Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen". Wegbereiter für die Konstruktionsgrammatik?


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“
2.1) Familienähnlichkeit
2.2) Das Sprachspiel
2.3) Regeln und Regelfolgen

3.) Konstruktionsgrammatik

4.) Wittgenstein und Konstruktionsgrammatik
4.1) Familienähnlichkeit und Sprachspiel in Konstruktionen
4.2) Regeln und Regelfolgen in Konstruktionen

5.) Fazit

6.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

„Man kann für eine große Klasse von Fällen

der Benützung des Wortes »Bedeutung«

- wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung –

dieses Wort so erklären:

Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“

Ludwig Wittgenstein

Ludwig Wittgenstein hat mit seinen posthum veröffentlichten „Philosophischen Untersuchungen“ die Sprachforschung nachhaltig verändert und zu neuen Perspektiven bewogen.

Erstaunlich ist vor allem, dass er selbst Jahre zuvor eine völlig konträre Meinung vertrat.

Betrachtet man nun einige von Wittgenstein beschriebene Passagen der Philosophischen Untersuchungen und vergleicht seine Herangehensweise der Sprachbetrachtung mit der einer recht umstrittenen und dadurch nach wie vor aktuellen Strömung der Grammatiktheorie, nämlich der Konstruktionsgrammatik, dann lassen sich viele Parallelen erkennen und thematisieren.

Vor allem der starke Funktionsbezug in der Betrachtung von Sprache zeigt deutlich den pragmatischen Bezug von Wittgenstein und Konstruktionsgrammatikern.

Im Folgenden sollen die Gemeinsamkeiten der Philosophischen Untersuchungen und Zügen der Konstruktionsgrammatik thematisiert und diskutiert werden.

Als wichtigster Bezugpunkt hierbei gilt die Wittgensteinsche Auffassung davon, dass Sprache nur dann sinnvoll ist, wenn sie nach vereinbarten Regeln von mehreren Akteuren benutzt wird. Alles andere fällt, nach Wittgenstein, in den Bereich der Privatsprache, welcher wiederum nicht zulässig, weil sinnlos ist. Demnach macht auch die Untersuchung von Sprache und ihrer Funktion nur dann Sinn, wenn man sie im Gebrauch untersucht.

Dass es einen gravierenden Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache gibt, ist hinlänglich bekannt, jedoch konzentrieren sich Grammatiktheorien noch immer verstärkt auf die Besonderheiten und Regeln einer Sprache, die entweder in geschriebener Form vorliegt oder eine Idealsprache ist, die mit Alltagssprache nicht viel gemein hat. Diese Tatsache sorgt oft für die Auffassung, dass gesprochene Sprache zu einem großen Teil falsch sei, weil Sprecher sich hierbei nicht an die Regeln der Grammatik halten.

Aber wie kommt es dazu, dass Redewendungen, Phrasen oder auch nur einzelne Wörter in ihrer Bedeutung von (routinierten) Sprechern erkannt werden?

Wittgenstein wendet sich in seinen Philosophischen Untersuchungen, genau wie Vertreter des konstruktionsgrammatischen Ansatzes dagegen, dass Grammatik ein autonomes und dem Menschen von vornherein immanentes System ist. Vielmehr ist Grammatik das Resultat von „Verabredungen“ und Konventionen innerhalb einer Sprachgemeinschaft.

2.) Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“

Die Philosophischen Untersuchungen (im Folgenden werden sie mit PU abgekürzt) von Wittgenstein wurden posthum veröffentlicht und bestehen aus einer Sammlung von Notizen, die sich Wittgenstein im Laufe der Jahre nach der Veröffentlichung seines „Tractatus logico-philosophicus“ machte. Diese Notizen wurden nach seinem Tod zusammengetragen und veröffentlicht. Aus diesem Grund bestehen die PU aus insgesamt 693 Paragraphen, die in ihrer Zusammenstellung keiner logischen Struktur folgen.

Im „Tractatus logico-philosophicus“ beschreibt Ludwig Wittgenstein ein ideales Bild der menschlichen Sprache, wonach jedem Wort eine Bedeutung zugeordnet ist. Diese Bedeutung ist wiederum der Gegenstand, für den das Wort steht[1].

Gegen diese Vorstellung wendet er sich mit seinen Notizen in den PU. Es fällt auf, dass wann immer über die Bedeutung von Wörtern gesprochen wird und diese erklärt werden soll, von der Anwendung und den Anwendungsregeln des Wortes gesprochen wird und nicht von der Bedeutung.

Die Bedeutung des Wortes, ferner des Satzes, muss also mit der Anwendung zusammenhängen und die Betrachtung des Sprachgebrauchs auf die Betrachtung des Sprachhandelns ausgeweitet werden.

Die Bedeutung von Sprache müsse ähnlich der Bedeutung eines Spiels erklärt werden[2]. Es gibt Regeln, die die Sprache und das Spiel leiten, jedoch kann ein veränderter (Sprach-/Spiel-) Kontext andere Regeln erfordern. Anders formuliert kann „Sprache“ nicht ohne „Sprechen der Sprache“ er- und geklärt werden, sowie analog „Spiel“ nicht ohne „Spielen des Spiels“ erklärt werden kann.

Wittgenstein behandelt Sprache als eine soziale Praxis, in der sich Menschen auf Regeln geeinigt haben und diese anwenden oder brechen können.

2.1) Familienähnlichkeit

Ausgehend von einer logischen Sprachauffassung wäre jedem Wort eine bestimmte Bedeutung zugeordnet.

Diese Auffassung wird an dem Punkt strittig, an dem man versucht Wörter wie „Spiel“ oder „Sprache“ zu definieren. Es wird möglich sein, Attribute zu bezeichnen, die jedem Gegenstand der etwa unter „Spiel“ fällt inhärent sind[3]. Aber es wird dadurch nicht möglich sein, eine universelle und detaillierte Definition für „Spiel“ zu formulieren. Diese Tatsache wird von Wittgenstein als „Familienähnlichkeit“ bezeichnet. Gemeint ist damit nicht die „Wortfamilie“, wie sie häufig im Sprachunterricht verwendet wird, sondern eine weniger greifbare Verbindung zwischen Begriffen und Wörtern.

„Und das Ergebnis dieser Betrachtung lautet nun: Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. Ähnlichkeiten im Großen und Kleinen.“[4]

Daraus resultiert, dass Wörter im Gebrauch der Sprache Verwendung finden, ohne dass sie näher definiert werden könnten; der Gebrauch geschieht häufig intuitiv[5].

[...]


[1] Vgl. PU §1.

[2] Vgl. PU §7.

[3] Vgl. PU §66.

[4] PU §66.

[5] Vgl. Baker/Hacker, 2009, S. 206.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen". Wegbereiter für die Konstruktionsgrammatik?
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Literatur, Sprache, Medien)
Veranstaltung
Konstruktionsgrammatik
Note
1,1
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V276247
ISBN (eBook)
9783656691624
ISBN (Buch)
9783656694069
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wittgensteins, philosophische, untersuchungen, wegbereiter, konstruktionsgrammatik
Arbeit zitieren
Anna Borggreve (Autor), 2013, Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen". Wegbereiter für die Konstruktionsgrammatik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276247

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