Welche Funktion erfüllt der Begriff Empowerment in seinem Alltagsverständnis für SozialarbeiterInnen, in einem Feld, welches ganz und gar nicht mit Selbstbestimmung oder Stärke in Zusammenhang gebracht wird? Welche Rolle spielt die Thematik des Empowerments von Prostituierten in einer kirchennahen Einrichtung ? Wie erklärt sich das Empowermentkonzept in der Sozialarbeit mit Prostituierten im Blickwinkel der Ethik und Moral?
Ein spannender, selbstreflektierender Diskurs einer Sozialarbeiterin aus der Beratungspraxis von Sexarbeiterinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Empowerment
3. Prostitution
4. Der freie Wille und Prostitution
4.1.Zwangsprostituierte
4.2. Selbstbestimmte Prostituierte
4.3. Prostituierte aus wirtschaftlichen Gründen
5. Die Ethik der Organisation
6. Empowerment und Prostitution
7. Schlussgedanken
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethischen Herausforderungen und Widersprüche bei der Anwendung des Empowerment-Konzepts in der Sozialarbeit mit Prostituierten, insbesondere vor dem Hintergrund einer kirchlich geprägten Trägerorganisation.
- Kritische Analyse des Begriffs Empowerment in der psychosozialen Praxis.
- Unterscheidung der Prostituierten-Gruppen bezüglich ihrer Freiwilligkeit.
- Reflexion des moralischen Dilemmas zwischen institutioneller Ethik und individueller Lebensführung.
- Herausarbeitung der Barrieren für echte Mobilisierungsprozesse in der sozialen Beratungsarbeit.
Auszug aus dem Buch
6. Empowerment und Prostitution
Vor einem Jahr feierte LENA das 10 jährige Bestehen. Wir baten die Frauen um einige Statements, um ihnen bei unserer Feier eine Stimme zu geben. Wir machten unsere Klientinnen darauf aufmerksam, dass auch Politiker anwesend sein werden jene, die maßgeblich daran beteiligt sind, Gesetze zu verabschieden. Die Frauen hätten im Rahmen dieser Veranstaltung die Möglichkeit anonym und unzensiert zu sagen, was ihnen am Herzen läge. Von etlichen Frauen, die unsere Beratungsstelle bereits jahrelang in Anspruch nehmen, die sich an unseren Aktivitäten beteiligen, und die uns sehr selbstbewusst entgegentreten, bekamen wir zu Antwort: „Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden von der Politik gibt, den es interessiert, was ich zu sagen habe.“ Wir haben dieses Zitat so verlesen und Betroffenheit unter den Anwesenden erreicht, jedoch nur bei den Helfern wohlgemerkt. Aber Stärke im Sinne von Power, im Sinne von Bevollmächtigung, war keine zu spüren.
Dieses Beispiel aus der Praxis spiegelt auch genau den üblichen Ausgangspunkt des Empowermentprozesses wider, der am Beginn das Gefühl der Ohnmacht im zentralen Fokus hat, und ebenso die Erwartung der Betroffenen beinhaltet, dass man durch eigens Handeln die Lebensverhältnisse nicht verbessern kann. (vgl. Herringer 1997: 130)
Aus meiner Sicht ist das auch genau der Punkt, den wir in unsere Arbeit in der Beratungsstelle bis dato noch nicht überschritten haben, und uns dadurch der zweiten Phase, der Phase der Mobilisierung, in all den Jahren nicht annähern konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin reflektiert die Diskrepanz zwischen dem konzeptionellen Anspruch des Empowerments in ihrer täglichen Arbeit bei der Beratungsstelle LENA und der praktischen Umsetzung.
2. Empowerment: Es werden verschiedene theoretische Ansätze zum Empowerment beleuchtet, die über reine „Hilfe zur Selbsthilfe“ hinausgehen und Machtaspekte sowie Ressourcenstärkung in den Fokus rücken.
3. Prostitution: Das Kapitel analysiert die gesetzliche und moralische Einordnung der Prostitution in Österreich, wobei die Passivität der gesetzlichen Duldung kritisch hinterfragt wird.
4. Der freie Wille und Prostitution: Hier wird eine Differenzierung zwischen Zwangsprostituierten, selbstbestimmten Sexarbeiterinnen und Frauen mit wirtschaftlichem Druck vorgenommen, um den Begriff der Freiwilligkeit zu präzisieren.
5. Die Ethik der Organisation: Die Autorin untersucht, wie die christliche Soziallehre ihrer Trägerorganisation die Beratungspraxis beeinflusst und welche ethischen Konflikte dadurch entstehen können.
6. Empowerment und Prostitution: Anhand von Praxisbeispielen wird aufgezeigt, warum Empowerment-Prozesse in der Beratungsarbeit oft an institutionellen Grenzen und moralischen Vorgaben scheitern.
7. Schlussgedanken: Die Arbeit resümiert, dass die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen ethischen Haltung wesentlich für die professionelle Arbeit als Sozialarbeiterin ist.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Empowerment, Sozialarbeit, Prostitution, Ethik, christliche Soziallehre, Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, Macht, Ressourcen, Moral, Mobilisierung, Opferstatus, Beratungsstelle, Lebensführung, professionelle Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Umsetzung des Empowerment-Konzepts in der Sozialarbeit mit Prostituierten auseinander, insbesondere innerhalb einer kirchlichen Trägerorganisation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Empowerment, die ethische Einordnung von Prostitution, die Bedeutung von Freiwilligkeit und die Rolle von Institutionen bei der Unterstützung von Klientinnen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob Empowerment in der konkreten Praxis der Beratungsstelle LENA unter Berücksichtigung christlicher moralischer Vorgaben überhaupt wahrhaftig gelebt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die theoretische Literaturanalyse sowie ihre eigene berufliche Erfahrung und Reflexion in der Beratungsstelle als Grundlage für den ethischen Diskurs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Begriffsklärung von Empowerment, einer Strukturierung der Prostituierten-Lebenswelten sowie der Analyse der institutionellen Ethik der Caritas und deren Auswirkungen auf die Klientenberatung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Empowerment, Prostitution, Ethik, Freiwilligkeit und moralische Reflexion.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen verschiedenen Arten von Prostitution?
Sie unterscheidet zwischen Zwangsprostituierten, Frauen, die Prostitution als selbstbestimmte Profession ausüben, und Frauen, die aufgrund wirtschaftlicher Armut und Perspektivlosigkeit in die Prostitution gehen.
Welche Rolle spielt die christliche Soziallehre bei der Beratung?
Die christliche Soziallehre schafft einen Rahmen, der Prostitution sittlich ablehnt, was die Beraterin vor das Dilemma stellt, einerseits zu helfen und andererseits die moralische Grundhaltung der Organisation zu wahren.
- Citar trabajo
- Lisa Mahdavian-Kral (Autor), 2009, Empowerment in der Sozialarbeit mit Frauen in der Prostitution, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276395