Islamic Banking. Kulturelle Anpassung von Finanzdienstleistungen


Seminararbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Definition des Islamic Banking

2. Der Islam
2.1. Der Islam als Weltreligion
2.2. Die Entstehung des Islam
2.3. Die Fünf Säulen des Islams
2.4. Religion und Staat im Islam
2.5. Die Islamische Wirtschaftsethik
2.5.1. Was ist Wirtschaftsethik?
2.5.2. halal (Konformität mit dem Koran)
2.5.3. Eigentum
2.5.4. Zakat (Almosengeben)
2.5.5. Das gharar -Verbot (Risiko-Verbot)
2.5.6. Das riba -Verbot (Zinsverbot)

3. Islamic Banking
3.1. Hintergründe
3.2. Die Finanzinstrumente des Islamic Banking
3.2.1. Murabaha (Handelsfinanzierung)
3.2.2. Musharaka (Beteiligungsfinanzierung)
3.2.3. Mudaraba (Stille Partnerschaft)
3.2.4. Takaful (Versicherung)
3.2.5. Ijara (Leasing)

4. Ein Vergleich

5. Fazit & Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die generelle Zielsetzung dieser Hausarbeit besteht darin, Erklärungsansätze für die Integration der kulturellen und religiösen Züge des Islam in wirtschaftspolitische Systeme zu leisten; und die daraus resultierenden Grundzüge und Chancen bzw. Probleme des Islamic Banking in der Zukunft aufzuzeigen.

Das erste Kapitel bietet eine einführende Definition des Begriffs Islamic Banking. Im zweiten Kapitel wird auf den Islam als Weltreligion eingegangen, dessen wichtigsten Merkmale und Regeln erörtert, sowie die Wirtschaftsethik des Islam umrissen, um eine Basis für die weitere Beschreibung des Islamic Banking bereit zu stellen. Das dritte Kapitel beschreibt die Hintergründe der Entwicklung des Islamic Banking in der Vergangenheit und Gegenwart und beschreibt die einzelnen islam-konformen Finanzinstrumente des Islamischen Bankwesens. Im vierten Kapitel wird ein kurzer Vergleich des islamischen zum westlichen, konventionellen Finanzwesen hergestellt. Die Seminararbeit schließt im fünften Kapitel mit einem Fazit und einem zukunftsbezogenen Ausblick über die Chancen und Probleme bei der Etablierung des Islamic Banking - auch in der westlichen Finanzwelt - ab.

Zur besseren Orientierung werden behandelte islamische Begriffe kursiv geschrieben, sowie nachfolgend in Klammern oder im folgenden Text übersetzt bzw. erklärt.

1. Definition des Islamic Banking

Islamic Banking - das Islamische Bankwesen als Teil des Islamischen Finanzwesens, neben dem islamischen Versicherungswesen und Kapitalmarkt - definiert sich als eine Form kultu- reller Anpassung von Finanzdienstleistungen an die Gebote und Normen der islamischen Reli- gions- und Kulturgemeinschaft. Im Zuge einer andauernden Rückbesinnung der Muslime zu ihrer islamischen Identität in allen Lebensbereichen wird auch versucht das Islamische Bank- und Finanzwesen weitestgehend auf die religiösen Prinzipien des Islam zu stützen (vgl. ASKARI et al. 2009: 1).

2. Der Islam

2.1. Der Islam als Weltreligion

Hinter dem Christentum mit ca. 2,1 und vor dem Hinduismus mit ca. 0,9 Milliarden Anhän- gern, formt der Islam mit etwa 1,3 Milliarden Zugehörigen die zweit größte Religion der Welt und betrifft somit ca. 21% der Weltbevölkerung (vgl. CSF 2005). Der Islam bildet nicht nur eine Religions- sondern eine Kulturgemeinschaft1, die in unterschiedlicher Ausprägung auf der ganzen Welt zu finden ist. Wie in Abbildung 1 ersichtlich, konzentrieren sich die Nationen mit einer islamischen Mehrheit an der Bevölkerung auf Nord-Afrika, den Nahen Osten, sowie Südost-Asien. Die Abbildung beschränkt sich auf den eurasischen und afrikanischen Raum, da andere globale Regionen im Zusammenhang mit einer hohen Anzahl an Muslimen ver- nachlässigbar sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil der Muslime an der Bevölkerung

