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Höflichkeit und Unhöflichkeit. Die Politeness-Forschung von Levinson&Brown bis Culpeper

Title: Höflichkeit und Unhöflichkeit. Die Politeness-Forschung von Levinson&Brown bis Culpeper

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 20 Pages , Grade: 5.0

Autor:in: Peter Tausch (Author)

German Studies - Linguistics
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Goffman entwirft in seinem Buch `Interaktionsrituale` den Gedanken des Image als „ein in Termini sozial anerkannter Eigenschaften umschriebenes Selbstbild“. Diese sozial vermittelte Bewusstseinskonstruktion ist ein Mittel sozialer Repräsentation und bestimmt weitgehend Denken und Verhalten der Mitglieder einer Gesellschaft. Das Image repräsentiert den `Wert` einer Persönlichkeit, sowohl in ihren wie in den Augen der Anderen. Der Einzelne verbindet sich emotional mit seinem Bild und investiert in sozialen Interaktionen dieses Image zu erhalten und zu bewahren und ist im wohlverstandenen Eigeninteresse daran interessiert, anderen den gleichen Dienst zu erweisen. Damit werden im Prozess der Identifikationsbildung Werte und Strategien angelegt, die ohne ein bewusster Akt sein zu müssen, das Verhalten der Menschen bestimmen. Sie zielen auf eine berechenbare Strukturierung gesellschaftlicher Prozesse, da der Einzelne, will er nicht unglaubwürdig erscheinen, an sein Selbstbild gebunden und gezwungen ist, dieses in die Zukunft zu tragen. Um den drohenden Gesichtsverlust zu vermeiden, neigen diese Strategien zu Formen sozialen Ausgleiches im Spannungsfeld von Selbstbehauptung und freiwilliger Rücksichtnahme. Schon Goffmann sieht in den Variationen angewandter Höflichkeit Kommunikationsstrategien am Werke, die als Techniken der Imagepflege anzusehen sind und den zivilisatorischen Charakter einer Gesellschaft ausmachen können. Kommt es in Interaktionen zu face-Verletzungen, so haben diese für jeden Teilnehmer Konsequenzen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit mit verschiedenen Theorien zum Thema Höflichkeit und Unhöflichkeit, darunter die funktionale Bestimmung von Levinson & Brown, moderne Höflichkeitstheorien sowie die Theorien zu Un-/Höflichkeit von Culpeper.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Erving Goffmann`s Theorie des `Image`

2. Die funktionale Bestimmung der Höflichkeit bei Levinson&Brown

3. Die frühe Theorie der Unhöflichkeit von Culpeper

4. Postmoderne Höflichkeitstheorien

5. Culpepers Definition von Impoliteness 2013

6. Die Bedeutung des Contextes: Neutralisation, Normalisation und Legitimation

6.1 Neutralisation am Beispiel von mock impoliteness

6.2. Normalisation

6.3. Legitimation

7. Analyse der Krömer Late Night Show

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel und die theoretische Einordnung von Höflichkeit und Unhöflichkeit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Verständnis von Unhöflichkeit von einem rein funktionalen Störfaktor hin zu einer komplexen, kontextabhängigen Konstruktion entwickelt hat und wie diese im medialen Raum, exemplarisch in der Krömer Late Night Show, inszeniert wird.

  • Theoretische Grundlagen von Goffman sowie Levinson & Brown
  • Entwicklung der Impoliteness-Forschung durch Jonathan Culpeper
  • Postmoderne Ansätze und das Konzept des Rapport Management
  • Mechanismen der Neutralisation, Normalisation und Legitimation
  • Analyse von Grenzüberschreitungen und Machtstrukturen in Talkshows

Auszug aus dem Buch

6.1 Neutralisation am Beispiel von mock impoliteness

Es gibt kein anschaulicheres Phänomen um darzustellen, wie bedeutsam der situative Zusammenhang für die Beurteilung dessen ist, was als impolite interpretiert wird, als eine nicht genuine Form von Unhöflichkeit, die Culpeper als Mock-Impoliteness bezeichnet. Sie tritt am häufigsten in Beziehungen auf, die miteinander gut bekannt sind und in denen Höflichkeit keine grosse Rolle zu spielen braucht. Banter spielt mit den impoliten Ausdrücken und in diesem spielerischen Umgang wird das paradoxe Ziel erreicht, die soziale Intimität zu festigen. Voraussetzung ist, dass der Hintergrund des Verstehens, verstanden als „das Set an Prämissen, dass gebraucht wird, um eine Äusserung zu interpretieren“ allen bekannt sein muss, so dass die Botschaft verstanden wird. Es ist eine Investition in das soziale Leben und auf einer Ebene mit der Wirkungsweise von Humor und Jokes anzusiedeln. Banter stärkt das `In-Group` Gefühl und die Solidarität.

Ähnlich gelagert, aber mit ungleich grösserer sozialer Relevanz als Ventil asozialer Negativität sind die Fangesänge in den Fussballstadien zu verstehen. Deren Inhalt kann den Straftatbestand von Beleidigungen erfüllen, doch werden diese durch das Szenario von in Sprechchören geäusserten Fangesängen neutralisiert. Der Einzelne ist selbst bei individuellen Beschimpfungen z.B. in Bezug auf das Verhalten des Schiedsrichters, frei von persönlicher Verantwortung. Die Eliminierung des offensiv kränkenden Impulses lässt den Schluss zu, dass das eigentliche Ziel nicht in der Feindbildung, sondern umkehrend im gemeinschaftlichen Erleben einer sozialen Identität als Fangemeinde zu sehen ist. Wie oft in der Geschichte fungiert hier die durch die gesungenen Sprechakte entstehende leere Feindbildung als Projektionsfläche zur Schaffung gemeinschaftlichen Erlebens.

