„Es gibt wohl kaum einen Politikbereich in Deutschland, in dem die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit so groß ausfällt wie bei der sozialstaatlichen Förderung von Kindern und Jugendlichen“ (Schäfer 2012: 117). Dieses Zitat verdeutlicht, dass es bei der Förderung von Kindern in Deutschland anscheinend erhebliche Probleme gibt. Fakt ist, dass sich in den letzten Jahren immer deutlicher gezeigt hat, dass Kinderarmut auch in einem reichen Industrieland wie Deutschland vorhanden ist. Kinder sind am häufigsten von Armut betroffen, befinden sich länger in Armut und kommen auch schlechter wieder aus ihr heraus als Erwachsene. Diese erschreckenden Tatsachen nehmen seit einiger Zeit viele Organisationen, Vereine, Parteien etc. zum Anlass, über ein neues System nachzudenken, welches Kinder gleichberechtigt behandelt und unabhängig von ihren Eltern fördert (vgl. Butterwegge 2010: 11-13).
Die öffentliche Präsenz dieses Themas und die Beschäftigung mit der Organisation UNICEF hinsichtlich Grundsicherung bei Kindern, verschaffte den Anlass, einmal genauer zu untersuchen, warum überhaupt über eine ‚Kindergrundsicherung‘ nachgedacht wird und welche Notwendigkeit vorhanden ist. Weiterhin wurde der Bedarf gesehen, aufgrund der hohen und steigenden Armutsrate von Kindern in Deutschland, die Regelungen bezüglich einer Grundsicherung für Kinder einmal genauer zu untersuchen. Aufgrund dessen wird in der folgenden Arbeit den Fragestellungen nachgegangen werden, warum über eine Grundsicherung für Kinder nachgedacht wird, welche Notwendigkeit besteht und wie die Ausgestaltung dieser Kindergrundsicherung von verschiedenen Organisationen aussieht.
Zu Beginn wird die Organisation UNICEF und die Arbeit dieser in Deutschland vorgestellt. UNICEF ist weltweit die Organisation, die auf Grundlage der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen arbeitet und sich für wirksame Kinderschutzgesetze einsetzt. Die Erläuterungen sollen als Hintergrundinformationen zu Beginn der Arbeit dienen und einen Überblick über Kinderrechte in Deutschland verschaffen, da im Verlauf der Arbeit mehrfach auf UNICEF verwiesen wird. Nach diesen grundlegenden Informationen folgen Erklärungen zu den Begriffen ‚Grundsicherung‘‚ ‚Wohlfahrt‘, ‚Bedürftigkeit‘, ‚Armut‘ und dem ‚Soziokulturellem Existenzminimum‘. Dies ist deswegen sinnvoll, da diese häufig als Oberbegriffe für komplexe Angelegenheiten verwendet werden, sodass keine einheitlich, exakte Bedeutung vorausgesetzt werden kann. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Kinder in Deutschland
1. UNICEF
1.1. Die Organisation
1.2 UNICEF Deutschland
2. Begriffserklärungen
2.1 Grundsicherung
2.2 Wohlfahrtspflege
2.3 Armut
2.4 Soziokulturelles Existenzminimum
2.5 Bedürftigkeit
3. Aktuelle Situation der Kinder in Deutschland
3.1 Soziale Lage
3.2 Kinderarmut
3.3 Gesetzteslagen
4. Zwischenfazit
III. Kindergrundsicherung
1. Konzeptionen von Kindergrundsicherung
1.1 Allgemeines
1.2 Bündnis Kindergrundsicherung
1.3 Diakonie
1.4 Paritätische Wohlfahrt
1.5 Bündnis 90/Die Grünen
2. Konzepte im Vergleich
IV. Abschließende Analyse
V. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit einer Kindergrundsicherung in Deutschland vor dem Hintergrund hoher Kinderarmutszahlen und der unzureichenden aktuellen Gesetzeslage. Das primäre Ziel ist es, verschiedene Konzeptionen zur Kindergrundsicherung zu analysieren, zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit diese ein effektives Instrument zur Armutsprävention und zur Sicherstellung der kindlichen Existenz darstellen können.
- Analyse der kindlichen Lebenssituation und Armutsrisiken in Deutschland
- Untersuchung der Rolle und Arbeit von UNICEF im Kontext von Kinderrechten
- Definition und Einordnung zentraler sozialpolitischer Begriffe
- Vergleichende Darstellung der Konzepte von Bündnis Kindergrundsicherung, Diakonie, Paritätischer Wohlfahrt und Bündnis 90/Die Grünen
- Kritische Analyse der Umsetzbarkeit und systemischer Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Allgemeines
Im Hinblick auf die momentane Situation der Kinder in Deutschland, der Armutszahlen und der Gesetzeslage, wird seit einiger Zeit über ein neues System, der Kindergrundsicherung, nachgedacht. Kindergrundsicherung ist ein allgemeiner Begriff, der von verschiedenen Akteuren unterschiedlich verwendet wird. Gemeinsam ist allerding das Faktum, dass die Kindergrundsicherung sich inhaltlich nicht mit dem Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens für alle Bürger deckt. Die Forderung zur Kindergrundsicherung ist in vieler Hinsicht lediglich verwandt mit den Ideen des bedingungslosen Grundeinkommens, da die Leistungen individuell jedem Kind zugewiesen werden, es keine Bedürftigkeitsprüfung und keine Pflicht zu irgendeiner Gegenleistung gibt (vgl. Stock et. al. 2012: 427).
