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Go to shop › Didáctica de la asignatura Alemán - Historia de la literatura, épocas

Hartmann von Aues "Gregorius". Ein Sünder ohne Schuld?

Título: Hartmann von Aues "Gregorius". Ein Sünder ohne Schuld?

Trabajo Escrito , 2014 , 16 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Tim Hoffmann (Autor)

Didáctica de la asignatura Alemán - Historia de la literatura, épocas
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In vorliegender Hausarbeit möchte der Verfasser auf die Brisanz und Aktualität der Schuldfrage in der Reimpaardichtung "Gregorius" von Hartmann von Aue hinweisen, indem er der Frage nachkommt, inwieweit Gregorius selbst Schuld an seinen und den ihm anhaftenden Verfehlungen trägt. Dabei soll ein Bild Gregorius’ gezeichnet werden, das ihn als Sünder ohne eigene Schuld darstellt, wie bereits der Autor selbst in dessen Bezeichnung eines „guoten sündære“ anklingen lässt.
Die Thematik erscheint dem Verfasser besonders interessant vor dem Hintergrund eines Vergleiches der heutigen Gesellschaft, in der immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren und die Begriffe Schuld und Buße aus dem alltäglichen Sprachgebrauch nahezu verschwunden sind, mit jener aus der Zeit Hartmanns von Aue, die geprägt war von einer gottesfürchtigen Weltanschauung und einer vermeintlich engeren und strikteren Kontrolle durch die Instanz der Kirche und ihrer geistlichen Vertreter. So nehmen heutzutage immer weniger Christen die Beichte als Sakrament und reflektiertes Bekenntnis zur eigenen Schuld in Anspruch, denn die Kategorie der Sünde fehlt in der öffentlichen Sprache. Thomas Halik, Psychotherapeut und Priester, behauptet: „Die Sünde ist etwas Lächerliches geworden.“ Das zeigt, welche Aktualität und Parallelität in Hartmanns Gregorius stecken und, wie wichtig auch heute noch die Beschäftigung mit der Frage nach der eigenen Schuld ist.
So ist es das Ziel dieser Arbeit, Gregorius als unverschuldeten aber dennoch reuigen Sünder darzustellen, indem seine vermeintlichen und tatsächlichen Sünden unter Zuhilfenahme des Textes erklärt werden und die fromme Aufrichtigkeit seiner Reue benannt wird. Die Erklärung und Auflösung des Paradoxons des Sünders ohne Schuld sind dabei von entscheidender Bedeutung. Ferner wird davon ausgegangen, dass Gregorius sich selbst als größten Sünder seiner Zeit betrachtet, obwohl die Wahrnehmung seiner Situation konträr zu einer heutigen Perspektive ist.
Zu Beginn der Untersuchung nennt der Verfasser einige Arbeitsdefinitionen, deren teilweise widersprüchliche Aussagen in die Analyse der Schuldfrage einfließen. Zusätzlich wird die kirchliche Doktrin des Mittelalters in diese Überlegungen miteinbezogen. In Kapitel 3 werden darauf die konkreten Vergehen Gregorius’ chronologisch aufgezählt und bewertet, bevor in Kapitel 4 Gregorius’ Ansichten dargelegt und in Kapitel 5 die Stationen seiner Buße vor dem Hintergrund seines Gottesbildes betrachtet werden.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen

2.1 Etymologische Definitionen

2.1.1 Schuld

2.1.2 Sünde

2.2 Theologische Definitionen

2.2.1 Schuld

2.2.2 Sünde

2.3 Normen kirchlicher und gesellschaftlicher Doktrin

3 Die Sünden des Gregorius’

3.1 Gregorius’ Abstammung

3.2 Abkehr vom klösterlichen Leben und Ergreifen der Ritterschaft

3.3 Die Heirat mit seiner Mutter

3.4 Gregorius’ Zweifel an Gottes Plan

4 Gregorius’ Sicht auf seine Sündenlast

5 Die Buße des Gregorius’

5.1 Das klösterliche Leben

5.2 Die Bedeutung seiner Tafel

5.3 Die Felseninsel

5.4 Das Papsttum als seine Erlösung

6 Die Vorzeichnung seines Weges durch Gott

7 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Figur des Gregorius in Hartmann von Aues Werk als unverschuldeten, aber dennoch tief reuevollen Sünder zu interpretieren, um das Paradoxon des „Sünders ohne Schuld“ aufzulösen und die Rolle der göttlichen Vorsehung zu beleuchten.

  • Analyse der Schuld- und Sündenbegriffe im mittelalterlichen Kontext.
  • Untersuchung der chronologischen Vergehen Gregorius’.
  • Betrachtung der Bußstationen und des religiösen Hintergrunds.
  • Diskussion über die Rolle der göttlichen Vorherbestimmung.
  • Gegenüberstellung von heutiger Sichtweise und mittelalterlichem Weltbild.

