Präimplantationsdiagnostik. Eine ethische Herausforderung im Fokus des Philosophen Peter Singer


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Präimplantationsdiagnostik
2.1 Allgemeine Grundlagen
2.2 Anwendungsgebiete und medizinische Risiken

3. Ethische Herausforderungen

4. Die Position von Peter Singer
4.1 Theorien
4.2 Konsequenzen für die PID

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

FISH Fluoreszenz In Situ Hybridisierung

IVF In-Vitro-Fertilisation

PCR Polymerase Kettenreaktion

PGD Preimplantation Genetic Diagnosis

PID Präimplantationsdiagnostik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„If it is in our power to prevent something bad from happening, without thereby sacrificing anything of comparable moral importance, than we ought, morally, to do it.“

(Peter Albert David Singer, australischer Philosoph und Ethiker)

Für viele Paare gibt es keine schönere Vorstellung auf dieser Welt, als ein gesundes Kind zu gebären um es in den eigenen Armen zu wiegen. Doch wie stark der Wunsch auch sein mag, eine Garantie für die Erfüllung dieser Träume gibt es nicht. Wenn sich besorgte Eltern bereits vor der Entbindung, über den Gesundheitszustand ihrer Nachkommen Gewissheit verschaffen wollen, stehen ihnen heutzutage vielfältige prädikative Diagnostiken zur Verfügung. Aufgrund der Fortschritte in der Humangenetik und der Fortpflanzungsmedizin gilt das menschliche Genom mittlerweile als nahezu vollständig entschlüsselt und es ist gelungen, Mutationen der Chromosomen frühzeitig zu erkennen. Somit kann auf den zukünftigen Menschen Einfluss genommen werden, indem sich genetische Schäden, Erbkrankheiten oder schwerste Behinderungen im Vorfeld vermeiden lassen. Für die betroffenen Eltern stellt sich dahingegen die Frage, wie weit sie gehen, für die Chance ein gesundes Kind zu gebären. Inwiefern sind die medizinischen Eingriffe, die den Wünschen der Eltern zugutekommen, ethisch vertretbar?

Gegenstand der vorliegenden Arbeit soll eine Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik sein. Eine Methode, durch die der genetische Status eines extrakorporal erzeugten Embryos untersucht werden kann. Die Diagnose kann noch vor der Etablierung einer Schwangerschaft berücksichtigt werden, indem unerwünschte Embryonen selektiert werden und gesundes Material implantiert wird. Krankheitsbelasteten Paaren mit einem Kinderwunsch können demnach neue Chancen ermöglicht werden. Dennoch existieren medizinische Risiken und moralische Bedenken gegen diese revolutionären Verfahren. Im Vorfeld der Ausarbeitung wird daher über die allgemeinen Grundlagen informiert sowie ein Überblick verschafft hinsichtlich der Anwendungsgebiete und den gesundheitlichen Gefahren. Mithilfe dieses Wissens werden die ethischen Herausforderungen besonders deutlich.

Die Problematik um die Rechtfertigung dieser Technik beschäftigt seit einigen Jahren Ethiker aus unterschiedlichsten Ländern. Eine besonders radikale Position diesbezüglich vertreten Philosophen des Utilitarismus, darunter Peter Singer. Er rechtfertigt nicht nur die Selektion von potentiellem Leben, sondern bestreitet den Wert des menschlichen Lebens im Anfangsstadium. In seinem Werk „Praktische Ethik“ trifft er prägnante Aussagen über den Lebenswert von Embryonen. Seine Thesen sollen innerhalb dieser Arbeit beleuchtet werden, um sie als thematischen Schwerpunkt der Arbeit, auf die Problematik der Präimplantationsdiagnostik anzuwenden. Da sich Singer in seinem Buch nicht konkret zu der medizinischen Methode äußert, ist es für mich ein spannender Aspekt, die Konsequenzen aus seinen Theorien zu analysieren und sie auf die Gegenargumente zur PGD zu beziehen. Mithilfe dieser Werturteile wird es gelingen, eine mögliche Antwort auf die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit der Methode zu finden.

