Das Galicische, das aus dem Vulgärlatein entstand, gilt als Mundart, die im Nordwesten Spaniens gesprochen wird. Aus dem Galicischen entstand durch die Reconquista das Portugiesische. Doch während das Portugiesische als eigenständige Sprache angesehen wird, gilt das Galicische bis heute, nach einer kurzen Blütezeit im Mittelalter, als ein Dialekt des Volkes neben dem Spanischen. Ein Grund dafür sei die Eingliederung des Territoriums in das vom Kastilischen dominierte Spanien.
Im Laufe der Zeit gab es zahlreiche Bemühungen, dem Galicischen eine eigene sprachliche Identität bzw. eine gemeinsprachliche Norm zu verleihen. Nur leider hat sich bis heute aufgrund der verschiedenen Theorien und Ansätze keine einheitliche Norm in der ganzen Sprachgemeinschaft durchsetzen können.
In der vorliegenden Arbeit geht es darum, zu zeigen welche Stationen das Galicische in seiner Entwicklung durchlaufen hat und warum es bis heute, im Vergleich zum Portugiesischen, das den Status einer Weltsprache erlangt hat, keine angesehene eigenständige Sprache ist und somit auch keine einheitliche Normierung besitzt.
Um das besser verstehen zu können, ist die Darstellung der wichtigsten geschichtlichen, sowie sprachlichen Etappen unumgänglich. Zuvor wird ein allgemeiner Überblick zum Galicischen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
2. Geschichtlicher Überblick
2.1 Entstehung Römer- und Germanenzeit
2.2 Hoch- und Spätmittelalter: Galicisch wird zur Sprache der Lyrik der iberischen Halbinsel
2.3 14.-16. Jh.: Beginn der Zurückdrängung des Galicischen
2.4 16.-18. Jh.: Séculos Escuros (Dunkle Jahrhunderte)
2.5 19. Jahrhundert
2.6 20. Jahrhundert: 1900-1939
2.7 Galicisch zur Zeit der Franco Diktatur
3. Gegenbewegung zur Kastilisierung
4. Das Galicische zur Zeit der Transición
4.1 Bestrebungen zum Erhalt des Galicischen
4.2. Ley de la Normalización Lingüística
4.3. Normierungsversuche
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und sprachliche Entwicklung des Galicischen und analysiert die Ursachen für dessen fehlende Anerkennung als eigenständige, normierte Sprache im Vergleich zum Portugiesischen. Dabei steht insbesondere der Einfluss politischer Umbrüche sowie die langjährige Identitäts- und Normproblematik im Fokus.
- Historische Etappen der galicischen Sprachgenese von der Römerzeit bis ins 20. Jahrhundert
- Einfluss der Franco-Diktatur auf den Prestigeverlust und die Verdrängung der Sprache
- Wiederbelebungsversuche durch literarische und nationalistische Strömungen
- Konfliktlinien zwischen Reintegratinisten und Autonomisten bei der Sprachnormierung
Auszug aus dem Buch
2.7 Galicisch zur Zeit der Franco Diktatur
Zur Zeit der Franco Diktatur erfuhr das Galicische einen enormen Rückgang. Gründe dafür waren zum einen die Modernisierung und die damit einhergehende Technisierung in den 40er Jahren. Dabei kam es zur Abwanderung vom Land in die Städte, wo hauptsächlich die Präsenz des Kastilischen herrschte. Die Mehrheit der Galicischsprecher machte die Landbevölkerung aus.
Darüber hinaus förderte die Einführung des Grundschulwesens die Alphabetisierung auf Kastilisch. Die Massenmedien bekamen eine neue Bedeutung, was soviel bedeutete, dass Radio und Fernsehen ausschließlich auf Kastilisch waren. Im Gegensatz zu schriftlichen Erscheinungen hatten sie auch auf Analphabeten und Menschen mit geringer Bildung großen Einfluss.
Durch Repressalien der Franco Diktatur verschwand das Galicische aus dem öffentlichen bzw. formellen Bereich und beschränkte sich auf den informellen bzw. familiären Bereich. Die Folge war ein drastischer Prestigeverlust. Auch in der Landbevölkerung versuchte man zunehmend Kinder auf Kastilisch zu erziehen, um ihnen den Zugang zu höheren Gesellschaftsschichten zu ermöglichen.
Diese Einstellung erreichte in den 60er Jahren in den sozial schwächeren Schichten ihren Höhepunkt:
„…..castellano es sinónimo de educación y progreso, gallego se convierte automáticamente en sinónimo de atraso, de pasado y de miseria.“ ( Alonso Montero )
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeines: Einführung in die geografische Lage, die demografischen Daten und die linguistische Einordnung der galicischen Sprache.
2. Geschichtlicher Überblick: Chronologische Analyse der Sprachentwicklung von der römischen Zeit, über das Mittelalter als Sprache der Lyrik bis hin zu den "Dunklen Jahrhunderten" und der Franco-Ära.
3. Gegenbewegung zur Kastilisierung: Darstellung der oppostionellen kulturellen Bestrebungen und der organisierten Gegenwehr gegen die Unterdrückung des Galicischen ab 1936.
4. Das Galicische zur Zeit der Transición: Untersuchung der rechtlichen Aufwertung und der komplexen, bis heute andauernden normativen Debatten um den Status der Sprache.
Schlüsselwörter
Galicisch, Galeguismo, Sprachnormierung, Kastilisierung, Sprachgeschichte, Identitätskonflikt, Reintegratinisten, Autonomisten, Franco-Diktatur, Sprachwandel, Transición, Diglossie, Minderheitensprache, Lexikologie, Orthographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung des Galicischen und untersucht, warum die Sprache trotz ihrer historischen Bedeutung keine einheitliche Normierung und Anerkennung als eigenständige, prestigebehaftete Sprache finden konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Sprachgenese, die Auswirkungen politischer Regime wie der Franco-Diktatur auf das Sprachengefüge sowie die soziolinguistischen Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen bezüglich der Standardisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Etappen der galicischen Sprachgeschichte aufzuzeigen und die Gründe für die sprachliche Zweiteilung und den aktuellen Normstreit transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-deskriptive Methode sowie die Auswertung soziolinguistischer Studien und zeitgenössischer Dokumente zur Sprachplanung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: von der römerzeitlichen Entstehung über das mittelalterliche „Goldene Zeitalter“, den massiven Rückgang während der Séculos Escuros und der Diktatur, bis hin zu den Bemühungen um eine Normalisierung nach 1975.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sprachnormierung, Galeguismo, Reintegrationismus, Diglossie und der politische Status des Galicischen im spanischen Staat.
Was unterscheidet die Reintegratinisten von den Autonomisten?
Reintegratinisten plädieren für eine Wiedereingliederung in den portugiesischen Sprachraum aufgrund der gemeinsamen historischen Wurzeln, während Autonomisten das Galicische als eigenständige Sprache neben Spanisch und Portugiesisch etablieren wollen.
Welche Rolle spielte die Franco-Diktatur für die Sprache?
Sie wirkte als Katalysator für einen drastischen Prestigeverlust, indem sie das Galicische aus dem öffentlichen Bildungswesen und den Medien verdrängte und Kastilisch als Symbol für Fortschritt und Bildung etablierte.
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- Sofia Gogotishvili (Author), 2010, Galicisch. Sprache oder Dialekt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276401