Die Diagnose „verbale Entwicklungsdyspraxie“ ist umstritten. Nach Meinung vieler Autoren sind die Erscheinungsbilder, die diese Sprachstörung charakterisieren sollen, zu diffus und vage.
Als erstes sollte man sich als Therapeut über Hinweise aus Vorbefunden (z.B. EEG) informieren, welche Therapieanstrengungen bereits stattgefunden haben und welche Diagnosen vielleicht schon gestellt wurden. Man sollte sich von der Bezugsperson des Kindes die mögliche Störung und deren Entwicklung schildern lassen.
Dies alles geschieht in Form eines Anamnesebogens. Hier sollte eine Idee über die mögliche Störung vorliegen.
Neben systematischen Prüfverfahren sollte eine Beurteilung der Spontansprache stattfinden. Durch ein Screening sollte der Verdacht auf VED erhärtet werden. Dann kann mit einer spezifischen Diagnostik begonnen werden, um den Schweregrad und den Schwerpunkt der Störung festzustellen und um einen gezielten Therapieplan zu erstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Problematik der Diagnose und Differentialdiagnose bei verbaler Entwicklungsdyspraxie
3. Klinische Untersuchungsmethoden
4. Anamnese
5. Prüfverfahren zur Erfassung einer verbalen Entwicklungsdyspraxie
5.1 Beurteilung der Spontansprache
5.2 „Screening zur Erfassung der artikulatorischen und sprechmotorischen Komponenten bei Verdacht auf verbale Entwicklungsdyspraxie“ zusammengestellt von DITTSCHEIDT
5.3 „Verbal Motor Production Assessment for Children“ nach HAYDEN und SQUARE
6. Prüfverfahren zur Erfassung anderer Störungsbilder, die mit VED einhergehen können
6.1 Beobachtungsbogen zur Feststellung von Praxie oder einer motorisch-apraktischen Schwäche
6.2 Standardisierte Verfahren zur Feststellung einer motorischen Entwicklungsdyspraxie
6.3 Feststellung einer oralen Apraxie
6.4 Feststellung einer Störung der temporellen Verarbeitung
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen systematischen Überblick über diagnostische Verfahren bei der verbalen Entwicklungsdyspraxie (VED) zu geben und Möglichkeiten der Abgrenzung zu anderen Störungsbildern aufzuzeigen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Identifikation geeigneter klinischer Untersuchungsmethoden und Prüfverfahren zur Bestimmung des Schweregrades und Störungsschwerpunktes bei Kindern mit VED.
- Problematik der Diagnose und Differentialdiagnose bei VED
- Klinische Untersuchungsmethoden und neurophysiologische Verfahren
- Anamneseerhebung als diagnostischer Baustein
- Systematische Prüfverfahren (VMPAC und Screening nach DITTSCHEIDT)
- Abgrenzung zu oraler Apraxie und motorischen Entwicklungsstörungen
Auszug aus dem Buch
5.3 „Verbal Motor Production Assessment for Children“ nach HAYDEN und SQUARE
Dieses englischsprachige Testverfahren ist das einzige standardisierte Testverfahren zur Diagnose einer VED. Es wurde von Deborah HAYDEN und Paula SQUARE entwickelt und 1999 von der Psychological Cooperation veröffentlicht. Ich werde es im Folgenden mit der von den Autoren vorgeschlagenen Abkürzung „VMPAC“ benennen.
Ich werde die wichtigsten Fakten des Tests darstellen, um einen Überblick über dieses umfassende Testmaterial geben zu können.
VMPAC wurde für Kinder im Alter vom 3. bis zum vollendeten 12. Lebensjahr entwickelt.
Das Verfahren wurde an 1090 Kindern im Alter von 3.0 bis 12.11 Jahren mit unauffälliger Sprechproduktion und an 394 Kindern mit mittleren bis schweren Sprechauffälligkeiten normiert.
Der Test ist zur Diagnose verschiedener Störungsbilder geeignet, unter anderem entwicklungsbedingter Dysarthrie, verbaler Entwicklungsdyspraxie, artikulatorischer oder phonologischer Störungen und Sprachentwicklungsverzögerung bzw. -störung.
Das Ziel des Tests liegt einerseits in der Diagnose eines Störungsbildes, andererseits auch in der Abgrenzung zu einem anderen Störungsbild. Dabei soll festgestellt werden, in welchem Bereich der Störungsschwerpunkt liegt, was für die Therapieplanung entscheidend ist. Der Test kann auch wiederholt werden, um den Verlauf der Therapie und erreichte Ziele zu verdeutlichen.