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

2.2. Die Entstehung des Islam (nach EICHHOFF 2006: 66-68)

Nachdem ihm Erzengel Gabriel im Schlaf erschienen ist beginnt Mohammed durch das Land zu Reisen und zu predigen. Um die christliche und jüdische Religion zu vollenden, gründet der Prophet Mohammed in Mekka schließlich eine neue Religion, den Islam. Mohammed schreibt als letzter Gesandter Allahs die Offenbarung des Willen Gottes im Heiligen Koran nieder. Später wird aus dem Koran und dem überliefertem Leben Mohammeds die Sharia entstehen, das Islamische Gesetz (siehe 2.4.).

Im Weltbild des Islams ist der Mensch die Schöpfung Gottes, wobei die Islamische der bibli- schen Schöpfungsgeschichte gleich kommt. „Die Aufgabe des Menschen besteht darin, Gottes Willen in Hingabe zu erfüllen.“ (EICHHOFF 2006: 68). Muslime versuchen dies vor allem durch die Befolgung ihrer fünf Grundpflichten (siehe 2.3.). Lebt der Mensch nach den Regeln des Koran, so wird er nach deinem Tod beim Jüngsten Gericht Erlösung erhalten und ins Para- dies gelangen. Folglich glauben Muslime an das Leben nach dem Tod, nehmen daher die Aus- sagen des Korans äußerst genau und versuchen ihnen hingebungsvoll zu folgen.

2.3. Die Fünf Säulen des Islam

Die Grundpflichten, die jeder Muslim einhalten muss, sind durch die Fünf Säulen des Islam festgelegt (nach RUTVEN 2000: 193ff): Die erste Säule ist Shahada (das islamische Glau- bensbekenntnis), bei dem jeder Muslim bezeugt, dass Allah die einzige Gottheit für ihn ist. Die zweite Säule bildet Salat (Beten), nach dem Muslime mehrmals täglich rituelle Gebete in Richtung Mekka verrichten sollen. Die dritte Säule, Zakat (Almosengeben), besagt, dass jeder erwachsene Muslim verpflichtet ist, jährlich 2,5 Prozent seines Kapitalvermögens, das er über einen Grundbedarf und persönliche Besitztümer hinaus verfügt, an Arme und Bedürftige spenden soll. Saum (das Fasten während des Monats Ramadan) bildet die vierte Säule. Die fünfte und letzte Säule ist Hajj (die Pilgerfahrt nach Mekka) die von jedem Muslim, sofern er körperlich dazu in der Lage ist, mindestens einmal im Leben durchgeführt werden muss.

2.4. Religion und Staat im Islam

Im Gegensatz zur weitestgehenden Trennung von Religion und Staat in westlichen Ländern, sind Religion und Politik im Islam untrennbar miteinander verknüpft. In den islamisch geprägten Ländern fanden keine Säkularisierungsprozesse statt, die das religiöse vom persön- lichen und bürgerlichen Leben ablösten. Wie AMERELLER (1995: 20-21) die Grundelemente der islamischen Rechtsschulen2 definiert, kommt dem Koran an sich zwar nicht die Bedeu- tung des Gesetzbuches zu, dennoch werden Ijma (die Interpretationen des Korans) sowie die daraus entwickelten Qias (durch Juristen gezogene Analogieschlüsse) als verpflichtend ange- sehen. Die Analogieschlüsse gründen auf den Entscheidungen islamischer Rechtsgelehrter bei vergangenen Präzedenzfällen. Die aus diesen drei Elementen entwickelte Scharia (das Islami- sche Recht) wird bereits 1938 vom Internationalen Gerichtshof als „general principle of law“ anerkannt (JADDULHAQQ 1947: 112, zitiert nach AMERELLER 1995: 20) und erstreckt sich auf alle Bereiche des religiösen, persönlichen und staatlichen Lebens im Islam. Dieser Einfluss auf alle Ebenen wird auch in der wörtlichen Übersetzung des Begriffs Islam deutlich, der „Unterwerfung, Hinwendung zu Gott“ (EICHHOFF 2006: 66) bedeutet.

