Empowerment in der Sozialarbeit mit Frauen in der Prostitution

Ein ethischer Diskurs


Seminararbeit, 2009
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Empowerment

3. Prostitution

4. Der freie Wille und Prostitution
4.1.Zwangsprostituierte
4.2. Selbstbestimmte Prostituierte
4.3. Prostituierte aus wirtschaftlichen Gründen

5. Die Ethik der Organisation

6. Empowerment und Prostitution

7. Schlussgedanken

8. Literatur

1. Einleitung

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Sozialarbeiterin der Caritas Beratungsstelle Lena für Frauen, die in der Prostitution arbeiten oder gearbeitet haben bin ich in letzter Zeit immer öfter an einer unserer Zielformulierungen hängen geblieben:

„Empowerment der Zielgruppe“, steht in unserem Konzept als Schlagwort ohne näher ausgeführt zu werden und immer öfter habe ich das Gefühl, dass wir dieses Ziel, welches wir ja nicht konkret ausformuliert haben nicht erreichen, uns aber mit diesem Begriff „schmücken“ um unsere offene tolerante Haltung gegenüber dem Thema Prostitution zu verstärken.

Somit werfen sich für mich schon die ersten Fragen auf: Wer ist unsere Zielgruppe? Was verstehen wir genau unter Empowerment? Welche Ethik wird benötigt um diesen Ansatz vollständig umzusetzen?

Immer wieder kommt es vor dass interessierte oder kritische Außenstehende, die nicht mit dem Alltag unsere Arbeit vertraut sind, genau nach dem Gelingen und der Rechtfertigung dieses Ansatzes nachfragen und ich mich selber schon dabei ertappt habe die Schultern zu zücken und nach anfänglichen Erklärungsversuchen nur teilweise fähig bin einen Diskurs darüber zu führen.

Es stellt sich mir die Frage welche Funktion der Begriff Empowerment in seinem Alltagsverständnis für uns als SozialarbeiterInnen erfüllt, in einem Feld, das ja ganz und gar nicht mit Selbstbestimmung oder Stärke in Zusammenhang gebracht wird. Über dies hinaus möchte ich mich auch mit der Thematik des Empowerments von Prostituierten in einer kirchennahen Einrichtung auseinandersetzen.

Im Rahmen dieser Seminararbeit möchte ich zuerst eine Begriffsklärung vornehmen und mich dann der Thematik der Prostitution widmen, um schließlich auch die ethische Einstellung der Organisation Caritas zu beleuchten. Im letzten Kapitel widme ich mich dem Empowermentkonzept in der Sozialarbeit mit Prostituierte im Blickwinkel der Ethik und Moral.

2. Empowerment

Das Wort Empowerment wird laut Pons wörtlich als: Bevollmächtigung, Ermächtigung übersetzt. (www.pons.eu, 27.12.2008)

Das englische Substantiv, dessen Grundstamm das Wort „power“ ist, verdeutlicht das Thema der Macht als seinen zentralen Aspekt. Das Verb „to empower“ heißt soviel wie jemand zu ermächtigen oder jemanden die Vollmacht zu erteilen etwas zu tun. (vgl. Stark, 1996: 16, zit. In: Miller /Pankhofer, 2000:8)

Bei meiner Literaturrecherche bin ich auf die unterschiedlichsten Begriffskonzepte von Empowerment gestoßen, deren gemeinsamer Nenner ausschließlich die rudimentäre Übersetzung ist, und kam, wie auch schon Herringer (vgl. 1997, 11) beschrieben hat zu dem Urteil, dass es keinen allgemein akzeptierten Begriff von Empowerment in der Sozialarbeit gibt. Deutlich wird aber auch, dass der Begriff weit mehr bedeutet als das landläufige Verständnis der „Hilfe zur Selbsthilfe“, welches in der Sozialarbeit ja zu einem chicen Accessoire geworden ist.

Herringer bezeichnet Empowerment „…im transitiven Wortsinn als programmatisches Kürzel für eine psychosozialen Praxis, deren Handlungsziel es ist, Menschen vielfältige Vorräte von Ressourcen für ein gelingendes Lebensmanagement zu Verfügung zu stellen, auf die sie bei Bedarf zurückgreifen können, um Lebensstärke und Kompetenz zur Selbstgestaltung der Lebenswelt zu gewinnen.“ (Herringer, 1997:15)

Stark hingegen bezeichnet Empowerment als Versuch die sozialtechnologische „Reparaturmentalität“ der helfenden Berufe zu überwinden, indem die Aufgabe der Professionellen darin besteht einen Prozess anzustoßen, durch den Klienten (persönliche, organisatorische und gemeinschaftliche) Ressourcen erhalten, die sie befähigen, größere Kontrolle über ihr eigenes Leben auszuüben und gemeinschaftliche Ziele zu erreichen.“ (Stark 1996: 118f.)

