Die vorliegende Arbeit versucht den in der Literatur geführten Diskurs um die Besteuerung des Gewinnanteils von KGaA-Komplementären aufzugreifen und die de lege lata gebotene Besteuerung herauszuarbeiten. Zu diesem Zweck werden zunächst die zivilrechtlichen Grundlagen der KGaA dargestellt. Dies soll den Zugang zur steuerrechtlichen Ausgangsfrage erleichtern. Nach einer Einführung in die Besteuerungsgrundlagen werden insbesondere die verschiedenen Besteuerungskonzepte dargestellt und auf ihre Eignung hin überprüft eine gesetzeskonforme Besteuerung zu bewirken. Dazu werden auch die gewerbesteuerliche Seite der Gewinnanteilsbesteuerung und das Verfahrensrecht diskutiert. Im Anschluss wird auf die Frage eingegangen, inwieweit der relativ junge § 50d (11) EStG einen Einfluss auf die allgemeine Besteuerungskonzeption hat. Das abschließende Fazit wird ergänzt um einen Ausblick, den die jüngst präsentierten Reformvorschläge des Wissenschaftlichen Beirats Steuern der Ernst & Young GmbH ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Bedeutung im Wirtschaftsleben
1.2 Rechtliche Unsicherheiten
1.3 Gang der Untersuchung
2. Gesellschaftsrechtliche Grundlagen
2.1 Rechtsnatur der Gesellschaft
2.2 Organstruktur der Gesellschaft
2.2.1 Allgemeines
2.2.2 Hauptversammlung
2.2.3 Aufsichtsrat
2.2.4 Der Komplementär als geschäftsführendes Organ
2.3 Die Gesellschafter
2.3.1 Der Komplementär
2.3.2 Die Kommanditaktionäre
2.4 Grundsätze der Rechnungslegung
2.5 Ermittlung des Komplementärgewinns
2.5.1 Dualistische Gewinnermittlung
2.5.2 Monistische Gewinnermittlung
3. Wesentliche Besteuerungsgrundlagen im Überblick
3.1 Gesellschaft und Gesellschafter in den Ertragssteuern
3.1.1 Die KGaA
3.1.2 Die Gesellschafter
3.1.2.1. Besteuerung als Kommanditaktionär
3.1.2.2. Besteuerung als Komplementär
3.2 Gesellschaft und Gesellschafter in der Gewerbesteuer
3.2.1 Die KGaA
3.2.2 Die Gesellschafter
3.3 Resultierende Fragestellungen
4. Die ertragssteuerliche Behandlung des Gewinnanteils
4.1 Der Gewinnanteil auf Ebene der KGaA
4.1.1 Tatbestandlicher Umfang von § 9 (1) Nr. 1 KStG
4.1.1.1 Der Gewinnanteil auf die Vermögenseinlage
4.1.1.2 Der Gewinnanteil für die Geschäftsführung
4.1.1.3 Andere Leistungen als abzugsfähiger Gewinnanteil
4.1.1.3.1 Haftungsvergütungen
4.1.1.3.2 Darlehenszinsen und Nutzungsentgelte
4.1.2 Konzepte zur Gewinnermittlung
4.1.2.1 Methode der intransparenten Besteuerung
4.1.2.2 Methoden der transparenten Besteuerung
4.1.2.3 Modifizierte Methode der intransparenten Besteuerung
4.1.2.4 Fazit zur Gewinnermittlungsmethode
4.2 Der Gewinnanteil auf Ebene des Komplementärs
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Ausgangspunkt: Gleichstellungsthese
4.2.3 Sonderbilanz und Ergänzungsbilanz
4.2.3.1 Aufstellung einer Sonderbilanz
4.2.3.2 Aufstellung einer Ergänzungsbilanz
4.2.3.3 Fazit zu Sonder- und Ergänzungsbilanz
4.2.4 Konsequenzen aus den Besteuerungskonzepten
4.2.4.1 Der Gewinnanteil nach intransparenter Sichtweise
4.2.4.2 Der Gewinnanteil nach transparenter Sichtweise
5. Der Gewinnanteil in der Gewerbesteuer
5.1 Hinzurechnung auf Ebene der KGaA
5.2 Kürzung auf Ebene des Komplementärs
6. Gesonderte und einheitliche Feststellung der Besteuerungsgrundlagen
6.1 Allgemeines
6.2 Gesonderte Feststellung nach § 180 (1) Nr. 2 Buchst. a) AO
6.3 Gesonderte Feststellung nach § 180 (1) Nr. 2 Buchst. b) AO
6.4 Fazit zum Besteuerungsverfahren
7. Implikationen von § 50d (11) EStG auf das Besteuerungskonzept
8. Zusammenfassendes Fazit und Ausblick
8.1 Zusammenfassendes Fazit
8.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ertragssteuerliche Behandlung des Gewinnanteils von Komplementären bei Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA), um die bestehende Rechtsunsicherheit bei der Besteuerung zu klären und ein schlüssiges Besteuerungskonzept herauszuarbeiten.
