Kunigunde und ein heißes Eisen


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

I. Kunigunde – einflussreiche Herrscherin

II. Der Mainzer Ordo – Aufgaben eines Kaiserpaares

III. Die memoria

IV. Der Kunigundenkult - Kinderlosigkeit, Geschwisterliebe, Marienverehrung

V. Kunigunde und die Pflugscharenprobe

VI. Die Gesellschaft im Umbruch

VII. Das Ordal

VIII. Gottesurteil und Heiligenvita

IX. Fortwirken der memoria

Kunigunde und ein heißes Eisen

I. Kunigunde – einflussreiche Herrscherin

In den wenigen vorhandenen Quellen lässt sich kaum etwas über Kunigundes Privatleben erschließen. Stets steht ihr politisches Handeln im Vordergrund.

Sie wurde um 980 geboren, entstammt einem Luxemburger Grafenhaus und kann in ihrem Stammbaum Verwandtschaft zu den bedeutendsten Herrscherfamilien des Mittelalters aufweisen. In der Ahnenreihe befinden sich: Ludwig der Stammler, Karl der Kahle, Ludwig der Fromme bis hin zu Karl dem Großen.

Wegen Kunigundes vornehmer Herkunft ging das Gerücht um, dass Heinrich aus Gründen des Thronerbes zur Vermählung mit Kunigunde gezwungen werden musste. Sven Pflefka widerlegt diese Aussage jedoch: Die Heirat wurde nicht aus strategischen Gründen veranlasst, weil Heinrich zur Zeit seiner Heirat noch keine Aussicht auf den Thron hatte. Seine Gemahlin wählte er im realpolitischen Bestreben eines Herzogs.

Ebenfalls als Gerücht behandelt Pflefka den Vorwurf einer Nahehe: Heinrich und Kunigunde seien im dritten Grad miteinander verwandt und lebten deshalb in Geschwisterliebe miteinander. Heinrich verurteilte auf der Synode von Diedenhofen im Jahre 1004/05 die Ehe unter Verwandten: „Damit scheuen sie [die Verwandten] sich nicht, jene Vorschrift, ruchloser als Juden und Heiden, bereits in ihrem Anfang zu missachten, die nach den heiligen Bestimmungen der Kanones bis zum siebten Grad zu befolgen ist.“ An andere Vermutungen um eine „Josephsehe[1] “ zwischen Heinrich und Kunigunde knüpfen zahlreiche Legenden. Ausschlaggebend für sämtliche Gerüchte war die Tatsache, dass die Ehe kinderlos blieb.

Nach dem Ableben Kaiser Ottos III., welcher keinen männlichen Nachfolger hinterlassen hatte, begann der Kampf um die Königskrone, aus welchem Heinrich erfolgreich hervorging. Am 7. Juni 1002 wurde er in Mainz gekrönt. Kunigunde war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Sie erhielt deshalb, als erste nachweisbar gekrönte Königin, eine eigene Zeremonie. Am 10. August 1002 wurde Kunigunde in Paderborn von der Herzogin zur Königin erhoben. Im Jahre 1014 folgte die Krönung zum Kaiserpaar.

II. Der Mainzer Ordo – Aufgaben eines Kaiserpaares

Besonderes Augenmerk bei den Krönungsfeierlichkeiten verdient der „Mainzer Ordo“ (liturgische Literatur des Mittelalters), welcher sowohl zu Heinrichs Königskrönung als auch in abgeänderter Form zu Kunigundes Krönung vorgetragen wurde. Ein Bestandteil war die Krönung und Salbung, welche als „Grundvoraussetzung für die Etablierung eines starken Königtums“[2] galten. Im Ordo wurde die exakte Stellung des Königs in der irdischen Gemeinschaft beschrieben:

„der König ist vicarius Christi und am bischöflichen Amt in exterioribus teilhaftig; er erscheint als Verteidiger, Vorkämpfer und Regent der Kirche und Mittler zwischen Volk du Klerus. Er hat die Stolzen zu demütigen, die Schwachen, besonders die Witwen und Waisen, zu schützen; er hat sich durch iustitia, aequitas, misericordia und pietas auszuzeichnen“[3]

Heinrich II. brachte eine Wende im gesamten Kirchenwesen. Wichtige Akteure in seinem Regiment waren Bischöfe und Mönche. Er sieht sich selbst als der von Christus gekrönte Herrscher, wie aus Herrscherdarstellungen, z.B. der im Regensburger Sakramentar, hervorgeht.

