Die im Titel der Arbeit enthaltene Grundfrage wurde unter anderem von Michalik gestellt (vgl. Michalik 2010a) und soll in dieser Arbeit für den katholischen Religionsunterricht der Grundschule diskutiert werden. Dabei müssen einige Punkte beachtet werden. Als erstes geht es im anschließenden Kapitel darum, was Philosophieren als Tätigkeit bedeutet und wie dies im Grundschulunterricht umgesetzt werden kann. Daran anschließend wird in Kapitel drei diskutiert, ob die Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten auch für den katholischen Religionsunterricht gelten, indem die einschlägigen Richtlinien daraufhin untersucht werden. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse zusammengetragen und einen Ausblick auf die Antwort der Grundfrage gegeben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Philosophieren mit Kindern
1.1 Geschichte und Entstehung des Begriffs in Deutschland
1.2 Ziele undMethodische Umsetzungsmöglichkeiten
2. Philosophieren im Religionsunterricht der Primarstufe
2.1 PhmK als didaktisches Arrangement zur Förderung von allgemeinen und inhaltlichen Kompetenzen und Fähigkeiten im Religionsunterricht
2.2 Philosophieren mit Kindern als pädagogische Grundhaltung im Religionsunterricht
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob das Konzept des Philosophierens mit Kindern im katholischen Religionsunterricht der Grundschule als didaktisches Arrangement oder als pädagogische Grundhaltung verstanden und umgesetzt werden kann.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen des Philosophierens mit Kindern.
- Analyse der Legitimierung des Philosophierens im katholischen Religionsunterricht.
- Vergleich von Kompetenzanforderungen in Richtlinien mit den Methoden des Philosophierens.
- Die Rolle der Lehrkraft und der Bedeutungswandel von Kindheit und Religion in der Moderne.
- Verhältnis zwischen fachspezifischer Wissensvermittlung und offener philosophischer Gesprächshaltung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Geschichte und Entstehung des Begriffs in Deutschland
Der Begriff „Philosophieren mit Kindern“, der heute vielmals verwendet wird (vgl. Michalik 2008/ Duncker 2005/ Brüning 2001), beinhaltet ein Konzept, das schon in der Nachkriegszeit des 1. Weltkriegs in Deutschland thematisiert wurde. Als Neuorientierung nach dem Krieg wurde beispielsweise von Herman Nohls eine Ausbildung metaphysischen Denkens gefordert, welches aber nicht zu einer Reflexion der Kinder führen sollte, sondern eher zu einer Erziehung zur Vernunft verwendet wurde, deren Prinzipien und Werte schon festgelegt waren. Auch Arthur Liebert schränkte seinen Ansatz ein, indem er das Philosophieren als eine Begabung ansah, die nur wenigen besonders talentierten Schülern vorbehalten blieb. Für jeden Schüler eignete sich eher eine feste Philosophie im Sinne einer Ideologie, die allen vermittelt wurde. Sein Ansatz wurde ab 1933 durch den Nationalsozialismus realisiert (vgl. Martens 1999:16ff.).
Philosophieren mit allen Kindern wurde zum Beispiel von Leonard Nelson in dem 1923 gegründeten Landerziehungsheim Walkemühle praktiziert. Auf der Grundlage von sokratischen Gesprächen sollte ein „methodisch geübtes Selbstdenken in wechselseitigem Respekt der Dialogpartner praktiziert und gefördert werden“ (ebd. S.21). Auch Walter Benjamin produzierte philosophische Rundfunkbeiträge für alle Kinder, die Fragen wie „Was ist Vernunft“ (vgl. ebd. S.23) aufgriffen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein und erläutert den Aufbau der Arbeit hinsichtlich der Analyse des Philosophierens im katholischen Religionsunterricht.
1. Philosophieren mit Kindern: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung des Konzepts in Deutschland, die Ziele sowie die methodischen Ansätze, wie das sokratische Gespräch.
2. Philosophieren im Religionsunterricht der Primarstufe: Hier wird untersucht, inwiefern sich das Philosophieren als didaktisches Arrangement oder pädagogische Haltung legitimieren lässt und wie es auf die veränderte Kindheit reagiert.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert kritisch die Umsetzbarkeit des Konzepts im Kontext vorgegebener christlicher Glaubensgrundlagen.
Schlüsselwörter
Philosophieren mit Kindern, Katholischer Religionsunterricht, Didaktisches Arrangement, Pädagogische Grundhaltung, Grundschule, Kinderfragen, Religiöse Kompetenz, Sokratisches Gespräch, Kindertheologie, Schulentwicklung, Religionsdidaktik, Selbständiges Denken, Sinnfragen, Werterziehung, Bildungsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Integration des Philosophierens mit Kindern in den katholischen Religionsunterricht der Grundschule und hinterfragt, ob es als bloßes didaktisches Werkzeug oder als grundlegende pädagogische Haltung fungiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Kinderphilosophie, der Vergleich mit kirchlichen Bildungsrichtlinien sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen wie Pluralisierung auf die religiöse Entwicklung von Kindern.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Autorin?
Die zentrale Frage lautet: Ist „Philosophieren mit Grundschulkindern“ im katholischen Religionsunterricht als didaktisches Arrangement oder als pädagogische Grundhaltung zu verstehen?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, indem sie aktuelle fachdidaktische Konzepte des Philosophierens mit den offiziellen Richtlinien und Kerncurricula des katholischen Religionsunterrichts vergleicht und diskutiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung des Philosophierens, die Analyse der spezifischen Kompetenzförderung im Religionsunterricht sowie die Notwendigkeit einer veränderten Haltung gegenüber der „neuen“ Kindheit.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die „Pädagogische Grundhaltung“, das „didaktische Arrangement“, „Kindertheologie“ und die „Förderung von Urteilsfähigkeit“.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Lehrkraft?
Die Lehrkraft wird als anspruchsvoller Organisator und Gesprächsleiter gesehen, der Kindern durch eine entsprechende Fragehaltung ermöglicht, selbstständig und ohne vorschnelle Belehrungen nachzudenken.
Warum ist das Fazit der Arbeit kritisch gegenüber der kirchlichen Richtlinie?
Die Autorin weist darauf hin, dass das Philosophieren in seiner Eigenheit beschnitten wird, wenn kirchliche Richtlinien durch den Zusatz „auf der Grundlage des christlichen Glaubens“ Antworten bereits vorwegnehmen und somit echtes, offenes Weiterfragen verhindern könnten.
- Citation du texte
- Katharina Hahn (Auteur), 2012, Philosophieren mit Grundschulkindern im katholischen Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276620