Mit dieser Arbeit soll dargestellt werden, wie mit Hilfe des von
Van Merriënboer (Van Merriënboer et al., 2002) entwickelten Vier-
Komponenten-Instruktionsdesign-Modell, auch 4CID-Modell genannt, Schüler auf die Zusammenfassung eines Sachtextes trainiert werden können. Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen, wird die männliche Bezeichnung gewählt. Dies soll keine Art der Benachteiligung darstellen. Gemeint sind immer beide Geschlechter.
Aus der PISA-Studie geht hervor, dass sich der Deutschunterricht verstärkt den Strategien der Informationsentnahme und -verarbeitung widmen muss, damit die Heranwachsenden den wandelnden Ansprüchen in der zukünftigen Arbeitswelt, der starken medialen Präsenz von Sachtexten im Internet, sowie den Anforderungen bei der Bewältigung des Alltags gewachsen sind. Durch das Lesen und Zusammenfassen sachorientierter Texte eignen sie sich neues Wissen an. Die intensive Auseinandersetzung mit
einem Thema und das Verarbeiten vielfältiger Informationen aus verschiedenen Sachtexten erweitert das Vorwissen zu unterschiedlichen Themen. Ein wichtiger pädagogischer Auftrag in diesem Zusammenhang besteht darin, Heranwachsende zur Bewältigung von Lebenssituationen außerhalb der Schule zu befähigen. Sachtexte sind geschriebene Texte, die in ihrem Umfang von wenigen Sätzen bis hin zu einem Sachbuch reichen. Die Zusammenfassung altersgerechter Sachtexte im Unterricht trägt dazu bei, die Informationsentnahme in lebensnahen Kontexten einzuüben. Im Zusammenhang mit der Arbeit an Texten ist vor allem auf eine altersgerechte und motivierende Textauswahl zu achten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Exkurs
3. Hierarchische Kompetenzanalyse
4. Bildung von Aufgabenklassen
5. Entwicklung von Lernaufgaben
6. Prozedurale und unterstützende Informationen
7. Part-task Practice
8. Didaktische Szenarien
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist die Konzeption eines Schulungsentwurfs basierend auf dem 4CID-Modell, um Schülern der 7. Jahrgangsstufe die Kompetenz der Sachtextzusammenfassung strukturiert und transferorientiert zu vermitteln.
- Anwendung des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modells (4CID) auf den Deutschunterricht
- Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie für komplexe kognitive Lernprozesse
- Sequentialisierung von Lernaufgaben mittels vereinfachender Annahmen
- Integration prozeduraler und unterstützender Informationen zur Reduktion kognitiver Belastung
Auszug aus dem Buch
Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign
Der Begriff Instruktionsdesign geht auf den amerikanischen Psychologen und Pädagogen Robert Mills Gagné zurück. Es handelt sich um einen lern- bzw. kognitionspsychologischen Ansatz. Damit grenzt er sich von der Allgemeinen Didaktik ab, die im Wesentlichen geisteswissenschaftlich begründet ist. Instruktionsdesign bezieht sich im Gegensatz zur Allgemeinen Didaktik, welche sich eher mit dem schulischen Unterricht befasst, nicht nur darauf, sondern allgemein auf das Lernen und Lehren in verschiedenen Umgebungen, dabei bildet die außerschulische Weiterbildung einen der Hauptschwerpunkte (Seel, 1999). „Instruktion“ bezeichnet jedes systematische Arrangement von Umgebungsbedingungen, welches geeignet ist, Kompetenzen zu fördern. Damit ist der Begriff deutlich weiter gefasst als „Unterricht“ oder „Lehre“. Die Allgemeine Didaktik wird seit dem 20. Jahrhundert als Wissenschaft des Lehrens und Lernens bezeichnet, während das Instruktionsdesign eine andere Herangehensweise an das Lehren und Lernen bezeichnet und zwar eine systematische Vorgehensweise zur Gestaltung und Entwicklung von Lernumgebungen (Bastiaens et al., 2013, S. 31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des 4CID-Modells als Grundlage für die Vermittlung der Kompetenz „Sachtext zusammenfassen“ im Deutschunterricht der 7. Klasse.