„Unter keinem anderen Ottonen war das Verhältnis von Herrscher und Kirche, königlicher Herrschaftslegitimation und Liturgie so eng wie unter Heinrich II. Durch die Liturgie versicherte sich der König der göttlichen Legitimation.“[4]

Der Krönungsordo der Königin besitzt ähnliche Züge, fällt aber etwas nüchterner aus. Dennoch erfolgen Vergleiche mit wichtigen biblischen Frauenfiguren: Die Königin wird mit Judit verglichen, die durch den Mord an ihrem schlimmsten Feind Israel befreit – Kunigunde soll also ihr Reich und vor allem ihren Glauben gegen dessen Feinde verteidigen; wie Sara, Rebekka, Lea und Rahel, soll die Königin „durch die Frucht ihres Leibes reich gemacht und erfreut werden zur Zierde des ganzen Reiches und zum Fortbestehen der heiligen Kirche Gottes, das zu leiten und zu beschützen ist.“[5]. Somit erhält Kunigunde die Aufgabe, durch die Geburt eines männlichen Nachkommens die Thronfolge zu sichern. Ein weiterer Bezug zum AT besteht im Vergleich mit der Jüdin Ester, die durch ihr Vorsprechen beim König erreicht, dass den verfolgten Juden erlaubt wird sich gegen ihre Feinde zu wehren und dass mit dem geplanten Judenmord eingehalten wird. Hiermit wird die Legitimation für die Königin ausgesprochen, dass ihr politisches Mitspracherecht zuteil wird, und sie als Intervenientin ihren Gemahl zu milden Entscheidungen erweichen soll.

Der Herrscher ist „defensor der Kirche“[6]. Er soll die Botschaft Jesu verbreiten und die Kirche gegen ihre Feinde schützen. Auch die Königin ist, wie schon erwähnt, daran beteiligt und muss gegen den „sichtbaren und unsichtbaren Feind“ (visibilis seu invisibilis hostis) vorgehen. Hiermit sind der Teufel und die Dämonen, im übertragenen Sinn Heiden und Häretiker gemeint.

Durch eine weitere Passage des Ordos entsteht ein Bild, wie es nur für eine göttliche Königin bestimmt sein kann:

„Wie du nun äußerlich strahlst in Gold und Edelsteinen, so arbeite auch darauf hin, Dich innerlich mit dem Gold der Weisheit und den Edelsteinen der Tugend zu schmücken, damit Du es nach dem Untergang dieses Zeitalters verdienen mögest, mit den klugen Jungfrauen dem himmlischen Bräutigam, unserem Herrn Jesus Christus, würdig und des Lobes wert entgegenzueilen und durch die königliche Pforte der himmlischen Hallen einzugehen.“[7]

Der tiefe religiöse Anspruch des Königspaares, auf welchem Heinrich II. seine Herrschervorstellung begründet, findet im Mainzer Ordo Ausdruck. Hierin liegt aber auch eine Wurzel für die Fülle von Legenden. Die bereits angesprochene Vermutung einer Josephsehe lässt sich unter anderem auf die Vergleiche mit den biblischen Jungfrauen, welche sich allesamt durch die Tugend der Keuschheit auszeichnen, und die mehrmalige Hervorhebung der Virginität zurückführen. Der Weg der Verbindung zwischen Kunigunde und der Gottesmutter Maria ist ein kurzer.

[...]


[1] Ehe, in der die Partner aus religiösen Gründen sexuell enthaltsam leben. Vorbildlich ist nach katholischer Vorstellung die Beziehung zwischen Josef und Maria.

[2] WEINFURTER, STEFAN: Sakralkönigtum und Herrschaftsbegründung um die Jahrtausendwende. Die Kaiser Otto III. und Heinrich II. in ihren Bildern. Quelle: Bilder erzählen Geschichte, Hrsg. HELMUT ALRICHTER. Freiburg i. B. 1995. S. 70 f.

[3] SCHRAMM, PERCY ERNST: Die Krönung in Deutschland bis zum Beginn des Salischen Hauses. 1821. Quelle: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. 1935. S. 264.

[4] KELLER, HAGEN: Herrscherbild und Herrschaftslegitimation. Zur Deutung der ottonischen Denkmäler. Quelle: Frühmittelalterliche Studien 19. Berlin 1985. S. 311.

[5] PFLEFKA, SVEN: Kunigunde und Heinrich II. Politische Wirkungsmöglichkeiten einer Kaiserin an der Schwelle eines neuen Jahrtausends . Bamberg, 1999. Quelle: Historischer Verein Bamberg für die Pflege und Geschichte des Ehemaligen Fürstbistums. S. 223.

[6] PFLEFKA, SVEN: Kunigunde und Heinrich II. (wie Anm. 4) S. 223

[7] Hrsg. ELZE, REINHARD: Ordines Coronationes imperialis. MGH Font. iur. Germ. 9. Hannover 1960. S. 9.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kunigunde und ein heißes Eisen
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Volkskunde)
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V27730
ISBN (eBook)
9783638296960
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thema der Seminararbeit ist die Vita / Legende der heiligen Kunigunde von Bamberg, Gemahlin des Kaisers Heinrich II.
Schlagworte
Kunigunde, Eisen
Arbeit zitieren
Margit Maier (Autor), 2003, Kunigunde und ein heißes Eisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27730

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