Philosophieren mit Grundschulkindern im katholischen Religionsunterricht


Hausarbeit, 2012
18 Seiten, Note: 15,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Philosophieren mit Kindern
1.1 Geschichte und Entstehung des Begriffs in Deutschland
1.2 Ziele undMethodische Umsetzungsmöglichkeiten

2. Philosophieren im Religionsunterricht der Primarstufe
2.1 PhmK als didaktisches Arrangement zur Förderung von allgemeinen und inhaltlichen Kompetenzen und Fähigkeiten im Religionsunterricht
2.2 Philosophieren mit Kindern als pädagogische Grundhaltung im Religionsunterricht

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die im Titel der Arbeit enthaltene Grundfrage wurde unter anderem von Michalik gestellt (vgl. Michalik 2010a) und soll in dieser Arbeit für den katholischen Religionsunterricht der Grundschule diskutiert werden. Dabei müssen einige Punkte beachtet werden. Als erstes geht es im anschließenden Kapitel darum, was Philosophieren als Tätigkeit bedeutet und wie dies im Grundschulunterricht umgesetzt werden kann.

Daran anschließend wird in Kapitel drei diskutiert, ob die Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten auch für den katholischen Religionsunterricht gelten, indem die einschlägigen Richtlinien daraufhin untersucht werden. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse zusammengetragen und ein Ausblick auf die Antwort der Grundfrage gegeben.

1. Philosophieren mit Kindern

1.1 Geschichte und Entstehung des Begriffs in Deutschland

Der Begriff „Philosophieren mit Kindern“, der heute vielmals verwendet wird (vgl. Michalik 2008/ Duncker 2005/ Brüning 2001), beinhaltet ein Konzept, das schon in der Nachkriegszeit des 1. Weltkriegs in Deutschland thematisiert wurde. Als Neuorientierung nach dem Krieg wurde beispielsweise von Herman Nohls eine Ausbildung metaphysischen Denkens gefordert, welches aber nicht zu einer Reflexion der Kinder führen sollte, sondern eher zu einer Erziehung zur Vernunft verwendet wurde, deren Prinzipien und Werte schon festgelegt waren. Auch Arthur Liebert schränkte seinen Ansatz ein, indem er das Philosophieren als eine Begabung ansah, die nur wenigen besonders talentierten Schülern vorbehalten blieb. Für jeden Schüler eignete sich eher eine feste Philosophie im Sinne einer Ideologie, die allen vermittelt wurde. Sein Ansatz wurde ab 1933 durch den Nationalsozialismus realisiert (vgl. Martens 1999:16ff.).

Philosophieren mit allen Kindern wurde zum Beispiel von Leonard Nelson in dem 1923 gegründeten Landerziehungsheim Walkemühle praktiziert. Auf der Grundlage von sokratischen Gesprächen sollte ein „methodisch geübtes Selbstdenken in wechselseitigem Respekt der Dialogpartner praktiziert und gefördert werden“ (ebd. S.21). Auch Walter Benjamin produzierte philosophische Rundfunkbeiträge für alle Kinder, die Fragen wie „Was ist Vernunft“ (vgl. ebd. S.23) aufgriffen.

Konzepte für das Philosophieren mit Kindern kamen in den 80er Jahren als Importe aus dem englischsprachigen Raum, beeinflusst durch die Arbeiten von Lipman und Matthews aus den USA (vgl. ebd. S.23ff.). Ende der 70er Jahre hatte der amerikanische Philosophieprofessor Matthew Lipman bei seinen Studenten eine mangelnde Argumentationsfähigkeit beobachtet und forderte als Konsequenz, dass schon Kinder systematisch über Sinnfragen nachdenken lernen und eine eigene Meinung bilden können sollen. Daraufhin entwickelte er ein eigenes Curriculum ,Philosophyforchildren‘ (vgl. Brüning 2001:17), welches hauptsächlich philosophische Geschichten als Gesprächsanreize für Kinder enthält.

In Deutschland wird das Philosophieren mit Kindern im Fach Ethik mittlerweile in fünf Bundesländern als Ersatzfach bzw. Wahlpflichtfach angeboten. Weiterhin wird es in den Lehrplänen der Bundesländer Thüringen und Sachsen empfohlen und in Mecklenburg-Vorpommern wurde das Ersatzfach sogar in Philosophieren mit Kindern umbenannt (vgl. ebd.). Zusätzlich gibt es methodische Vorschläge und didaktische Anregungen, die fächerunabhängig integriert werden können (vgl. Brüning 2001:18, vgl. Michalik 2010b:39ff.).

