Sozialbericht über die Stadt Duisburg und Münchner Armutsbericht im Vergleich


Hausarbeit, 2004

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Sozialberichterstattung
1.1 Abgrenzung
1.2 Definition
1.3 Funktion

2. Typologie
2.1 Typologie allgemein
2.2 Typologie der beiden Sozialberichte

3. Politik- und Planungsrelevanz
3.1 Aufgaben
3.2 Handlungsempfehlungen
3.3 Operationalisierung

4. Sozialberichte Duisburg und München
4.1 Sozialbericht über die Stadt Duisburg (Endbericht)
4.1.1 Grundlage und Entstehungsgeschichte
4.1.2 Inhalt
4.1.3 Fazit
4.2 Münchner Armutsbericht
4.2.1 Grundlage und Entstehungsgeschichte
4.2.2 Inhalt
4.2.3 Fazit

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit zwei Sozialberichten. Zum einen liegt mir der Sozialbericht über die Stadt Duisburg aus dem Jahr 1994 vor und zum anderen beziehe ich mich auf den Münchner Armutsbericht von 1990. Obgleich die Titel der Berichte verschieden sind, befassen sie sich beide mit sozialen Problemen in der Gesellschaft.

Mein Interesse gilt der Typologie, der Entstehungsgeschichte und der Struktur der beiden Sozialberichte und der damit verbundenen Frage, in wie weit sie sich trotz der unterschiedlichen Auftraggebern ähneln. Andererseits betrachte ich die Politik- und Planungsrelevanz der Berichte. Dabei schenke ich insbesondere den von den Verfassern gebrachten Hinweisen zur weiteren Vorgehensweise Beachtung. Ist der Sozialbericht für die Auftraggeber also eine Hilfe für die zukünftige Arbeit?

Zunächst befasse ich mich mit dem Begriff der Sozialberichterstattung und seiner Funktion und anschließend gehe ich auf die Politik- und Planungsrelevanz ein. In diesem Zusammenhang stelle ich die Funktion von Handlungsalternativen vor.

Der nächste Abschnitt behandelt die Typologie zunächst im Allgemeinen und daraufhin bezogen auf die beiden vorliegenden Sozialberichte. Im folgenden Kapitel gehe ich auf die Indikatoren für eine für die Auftraggeber hilfreiche Sozialberichterstattung ein. Im folgenden beschäftige ich mich mit der Grundlage und Hintergründe zur Entstehung der beiden Sozialberichten. Ich schildere den inhaltlichen Aufbau und mögliche resultierende Handlungsanweisungen.

Meine Arbeit endet mit einem Fazit.

1. Sozialberichterstattung

1.1 Abgrenzung

Sozialberichterstattung zeigt den sozialen Stellenwert der bestehenden Probleme auf, ohne sich auf nur Randgruppen zu beziehen. Eine mögliche Diskriminierung der sozialen Randgruppe „Arme“ wird durch die Formulierung ebenfalls vermieden.[1]

Armut wird als gesellschaftliches Problem wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen und inhaltlich in Form von Armutsberichten aufgearbeitet.[2]

1.2 Definition

Sozialberichte sind Bewertungen von wichtigen Lebensbereichen. Ihre Aufgabe ist die Herausstellung der dort auftretenden Probleme. Dabei sollen sie die gemachten Fort- und Rückschritte bei der Lösung dieser Probleme beschreiben. Auch die Feststellung, ob und inwieweit die Ziele erreicht wurden, kann eine Aufgabe von Sozialberichten sein.[3]

Die häufig zitierte Definition stammt von Wolfgang Zapf und besagt, dass Sozialberichterstattung Informationen bezüglich gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse weiterzugeben hat. Außerdem soll sie über die Voraussetzungen und Konsequenzen gesellschaftspolitischer Maßnahmen regelmäßig, rechtzeitig, systematisch und autonom informieren.[4]

Sozialberichterstattung ist ein Teil der Sozialstatistik. Der Begriff der Sozialstatistik ist nicht klar definiert, jedoch ist darunter die Bereitstellung von statistischen Daten über den Sozialbereich im weitesten Sinne zu verstehen. In den Aufgabenbereich der Sozialstatistik fallen zum einen die Aufgabengebiete der Bevölkerungs- und Erwerbsstatistik und der Statistiken der sozialen Sicherung. Zum anderen befasst sie sich mit der Bildungs-, Kultur- und Gesundheitsstatistik sowie den Statistiken der Rechtspflege.[5]

