Was tun bei studentischen Plagiaten?


Skript, 2010
4 Seiten

Leseprobe

Was tun bei studentischen Plagiaten? (2010)

Dr. iur Gerrit Horstmeier, Professor der Hochschule Furtwangen

1. Rechtsgrundlagen

§ 3 Abs. 5 LHG:

„Alle an der Hochschule wissenschaftlich Tätigen sowie die Studierenden sind zu wissenschaftlicher Redlichkeit verpflichtet. Hierzu sind die allgemein anerkannten Grundsätze guter wissenschaftlicher Grundsätze einzuhalten.

Ein Verstoß hiergegen liegt insbesondere vor, wenn in einem wissenschaftserheblichen Zusammenhang vorsätzlich oder grob fahrlässig

Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder die Forschungstätigkeit Dritter erheblich beeinträchtigt wird.

Im Rahmen der Selbstkontrolle in der Wissenschaft stellen die Hochschulen Regeln zur Einhaltung der allgemein anerkannten Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten auf.“

§ 11 Abs. 4,5 SPO Bachelor (wortgleich § 10 Abs. 4, 5 SPO Master):

„(4) Versucht jemand, das Ergebnis seiner Prüfungsleistung durch Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilfsmittel zu beeinflussen, wird die betreffende Prüfungsleistung mit ‚nicht ausreichend‘ (5,0) bewertet. ….. In schwerwiegenden Fällen kann der Fakultätsprüfungsausschuss die zu prüfende Person von der Erbringung weiterer Prüfungsleistungen ausschließen.

(5) Die von der Entscheidung betroffene Person kann innerhalb einer Frist von einem Monat verlangen, dass die Entscheidungen nach Absatz 4 Satz 1 und 2 vom Fakultätsprüfungsausschuss der Fakultät überprüft werden. Belastende Entscheidungen sind ihr unverzüglich schriftlich mitzuteilen, zu begründen und mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen.“

Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten an der Fachhochschule Furtwangen

Wissenschaftliches Fehlverhalten

(Vor 1)“Die Fachhochschule Furtwangen gibt diese Regeln bekannt und verpflichtet ihre Mitglieder darauf. Diese Regeln sollen fester Bestandteil der Lehre und Forschung sein.

2.1. Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor, wenn in einem wissenschaftserheblichen Zusammenhang bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt … wird. Als möglicherweise schwerwiegendes Fehlverhalten kommt insbesondere in Betracht:

2.1.b) Verletzung geistigen Eigentums

in Bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberechtlich geschütztes Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze:

- Die unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft (Plagiat), …
- Die Anmaßung oder unbegründete Annahme wissenschaftlicher Autor- oder Mitautorschaft ….“

3. Praxis

Wird einem Probanden das Plagiat nachgewiesen, stellt sich die Frage, ob dieser neben der Bewertung der Arbeit mit 5,0 zusätzlich von weiteren Prüfungen ausgeschlossen werden kann, was zwangsläufig das Ende des Studiums bedeutet.

Sedes materiae ist hier für die entscheidende Hochschule § 11 Abs. 4, 5 SPO. Voraussetzungen wären demnach

- Prüfungsleistung
- Versuch der Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilfsmittel
- Zur Beeinflussung des Ergebnisses
- Besondere Schwere des Verstoßes.

Eine Thesisarbeit[1] ist eine Prüfungsleistung, § 24 Abs. 1 S. 1 SPO (wie auch Haus- oder Studienarbeiten, sofern sie in der SPO als Prüfungsleistung vorgesehen sind). Sie ist selbständig nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln anzufertigen, § 25 Abs. 1 S. 2 SPO. Die Verwendung fremder Texte ohne Kenntlichmachung der fremden Autorenschaft (Plagiat) täuscht die Prüfer zum einen über die Selbständigkeit der erarbeiteten Leistung des Probanden sowie über die benutzten Quellen und Hilfsmittel. Insofern wären bei einem Plagiat beide Tatbestandsalternativen verwirklicht. Dass dies geschieht, um das Ergebnis zu beeinflussen, lässt sich direkt daraus schließen.

Die Bewertung mit 5,0 ist insofern keine Ermessensausübung mehr, sondern zwingend. Die weitere Sanktion des Ausschlusses von weiteren Prüfungen hängt davon ab, ob ein schwerwiegeneder Fall vorliegt.

Grundsätzlich indiziert die doppelte Verwirklichung des Versuchstatbestands bereits eine besondere Erheblichkeit. Die Benutzung fremder Quellen in der Form der direkten Verwertung im Thesistext ohne deren Kenntlichmachung ist seit dem 1.3.2009 durch die Neufassung des § 3 Abs. 5 LHG gesondert erwähnt, in dem die vorsätzlich oder grob fahrlässige Verletzung fremden geistigen Eigentums „insbesondere“ als Verstoß gegen die wissenschaftliche Redlichkeit verstanden wird. Die nicht kenntlich gemachte Verwendung fremder Texte ist eine Verletzung des geistigen Eigentums des kopierten Autors, § 1 UrhG, die in der Regel auch vorsätzlich geschieht[2].

[...]


[1] Vergleichbares gilt grundsätzlich für Studien- oder Hausarbeiten

[2] Sächsisches OVG, SächsVBl 2003, 242 ff. nimmt Vorsatz bei einem Täuschungsversuch nach den Regeln des Anscheinsbeweises an, beruhend auf BVerwG v. 20.2.1984-7 B 109/83. Der Proband muss sich dann entlasten.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Was tun bei studentischen Plagiaten?
Hochschule
Hochschule Furtwangen; Standort Villingen-Schwenningen
Autor
Jahr
2010
Seiten
4
Katalognummer
V276717
ISBN (eBook)
9783656700807
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
plagiaten
Arbeit zitieren
Prof. Dr. Gerrit Horstmeier (Autor), 2010, Was tun bei studentischen Plagiaten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276717

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