In der jüngsten Vergangenheit haben immer wieder ruinöse, internationale Bilanzierungsskandale das Vertrauen von Investoren in die Abschlussprüfung prüfungspflichtiger Unternehmen gemindert. Dem Ansehen von Vorstand, Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfern wurde im Zuge dieser Skandale enorm geschadet. Durch den Zusammenbruch großer, publizitätspflichtiger Unternehmen wie Enron, Worldcom, Parlamat und Flowtex wurde die Frage nach Steuerungsmaßnahmen zur Vermeidung derartiger Bilanzierungsskandale sowie die Frage nach der Verantwortlichkeit der testierenden Wirtschaftsprüfer aufgeworfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Gang der Untersuchung
2. Wirtschaftsprüfer
2.1 Allgemeines und berufliche Aufgaben
2.2 Gesetzliche Pflichten
2.2.1 Gewissenhaftigkeit
2.2.2 Unparteilichkeit
2.2.3 Verschwiegenheitspflicht
2.2.4 Verwertungsverbot
2.3 Vertragliche und sonstige Pflichten
3. Rechtsgrundlagen der Haftung
3.1 Definition einer Pflichtverletzung
3.2 Kausalität
3.3 Schaden
3.4 Haftungssummenbeschränkung nach § 323 Abs. 2 HGB
3.5 Verjährung
3.6 Haftungsbegrenzung
4. Die Haftung eines Wirtschaftsprüfers gegenüber dem Auftraggeber
4.1 Allgemeines
4.2 Haftung bei nicht rechtzeitiger Ablehnung des Prüfungsauftrags
4.3 Haftung wegen Erstellen eines fehlerhaften Comfort Letter
4.4 Haftung für Insolvenzverschleppungsschäden
5. Die Haftung eines Wirtschaftsprüfers gegenüber Dritten
5.1 Typische Dritthaftungsfälle bei Wirtschaftsprüfern
5.2 Auskunftsvertrag
5.3 Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter
5.4 Prospekthaftung
5.5 Besonderheiten bei freiwilligen Prüfungen
5.6 Deliktische Dritthaftung
6. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Haftungssituation von Wirtschaftsprüfern, wenn diese ihren gesetzlichen und vertraglichen Pflichten nicht nachkommen und dadurch sowohl dem Auftraggeber als auch vertragsfremden Dritten enorme Schäden entstehen können.
- Berufliche Aufgaben und gesetzliche Verpflichtungen des Wirtschaftsprüfers
- Rechtsgrundlagen der Haftung (Pflichtverletzung, Kausalität, Schaden)
- Haftungsbeschränkungen und Haftungsbegrenzung
- Haftung gegenüber dem unmittelbaren Auftraggeber
- Dritthaftung in verschiedenen Konstellationen (Auskunftsvertrag, Schutzwirkung zugunsten Dritter, Delikt)
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Gewissenhaftigkeit
Die zentrale Pflicht eines Wirtschaftsprüfers ist die der Gewissenhaftigkeit. Die grundsätzlichen Prämissen für diese Pflicht sind Wahrheit, Vollständigkeit und Klarheit.
Der Wirtschaftsprüfer hat die Pflicht, die von dem zu prüfenden Unternehmen vorgelegten Unterlagen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen und Annahmen mithilfe von fachspezifischen Plausibilitätskriterien zu beurteilen.
Des Weiteren muss er seine Prüfung grundsätzlich vollständig, lückenlos und ohne Weglassen von wichtigen Informationen durchführen.
Unabhängig davon müssen der Prüfungsbericht sowie der Bestätigungsvermerk sowohl für den Auftraggeber als auch für die Öffentlichkeit gut verständlich sein.
Bei der gesamten Prüfung des Abschlussprüfers muss nach § 276 Abs 2. BGB geforderte Sorgfalt gewährleistet werden.
