBN (eBook)
9783656684855
ISBN (Buch)
9783656684879
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anthropologie, Macht, Geld, Mensch, Sklave des Geldes, Status, Schuldgeld, Zinsen, Wucher, Kapitalismus, Kritik
Arbeit zitieren
Christian Seel (Autor), 2012, Der moderne Mensch als Sklave des Geldes. Welche Antworten kann die Anthropologie geben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275736

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