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Der Mythos "Europa" bei Ovid und Herodot. Ein Mädchenraub als Bezugspunkt kultureller Identität

Titel: Der Mythos "Europa" bei Ovid und Herodot. Ein Mädchenraub als Bezugspunkt kultureller Identität

Hausarbeit , 2012 , 17 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Annika Mödl (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Europa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Zuge des Gesellschaftswandels erfuhr auch der Begriff „Europa“ einen vielfachen Bedeutungswandel. Er wurde auf vielerlei angewandt. Auf die mythologische Königstochter, Erdallegorie, politische Propaganda, Wirtschafts-, Glaubens-, Wertegemeinschaft und die kulturelle Identität. Allerdings war es die mythologische Figur, die den Mythos ins Leben rief und ihm den Nimbus verlieh der ihn auch heute noch auszeichnet. Doch die Herkunft des Wortes bleibt umstritten. In „Europa“ verbirgt sich das asyrische „erp“ (dunkel, finster, wo die Sonne untergeht), romantisierend eindeutig als das Abendland zu verstehen. Das Gegenteil zu „Asien“, dem Morgenland, dem Land der aufgehenden Sonne. Für die ältere Geschichte der Erdteile lässt sich das Gegensatzpaar erp-asis durchaus übertragen. Asien, als Wiege der glänzenden Hochkultur – Europa als finstere, barbarische Peripherie, zu der im Prozess der Zivilisation die Sonne der ersten Hochkulturen nur mühsam durchdrang. Auch die antiken Grammatiker befassten sich mit der Herkunft des Wortes im Hinblick auf die mythologische Person. Sie erkannten „Europa“ als eine Zusammensetzung der Wörter „breit“ und „sehen“, in der Bedeutung „weitsehend“ aufgefasst. Die Versuche moderner Sprachforscher, den Namen aus dem griechischen abzuleiten, müssen als gescheitert angesehen werden. Gegen die wiederholt aufgegriffene griechische Etymologie spricht der unerklärliche Ausfall einzelner Buchstaben. Heute neigt man eher dazu, den vorgriechischen Ursprung anzunehmen. In der folgenden Arbeit möchte ich nicht nur die Herkunft und die Bedeutung des Wortes „Europa“ hinterfragen. Vielmehr soll eine eingehende Betrachtung der Rezeption des Mythos durch Herodot und Ovid erfolgen. Ferner möchte ich der Frage nachgehen, in welcher Weise diese Geschichte um die phönizische Königstochter noch eine Bedeutung für die heutige Gesellschaft haben kann. Braucht Europa überhaupt einen gemeinsamen Mythos und kann ein Mädchenraub als ein solcher fungieren?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Die Etymologie des Wortes „Europa“

B. Der Mythos Europa

I. Die Bedeutung von Mythen

II. Der Mythos Europa in der Antike

1. Der Inhalt der Erzählung

2. Der Europamythos in der antiken Literatur

a) Der Europamythos in Herodots Historien

b) Die Darstellung des Mythos bei Ovid

c) Europa in den „Metamorphosen“

d) Europa in den Fasten

III. Der Mythos in der Gegenwart

1. Rezeption

a) Politisierung des Mythos

b) Rezetion des Mythos in Literatur, Kunst und andere Erscheinungsformen

II. Kann der Mythos Identitätsstifter sein?

C. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Herkunft und die rezeptionsgeschichtliche Entwicklung des Europamythos bei Herodot und Ovid, um zu analysieren, inwiefern diese Erzählung als identitätsstiftendes Element für die heutige europäische Gesellschaft fungieren kann.