1.3 Funktion

Die Gesellschaftspolitik bedarf einer regelmäßigen Überprüfung, um so die Erkenntnis zu erlangen, ob die getroffenen Maßnahmen die vorgesehenen Ziele erreichen konnten. Dafür muss sie den aktuellen Zustand der Gesellschaft kennen.[6]

Sozialberichterstattung bildet eine wesentliche Grundlage rationellen Handelns sowohl für die Politik als auch für andere Akteure und Entscheidungsträger in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Die sich aus den Sozialberichten ergebenen Informationen sind bezogen auf die Problemerkennung und der daraus folgenden Reaktion von hoher Bedeutung. Auch können somit die gesellschaftlichen Ziele abgemessen und die Wirksamkeit staatlichen Handelns kontrolliert werden. Die Funktion der Sozialberichterstattung liegt im Beobachten, Beschreiben und Analysieren der Lebensqualität und deren Veränderungen. Mit der Erfüllung dieses Aufgabenbereichs dient sie der Aufklärung der Öffentlichkeit und hilft der Politik, indem sie wichtige Informationen zur Beurteilung der vorhandenen und der sich entwickelnden Situationen beschafft. Festzuhalten ist, dass die Sozialberichterstattung in Zusammenhang mit den Zielen einer Gesellschaft und der sozialen Probleme besteht. Nicht nur das Zusammenstellen der Informationen ist von großer Bedeutung, sondern ebenfalls die Auswahl, das Aufbereiten und Präsentieren der erfassten Daten. Es besteht der Anspruch an Verständlichkeit des Sozialberichts.[7]

2. Typologie

2.1 Typologie allgemein

Nach Heinz-Herbert Noll werden die Sozialberichte nach der Ebene, auf die sie sich beziehen, nach ihrer Art und ihrem Akteur unterschieden. Im Bereich der Berichterstattungs ebene wird zwischen supranational, national, mehreren subnationalen Ebenen differenziert. Supranationale Sozialberichte werden von inter- und supranationaler Organisationen in Auftrag gegeben. Darunter fällt beispielsweise die Weltbank. Nationale Berichte beziehen sich zum Beispiel auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Subnational umfasst die Berichte unterhalb der nationalen, insbesondere auf kommunaler und regionaler Ebene. Die Art der Berichterstattung beinhaltet die Unterscheidung, ob über die gesamte Gesellschaft berichtet wird oder nur einzelne Lebensbereiche, Bevölkerungsgruppen oder bestimmte soziale Probleme betrachtet werden. Als Akteure der Berichterstattung kommen entweder amtliche - darunter fallen alle Ministerien und statistischen Ämter - oder nicht-amtliche Stellen, also wissenschaftliche Institute sowie Vereine und Verbände, in Betracht.[8]

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, Sozialberichte zu typisieren. Bei der von Wolf D. Klatt stehen die Ursache für den Bericht sowie dessen inhaltliche Beschreibung im Vordergrund.

Die Ursachen werden in den formalen oder inhaltlichen beziehungsweise sachlichen Anlass eingeteilt. Bei der erstgenannten Möglichkeit findet die Berichterstattung auf Grund eines Gesetzes, einer Geschäftsordnung oder einer Satzung statt. Im Fall des sachlichen Anlasses geht es um die Feststellung eines neuen sozialpolitischen Problems und im weiteren Verlauf um den Umgang mit diesem Problem. Anhand des vorliegenden Berichtes wird es nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern es können alternative Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden.[9]

Die inhaltliche Aufteilung besteht ebenfalls aus zwei Gruppen. Einerseits gibt es die zukunftsgerichteten und ursachen-, wirkungs- und zusammenhangs-orientierten Berichte. Diese haben einen analytischen und synthetischen Charakter. Die andere Berichtsform ist die deskriptive und bilanzierende. Sie bleibt vergangenheitsorientiert, stellt eine reine Problemerfassung vor. Unter die deskriptiv bilanzierende Form fallen die Rechenschaftsberichte, die Vereine und Verbände nach bestimmten Zeitabläufen vorlegen müssen. Die meisten Berichte des Bundes und der Länder fallen in die Rubrik Rechenschaftsberichte.[10]