Im Zentrum dieser Handlungskonzepte steht allgemein die Hinwendung zu den Stärken, den Ressourcen der Adressaten auf der Basis einer Akzeptanz unkonventioneller Lebensentwürfe, mit dem Ziel die KlientInnen dahingehend zu ermächtigen ein gelingendes Leben zu führen und folglich auch einem Umverteilung der Macht herbeizuführen.

Ein gelingendes Leben zu führen setzt meiner Meinung nach das Wissen und die eigene Vorstellung darüber voraus, wie möchte ich mein Leben führen und welchen Willen habe ich. Im Rahmen einer Tagebuchaktion haben wir Prostituierte gebeten unter anderem niederzuschreiben was sie sich in ihrem Leben wünschen, wobei weder wir noch unsere Klientinnen den Begriff Wünschen und Wollen differenziert haben. Die Wünsche der Frauen waren Formulierungen, die jeder andere unabhängig einer beruflichen Zugehörigkeit, sozialen Schicht oder Herkunft, ebenso formuliert hätte. Es waren Wünsche nach einer Familie, einem Haus und einem finanziell sorglosen Leben, welche als reine unkommentierte Aussagen festgehalten wurden. Ich vermute, dass dieselben Antworten auf die Frage nach dem Wollen gefallen wären, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass im Begriff des Empowerments auch die Hinführung zum eigenen Willen beinhaltet sein muss um die viel zitierte Selbstkompetenz in ihren Grundfesten überhaupt erlebbar zu machen.

3. Prostitution

Prostitution bezeichnet die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt und wird laut dem österreichischen Gesetz noch etwas zugespitzter formuliert. In den meisten österreichischen Landesgesetzen heißt es „die gewerbsmäßige Duldung sexueller Handlungen am eigene Körper“. (www.sophie.or.at., 18.12.2208)

Sexuelle Handlungen am eigene Körper zu erdulden drückt die Passivität, das eigene nicht Handeln, etwas über sich ergehen zu lassen aus und das Wort gewerbsmäßig“ bestätigt die finanzielle Abgeltung. Und nun stellt sich mir die Frage, ob nicht genau, das, was unsere Alltagsmoral mit dem Begriff Prostitution in Verbindung bringt, ebenso im Gesetzestext ausgedrückt und bekräftigt wird. Keine anerkannte berufliche Tätigkeit kann eine Duldung enthalten, welche per se ein aktives Tun ausschließt und lediglich des Verhaltens eines Dritten, in dem Fall, am eigenen Körper zulässt. Die Duldung an sich zu legalisieren und als gesetzliche Basis aller weitergehenden Bestimmung zu verwenden diskriminiert jede und jeden, die / der aktiv in der Prostitution tätig ist oder vielleicht treffender formuliert, passiv in der Prostitution untätig ist.

Prostitution wird vom Österreichischen Staat auch weiterhin als „sittenwidrig“, folglich als gegen die Moral verstoßend, bezeichnet und verhindert die Anerkennung als Gewerbe, sowie die Rechtskraft der Verträge, die zwischen Hure und Freier eingegangen werden. Diese „sittenwidrige Untätigkeit“ wird jedoch gewerbsmäßig geduldet und stellt dadurch ein legales Einkommen dar, was vor dem Gesetz eine Steuerpflicht rechtfertigt. Der Staat reagiert auf diese moralische Frage mit einem Regulationsprinzip, indem er Prostitution als notwendiges Übel sieht und es unter staatliche Kontrolle stellt. So wird zwar erkannt, dass die moralische Handlungsorientierung nicht befolgt wird, aber die Reflexion der Ethosinhalte und -informationen findet nicht statt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Empowerment in der Sozialarbeit mit Frauen in der Prostitution
Untertitel
Ein ethischer Diskurs
Hochschule
Fachhochschule St. Pölten
Veranstaltung
Ethik
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V276395
ISBN (eBook)
9783656694090
ISBN (Buch)
9783656695806
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empowerment, sozialarbeit, frauen, prostitution, diskurs
Arbeit zitieren
Lisa Mahdavian-Kral (Autor), 2009, Empowerment in der Sozialarbeit mit Frauen in der Prostitution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276395

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