1.2 Ziele und methodische Umsetzungsmöglichkeiten

Philosophieren mit Kindern kann zusammenfassend beschrieben werden als gemeinsames Nachdenken über Themen, die alle Menschen etwas angehen (vgl. Zoller-Morf 2009:45). Es „systematisiert das gesammelte Wissen über fundamentale Probleme menschlicher Existenz. Und zu diesem Wissen gelangen wird nur, indem wir über den Sinn und Zweck der Welt nachdenken, d.h. philosophieren“ (vgl. Brüning 2001:9).Diese gedanklichen Handlungen ermöglichen, dass die Schüler die Fähigkeit, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, ausbilden, moralische Sensibilität und Offenheit entwickeln und mit einer Neugierde auf alles Unbekannte reagieren (vgl. Michalik 2010c:4). Fürden Philosophen Peter Bieri entsprechen genau diese Ziele Aspekten von Bildung(vgl. ebd). Kinder werden beim Philosophieren „als aktive, selbstbewusste, individuelle Lerner und Entdecker, als Forscher, Fragende und Zweifler, als Kritiker, Träumer und schließlich Philosophen“ (Reichel-Wehnert 2012:159) wahrgenommen. Dies setzt ein Bildungsverständnis voraus, „das Kinder als Akteure der eigenen Entwicklung beschreibt“ (ebd.). Sie „sind Individuen, die sich ihre Welt im Dialog mit anderen ko-konstruieren. Auf ganz individuelle Weise nehmen sie ihre innere und äußere Wirklichkeit wahr und drücken sich von daher in unterschiedlichster Weise aus.“ (ebd.)Somit kann das Philosophieren dazu beitragen, dass die Schüler sich und ihre Umwelt mit einer Fragehaltung betrachten und durch Nachfragen und Infragestellen immer mehr verstehen und verstehen wollen.

Ausgehend von dieser Definition besteht das vorrangige Ziel des Philosophierens darin den „Kindern Grundlagen [zu] vermitteln, sich selbst zu bilden“ (Michalik 2009:5) und auf diese Weise die Ausbildung der genannten Aspekte zu ermöglichen. Neben diesem Ziel können ebenfalls methodische Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie Kommunikationskompetenzen und das selbständige Denken (vgl. Michalik 2010) aufgezählt werden, die sowohl als Lernvoraussetzungen als auch als Lernziele betrachtet werden können.

Methodisch stehen unter anderem das sokratische Gespräch, Begriffliches Arbeiten, das Finden von guten Gründen sowie Gedankenexperimente im Vordergrund, die durch visuelle, verbale und handlungsbezogene Medien unterstützt werden können (vgl. Brüning 2001). Des Weiteren kommt den Kinderfragen als Ausgangspunkt für das Philosophieren eine große Bedeutung zu (vgl. Duncker 2005). Die Fragen verdeutlichen, was die Schüler bereits wissen, sie zeigen, welches Verständnis sie von der Welt haben und ermöglichen einen Fortschritt im Denken.

Eine besonders anspruchsvolle und tragende Rolle besitzt der Lehrer als Organisator und Gesprächsleiter, der Gesprächsimpulse gibt und den Schülern eine Gesprächsstrategie und Fragehaltung vermittelt (vgl. Michalik 2010b). Erkann mit den Schülern Merkmale und Werkzeuge des Philosophierens erarbeiten und durch Hebammenfragen das Gespräch unterstützen (vgl. Zoller-Morf 2010). Inhaltlich ist er dabei auf der gleichen Ebene mit den Kindern und versucht mit ihnen gemeinsam, ohne Belehrungen, nachzudenken.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Philosophieren mit Grundschulkindern im katholischen Religionsunterricht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
15,00
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V276620
ISBN (eBook)
9783656705871
ISBN (Buch)
9783656709114
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
philosophieren, grundschulkindern, religionsunterricht
Arbeit zitieren
Katharina Hahn (Autor), 2012, Philosophieren mit Grundschulkindern im katholischen Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276620

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