2. Die Präimplantationsdiagnostik

2.1 Allgemeine Grundlagen

Bei der Präimplantationsdiagnostik (englisch: Preimplantation Genetic Diagnosis = PGD[1]) handelt es sich um ein vorgeburtliches, diagnostisches Verfahren zur Untersuchung von künstlich erzeugten Embryonen auf Erbkrankheiten. Die medizinische Technik wurde während der achtziger Jahre entwickelt und bereits 1990 erfolgreich angewandt.[2]Eine Voraussetzung für die Durchführung der PGD ist eine künstliche Befruchtung von Eizellen durch aufbereitete Samenzellen in einem Nährkulturmedium, wie beispielsweise bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF), die anfangs für unfruchtbare Paare mit Kinderwunsch entwickelt, aber nur in wenigen Ländern erlaubt wurde. Die PGD eröffnet heutzutage neue Chancen, da sie bei Paaren angewandt wird, die ein deutlich erhöhtes Risiko für die Zeugung eines Kindes mit einer genetisch bedingten Krankheit tragen.[3]Mittels IVF werden bei Hochrisikopaaren meist mehrere Embryonen erzeugt, deren isolierte Blastomerzellen nach zwei Tagen auf bestimmte genetische Veränderungen untersucht werden können. Diesbezüglich gibt es zwei verschiedene Diagnoseverfahren, und zwar die molekulargenetische Diagnostik mithilfe der Polymerase Kettenreaktion (PCR) sowie die Chromosomendiagnostik mit der Fluoreszenz In Situ Hybridisierung (FISH). Weitläufige Folgeschäden des Embryos durch die Entnahme von Zellen können bis heute nicht eindeutig ausgeschlossen werden.[4]Einzelne Studien der vergangenen Jahre belegen ein „doppeltes Risiko“ für auftretende Entwicklungsstörungen bei Kindern, die durch künstliche Zeugung und der PGD entstanden sind.[5]Die Dauer der Durchführung einer der beiden Diagnosen beträgt etwa acht Stunden. Im Anschluss entscheiden die Eltern, ob der Embryo in den Uterus der Frau transferiert wird, um sich bis zu einer möglichen Geburt zu entwickeln. Wurden mehrere Embryonen untersucht, wird demnach der „Beste“ für die Implantation ausgewählt.[6]Die übrigen Embryonen werden nicht transferiert und sterben somit im Labor. In einigen Ländern, wie den USA oder England, werden diese zusätzlich für Forschungszwecke verwendet. Ein ethischer Konflikt bei der Verwerfung, der als unbrauchbar befundenen Embryonen, entsteht unter dem Aspekt, dass die zerstörten Zellen noch totipotent sind. Sie besitzen also das Potential sich nach der Einpflanzung in die Gebärmutter zu einem Menschen zu entwickeln.[7]

[...]


[1]In Deutschland hat sich die Abkürzung PID bereits für die Nierenbeckenentzündung (pelvic inflammatory disease) durchgesetzt, daher wird die Abkürzung PGD (preimplantation genetic diagnosis) international verwendet. Siehe dazu: Hepp, Dtsch Arztebl 97 (18), 2000 A-1213-A1221.

[2]Vgl. Steinke; Rahner; Middel; Schräer, Präimplantationsdiagnostik, S. 29.

[3]Vgl. Böcher, Präimplantationsdiagnostik und Embryonenschutz, S. 16.

[4]Vgl. Kollek, Präimplantationsdiagnostik, S. 53.

[5]Vgl. ebd. S. 57.

[6]Vgl. Frisch, Informationen zur Präimplantationsdiagnostik (PID), in: http://www.alfa-ev.de/fileadmin/user_ upload/material/pid-infos-18-11-05-pdf.pdf, S. 4.

[7]Vgl. ebd. S. 3.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Präimplantationsdiagnostik. Eine ethische Herausforderung im Fokus des Philosophen Peter Singer
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Utilitarismus in der Bioethik: Peter Singer
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V277540
ISBN (eBook)
9783656704836
ISBN (Buch)
9783656709800
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
präimplantationsdiagnostik, eine, herausforderung, fokus, philosophen, peter, singer
Arbeit zitieren
Tina Kaiser (Autor), 2013, Präimplantationsdiagnostik. Eine ethische Herausforderung im Fokus des Philosophen Peter Singer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277540

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Präimplantationsdiagnostik. Eine ethische Herausforderung im Fokus des Philosophen Peter Singer



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden