Paare stellen eine der wichtigsten und intensivsten Beziehungen dar, die der Mensch hervorbringen kann. Da die Intimität der Verbindung von Partnern einer besonderen Sprache bedarf, bildet das Paar nicht nur in soziologischer, sondern auch in linguistischer Hinsicht einen interessanten Untersuchungsgegenstand. In der vorliegenden Arbeit soll die spezifische Kommunikationssituation von zwei- oder mehrsprachigen Paaren untersucht werden. Dabei soll besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, inwieweit sich im sprachlichen Verhalten der jeweiligen Partner ethnische Zugehörigkeit ausdrückt, ob die sprachliche Diversität in der Beziehung zu Problemen führen kann und welche Auswirkungen die mehrsprachige Situation im Paaralltag auf das Identitätsverständnis der Partner hat. Weiterhin sollen daraus mögliche Schlussfolgerungen auf die Situation sprachlichen und ethnischen Kontakts in Zeiten der Globalisierung gezogen werden. Im ersten, theoretischen Teil soll zunächst ein Einblick in die Forschung um Sprache und Identität gegeben werden als Grundlage für die folgenden Überlegungen zu der Identitätskonstruktion über Sprache bei mehrsprachigen Paaren. Weiterhin werfen wir einen Blick auf die Paarkommunikation im Allgemeinen in Anlehnung an eine einschlägige Arbeit von Leisi (1983). Die Überlegungen zum Ausdruck von Ethnizität und sprachlichem und ethnischem Zusammenwachs soll an eine Theorie von Haarmann (1986) zu ethnischer Fusion und Fission anknüpfen, die an dritter Stelle vorgestellt und gemäß des sprachlichen Themas modifiziert wird. Es folgt eine empirische Untersuchung und Auswertung dreier mehrsprachiger Paare, sowie ein abschließender Blick auf die allgemeine Situation ethnischen und sprachlichen Zusammenwachses.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Sprache und Identität
2.2. Sprache und Identitätsverständnis bei Paaren
2.3. Theoretische Kategorisierung ethnischer Fusionen bei Haarmann
3. Empirische Untersuchung
3.1. Methoden und Daten
3.2. Analyse der Interviews
4. Kultureller Zusammenwachs im Zeitalter der Globalisierung – Nationale/ sprachliche/ ethnische Vermischung der Menschen?
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Kommunikationssituation von zwei- oder mehrsprachigen Paaren, um zu analysieren, wie sich ethnische Zugehörigkeit im sprachlichen Verhalten ausdrückt, inwieweit sprachliche Diversität die Identitätskonstruktion beeinflusst und welche Rückschlüsse dies auf den kulturellen und sprachlichen Austausch im Zeitalter der Globalisierung zulässt.
- Analyse der Paarkommunikation als „Mini-Soziolekt“ und Entwicklung von Privatcodes.
- Anwendung des theoretischen Modells von Haarmann auf den individuellen Sprachkontakt.
- Empirische Auswertung der Sprachbiografien und Kommunikationsmuster von drei mehrsprachigen Paaren.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen sprachlicher Anpassung und der Bewahrung der eigenen kulturellen Identität.
- Reflexion über die Auswirkungen von Globalisierung auf die wahrgenommene Sprachdiversität.
Auszug aus dem Buch
2.2. Sprache und Identitätsverständnis bei Paaren
In diesem Kapitel werde ich mich auf die Ausführungen Leisis stützen, der die sehr spärliche Literatur über Paarkommunikation um seinen Band „Paar und Sprache“ bereichert hat. Wie eingangs schon erwähnt, stellen Paare eine sehr wichtige und einzigartige Komponente der Gesellschaft dar. Leisi weist darauf hin, dass Paare in soziolinguistischer Hinsicht zu Sprachgruppen gezählt werden müssen. Der Zusammenhalt durch Abgrenzung zu anderen, spezifische Verhaltensweisen und Gebräuche können die Sprache einer Partnerschaft zweier Menschen in der Tat ebenso auszeichnen, wie die Varietäten größerer Sprachgruppen im „klassischen“ Sinne, wie Jugend- oder bestimmte Berufssprachen.
Die Kommunikationsforschung hat sich bisher wenig mit speziellen Sprecher-Hörer-Beziehungen beschäftigt – bei jener von Paaren muss demnach fachübergreifend, vor allem mit der Psychologie gearbeitet werden.
Die spezifische Sprache, die Paare unter sich verwenden, bezeichnet Leisi als den kleinsten „Mini-Soziolekt“ (Leisi, 36), innerhalb dessen ein individueller Privatcode (Leisi, S. 8) geschaffen wird. Paare entwickeln unter sich eine eigene Varietät, die mehr oder weniger kreative Ausmaße annehmen kann und in der gemeinsame Ausdrucksweisen für Dinge und Sachverhalte geschöpft werden. Leisi sieht einen solchen Privatcode sogar als essentielle Bedingung für eine funktionierende Beziehung an und stellt zur Debatte, ob es ein proportionales Verhältnis zwischen der Intensität des Privatcodes und dem Zusammenhalt des Paares geben kann (Leisi, 13). Dies ist meiner Meinung nach individuell zu beurteilen, jedoch erscheint die Vermutung plausibel, wenn man seine weitere Beobachtung heranzieht, dass die Schöpfung einer eigenen Sprache in der Partnerschaft, die Konventioniertheit und soziale Bedingtheit weitgehend ausklammert, als ein Vordringen zu purer geistiger Verbundenheit wirkt (vgl. Leisi, 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die Kommunikationssituation bei mehrsprachigen Paaren zu erforschen und die Auswirkungen auf das Identitätsverständnis zu beleuchten.
2. Theoretische Grundlagen: Bietet einen Überblick über Konzepte zu Sprache, Identität und Paarkommunikation und führt ein modifiziertes Modell ethnischer Fusion nach Haarmann ein.
3. Empirische Untersuchung: Präsentiert die qualitative Interviewstudie mit drei mehrsprachigen Paaren und analysiert deren individuelle Kommunikationsstrategien und Sprachdominanzen.
4. Kultureller Zusammenwachs im Zeitalter der Globalisierung – Nationale/ sprachliche/ ethnische Vermischung der Menschen?: Diskutiert, wie Globalisierung und der Druck zur Vereinheitlichung das individuelle Bedürfnis nach sprachlichem Bewahrungserhalt beeinflussen.
5. Fazit: Fasst zusammen, dass die Partnerschaft die Identität der Partner prägt und trotz Sprachbarrieren als wertvolle Ressource für die kommunikative Mobilität dient.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Paarkommunikation, Identitätsbildung, Ethnizität, Sprachkontakt, Privatcode, Soziolekt, Sprachidentität, Haarmann, Globalisierung, interkulturelle Beziehung, Sprachbiografie, Sprachdominanz, Sprachvariation, Kommunikationsverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Kommunikation in mehrsprachigen Partnerschaften und wie diese das Identitätsverständnis der beteiligten Personen sowie deren Wahrnehmung von Kultur und Sprache beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die soziolinguistischen Aspekte der Paarkommunikation, die Verknüpfung von Sprache und Ethnizität nach Fishman, sowie die Auswirkungen von Sprachdominanz innerhalb von Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie mehrsprachige Paare trotz unterschiedlicher sprachlicher Hintergründe einen eigenen "Privatcode" entwickeln und wie diese Dynamik zur persönlichen und kulturellen Identitätskonstruktion beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, bei dem drei mehrsprachige Paare in strukturierten Skype-Interviews befragt wurden, um anschließend die Ergebnisse in einer vergleichenden Analyse zu interpretieren.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung soziolinguistischer Konzepte sowie eine empirische Analyse, die Sprachbiografien, das Kommunikationsverhalten und die individuelle Sprachwahrnehmung der Interviewpartner beleuchtet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Mehrsprachigkeit, Paarkommunikation, Identitätsbildung, Sprachkontakt, Privatcode und die theoretische Kategorisierung ethnischer Fusionen.
Inwieweit spielt das Modell von Haarmann eine Rolle für die Analyse?
Das Modell der "ethnischen Fusion und Fission" von Haarmann wird als theoretisches Gerüst genutzt und auf den Sprachkontakt bei Individuen übertragen, um die verschiedenen Arten der sprachlichen Angleichung bei Paaren zu klassifizieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Privatcode und Sprache des Umfelds wichtig?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Sprache innerhalb einer Beziehung (der Privatcode) oft eine andere Funktion erfüllt als die Sprache im öffentlichen Raum, was bei den Partnern zu einer differenzierten Ausprägung ihrer Identität führt.
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- Caroline Strauss (Autor), 2013, Mehrsprachige Paare, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276199