In dem Test kann das Testergebnis des Kindes mit möglicher VED mit den Ergebnissen von gleichaltrigen Kindern mit unauffälliger Sprachproduktion verglichen werden. Somit kann man auch feststellen, auf welchem Entwicklungsstand sich das Kind auf einer bestimmten Ebene befindet, ob es durchschnittliche, unter- oder überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der Begriff der Diagnose definiert und die Bedeutung der Diagnostik für die Therapieplanung und Qualitätssicherung bei Sprech- und Sprachstörungen erläutert.
2. Zur Problematik der Diagnose und Differentialdiagnose bei verbaler Entwicklungsdyspraxie: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten bei der diagnostischen Abgrenzung der VED aufgrund mangelnder Trennschärfe der Merkmale und der Überlappung mit anderen Störungsbildern wie Dysarthrien.
3. Klinische Untersuchungsmethoden: Es werden verschiedene medizinische und neurophysiologische Diagnosemethoden vorgestellt, die zur Lokalisierung von Funktionsstörungen bei sprachentwicklungsgestörten Kindern beitragen können.
4. Anamnese: Dieses Kapitel beschreibt die Bedeutung der Anamnese für die Ausschlussdiagnostik und die Erfassung familiärer Hintergründe, inklusive der Struktur eines speziellen Anamnesebogens.
5. Prüfverfahren zur Erfassung einer verbalen Entwicklungsdyspraxie: Es werden methodische Ansätze zur Beurteilung der Spontansprache sowie spezifische Screeningverfahren und das standardisierte VMPAC-Verfahren detailliert dargestellt.
6. Prüfverfahren zur Erfassung anderer Störungsbilder, die mit VED einhergehen können: Hier liegt der Fokus auf der Diagnostik komorbider Störungen wie der oralen Apraxie, der motorischen Entwicklungsdyspraxie und Störungen der akustischen Sequenzverarbeitung.
7. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die diagnostischen Eckpunkte zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Validierung diagnostischer Marker bei VED.
Schlüsselwörter
Verbale Entwicklungsdyspraxie, VED, Diagnostik, Differentialdiagnose, Sprechmotorik, VMPAC, orale Apraxie, Artikulationsstörung, Therapieplanung, Sprachproduktion, motorische Entwicklung, Anamnese, Sequenzverarbeitung, Dysarthrie, Kindersprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der diagnostischen Erfassung der verbalen Entwicklungsdyspraxie (VED) bei Kindern und den Herausforderungen, die bei der Identifikation und Abgrenzung dieses Störungsbildes entstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der klinischen Diagnostik, der Differentialdiagnostik, der Anamneseerhebung sowie der Vorstellung spezifischer Prüfverfahren für VED und begleitender Störungsbilder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Therapeuten einen Überblick über verfügbare diagnostische Möglichkeiten zu geben, um VED sicher zu diagnostizieren, den Schweregrad zu bestimmen und eine gezielte Therapieplanung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des aktuellen Forschungsstandes sowie der Zusammenstellung und Adaptation diagnostischer Instrumente wie Beobachtungsbögen und Screenings für die therapeutische Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klinischer Untersuchungsmethoden, die Bedeutung der Anamnese sowie die detaillierte Beschreibung systematischer Prüfverfahren, insbesondere des VMPAC-Tests und ergänzender Screenings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Verbale Entwicklungsdyspraxie, Diagnostik, Differentialdiagnose, Sprechmotorik und therapeutische Verfahren.
Welche Rolle spielt das VMPAC-Verfahren in der Arbeit?
Das VMPAC (Verbal Motor Production Assessment for Children) wird als das einzige international standardisierte Testverfahren für VED hervorgehoben, dessen Durchführung, Auswertung und Validität ausführlich diskutiert werden.
Warum ist die Diagnose bei VED laut der Autorin umstritten?
Die Diagnose ist aufgrund einer „geringen Trennschärfe“ der klinischen Merkmale umstritten, da viele Symptome bei Kindern mit VED auch bei anderen phonologischen oder artikulatorischen Störungen auftreten können.
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- Meike Brinkmann (Author), 2005, Verbale Entwicklungsdyspraxie. Diagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277528