Phasen und Dimensionen des Kalten Krieges 1945 - 1955


Seminararbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Welche Strukturen bestimmen den Konflikt der Weltanschauungen?

2. Phasen und Dimensionen des Kalten Krieges 1945 – 1955
2.1 Bipolarität und Blockbildung
2.1.1 Die Gründung der NATO
2.1.2 Der Warschauer Pakt
2.2 Konfrontation nach dem Krieg
2.2.1 Markierung der Fronten?
2.2.2 Militarisierung des Konflikts
2.2.2.1 Der Korea Krieg
2.2.2.2 Wandel des Krieges
2.2.3 Nuklearisierung des Konflikts
2.2.3.1 Neue Bedrohungsmuster
2.2.3.2 Gleichgewicht des Schreckens
2.3 Der Tod Stalins
2.4 Entspannung
2.4.1 Misstrauen als Leitmotiv
2.4.2 Eine Chance für den Frieden?

3. Schlussbemerkung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 14. Mai 1955 unterzeichneten Vertreter von acht Staaten[1] den als Warschauer Pakt bekannt gewordenen Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand. Die UdSSR rief den Warschauer Pakt als Pendant zur unter amerikanischer Führung stehenden NATO ins Leben, die ihrerseits dazu diente, die Expansion der Sowjetunion und die Bildung von Satellitenstaaten einzudämmen. Mit diesem Ereignis manifestierte sich der Antagonismus zwischen Ost und West in der fortschreitenden Blockbildung.

Diese radikale Phase des Ost-West Konflikts wird gemeinhin unter dem nicht unumstrittenen Begriff Kalter Krieg zusammengefasst. Die Schuld an dieser Auseinandersetzung, die Bernd Stöver umfassend als eine „politisch-ideologische, ökonomische, technologisch-wissenschaftliche und kulturell-soziale bezeichnet, lässt sich wohl nicht eindeutig klären.[2] Allerdings existieren drei Lesarten des Konflikts, die sich in einer traditionellen, einer revisionistischen und einer postrevisionistischen Interpretation niederschlagen.[3] Diese Thesen klären zwar nicht auf, wieso der Kalte Krieg nach der Niederlage Deutschlands 1945 politisch virulent und derartig gegenwärtig in vielen Lebensbereichen wurde, jedoch liefern sie zumindest nötige Ansätze, um den Ursprung der komplizierte Gemengelage zu begreifen.

Um diese aufzuschlüsseln, ist die Suche nach den Handlungs- und Konfrontationsmustern erforderlich. Ebendiese im gebotenen Rahmen herauszuarbeiten, ist Anliegen der vorliegenden Arbeit. Eine selektive Herangehensweise und Fokussierung auf einige entscheidende Geschehnisse scheint angesichts der Häufung von Ereignissen erforderlich. Neben einer ereignisgeschichtlichen Untersuchung erfolgt eine Bewertung der verschiedenen Dimensionen des Kalten Krieges sowie eine Einordnung in den geschichtlichen Gesamtzusammenhang. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt, beginnend mit der Gründung der NATO, auf dem Zeitraum von 1945-1955, der Phase der Blockbildung, nach deren Abschluss man de facto von einer Teilung der Welt sprechen konnte.[4]

2. Phasen und Dimensionen des Kalten Krieges 1945 – 1955

2.1 Bipolarität und Blockbildung

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurden schnell Spannungen zwischen den Alliierten offenbar.[5] Die unterschiedlichen politischen Ausrichtungen und Zielsetzungen der Siegermächte Amerika, Großbritannien und Frankreich auf der einen sowie der UdSSR auf der anderen Seite führten schnell zu einer gegensätzlichen Positionierung der ehemaligen Verbündeten.[6]