- Rechtsgrundlagen der KGaA und die Rolle des Komplementärs
- Besteuerung auf Ebene der KGaA vs. Ebene des Komplementärs
- Analyse verschiedener Gewinnermittlungskonzepte (transparent vs. intransparent)
- Gewerbesteuerliche Aspekte sowie Hinzurechnungen und Kürzungen
- Verfahrensrechtliche Fragen zur einheitlichen Feststellung der Besteuerungsgrundlagen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Konzepte zur Gewinnermittlung
Von ebenso hoher Bedeutung für die Besteuerung des Gewinnanteils des Komplementärs ist neben der Prüfung des tatbestandlichen Umfangs auch die Beantwortung der Frage, nach welcher Systematik der Gewinnanteil zu ermitteln ist. Dies ist in der Literatur im höchsten Maße umstritten. Der Grund hierfür liegt in der besonderen Stellung des Komplementärs, der als Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft zugleich zivilrechtlich als auch steuerrechtlich wie ein Mitunternehmer zu behandeln ist. Das Steuerrecht unterscheidet aber gerade für den Bereich der Mitunternehmerschaft mit dem Transparenzprinzip und für den Bereich der Kapitalgesellschaften mit dem Trennungsprinzip (auch: Intransparenzprinzip) zwischen maßgeblich verschiedenen Besteuerungsprinzipien.
Nach dem Trennungsprinzip erfolgt die Besteuerung auf zwei von einander abgeschirmten Ebenen. Die Kapitalgesellschaft versteuert ihre Einkünfte auf ihrer Ebene mit Körperschaft- und Gewerbesteuer. Erst bei Ausschüttung erzielt der Anteilseigener aus eigener Quelle, nämlich der Kapitalbeteiligung, Einkünfte, die dann auf seiner Ebene der Körperschaft- oder Einkommensteuer zu unterwerfen sind.
Nach dem Transparenzprinzip erfolgt die Besteuerung auf einer einzigen Ebene. Die Mitunternehmer selbst und nicht die von ihnen betriebene Personengesellschaft erzielen die Einkünfte durch ihr Zusammenwirken. Dementsprechend stellt die Besteuerung unmittelbar auf jeden einzelnen Mitunternehmer ab. Sein Gewinnanteil ist für das betreffende Wirtschaftsjahr unabhängig von einer Ausschüttung bei ihm zu versteuern.
Wenn § 9 (1) Nr. 1 KStG vom „Teil des Gewinns“ spricht, ist zu bedenken, dass das Steuerrecht über § 4 (1) EStG ein eigenständiges Verständnis vom Gewinn hat, losgelöst vom handelsrechtlichen Jahresüberschuss. Es stellt sich also die Frage, auf welchen Ansatz § 9 (1) Nr. 1 KStG Bezug nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der KGaA im Wirtschaftsleben, stellt die rechtliche Unsicherheit in der ertragssteuerlichen Behandlung dar und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Gesellschaftsrechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Rechtsnatur der KGaA, ihre Organstruktur mit den Rollen von Hauptversammlung, Aufsichtsrat und Komplementär sowie die steuerliche Einordnung der Gesellschafter.
3. Wesentliche Besteuerungsgrundlagen im Überblick: Hier werden die Besteuerungsgrundlagen der KGaA und ihrer Gesellschafter bei Ertrag- und Gewerbesteuern sowie die resultierenden steuerrechtlichen Fragestellungen dargelegt.
4. Die ertragssteuerliche Behandlung des Gewinnanteils: Dieses Kernkapitel analysiert detailliert den tatbestandlichen Umfang der Abzugsfähigkeit bei der KGaA und untersucht verschiedene Konzepte der Gewinnermittlung unter Berücksichtigung von Sonder- und Ergänzungsbilanzen.
