Vom Krieg zur Diplomatie. Der israelisch-palästinensische Friedensprozess bis zum Camp David Abkommen 1978


Seminararbeit, 2013

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Theoretische Vorbemerkungen

2. Die Entflechtungsabkommen der Genfer Friedenskonferenz 1973

3. Das israelisch-ägyptische Sinai-Abkommen von 1975

4. Der Besuch Präsident Sadats in Israel

5. Die Verträge von Camp David

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Theoretische Vorbemerkungen

Der Nahostkonflikt ist einer der ältesten und immer noch aktuellsten Konflikte unserer Zeit. Gegen den Widerstand der arabischen Bevölkerung gründeten jüdische Siedler im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948 auf britischen Mandatsgebiet den Staate Israel. Da das Gebiet palästinensisch war, kam es zu Reaktionen der arabischen Nachbarn, denn für Sie hatte Israel keine Daseins-Berechtigung. Es folgten mehrere Kriege der arabischen Staaten gegen Israel. Israel siegte jedoch in jeder gewaltsamen Auseinandersetzung. Die größten Verluste bescherte der Sechs-Tage-Krieg 1967 den arabischen Staaten, als nach dem Waffenstillstand der Gaza-Streifen, die Sinai-Halbinsel, Westjordanien sowie die syrischen Golanhöhlen Israel alle Gebiete weiterhin besetzte. Auf der Gipfelkonferenz von Khartoum einigten sich die arabischen Staaten auf die „Drei Neins“ im Bezug auf Israel: Keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels, keinen Frieden mit Israel.

Nach dem Sechs-Tage Krieg setzt ein beginnender Friedensprozess ein, welcher in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen wird. Ein Friedensprozess unterliegt vielen Faktoren, die Ihn beeinflussen. Der Zugriff auf den israelischen-ägyptischen Friedensprozess soll anhand der Realismus-Theorie der Internationalen Beziehungen erfolgen. Der Friedensprozess fällt in die Zeitspanne des Kalten Krieges, in der die Theorie des Realismus neben der des Neorealismus die vorherrschende war.

War das Camp-David-Abkommen ein Erfolg und ein Fortschritt für den Friedensprozess im Nahen Osten oder zersplitterte er die arabische Welt und machte einen dauerhaften Frieden noch unwahrscheinlicher? War es der Mediation der Amerikaner geschuldet, einen kurzfristigen Erfolg im Friedensprozess zu verzeichnen?

Außerdem soll untersucht werden, inwiefern der israelisch-ägyptische Friedensprozess ein Projekt der Eliten unter besonderer Vermittlung der US-Amerikaner gewesen ist. So sollen neben den externen Faktoren auch die innerstaatlichen Voraussetzungen für das staatliche Handeln untersucht werden. Der staatszentrierte Realismus misst Internationalen Organisationen keinen hohen Stellenwert zu. Jeder Staat versucht möglichst unabhängig von anderen Staaten oder Organisationen zu bleiben, da diese keine verlässliche Sicherheit garantieren können.[1] Das Prinzip der Selbsthilfe ist wohl auch Grund dafür, dass die Vereinten Nationen in diesem Konflikt eine schwache Position einnehmen.

Zunächst lassen sich die amerikanisch-israelischen Beziehungen nicht ohne die jüdische Lobby betrachten. Viele amerikanische Präsidenten haben auf jüdische Wähler Rücksicht genommen. Krell sieht eine Dreiecksbeziehung zwischen dem US-amerikanischen Staat, dem Staat Israel und dem amerikanischen Judentum.[2]

Desweiteren besteht für den israelischen Staat eine tiefe Sehnsucht nach Frieden aufgrund des ausgeprägten Sicherheitsbedürfnisses. Diese Sehnsucht spiegelt sich insbesondere in der gezielten Suche nach Frieden und Anerkennung bei den arabischen Nachbarn wieder.

Für Ägypten bestanden insbesondere externe Faktoren. Im Inneren war Sadats Versuch der Friedensfindung mit Israel sehr umstritten und wurde vom Großteil der Bevölkerung abgelehnt, was sich nicht zuletzt im Attentat auf Sadat wiederspiegelt. Vielmehr Einfluss auf Ägypten hatte jedoch die Sowjetunion, die in den 1960er Jahren immer mehr Fuß in Ägypten fassten, was Sadat jedoch zu verhindern wusste. Als Konsequenz des russischen Vordingens im Irak und in Syrien versuchte die USA, die Verbindungen zu den arabischen Staaten zu festigen. Dies ist auch ein entscheidender Grund dafür, dass die USA Israel mit mehr Konzessionen belegt, damit eine Vereinbarung mit Ägypten zustande käme.