Für eine problemgeschichtliche Untersuchung ist es nötig, den Weg zu diesem Auseinanderdriften, welches die Blockbildung bedingte, zu betrachten: Die Zusammenarbeit der vormals Alliierten wurde nach dem Scheitern der Londoner Außenministerkonferenz im Dezember 1947 erschwert, und die Distanz zwischen Ost und West, die sich mit der Entwicklung der Bizone aus der amerikanischen und britischen Besatzungszone im September 1946 bereits angedeutet hatte, wurde 1948 deutlich erkennbar: In der Londoner Sechs-Mächtekonferenz im Frühjahr wurde die Vereinigung der westdeutschen Zonen diskutiert und Frankreich, Großbritannien sowie die BeNeLux-Staaten positionierten sich mit dem Brüsseler Vertrag als Bündnis für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenarbeit sowie zur kollektiven Selbstverteidigung gegen eventuelle deutsche Aggressionspolitk und später gegen das Machtstreben der Sowjetunion.[7] Diese Beschlüsse führten zum Austritt der Sowjetunion aus dem Alliierten Kontrollrat, womit dieser gescheitert und eine Zusammenarbeit der ehemaligen Verbündeten vorerst ausgeschlossen war. Im März 1948 wurde die Bizone mit dem Beitritt des französischen Sektors erweitert.

Der Letzte Schritt dieses Zusammenrückens erfolgte am 24. Mai 1949: Das vom parlamentarischen Rat erarbeitete Grundgesetz wurde von den Landtagen in der Trizone angenommen und somit die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Fünf Monate später reagierte die Sowjetunion dann mit der Gründung der DDR – die Aufteilung in eine westliche und eine östliche Einflusssphäre wurde damit verfestigt, eine politische Teilung damit vollständig. Ebenso erfolgte in diesem Zeitraum eine wirtschaftliche Teilung durch die Einrichtung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe COMECON als Pendant zur OEEC von 1948. Der Westen reagierte mit einem Technologieboykott ab den 1950er Jahren, dem CoCom-Embargo.[8]

2.1.1 Die Gründung der Nato

Einer der entscheidenden Schritte der Blockbildung erfolgte am 4. April 1949 mit der Gründung der NATO. Die USA unterzeichnete mit den europäischen Verbündeten aus dem Zweiten Weltkrieg den Nordatlantikvertrag, der im August 1949 in Kraft trat. Mit diesem Abkommen baute die USA ihre Handlungsfähigkeit und Präsenz in Europa aus. Gleichzeitig wurde so ein Abwehrmechanismus gegen die Sowjetunion etabliert. Zu Beginn stand die NATO unter dem Eindruck der Berlin-Blockade sowie der Militarisierung und Nuklearisierung des Kalten Krieges.[9] Erklärtes Ziel war es, einen möglichen Angriff der Roten Armee bereits im Osten abzuwehren und den Nordatlantikraum zu verteidigen. Die tatsächliche Wirkung des Atlantikpakts bewertete der französische Soziologe Raymond Aron als Manifestation der amerikanischen Verteidigungshaltung und Untermauerung des Antagonismus:

Was mich angeht, so denke ich, dass der Atlantikpakt die tatsächliche Lage nicht tiefgreifend verändert. Westeuropa wird morgen durch die amerikanische Macht geschützt, wie auch heute schon. Der Atlantikpakt bedeutet für Stalin nichts, was er nicht schon wüsste, dass nämlich ein Angriff auf den Alten Kontinent nach aller Wahrscheinlichkeit den Casus Belli bedeutet. Je mehr die Verpflichtung zum wechselseitigen Schutz in präzise Begriffe gebracht wird, je mehr dies einen Automatismus der Intervention formuliert, desto mehr Eindruck macht das Ganze auf den Kreml.[10]

Aufgrund der durch Auseinandersetzungen wie den Koreakrieg geschürten Angst vor sowjetischer Machtausdehnung wurde die NATO schnell etabliert und im Februar 1952 durch Griechenland und die Türkei erweitert. Zwar scheiterten die Idee einer Europaarmee und der Plan von René Pleven zur Einrichtung der Europäischen Verteidigungsinitiative (EVG), doch tat dies der Verstärkung der westlichen Blockbildung keinen Abbruch. Dass seitens der NATO versucht wurde, ein möglichst schlagkräftiges Bündnis aufzustellen, kam auch der Bundesrepublik zu Gute, die „über ihren militärischen Beitrag nicht nur ihre Souveränität, sondern auch den Eintritt in andere politische und wirtschaftliche Zusammenschlüsse“ erreichte und nach der Kriegsniederlage wieder europäische Bühnen betrat.[11] Sie unterzeichnete am 23. Oktober 1954 die Pariser Verträge und wurde am 9. Mai 1955 Mitglied der NATO.