Auszug aus dem Buch

3.1 Gregorius’ Abstammung

Gregorius ist das Kind der inzestuösen Verbindung zweier Herzogskinder aus Aquitanien. Die se entstammen einer Welt von Harmonie und Frieden, derer sie durch den Tod ihres Vaters jäh entrissen werden, und müssen fortan in noch jungen Jahren ohne elterliche Führung und Liebe auskommen: „Dô diu kint wâren/ komen ze zehen jâren,/ dô erfgreif den vater ouch der tôt.“17 Schon bald begehen Bruder und Schwester Inzest, ohne eigentlich genau zu wissen, was sie tun. Dies äußert sich wie folgt im Gedankengang des Bruders: „Ouwê, waz wolde er darunder?“18 und auch in der Frage seiner Schwester: „waz diutet diz ringen?“.19 Beide haben nicht zuletzt aufgrund ihres Alters und der damit verbundenen geringen Lebenserfahrung kei ne Ahnung von der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau, wie sich in folgender Textstelle offenbart: „Nû waz das einvalte kint/ an sô getâner minne blint.“20 Aber geleitet durch den Einfluss des Teufels, der den Menschen wegen seiner Hoffart und seines Neides ihr Glück missgönnt, werden sie zum Inzest verleitet.21 Zu allem Überfluss finden sie auch noch Gefallen daran und schon bald wird das Mädchen schwanger. Wie in Kapitel 2.3 bereits er wähnt droht das ungeborene Kind zum fleischgewordenen Sinnbild der Schande seiner Eltern zu werden und damit als gesellschaftliche Unperson zu gelten. Die verheimlichte Geburt und seine Aussetzung mildern Gregorius’ Lage, denn als Findelkind ist er wenigstens von der größten Schande befreit. Zwar hat er immer noch keine gesellschaftliche Position, der Zugang bleibt ihm aber nicht gänzlich verwehrt.22

Der Umstand der Verleitung zur Sünde durch den Teufel ist an dieser Stelle von entscheiden der Bedeutung, da der Schuldige seine Tat ohne dessen Zutun aller Wahrscheinlichkeit nach nicht begangen hätte. Somit muss man gemäß der in Kapitel 2 aufgeführten Definitionen, wenn nicht gänzlich von Schuldlosigkeit, so doch zumindest von einer verminderten Schuld des Geschwisterpaares ausgehen. Gregorius selbst aber, der seine Herkunft als „süntlîche bür-de“23 empfindet, trifft sowohl nach heutigem als auch nach damaligem Verständnis keinerlei Schuld, sodass auch der Verfasser ihn ob seiner Abstammung als unschuldig betrachtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Schuldfrage bei Gregorius ein und umreißt das Ziel, ihn als unverschuldeten Sünder zu portraitieren.

2 Definitionen: Hier werden etymologische und theologische Grundlagen der Begriffe Schuld und Sünde sowie kirchliche Normen des Mittelalters erarbeitet.

3 Die Sünden des Gregorius’: In diesem Kapitel werden die Stationen von Gregorius’ Leben chronologisch auf ihre inhaltliche Schuld hin untersucht.

4 Gregorius’ Sicht auf seine Sündenlast: Das Kapitel beleuchtet die psychologische Entwicklung Gregorius’ nach der Erkenntnis seiner wahren Herkunft.

5 Die Buße des Gregorius’: Hier wird der Prozess der Buße durch das klösterliche Leben, die Tafel als Mahnmal und das Leben auf der Felseninsel betrachtet.

6 Die Vorzeichnung seines Weges durch Gott: Es wird die These einer göttlichen Vorherbestimmung analysiert, die Gregorius als Werkzeug der göttlichen Gnade darstellt.

7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gregorius aufgrund der göttlichen Fügung und seiner stellvertretenden Buße als schuldloser Büßer zu betrachten ist.

Schlüsselwörter

Gregorius, Hartmann von Aue, Mittelalter, Schuld, Sünde, Buße, Inzest, Gottesbild, Vorherbestimmung, Gnade, Papsttum, Erlösung, Literaturwissenschaft, Mediävistik, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Schuldfrage in Hartmann von Aues Werk Gregorius und hinterfragt, ob der Protagonist tatsächlich persönlich schuldig an seinen Verfehlungen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Sünde und Schuld, das mittelalterliche Gottesbild, die Rolle der göttlichen Vorsehung sowie die Bußpraxis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Gregorius trotz seiner schwerwiegenden Taten als „Sünder ohne Schuld“ betrachtet werden kann, da er instrumentalisiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textnahe Analyse unter Einbeziehung etymologischer, theologischer und literaturwissenschaftlicher Definitionen und Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch Gregorius’ Lebensstationen, seine persönliche Wahrnehmung, seine Bußübungen und die allumfassende Rolle Gottes in seinem Leben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Schuld, Sünde, Buße, göttliche Vorsehung, Identität und Erlösung.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Teufels in der Geschichte?

Der Autor argumentiert, dass der Einfluss des Teufels bei der Entstehung des Inzests die persönliche Schuld des Geschwisterpaares und somit auch Gregorius’ mindert.

Welche Bedeutung kommt der Tafel in der Argumentation zu?

Die Tafel dient als zentrales Sinnbild für Identität und als Mahnmal für die begangene Tat, deren Verlust Gregorius tief erschüttert.

Warum zieht der Verfasser einen Vergleich zu Jesus Christus?

Im Fazit wird die stellvertretende Buße des Gregorius mit dem Erlösungswerk Christi verglichen, um Gregorius’ Rolle als heilsgeschichtliche Figur zu unterstreichen.

Final del extracto de 16 páginas  - subir

Detalles

Título
Hartmann von Aues "Gregorius". Ein Sünder ohne Schuld?
Universidad
RWTH Aachen University  (Germanistik, ÄDL)
Curso
Seminar: Hartmann von Aue: Armer Heinrich/Gregorius
Calificación
1,3
Autor
Tim Hoffmann (Autor)
Año de publicación
2014
Páginas
16
No. de catálogo
V275954
ISBN (Ebook)
9783656689027
ISBN (Libro)
9783656689010
Idioma
Alemán
Etiqueta
Hartmann von Aue Gregorius Sünder schuldlos Schuld Sünde Gregor Papst heilig Inzucht Erbsünde Felseninsel Mutter Schwester
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Tim Hoffmann (Autor), 2014, Hartmann von Aues "Gregorius". Ein Sünder ohne Schuld?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275954
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