In § 4 BS WP/vBP wird der Begriff der Gewissenhaftigkeit erläutert, woraus sich u.a. folgende Pflichten ergeben:
Übernahme von Prüfungsaufträgen nur dann, wenn der Wirtschaftsprüfer über die notwendige Sachkunde sowie die Zeit für die Ausführung des Auftrages verfügt
Ordnungsgemäße Darstellung von Sachverhalten sowie planvolle Dokumentation der Abschlussprüfung
Bei Interpretations- und Zweifelsfragen ist der Prüfer dazu verpflichtet, sich am Gebot des relativ sicheren Weges zu orientieren. Dabei ist ihm gestattet, bei ungeklärten oder strittigen Bilanzierungs- oder Bewertungsfragen eine von der zu prüfenden Gesellschaft regelkonforme, vorgeschlagene Auffassung zu akzeptieren
Bei der Zusammenstellung des Prüfungsteams ist auf eine entsprechende Diversität hinsichtlich Erfahrung, Verständnis der fachlichen Regeln, Branchenkenntnis sowie Verständnis für das Qualitätssicherungssystem zu achten
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik durch internationale Bilanzierungsskandale und definiert das Ziel der Arbeit, die Haftungssituation von Wirtschaftsprüfern bei Pflichtverletzungen zu analysieren.
2. Wirtschaftsprüfer: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen und beruflichen Aufgaben sowie die zentralen Verhaltenspflichten, wie Gewissenhaftigkeit und Verschwiegenheit.
3. Rechtsgrundlagen der Haftung: Hier werden die juristischen Voraussetzungen für eine Haftung, insbesondere Pflichtverletzung, Kausalität, Schaden und Haftungsbegrenzungen, dargelegt.
4. Die Haftung eines Wirtschaftsprüfers gegenüber dem Auftraggeber: Dieses Kapitel behandelt die spezifischen Haftungsrisiken im direkten Mandatsverhältnis, inklusive Comfort Letter und Insolvenzverschleppung.
5. Die Haftung eines Wirtschaftsprüfers gegenüber Dritten: Hier werden die verschiedenen Haftungsansätze gegenüber nicht direkt am Vertrag beteiligten Dritten (z. B. Gläubiger, Aktionäre) untersucht.
6. Kritische Würdigung: Das Schlusskapitel bewertet das Spannungsfeld des Wirtschaftsprüfers zwischen individuellen Interessen und der Rolle als Instrument der Kapitalmarktkontrolle.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsprüfer, Haftung, Pflichtverletzung, Jahresabschlussprüfung, Sorgfaltspflicht, Dritthaftung, HGB, Gewissenhaftigkeit, Unparteilichkeit, Schadensersatz, Prospekthaftung, Comfort Letter, Kausalität, Mandatsverhältnis, Kapitalmarktkontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Haftung von Wirtschaftsprüfern im Falle von Pflichtverletzungen bei der Prüfung von Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den Berufspflichten, den Rechtsgrundlagen der Haftung, der Haftung gegenüber Auftraggebern sowie der komplexen Haftung gegenüber Dritten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse der Haftungssituation von Wirtschaftsprüfern, um aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen sie für verursachte Schäden bei Auftraggebern oder Dritten haftbar gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine juristische Analyse, die auf Gesetzesauslegungen, der geltenden Rechtsprechung und der einschlägigen Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der beruflichen Pflichten, die rechtlichen Voraussetzungen der Haftung sowie eine detaillierte Untersuchung der Haftung gegenüber dem Auftraggeber und gegenüber Dritten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wirtschaftsprüfer, Haftung, Pflichtverletzung, Jahresabschlussprüfung, Dritthaftung, Schaden und Sorgfaltspflicht sind die zentralen Begriffe.
Was versteht man unter dem Comfort Letter im Kontext der Wirtschaftsprüferhaftung?
Ein Comfort Letter ist ein Dokument, das häufig bei Börsenneuemissionen von Wirtschaftsprüfern erstellt wird, um Banken oder andere Parteien zu informieren; die Haftung hierbei ist ein gesondertes, vertraglich geregeltes Thema.
Wie wird die Gewissenhaftigkeit des Wirtschaftsprüfers definiert?
Gewissenhaftigkeit umfasst die Pflicht zur Wahrheit, Vollständigkeit und Klarheit, die Überprüfung von Unterlagen auf Richtigkeit sowie das Handeln nach fachspezifischen Plausibilitätskriterien.
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- Max Fabisch (Author), 2014, Die Haftung des Wirtschaftsprüfers bei Pflichtverletzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277378