2.1.2 Der Warschauer Pakt

Nach der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO reagierte die Sowjetunion mit einem Treffen der Ostblockstaatenführer und der Ausarbeitung des Warschauer Vertrages, welcher in der namensgebenden Stadt am 14. Mai 1955 unterzeichnet wurde. Zwar gab es durch den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe bereits eine ökonomische Zusammenarbeit und durch Freundschaftsverträge auch eine militärische Nähe, doch erforderte die neue Situation „im Kampf gegen den Imperialismus „ein enges militärisches und wirtschaftliches Bündnis““.[12] Dieser militärische Beistandspakt des Ostblocks stand, wie die NATO auch, unter der Führung der Hegemonialmacht. Die einzelnen Mitglieder des Militärbündnisses verzichteten auf eigenständige Außerpolitik und verpflichteten sich zu Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigem Beistand, sollte ein bewaffneter Angriff erfolgen.[13] Laboor betont dazu den defensiven Charakter des Warschauer Vertrages, dessen Grundanliegen neben der Erhaltung des Weltfriedens das Prinzip des Gewaltverzichts sei.[14]

Auch in dieser Situation ist das Reaktionsprinzip der UdSSR (vgl. Währungsreform, Wirtschaftsbündnisse, Staatsgründung DDR) ersichtlich, es ist die Tendenz zu erkennen, die westlichen Maßnahmen zu übernehmen und den östlichen Gegebenheiten anzupassen. Mit dem Warschauer Pakt ist die Blockbildung abgeschlossen, sieht man von den späteren Weiterentwicklungen der sog. Blockfreien oder veränderlichen Bündnissen wie beispielsweise der südostasiatischen SEATO ab.

2.2 Konfrontation nach dem Krieg

Neben der bereits festgestellten Etablierung von Machtblöcken und Bündnissen sind weitere konfrontative Elemente, die die „Teilung der Welt“ mitprägten im Untersuchungszeitraum festzustellen. Sowohl die politische Ausrichtung zueinander, als auch die gegenseitige Wahrnehmung der Kontrahenten änderten sich nach dem Krieg grundlegend.[15]

2.2.1 Markierung der Fronten

Nach dem Krieg änderte sich von sowohl von sowjetischer als auch von amerikanischer Seite aus die Perzeption des Ex-Alliierten hin zu einem Gegner. Deutlich wird dies bereits im Long Telegram des Botschaftsrates George Kennan von 1946, der der UdSSR eine offensiv-aggressive Außenpolitik attestiert, die darauf abziele „that the international harmony of our society be disrupted, our traditional way of life be destroyed, the international authority of [the US] be broken, if Soviet power is to be secure” - die westlichen Demokratien sollten so geschwächt werden. Die sich daraus ergebende Konsequenz war, dass für die USA mit der Sowjetunion “there can be no permanent modus vivendi “.[16]

Die USA setzte ab diesem Zeitpunkt auf das Konzept der Eindämmung und mit der Truman Doktrin 1947 kam in der US-Außenpolitik praktisch die Vorstellung zum Tragen, dass Eindämmung offensiv betrieben werden müsse.[17] Diese Containment-Politik der Demkoraten in den USA sollte eine weitere sowjetische Expansion verhindern und bedeutete so eine Abkehr von der Isolationismus Politik vor dem 2. Weltkrieg. Nach dem Krieg war klar, dass die Amerikaner Sicherheit und Stabilisation nur erreichen konnten, wenn sie sie nicht wieder vom Kontinent zurückzögen.[18] Die republikanische Antwort auf die neue Bedrohung war die rollback/liberation policy. Sie sollte aktiver erfolgen als die containment policy und den Kommunismus beispielsweise durch die Förderung von Umstürzen in kommunistischen Staaten bereits im eigenen Machtbereich angreifen.

Tatsächlich wurde eine Mischform aus beiden Vorgehensweisen in die Tat umgesetzt, deren Linie auch noch nach dem Kalten Krieg verfolgt wurde.[19] Hillgruber spricht hier von einem gleitenden Übergang von containment zu rollback.[20] Er stellt fest, dass der Kalte Krieg in der frühen Phase nach globalem Beginn seinen Brennpunkt in Deutschland findet, bevor die weiteren Länder Europas nach und nach hineingezogen wurden.[21]

[...]


[1] Neben der UdSSR unterzeichneten: Albanien, Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn – allerdings unterstanden die Truppen des Warschauer Pakts Oberkommando, welches dem Kommando des sowjetischen Generalstabes unterstand.