5. Der Gewinnanteil in der Gewerbesteuer: Das Kapitel behandelt die gewerbesteuerliche Erfassung, insbesondere die Hinzurechnung auf Ebene der KGaA und die entsprechende Kürzung auf Ebene des Komplementärs.
6. Gesonderte und einheitliche Feststellung der Besteuerungsgrundlagen: Hier werden die verfahrensrechtlichen Aspekte einer gesonderten und einheitlichen Feststellung nach der Abgabenordnung (AO) kritisch diskutiert.
7. Implikationen von § 50d (11) EStG auf das Besteuerungskonzept: Der Abschnitt setzt sich mit der gesetzgeberischen Reaktion auf die Rechtsprechung zu hybriden Rechtsformen und deren Auswirkungen auf das Besteuerungskonzept auseinander.
8. Zusammenfassendes Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zur Besteuerung des Komplementärs zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Reformansätze.
Schlüsselwörter
KGaA, Komplementär, Ertragssteuer, Gewerbesteuer, Gewinnanteil, Körperschaftsteuer, Transparenzprinzip, Trennungsprinzip, Sonderbilanz, Ergänzungsbilanz, Mitunternehmer, Besteuerung, Gewinnermittlung, § 9 KStG, § 15 EStG
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der steuerlichen Behandlung des Gewinnanteils von Komplementären bei einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), einer Rechtsform, die sowohl Elemente einer Kapitalgesellschaft als auch einer Personengesellschaft vereint.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentrale Themen sind die ertrags- und gewerbesteuerliche Einordnung, verschiedene Konzepte zur Gewinnermittlung, die Sonderbilanzierung sowie verfahrensrechtliche Fragen zur einheitlichen Feststellung der Besteuerungsgrundlagen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, den wissenschaftlichen Diskurs aufzugreifen und zu klären, wie die Besteuerung des Gewinnanteils des KGaA-Komplementärs de lege lata gesetzeskonform ausgestaltet werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse, die den Gesetzestext, die höchstrichterliche Rechtsprechung (insbesondere des BFH) und die kontroverse Fachliteratur vergleicht, um ein schlüssiges Besteuerungskonzept zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Abzugsfähigkeit von Gewinnanteilen auf Ebene der KGaA, die Konzepte zur Gewinnermittlung (intransparent, transparent, modifiziert) und die gewerbesteuerliche Behandlung sowie die verfahrensrechtliche Ebene der gesonderten Feststellung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind KGaA, Transparenzprinzip, Trennungsprinzip, Komplementär, Sonderbilanz und die relevante steuerliche Gesetzgebung wie § 9 KStG und § 15 EStG.
Warum gibt es bei der Besteuerung des KGaA-Komplementärs Rechtsunsicherheit?
Die Unsicherheit resultiert aus der "Hybridität" der KGaA: Sie ist zwar zivilrechtlich eine Kapitalgesellschaft, der Komplementär wird steuerrechtlich jedoch oft wie ein Mitunternehmer behandelt, was zu widersprüchlichen Besteuerungsmodellen führt.
Wie bewertet die Arbeit die "Wurzeltheorie" des BFH?
Die Arbeit erkennt die Bedeutung der Wurzeltheorie als maßgebliche höchstrichterliche Rechtsprechung an, stellt jedoch kritisch fest, dass eine rein intransparente Besteuerung allein durch die Steuersubjektqualität der KGaA nicht ausreichend zu begründen ist.
Welche Bedeutung haben Sonder- und Ergänzungsbilanzen in diesem Kontext?
Die Arbeit plädiert dafür, dass Sonder- und Ergänzungsbilanzen anzuerkennen sind, wenn man eine Gleichstellung des Komplementärs mit einem Mitunternehmer einer Personengesellschaft vornimmt, insbesondere um das objektive Nettoprinzip bei einer Anteilsveräußerung zu wahren.
Wie steht die Arbeit zur gesonderten Feststellung nach der AO?
Die Arbeit befürwortet rechtsdogmatisch ein Feststellungsverfahren zwischen den Komplementären und der KGaA, da dies dazu beiträgt, eine konsistente und gleichmäßige Besteuerung sicherzustellen und widersprüchliche Veranlagungen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Jonas Kniep (Autor:in), 2014, Die steuerliche Behandlung des Gewinnanteils eines Komplementärs einer KGaA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276673