2. Die Entflechtungsabkommen der Genfer Friedenskonferenz 1973

Anschließend an die Phase des Krieges sollte eine Phase der Diplomatie und der Abkommen beginnen. Im Ergebnis an den Yon-Kippur-Krieg stand ein beginnender Friedensprozess. Auf der Genfer Friedenskonferenz im Dezember 1973 tagten Ägypten, Jordanien und Israel unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. An den Gesprächen Beteiligten sich auch US-Außenminister Kissinger sowie der sowjetische Außenminister Gromyko. Die Frage nach dem Umgang mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO (Palestine Liberation Organization) erschwerte die Verhandlungsgespräche, da Israel nicht bereit war mit der PLO zu verhandeln. Die Konferenz musste zunächst vertagt werden, bis es nach weiteren Verhandlungen am 18. Januar 1974 zu einem ersten Erfolg in den Gesprächen kommt: Israel und Ägypten einigen sich unter Vermittlung Kissingers in Form eines Sechs-Punkte-Programms auf ein erstes Truppenentflechtungsabkommen am Suez Kanal, welches die endgültige Einstellung der bewaffneten Auseinandersetzung zur Folge hatte. Auf der einen Seite übergab Ägypten israelische Kriegsgefangene, auf der anderen Seite sorgte Israel dafür, dass die abgeschlossenen ägyptischen Truppen Nachschublieferungen erhalten konnten.[3] Im Zuge des Abkommens zog Israel bis 1975 alle Soldaten vom Suezkanal ab.[4] Das Entflechtungsabkommen ist in sofern ein bemerkenswertes Abkommen, als dass es das erste seiner Art nach dem Waffenstillstandsabkommen 1949 zwischen Israel und Ägypten ist.[5] Damit wurden faktisch auch die Festlegungen der Gipfelkonferenz von Khartoum negiert, da Ägypten sich nicht an die Abmachungen „keine Versöhnung mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels“ hielt. Dieser Punkt ist ein Wendepunkt hin zu einem Friedensprozess, der im Ergebnis Sicherheit und Frieden bedeuten könnte.

Im Mai 1974 unterzeichnet Israel ein weiteres Truppenentflechtungsabkommen mit Syrien für den Golan, indem sich Israel verpflichtet Syrien alle Distrikte zurückzugeben, die man im Oktoberkrieg 1973 neu hinzu erobert hatte. Im Gegenzug wurden von Syrien alle israelischen Kriegsgefangenen freigelassen.[6] Außerdem stimmen beide Seiten der Entsendung einer UN-Beobachtungstruppe zu, die die Aufrechterhaltung des Waffenstillstands garantieren sollte.[7] Die Vereinbarungen sollten ein erster Schritt in Richtung eines späteren, gerechten und dauerhaften Friedens sein.[8] In diesem Zusammenhang verabschiedeten die Vereinten Nationen unter Bezug auf Resolution 242 die Resolution 338, in der sie neben der Aufforderung der Waffenruhe auch Verhandlungen mit dem Ziel eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten beschlossen. Gleichzeitig verpflichtete sich die USA gegenüber Israel, so lange nicht mit der PLO zu verhandeln, wie die Palästinensische Befreiungsorganisation nicht bereit war, Israels Existenz anzuerkennen.

Am 30. Oktober 1974 kommt es auf der Arabischen Gipfelkonferenz offiziell zur Verneinung der Beschlüsse der Gipfelkonferenz von Khartoum. Hasan II., König von Marokko, erklärte die drei arabischen „Neins“ von Khartoum für veraltet.[9] Sie beschließen jedoch ebenso, dass die PLO als die einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes zu betrachten ist.

[...]


[1] Vgl. KRELL, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen, Baden-Baden 2004, S. 174

[2] Vgl. Ebd., S. 40.

[3] Vgl. KARSCH, Nadine S.: Mediation in internationalen Konflikten, Studiengesellschaft für Friedensforschung, München 1998, S. 63.

[4] Vgl. ABBAS, Nagi: Ägyptens Rolle im nahöstlichen Friedensprozess, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (B49/2000).

[5] KREISKY, Bruno: Das Nahostproblem. Reden, Interviews, Kommentare, Wien 1985, S. 178.

[6] Vgl. KARSCH: Mediation in internationalen Konflikten, München 1998, S. 66.

[7] Vgl. KREISKY: Das Nahostproblem, Wien 1985, S. 178f.

[8] Vgl. PERTHES, Volker: Geheime Gärten. Die neue arabische Welt, Bonn 2006, S. 88.

[9] Vgl. Ebd., S. 88.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vom Krieg zur Diplomatie. Der israelisch-palästinensische Friedensprozess bis zum Camp David Abkommen 1978
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V276426
ISBN (eBook)
9783656694281
ISBN (Buch)
9783656695189
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krieg, diplomatie, friedensprozess, camp, david, abkommen
Arbeit zitieren
Dominik Mönnighoff (Autor:in), 2013, Vom Krieg zur Diplomatie. Der israelisch-palästinensische Friedensprozess bis zum Camp David Abkommen 1978, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276426

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