Deutlich ist die Funktionsweise der Neutralisation von banter und den Fangesängen: Durch die Blockierung des perlocutionären Aussagewertes wird die Beleidigung durch den Context widerlegt. Der Context erweist sich als stärker als die inhaltliche Aussage des Vorgetragenen und bestimmt so die Bedeutung der Gesamtsituation.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Erving Goffmann`s Theorie des `Image`: Einführung in das Konzept des Image als sozial konstruiertes Selbstbild und dessen Bedeutung für soziale Interaktionsrituale.

2. Die funktionale Bestimmung der Höflichkeit bei Levinson&Brown: Darstellung des universalistischen Ansatzes von Brown & Levinson, der Höflichkeit als rationale Strategie zur Wahrung von Gesichtsbedürfnissen (Face) definiert.

3. Die frühe Theorie der Unhöflichkeit von Culpeper: Erläuterung von Culpepers Umkehrtheorie, die Unhöflichkeit als gezielten, intentionalen Angriff auf das Gegenüber begreift.

4. Postmoderne Höflichkeitstheorien: Kritische Auseinandersetzung mit dem klassischen Modell zugunsten diskurstheoretischer und kontextabhängiger Ansätze wie dem `relational work`.

5. Culpepers Definition von Impoliteness 2013: Detaillierte Analyse der erweiterten, empirisch fundierten Definition Culpepers, die soziokulturelle Kontexte in den Fokus rückt.

6. Die Bedeutung des Contextes: Neutralisation, Normalisation und Legitimation: Untersuchung der drei zentralen Kontextmechanismen, durch die impolite Handlungen umgedeutet oder legitimiert werden.

6.1 Neutralisation am Beispiel von mock impoliteness: Erklärung, wie durch situativen Kontext (z.B. banter) aggressive Äußerungen ihre beleidigende Wirkung verlieren.

6.2. Normalisation: Analyse von Verhaltensweisen, bei denen Unhöflichkeit in spezifischen Gruppen als Teil eines gewünschten Verhaltensideals integriert ist.

6.3. Legitimation: Beschreibung, wie insbesondere staatliche Institutionen Macht durch (formal) impolite Handlungen durchsetzen können.

7. Analyse der Krömer Late Night Show: Fallstudie zur Anwendung der theoretischen Konzepte auf mediale Inszenierungen von Unhöflichkeit.

Schlüsselwörter

Höflichkeit, Unhöflichkeit, Impoliteness, Goffman, Face, Gesichtswahrung, Strategien, Kontex, Neutralisation, Normalisation, Legitimation, Krömer Late Night Show, Kommunikation, soziale Interaktion, Rapport Management.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den wissenschaftlichen Diskurs über Höflichkeit und Unhöflichkeit, von den klassischen Modellen der Face-Arbeit bis hin zu modernen, kontextabhängigen Impoliteness-Theorien.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Höflichkeitstheorien, der Rolle von Intentionalität bei Beleidigungen und der Bedeutung von Kontextfaktoren wie Neutralisation oder Legitimation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Übergang von einem starren, funktionalen Verständnis von Kommunikation hin zu einer dynamischen, diskursanalytischen Sichtweise aufzuzeigen, die auch provokatives Verhalten im medialen Kontext erklärt.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Es wird eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse (insbes. Goffman, Brown/Levinson, Culpeper) mit einer praktischen Diskursanalyse einer TV-Sendung kombiniert.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Unhöflichkeit, der Kritik an klassischen Modellen und der detaillierten Untersuchung, wie Macht und Kontext die Wahrnehmung von Sprache beeinflussen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Impoliteness, Face-Threatening Acts (FTAs), Rapport Management, Neutralisation, Normalisation sowie Legitimation.

Wie erklärt die Arbeit den Erfolg der Krömer Late Night Show?

Der Erfolg wird durch das Konzept der Neutralisation erklärt: Die Zuschauer und Medien erkennen die Sendung als "Kunstfigur-Kontext" an, wodurch die Beleidigungen als Unterhaltung und nicht als reale Gesichtsverletzungen wahrgenommen werden.

Warum reicht nach Culpeper "Intentionalität" nicht als Kriterium für Unhöflichkeit aus?

Culpeper zeigt durch empirische Daten, dass Unhöflichkeit auch durch Nachlässigkeit oder fehlende Sorgfalt entstehen kann, ohne dass eine bewusste, zielgerichtete Absicht des Sprechers vorliegen muss.

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Details

Title
Höflichkeit und Unhöflichkeit. Die Politeness-Forschung von Levinson&Brown bis Culpeper
College
University of Zurich  (Deutsches Seminar)
Course
Hauptseminar: Höflichkeit
Grade
5.0
Author
Peter Tausch (Author)
Publication Year
2014
Pages
20
Catalog Number
V277460
ISBN (eBook)
9783656711551
ISBN (Book)
9783656721635
Language
German
Tags
höflichkeit unhöflichkeit politeness-forschung levinson&brown culpeper
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Tausch (Author), 2014, Höflichkeit und Unhöflichkeit. Die Politeness-Forschung von Levinson&Brown bis Culpeper, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277460
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