Bei einer Veränderung im Sozialsystem soll eine Kindergrundsicherung eingeführt werden, die es Kindern in Deutschland ermöglicht, gleichgerecht behandelt zu werden. Eine Kindergrundsicherung wird empfohlen, denn diese „bündelt sämtliche Kind-bezogene Transferleistungen in einer einzigen existenzsichernden und zu besteuernden Leistung für alle Kinder“ (Stock et. al. 2012: 427-428). Ganz allgemein sollen die Leistungen für alle Begünstigten automatisch erfolgen, sodass keine gesonderten Anträge nötig sind. Denn, „während sich der Staat gegenüber den oberen Einkommen wie der Butler mit ausgestrecktem Silbertablet präsentiert, verschränkt er gegenüber den unteren Einkommen seine Hände hinter dem Rücken und wartet passiv auf einen entsprechenden Antrag. Und er bleibt auch untätig, wenn der Antrag ausbleibt“ (Schäfer 2012:120).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit begründet die Relevanz der Untersuchung von Kinderarmut und diskutiert die Notwendigkeit eines neuen Fördersystems für Kinder in Deutschland.
II. Kinder in Deutschland: Dieses Kapitel behandelt die Arbeit von UNICEF, definiert zentrale Begriffe wie Armut und Grundsicherung und analysiert die soziale Lage sowie die rechtliche Situation von Kindern.
III. Kindergrundsicherung: Hier werden unterschiedliche Konzeptionen verschiedener Organisationen vorgestellt und anschließend in einem Vergleich gegenübergestellt.
IV. Abschließende Analyse: Dieser Teil diskutiert die Pro- und Contra-Argumente sowie die praktischen und juristischen Probleme bei der Einführung einer Kindergrundsicherung.
V. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass das aktuelle System zur Sicherung der Kinderexistenz unzureichend ist und eine Systemumstellung, wie in den analysierten Konzepten vorgeschlagen, erforderlich scheint.
Schlüsselwörter
Kindergrundsicherung, Kinderarmut, Sozialhilfe, UNICEF, Existenzminimum, Familienförderung, Kinderrechte, Armutsprävention, Sozialpolitik, Familienlastenausgleich, Bedürftigkeit, Wohlfahrtspflege, Umverteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Kinderarmut in Deutschland und prüft, ob die Einführung einer Kindergrundsicherung als Systemreform geeignet ist, die Lebenssituation von Kindern zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die aktuelle soziale Lage von Kindern, die UN-Kinderrechtskonvention, die Definition soziokultureller Mindeststandards sowie verschiedene Reformmodelle zur monetären Kinderförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, warum der Bedarf für eine Kindergrundsicherung besteht und wie sich die Konzepte führender Organisationen zur Ausgestaltung eines solchen Systems unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturanalyse, um bestehende Konzepte, Gesetzeslagen und aktuelle Statistiken zur Kinderarmut gegenüberzustellen und kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der aktuellen Situation von Kindern in Deutschland und eine detaillierte Analyse spezifischer Konzepte zur Kindergrundsicherung von Akteuren wie der Diakonie, der Paritätischen Wohlfahrt und dem Bündnis 90/Die Grünen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Kindergrundsicherung, Kinderarmut, Soziokulturelles Existenzminimum, Familienleistungsausgleich und soziale Gerechtigkeit.
Welche Rolle spielt die UN-Kinderrechtskonvention für die Argumentation?
Die Konvention dient als normativer Rahmen, um die Bedeutung von Kinderrechten hervorzuheben und aufzuzeigen, dass die aktuelle Umsetzung in Deutschland hinter den internationalen Standards zurückbleibt.
Was sind laut der Analyse die größten Hürden für die Einführung einer Kindergrundsicherung?
Die größten Herausforderungen liegen in der komplexen juristischen Umgestaltung des Steuer- und Sozialrechts, der Finanzierung der Mehrkosten sowie dem ungeklärten Nettoeffekt der notwendigen Steuerreformen.
- Citation du texte
- Jennifer Hein (Auteur), 2014, Kindergrundsicherung. Eine Betrachtung der Notwendigkeit und verschiedener Konzeptionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276410