[2] Stöver, Bernd: Frostige Zeiten zwischen Ost und West, Der Kalte Krieg: Ein langer Friede oder doch nur ein Krieg anderer Art?, in: Das Parlament, 2./9.5.2005, S.5

[3] Die Argumentationen der Thesen sind nachzuvollziehen unter: Stöver, Bernd: Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters. 1947-1991. München 2007, S.16-19 – im Folgenden: Stöver

[4] So beispielsweise: Loth, Wilfried: Die Teilung der Welt.Geschichte des Kalten Krieges 1941 – 1955. München 1989. - im Folgenden: Loth

[5] Sofern nicht anders angegeben, Bezugnahme auf: Hillgruber, Andreas: Europa in der Weltpolitik der Nachkriegszeit 1945-1963 (= Oldenbourg Grundriß der Geschichte; Bd. 18). München 1987³, S.46 ff. – im Folgenden Hillgruber

[6] Die Entwicklung des bipolaren Kräftemessens wird detailliert dargestellt von: Schmidt, Gustav, in: Norbert Wiggershaus et al: Konfrontationsmuster des Kalten Krieges. (= Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses; Bd. 3). München 2003, S.99 ff. – im Folgenden Schmidt

[7] Mit welchen Mitteln die UdSSR versuchte ihren Einfluss zu erweitern, bzw. die kommunistische Entwicklung zu steuern, beschreibt: Judt, Tony: Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart. München/Wien 2006, S.157-164 - im Folgenden Judt

[8] Sofern nicht anders angegeben, Bezugnahme auf: Hillgruber, S.51 ff.

[9] Die Veränderung der westliche Militärstrategie nach der Berlinkrise und die Entwicklung vom Brüsseler Pakt bis zu Vorentscheidungen zur NATO-Gründung (z.B. 6.Juli 1948) werden beschrieben in: Judt S.176-177

[10] in: Stürmer, Michael: Die Kunst des Gleichgewichts. Europa in einer Welt ohne Mitte. Berlin 2001, S.159 – im Folgenden Stürmer

[11] Stöver, S.99

[12] Eine kritische Betrachtung der Quelle ist auf Grund ihres Alters und des Hintergrundes (DDR) unbedingt von Nöten. Zu finden in: Laboor, Ernst: Kalter Krieg oder Entspannung? Die Außenpolitik der Sowjetunion im Kampf um die kollektive Sicherung des Friedens in Europa 1954/55. (= Akademie der Wissenschaften der DDR.Schriften des Zentralinstituts für Geschichte; Bd. 68). Berlin 1983, S.136 – im Folgenden Laboor

[13] Stöver, S.101

[14] Laboor, S.138 f.

[15] Der Wandel des Moskau-Bildes von Eisenhower wird dargelegt von: Jochum, Michael: Eisenhower und Chruschtschow. Gipfeldiplomatie im Kalten Krieg 1955-1960. Paderborn, 1996, S.64 ff. – im Folgenden Jochum

[16] So George Kennan in seinem berühmten Long Telegram vom 22.02.1946, S.9 - einsehbar unter: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/coldwar/documents/episode-1/kennan.htm

[17] Anlass war der Bürgerkrieg in Griechenland, laut Truman in Ostmittel und Südeuropa „gegen ihren Willen ein totalitäres Regime aufgezwungen“ und durch Einschüchterung in Polen Rumänien und Bulgarien das Jalta-Abkommen verletzt – so Stöver, S.69

[18] Gaddis, John Lewis: Der Kalte Krieg. Eine Neue Geschichte. München 2007, S.27 – im Folgenden Gaddis

[19] Stöver, S.70

[20] Hillgruber, S.55

[21] Prägend war in dieser Zeit vor allem der Konflikt um Westberlin, welches in der SBZ lag und nach der Berlinblockade per Luftbrücke versorgt wurde

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Phasen und Dimensionen des Kalten Krieges 1945 - 1955
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Geschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V277500
ISBN (eBook)
9783656701330
ISBN (Buch)
9783656702153
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phasen, dimensionen, kalten, krieges
Arbeit zitieren
Bernhard Weidner (Autor), 2009, Phasen und Dimensionen des Kalten Krieges 1945 - 1955, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277500

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