  • Etymologische Herleitung des Begriffs „Europa“
  • Kontrastive Analyse der Mythos-Rezeption bei Herodot und Ovid
  • Politische und soziale Instrumentalisierung des Mythos im 20. Jahrhundert
  • Bedeutung von Ursprungsmythen für die kulturelle Identität Europas
  • Kritische Reflexion der Eignung des antiken Mythos als moderner Bezugspunkt

Auszug aus dem Buch

c) Europa in den „Metamorphosen“

Ovids Metamorphosen stellten für Jahrhunderte das „Grundbuch mythologischen Wissens“ und die bedeutendste Sammlung der klassischen Mythologie dar. Die insgesamt 15 in Hexameter-Versen verfassten Bücher sind vermutlich in den Jahren 1 bis 8 nach Christus entstanden. Insgesamt 256 Verwandlungsgeschichten werden dort geschildert, in denen zumeist Götter oder andere Gestalten die Form von Tieren, Pflanzen oder gar Sternen annehmen. Ovid fügt die Erzählungen durch jeweils gemeinsame zeitliche und räumliche Aspekte sowie durch Figuren und Rahmenerzählungen, aber auch durch inhaltliche Beziehungen, etwa die der Schuld und Buße, zusammen.

Im Vergleich zu vorhergegangenen Rezeptionen veränderte Ovid verschieden Aspekte des Handlungsgeschehens in dem Mythos um den Unterhaltungswert zu steigern. Er lässt zum Beispiel den einführenden, bei Moschos erwähnten Traum, weg und beginnt die Geschichte im Olymp. Dort ruft Jupiter seinen Sohn Merkur zu sich und beauftragt ihn, seine Liebesabsichten geheim haltend, die Rinderherde des Königs Agenor auf die Wiese zu treiben, auf der sich Europa mit ihren Spielgefährtinnen vergnügt. Ovids Mythos und vor allem die detaillierte Beschreibung des wunderschönen Stiers, in den Zeus sich verwandelt ist auch heute noch die durchaus gängige Version.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Die Etymologie des Wortes „Europa“: Das Kapitel befasst sich mit der umstrittenen Herkunft und dem Bedeutungswandel des Namens „Europa“ von antiken Sprachdeutungen bis zur modernen Verwendung.

B. Der Mythos Europa: Dieser Abschnitt erläutert die grundsätzliche Bedeutung von Mythen als anpassungsfähige Erzählungen und führt in die spezifische Erzählung des Mädchenraubs ein.

I. Die Bedeutung von Mythen: Es wird dargelegt, wie Mythen als Spiegel des kollektiven Bewusstseins dienen und gesellschaftliche Zwecke sowie die Identitätsfindung unterstützen.

II. Der Mythos Europa in der Antike: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen antiken literarischen Quellen und stellt insbesondere die Darstellungen von Herodot und Ovid gegenüber.

1. Der Inhalt der Erzählung: Hier wird die klassische Handlung des Raubs der Europa durch den in einen Stier verwandelten Zeus und die nachfolgenden Sagenkomplexe zusammengefasst.

2. Der Europamythos in der antiken Literatur: Es wird untersucht, wie antike Autoren den Mythos teils unterschiedlich rezipieren und in ihr jeweiliges Weltbild integrieren.

a) Der Europamythos in Herodots Historien: Herodot nutzt den Mythos für eine rationalistische Interpretation und ordnet ihn in einen größeren historischen Kontext der Konflikte zwischen Orient und Okzident ein.

b) Die Darstellung des Mythos bei Ovid: Ovid rückt die emotionale Ebene und die Verwandlung (Metamorphose) in den Vordergrund und nutzt den Stoff zur Gestaltung erotischer Narrative.

c) Europa in den „Metamorphosen“: Eine detaillierte Betrachtung von Ovids Werk, das als grundlegende literarische Quelle für die Rezeption des Europamythos fungiert.

d) Europa in den Fasten: Dieser Teil betrachtet Ovids späteres, unvollendetes Werk, in dem der Mythos stärker mit religiösen Bräuchen und Himmelsphänomenen verknüpft wird.

III. Der Mythos in der Gegenwart: Hier wird die politische und gesellschaftliche Instrumentalisierung des Mythos im 20. und 21. Jahrhundert beleuchtet.