Weiterhin gilt die Sunna (Überlieferung der Worte und Taten des Propheten Mohammed) als wichtigste Ansprechinstanz bei den Juristen, da Mohammed als idealer Mensch nach Gottes Willen gelebt hat und somit als Vorbild für alle Muslime gilt. Demnach gründet das Recht islamischer Länder auf dem religiösen Propheten Mohammed und dem durch ihn überliefer- ten Koran.

Beim Versuch die strengen Regeln der Scharia in die Praxis umzusetzen kommt es nicht sel- ten zu Schwierigkeiten, sodass besonders bei wirtschaftlichen Handlungen Umgehungsge- schäfte notwendig sind um den Vorschriften des Korans gerecht zu werden. Aufgrund der Pro- bleme bei der Praktikabilität der Scharia als einzige Rechtsquelle, wird sie in einigen Ländern nur mehr zusätzlich zu anderen Quellen für die Gesetzgebung benutzt, so beispielsweise in Kuwait oder den Vereinigten Arabischen Emiraten (vgl. AMERELLER 1995: 26-31).

2.5. Die Islamische Wirtschaftsethik

2.5.1. Was ist Wirtschaftsethik?

Wie bereits erörtert, kann der Islam nicht nur als reine Religion betrachtet werden, denn auf Grund seiner engen Verflechtungen mit Politik und jeglichen Bereichen des alltäglichen Lebens der Muslime, bildet der Islam eine eigene Kultur aus. Wie HAAS & NEUMAIR (2005: 349) feststellen wird Kultur „im Kontext internationaler Unternehmenstätigkeit [...] als Teil der Unternehmensumwelt betrachtet, welche die Handlungen der Individuen und die Organisationsstrukturen beeinflusst“, sowie die Wertvorstellungen der Menschen steuert, und somit definiert was in einer Gesellschaft richtig oder falsch ist (vgl. HAAS & NEUMAIR 2005: 352). Die Wert- und Normvorstellungen einer Kultur beeinflussen demnach auch die Entscheidungen und Vorgehensweisen in der Wirtschaftswelt. Eben diese Anwendung ethi- scher Prinzipien auf den Bereich wirtschaftlichen Handelns kann als Wirtschaftsethik definiert werden.

2.5.2. halal(Konformität mit dem Koran)

Alle Produkte und Dienstleistungen, die in einer muslimischen Gesellschaft erbracht und erworben werden müssen halal sein; das bedeutet sie müssen konform mit den Grundsätzen des Heiligen Koran sein. Unter dieser Voraussetzung sind unter anderem der Konsum und Handel mit Alkohol, Pornographie, Prostitution, Tabak und Schweinefleisch verboten. Außer- dem wird es nicht geduldet, sich mit der Produktion oder dem Kauf jeglicher Luxusgüter zu beschäftigen, wenn es der Gemeinschaft an der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse fehlt, z.B. Nahrung, Wohnen, Bildung oder Gesundheit (vgl. HASSAN & LEWIS 2007: 39).