2.2 Typologie der beiden Sozialberichte

Nach dieser Klassifikation von Noll handelt es sich bei dem Duisburger Sozialbericht um eine allgemeine und nicht-amtliche Studie, die sich auf die kommunale Ebene bezieht.[11]

Der Münchner Armutsbericht spielt sich nach Noll ebenfalls auf kommunaler Ebene ab und wurde von einem wissenschaftlichen Institut - also als ein nicht-amtlicher Bericht - erstellt. Da die bearbeiteten Themen mehrere Bereiche umfassen und auch übergreifend sind, ist der Bericht als ein allgemeiner einzuordnen.[12]

Bezogen auf die Typisierung von Klatt kommt man für die Stadt Duisburg zu folgendem Ergebnis. Für den Sozialbericht besteht kein gesetzlicher Auftrag, sondern er ist auf Grund inhaltlicher / sachlicher Anlässe entstanden. Sein Charakter ist, da die Studie lediglich auf den Ist-Zustand bezieht und sich ansonsten vergangenheitsorientiert verhält, deskriptiv und bilanzierend.[13]

Der Münchner Armutsbericht hat laut der Typisierung von Klatt wie der Duisburger Sozialbericht eine inhaltliche beziehungsweise sachliche Ursache. Die Einordnung des Charakters gestaltet sich schwieriger. Zwar ist er beschreibender Art, aber besonders durch die Einleitung des Sozialreferats erhält er ein analytisches Wesen. Die Schlüsse, die zu Beginn gezogen werden, sind eher ursachen- und zusammenhangsorientiert.[14]

Beide Studien, schreibt man dem Münchner Armutsbericht einen deskriptiv bilanzierenden Charakter zu, fallen somit in die Kategorie des Sozialberichtstypus II B.[15] Generell gesehen werden Berichte dieses Typus durch das Feststellen eines neuen gesellschafts- und sozialpolitischen Problems in Auftrag gegeben. Als Folge fallen sie durch ihre argumentative und weniger deskriptive Art auf.[16]

3. Politik- und Planungsrelevanz

3.1 Aufgaben

Die Ergebnisse des Sozialberichts müssen so aufgearbeitet werden, dass sie für die Politik verständlich sind und eine Basis für ein weiteres politisches und planerisches Vorgehen bieten. Nur so kann ein sachgerechter Umgang mit den Problemen und ein Einfluss der Sozialberichterstattung auf die Gesellschaft gewährleistet werden.[17] Sozialberichterstattung muss Problem bezogene Analysen fertigen, die sich am aktuellen Stand der gesellschaftlichen und auch theoretischen Diskussion orientieren. Dafür ist gleichwohl die ständige Aktualisierung und Aufbereitung von Daten in Form von Tabellenanalysen notwendig. Solche Tabellen sind jedoch für die Politik ohne eine Interpretation nutzlos. Sinnvoll ist ein Zusammenarbeiten der Datenproduzenten mit denjenigen, die den Nutzen aus den Ergebnissen ziehen wollen. So kann davon ausgegangen werden, dass die erfassten Daten auch die sind, die für die Politik in ihrer weiteren Arbeits- und Planungsphase von Nutzen sind.[18]

3.2 Handlungsempfehlungen

Die weitere Planungsrelevanz stellt sich in Form von Handlungsempfehlungen der Verfasser an die Auftraggeber als Adressaten dar.

Damit eine Sozialberichterstattung für die Stadt auch nützlich ist, sollte sie eine beratende Funktion für die Verwaltung und die Politik einnehmen. Sie muss nicht nur auf Missstände hinweisen, sondern dabei auch einen Beitrag zu notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung sozialer Probleme. Diese Maßnahmen sind als Handlungsempfehlungen entweder zum Schluss eines Kapitels oder in einem Gesamtresümee vorzustellen.

