Es ist schon paradox, da helfen vielerlei kleine technische Innovationen das soziale Leben zu beschleunigen, beziehungsweise Zeit zu sparen (SURY 2006:6) und dennoch lässt uns das Gefühl nicht los, keine Zeit zu haben (vgl. LEVINE 2008:41ff.). Wir kaufen CD Player, DVD Player in stetig technisch raffinierteren Varianten und dazu die passenden Musik, Filme oder sogar auch mal ein Buch. Und trotz immer rascheren Möglichkeiten (DVD in das Abspielgerät legen, auf „Play“ drücken und wir scheinen in einer anderen Welt zu sein), konsumieren wir unseren Erwerb aufgrund von Zeitmangel dennoch nicht. Da die gekauften Dinge nicht mehr angeeignet werden, kommt das befriedigende Gefühl des Besitzes einer Sache nicht mehr auf. Aus Frustration und Enttäuschung kaufen wir stetig weiter (ROSA 2009:12). Die erdrückende Warenflut, die schier unendliche Flut an Einkaufsmöglichkeiten, lässt keine Chance, das Mangelgefühl je zu beseitigen. Unsere (freie) Zeit verschwenden wir mit dem Kaufentscheidungsprozess.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Problemdarstellung
- Aufbau der Arbeit und Vorgehen
- Raum und Zeit, Beschleunigung und Moderne
- Zeit ohne Raum oder Zeit und Raum?
- Raum-Zeit-Verständnis von Rosa
- Raumvergessenheit
- Raum und Zeit als untrennbare Einheit
- Zeitdefinition und kognitives Zeitverständnis
- Exkurs Zeitgeographie
- Zeitverknappung, Beschleunigung und Moderne
- Soziale Beschleunigung
- Sachzwanglogik der Produktion
- Konsumtion
- Komplexitätsanstieg
- Sozial kulturelle Differenzen auf der subjektiven Ebene
- Konsequenzen der Beschleunigung
- Globalisierung und (Post)moderne
- Raumauflösung – Raumkompression
- Stillstand, Gegenwarts- und Zeitschrumpfung
- Beharrungen in der Beschleunigung
- Praktische Umsetzungsvariante – kulturelle Unterschiede der Zeit- und Beschleunigungswahrnehmung
- Determinanten der differenzierten Zeitwahrnehmung
- Individuelle Faktoren der differenzierten Zeitwahrnehmung
- Orte der Ereigniszeit
- Schlussfolgerungen
- Rosas kritisches Ende der Theorie der sozialen Beschleunigung
- Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie der sozialen Beschleunigung
- Kritische Zusammenfassung und ein anderer Ausblick
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der Theorie der sozialen Beschleunigung von Hartmut Rosa und analysiert die Verbindung von Zeit und Raum im Kontext der modernen Gesellschaft. Ziel ist es, die Beschleunigung der Moderne und ihre Folgen zu verstehen und kritisch zu hinterfragen.
- Raum-Zeit-Verständnis in der Theorie der sozialen Beschleunigung
- Konsequenzen der Beschleunigung für die Gesellschaft
- Kulturelle Unterschiede in der Zeit- und Beschleunigungswahrnehmung
- Kritik an der Theorie der sozialen Beschleunigung
- Alternative Perspektiven auf die Beschleunigung der Moderne
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in die Problematik der sozialen Beschleunigung, die sich aus dem subjektiven Gefühl des Zeitverlustes trotz technischer Fortschritte ergibt. Im zweiten Kapitel wird das soziologische und sozialgeographische Verständnis von Raum und Zeit sowie Beschleunigung und Moderne beleuchtet. Dabei wird Rosas Raum-Zeit-Verständnis im Kontext der Theorie der sozialen Beschleunigung dargestellt und kritisch durch Aussagen anderer Autoren wie Bormann, Giddens, Nassehi und Werlen umrissen. Das Kapitel beleuchtet auch die soziologische Bedeutung von Zeit im Verständnis von Franck, Levine, Luhmann, Nassehi und Zoll.
Im dritten Kapitel werden die Konsequenzen einer beschleunigten Gesellschaft untersucht. Die Theorie der sozialen Beschleunigung bildet die Grundlage für die Analyse der Folgen wie Globalisierung, Raumauflösung, Stillstand und Beharrungen in der Beschleunigung. Das vierte Kapitel stellt eine praktische Umsetzungsvariante der Theorie der sozialen Beschleunigung dar, indem es kulturelle Unterschiede in der Zeit- und Beschleunigungswahrnehmung verschiedener Kulturen beleuchtet.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die soziale Beschleunigung, Zeit und Raum, Moderne, Globalisierung, Raumkompression, Zeitwahrnehmung, kulturelle Unterschiede, Kritik an der Theorie der sozialen Beschleunigung und alternative Perspektiven.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Kernaussage von Hartmut Rosas Theorie der sozialen Beschleunigung?
Die Theorie besagt, dass technische Innovationen zwar Zeit sparen sollen, aber paradoxerweise zu einem subjektiven Gefühl der Zeitverknappung und einem Anstieg des Lebenstempos führen.
Wie hängen Raum und Zeit in der modernen Gesellschaft zusammen?
Die Arbeit analysiert die „Raumkompression“: Durch die Beschleunigung verlieren räumliche Distanzen an Bedeutung, was zu einer veränderten Wahrnehmung von Nähe und Erreichbarkeit führt.
Warum fühlen wir uns trotz Zeitspar-Technologien gehetzt?
Dies liegt an der Sachzwanglogik der Produktion und Konsumtion. Die Menge an Möglichkeiten und Waren steigt schneller als die Zeit, diese tatsächlich anzueignen oder zu nutzen.
Gibt es kulturelle Unterschiede in der Zeitwahrnehmung?
Ja, die Arbeit beleuchtet, dass verschiedene Kulturen Beschleunigung und Zeit unterschiedlich wahrnehmen, basierend auf individuellen Faktoren und lokalen Ereigniszeiten.
Was bedeutet „Raumvergessenheit“ in diesem Kontext?
Raumvergessenheit beschreibt die Tendenz in der Moderne, physische Orte und Distanzen aufgrund der digitalen und technologischen Beschleunigung als zweitrangig zu betrachten.
Was sind die Konsequenzen der ständigen Beschleunigung?
Mögliche Folgen sind ein Gefühl des Stillstands trotz hoher Geschwindigkeit, die Schrumpfung der Gegenwart und die Erschwerung einer tiefgreifenden Identitätsbildung.
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- M.Sc. Sebastian Behr (Author), 2009, Beschleunigung der Moderne: Zeit und Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277522