1. Rezeption: Die Darstellung des Mythos in modernen Medien und seine Bedeutung in aktuellen Bildungsprogrammen werden analysiert.

a) Politisierung des Mythos: Das Kapitel beschreibt, wie der Mythos im 20. Jahrhundert in Karikaturen und politischer Propaganda instrumentalisiert wurde.

b) Rezetion des Mythos in Literatur, Kunst und andere Erscheinungsformen: Eine Übersicht über die allgegenwärtige Präsenz des Mythos in der heutigen Kultur, vom Euro bis zur Kunstausstellung.

II. Kann der Mythos Identitätsstifter sein?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob ein antiker Mythos tatsächlich als Basis für eine moderne europäische Identität dienen kann.

C. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Europamythos zwar ein verbindendes kulturelles Element bleibt, aber die Identitätsstiftung durch einen antiken Sagenstoff angesichts moderner Herausforderungen komplex und ambivalent bleibt.

Schlüsselwörter

Europamythos, Ovid, Herodot, Antike, Metamorphosen, Identität, Kulturgeschichte, Rezeptionsgeschichte, Zeus, Europa, Politische Propaganda, Integration, Sagenwelt, Europäische Identität, Mythenforschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Ursprünge und die wechselvolle Rezeptionsgeschichte des antiken Europamythos und hinterfragt dessen Funktion als kulturelles Bindeglied für Europa.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die etymologische Herleitung des Namens Europa, die literarische Bearbeitung des Mythos durch Herodot und Ovid sowie die politische Instrumentalisierung des Stoffes im 20. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszufinden, ob und inwieweit die antike Erzählung um die phönizische Königstochter Europa als gemeinsamer Bezugspunkt für eine moderne europäische Identität dienen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, bei der antike Quellentexte (insbesondere von Herodot und Ovid) mit zeitgenössischen Diskursen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur verknüpft werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der antiken Quellen, die vergleichende Untersuchung der Herodot- und Ovid-Rezeption sowie die Analyse der modernen Rezeption des Mythos in Kunst, Politik und Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Europamythos, Ovid, Herodot, Identität, Kulturgeschichte und Rezeptionsgeschichte charakterisieren.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Herodot von der des Ovid bezüglich des Mythos?

Herodot betrachtet den Mythos rationalistisch und ordnet ihn einer historischen Kette von Ereignissen unter, während Ovid den Schwerpunkt auf die Verwandlung, die erzählerische Gestaltung und die emotionale Komponente der Verführung legt.

Warum wird der Europamythos in der Moderne oft kritisch betrachtet?

Kritiker führen an, dass der Mythos als „tot“ oder „ohnmächtig“ empfunden wird, da er in der Postmoderne nicht mehr zum allgemeinen Bildungskanon gehört und für viele Menschen keinen direkten Bezug zur aktuellen politischen Realität herstellt.

Welche Rolle spielt die „Euro-Krise“ in der Argumentation der Autorin?

Die Euro-Krise dient als aktuelles Beispiel dafür, dass Europa trotz oder gerade wegen der fehlenden gemeinsamen kulturellen Wurzeln nach sinnstiftenden Narrativen sucht, wobei der Mythos als Chance oder problematische Krücke diskutiert wird.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Mythos "Europa" bei Ovid und Herodot. Ein Mädchenraub als Bezugspunkt kultureller Identität
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Sprachwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Grundlagen europäischer Kulturgeschichte
Note
1,3
Autor
Annika Mödl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V276750
ISBN (eBook)
9783656702832
ISBN (Buch)
9783656703426
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ovid Herodot kulturelle Identität Mythos Griechenland Mädchenraub EU Europa europäische Kulturgeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Annika Mödl (Autor:in), 2012, Der Mythos "Europa" bei Ovid und Herodot. Ein Mädchenraub als Bezugspunkt kultureller Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276750
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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