2.5.3. Eigentum

GRAHAMMER (1993: 43) definiert die drei Grundsätze des islamischen Eigentumsrechts folgendermaßen:

„1) Gott allein ist der alleinige Eigentümer aller Vermögenswerte
2) Eigentum ist kein Selbstzweck, sondern lediglich ein Mittel um höhere Ziele zu erreichen, da alle Mitglieder der Gemeinschaft an den Ressourcen beteiligt sind
3) Das dritte Prinzip ergibt sich aus den ersten beiden und sichert den Besitzstand.“

Muslime haben demnach nach das Recht auf Privateigentum, allerdings mit einigen Ein- schränkungen. Bewegliche Güter, wie z.B. Kraftfahrzeuge oder Geld, dürfen nicht über die eigenen Grundbedürfnisse hinaus benutzt bzw. erworben werden. Unbewegliche Güter, wie z.B. Land, gehören grundsätzlich der Allgemeinheit, auch dann wenn sie in privatem Besitz sind (vgl. AMERELLER 1993: 43-44). Grundsätzlich muss alles Privateigentum rechtmäßig, also durch „Eigenleistung, Gewinnbeteiligung aus Investitionen, Schenkung, sowie Verer- bung“ erworben sein (GHAUSSY 1986: 63, 73, zitiert nach EICHHOFF 2006: 74). Prinzipiell ist Gott allein der Eigentümer aller Dinge auf der Erde, während der Mensch sie nur benutzen darf, sofern er dies nach dem Willen Gottes tut. Dem Menschen ist es gestattet, die Ressour - cen auf der Erde zu verwenden, um seine Grundbedürfnisse sichern und wirtschaftlich agieren zu können. Wer durch ein ausgeprägtes Gewinnstreben handelt, welches zu einer weiteren eigenmächtigen Ausnutzung führen würde, würde nicht nach Gottes Willen handeln. In der Praxis kann man jedoch häufig beobachten, dass sich wohlhabende Muslime nicht immer daran halten; Dubai Marina (DUBAI MARINA 2009) und weitere geplante prestigeträchtige Stadtbauprojekte in Dubai, den Vereinigten Arabischen Emiraten, können hier nur als eines der zahlreichen Beispiele angebracht werden.

2.5.4. Zakat (Almosengeben)

Wie in den Fünf Säulen des Islam festgelegt, muss jeder erwachsene, wohlhabende Bürger 2,5% seines Vermögens an Arme und Bedürftige abgeben. Zakat (Almosen) kann grundsätzlich mit einer Vermögenssteuer vergleichen werden (vgl. GRAHAMMER 1993: 44). Auch hier zeigt sich wieder die Idee, dass alle Dinge auf der Erde, von Gott für die Menschen bereit gestellt, der gesamten Gemeinschaft gehören und von jedem zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse genutzt werden sollen können.

[...]


1 Es soll hier allerdings nicht der Eindruck entstehen der Islam wäre eine durchgehend einheitliche Religion.

So zeigen sich unterschiedliche Ausprägungen der Muslime unter anderem in den Glaubensgemeinschaften der Schiiten oder Sunniten, sowie extremistischen Gruppen wie den Islamisten. Im Rahmen der Seminararbeit wird der Islam als eine einheitliche Religion behandelt, da der Schwerpunkt nicht auf den individuellen Unterschieden, sondern auf den Normen und Regeln der Muslime im Allgemeinen liegt.

2 Im Islamischen Rechtswesen haben sich einzelne Rechtsschulen ausgebildet, die ihrerseits unterschiedliche Ansichten haben. Die vier größten Rechtsschulen des Islam sind die Malikiten, die Hanafiten, die Shafiiten sowie die Hanbaliten. Heutzutage werden die unterschiedlichen Ansichten teilweise verknüpft um das islamische Recht zu reformieren (vgl. AMERELLER 1995: 22-24).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Islamic Banking. Kulturelle Anpassung von Finanzdienstleistungen
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V275974
ISBN (eBook)
9783656688150
ISBN (Buch)
9783656688143
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islamic, banking, kulturelle, anpassung, finanzdienstleistungen
Arbeit zitieren
Dorothea Wolschak (Autor:in), 2011, Islamic Banking. Kulturelle Anpassung von Finanzdienstleistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275974

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