Zu unterscheiden sind Handlungsempfehlungen, die kurz-, mittel- und langfristige Ziele verfolgen. Dabei können die kurzfristigen Maßnahmen als Grundlage für die mittel- und langfristigen Projekte dienen und in der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Davon unabhängig sollen die Handlungsempfehlungen zielgruppen-orientiert sein. Die Empfehlungen können je nach Bedarf und Ansatzpunkt entweder struktureller, theoretischer oder praktischer Art sein. Das hängt von den tatsächlichen Örtlichen Begebenheiten ab. Beispielsweise ist eine einfache Umstrukturierung einer bestehenden Einrichtung sinnvoll oder aber ein Projekt wird neu konzipiert und über einen gewissen Zeitraum begleitet.

[...]


[1] Vgl. Herrmann, Peter: Neue Armut und Armutsberichterstattung - Eine Zwischenbilanz, in: Otto, Hans-Uwe/Karsten, Maria-Eleonora (Hg.): Sozialberichterstattung. Lebensräume gestalten als neue Strategie kommunaler Sozialpolitik, Weinheim/München 1990, S. 78

[2] Ebd., S. 83

[3] Vgl. Krupp, Hans-Jürgen / Zapf, Wolfgang (Hg.): Sozialpolitik und Sozialberichterstattung, Frankfurt/New York 1977, S. 222

[4] Vgl. Zapf, Wolfgang: Gesellschaftliche Dauerbeobachtung und aktive Politik, in: Krupp, Hans-Jürgen, Sozialpolitik und Sozialberichterstattung, Band 1, Frankfurt/New York 1977, S. 11 f.

[5] Vgl. Noll, Heinz-Herbert: Sozialstatistik und Sozialberichterstattung, in: Schäfers, Bernhard / Zapf, Wolfgang (Hg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Opladen 2001, S. 663

[6] Vgl. Krupp, Hans-Jürgen: Sozialberichterstattung und informationelle Infrastruktur, in: Glatzer, Wolfgang u.a.(Hg.): Sozialer Wandel und gesellschaftliche Dauerbeobachtung, Opladen 2002, S. 391

[7] Vgl. Noll, Heinz-Herbert: Sozialstatistik und Sozialberichterstattung, S. 663 f.

[8] Vgl. Noll, Heinz-Herbert: Sozialberichterstattung: Zielsetzung, Funktionen und Formen, in: Noll, Heinz-Herbert (Hg.), Sozialberichterstattung in Deutschland, Weinheim / München 1997, S. 8 f.

[9] Vgl. Klatt, Wolf D.: Sozialberichtstypen - Anlässe und Zielsetzung für verschiedene Handlungsebenen der Sozialpolitik, in: Otto, Hans-Uwe / Karsten, Maria-Eleonora (Hg.), Sozialberichterstattung. Lebensräume gestalten als neue Strategie kommunaler Sozialpolitik, Weinheim / München 1990, S. 44 ff.

[10] Vgl. Klatt, Wolf D.: Sozialberichtstypen - Anlässe und Zielsetzung für verschiedene Handlungs-ebenen der Sozialpolitik, S. 47 ff.

[11] Vgl. Noll , Heinz-Herbert: Sozialstatistik und Sozialberichterstattung, in: Schäfers, Bernhard/Zapf, Wolfgang: Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Opladen 2001, S. 666 und Tabelle 1

[12] Ebd

[13] Vgl. Klatt, Wolf D.: Sozialberichtstypen - Anlässe und Zielsetzung für verschiedene Handlungs-ebenen der Sozialpolitik, S. 45 und Tabelle 2

[14] Ebd.

[15] Vgl. Tabelle 2

[16] Vgl. Klatt , Wolf D.: Sozialberichtstypen - Anlässe und Zielsetzung für verschiedene Handlungsebenen der Sozialpolitik, S. 50

[17] Vgl. Wagner, Gert G.: Sozialberichterstattung und Politikberatung, in: Glatzer, Wolfgang u.a. Hg.): Sozialer Wandel und gesellschaftliche Dauerbeobachtung, Opladen 2002, S. 412

[18] Ebd., S. 416 f.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Sozialbericht über die Stadt Duisburg und Münchner Armutsbericht im Vergleich
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Soziale Arbeit und Erziehung
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V27687
ISBN (eBook)
9783638296656
ISBN (Buch)
9783638649568
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialbericht, Stadt, Duisburg, Münchner, Armutsbericht, Vergleich, Soziale, Arbeit, Erziehung
Arbeit zitieren
Sandra Simon (Autor), 2004, Sozialbericht über die Stadt Duisburg und Münchner Armutsbericht im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27687

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