2. Theoretischer Exkurs: Untersuchung der historischen Verwurzelung der Allgemeinen Didaktik in Deutschland und Abgrenzung gegenüber dem technikorientierten Instruktionsdesign.
3. Hierarchische Kompetenzanalyse: Detaillierte Aufschlüsselung der notwendigen Teilfertigkeiten für die Zusammenfassung von Sachtexten in einer hierarchischen Struktur.
4. Bildung von Aufgabenklassen: Definition von Schwierigkeitsparametern wie Zeitdruck und Inhalt, um Lernaufgaben systematisch in Klassen zu unterteilen.
5. Entwicklung von Lernaufgaben: Beschreibung einer dreistufigen Sequenz von Lernaufgaben, die von Lösungsbeispielen bis hin zu konventionellen Problemen reicht.
6. Prozedurale und unterstützende Informationen: Erläuterung der Bereitstellung von Lernhilfen und Schritt-für-Schritt-Anweisungen zur Reduzierung kognitiver Belastung während des Lernprozesses.
7. Part-task Practice: Identifikation und gezieltes Training wiederkehrender Teilfertigkeiten, wie der Verwendung treffender Konjunktionen, zur Automatisierung.
8. Didaktische Szenarien: Prüfung der praktischen Umsetzbarkeit verschiedener Lehr-Lern-Settings wie Frontalunterricht oder individueller Lernplatz für die entwickelten Aufgaben.
9. Fazit: Kritische Reflexion der Arbeit innerhalb des ADDIE-Modells sowie Diskussion der Stärken und Schwächen des Schulungsentwurfs.
Schlüsselwörter
4CID-Modell, Instruktionsdesign, Sachtextzusammenfassung, Kompetenzanalyse, Lernaufgaben, kognitive Belastung, Cognitive Load Theory, Didaktik, Scaffolding, Unterrichtsplanung, Transferleistung, Teilfertigkeiten, Wissensvermittlung, schulisches Lernen, Bildungswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein didaktisches Konzept zur Vermittlung der Sachtextzusammenfassung für Schüler der 7. Jahrgangsstufe auf Basis des 4CID-Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Instruktionsdesign, die systematische Gestaltung von Lernumgebungen, kognitionspsychologische Grundlagen des Lernens sowie deren praktische Anwendung im Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass komplexe kognitive Fähigkeiten, wie das Zusammenfassen von Texten, durch ein systematisches Instruktionsdesignmodell erfolgreich trainiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Konzeption verwendet?
Es wird das 4CID-Modell (Vier-Komponenten-Instruktionsdesign) verwendet, welches insbesondere eine hierarchische Kompetenzanalyse und eine systematische Sequentialisierung von Lernaufgaben umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Fertigkeitenanalyse, der Bildung von Aufgabenklassen, der Entwicklung der Lernaufgaben sowie der Planung unterstützender und prozeduraler Informationen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Instruktionsdesign, Kompetenzaufbau, Cognitive Load Theory und 4CID-Modell.
Warum wird im Rahmen des Modells ein „Scaffolding“-Prinzip eingesetzt?
Es dient dazu, Lernende zu Beginn durch hohe Unterstützung (z.B. Lösungsbeispiele) zu entlasten und diese Unterstützung schrittweise zu reduzieren, bis die eigenständige Bearbeitung möglich ist.
Wie unterscheidet sich die im Text genannte „unterstützende“ von der „prozeduralen“ Information?
Unterstützende Information liefert allgemeine Problemlösestrategien für nicht wiederkehrende Aspekte, während prozedurale Information Schritt-für-Schritt-Anleitungen für wiederkehrende Aufgaben bereitstellt.
Inwiefern wird der „Frontalunterricht“ im Kontext des 4CID-Modells bewertet?
Der Autor prüft den Frontalunterricht als ein mögliches didaktisches Szenario und stellt fest, dass er sich durchaus zur schnellen Wissensvermittlung für die zweite Lernaufgabe eignen kann.
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- Veronika Mayr (Author), 2014, 4CID-Modell am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich Schulbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277431