Die Ikonographie im Gemälde "Tirol" von Franz Marc


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Biografische Daten zu Franz Marc

2. Die Epoche des Expressionismus

3. Die Ikonographie
3.1 Präikonographische Beschreibung
3.2 Ikonographische Beschreibung
3.3 Ikonographische Interpretation
3.4 Ikonologische Interpretation

4. Literatur- und Quellenangaben

„Kunst ist nichts als der Ausdruck unseres Traums“
( Franz Marc 1907)

1. Biografische Daten zu Franz Marc

Franz Marc wird am 8.Februar 1880 in München geboren. Sein Vater, Wilhelm Marc, ist eigentlich studierter Jurist, wendet sich jedoch der Malerei zu. Seine Mutter Sophie Marc stammt aus einer streng christlichen Familie. Hiermit ergeben sich für Marc schon die zwei bedeuteten Einflussstränge, die Kunst und die Religion. Zunächst scheint der christliche Glaube die Oberhand zu gewinnen und Franz Marc beschließt im Alter von 17 Jahren Pfarrer zu werden, nachdem er auf dem Luitpold Gymnasium in München sein Abitur absolvierte. 1989 erkennt er jedoch, dass er dem Anspruch, welchen er selbst an einen Pfarrer stellt, nicht gewachsen ist und studiert Philologie an der LMU in München. Im Jahre 1900 immatrikuliert er sich an der königlichen Bayrischen Akademie in München und schlägt nun vollends die Künstlerschiene ein. Seine Lehrer dort waren Gabriel von Hackl und Wilhelm Diez, welche beide Vertreter des Naturalismus waren. Daher wurde in der Akademie vorherrschend die reine Wiedergabe des Sichtbaren gelehrt. Nach einer Reise nach Paris 1903 kam er in Berührung mit dem Impressionismus. Ihn beeindruckende Künstler waren: Coubert, Monet, Delacroix. Durch diesen Einfluss geprägt, beschließt er nicht weiter die Akademie besuchen zu können, da für ihn das Studium eines erstarrten Akademismus keinen Sinn mehr hat.[1] 1904 nimmt er sich ein Atelier in Schwabing und Jahre des Experimentierens beginnen. In dieser Zeit hat er ein Verhältnis zu der älteren und verheirateten Anette von Eckardt. Kennzeichnend für diesen Zeitraum sind die starken Selbstzweifel, die ihn plagen. Die Beziehung trägt zu seiner melancholischen Stimmung Marcs bei. „Kunst ist Arbeit, und der Künstler ein Arbeiter, der sich in die Natur einzuleben hat.“[2] Marcs Bilder handeln vermehrt von Natur insbesondere von Tieren. In diesen Malereien kann er seine Stimmungen wieder spiegeln. „ Nichts ist derart geeignet, menschliche Stimmungen wieder zu spiegeln, wie die Landschaft und die Natur“.[3] Die Natur erscheint ihm als ein Paradies, welches er als Ruhepol ansieht. Jedoch besteht die Gefahr, dass der Mensch dieses zerstört.1907 begibt er sich wieder auf eine Reise nach Paris, wo er Gemälde von Van Gogh und Paul Gaugin bestaunt. Seine Bilder werden zunehmend heller in der Farbgebung. Des Weiteren ist er beeinflusst von Nietzsche und Werken von Richard Wagner. Diese Einflüsse und die vermehrten gesellschaftlichen Widersprüche dieser Zeit, lassen die jungen Künstler den Akademien vermehrt den Rücken kehren und es gründen sich erste Interessensgemeinschaften wie „ die Brücke“ 1905 in Dresden. Diese Gruppe zählt sich zu den „Wilden“ den Expressionisten. Den Sommer 1908 verbringt Marc mit seiner späteren Frau, Maria Franck, in Lenggries. „ Er malt vor allem Tiere, wobei er nach immer größerer Vereinfachung der Form strebt und die Farbe zunehmend als selbständiges Ausdrucksmittel gebraucht.“[4] 1909 werden von den zwei wichtigsten Kunsthändlern Münchens, Thannhauser und Brakl, erstmals Bilder von Marc gekauft. 1910 hat Franz Marc seine erste Einzelausstellung in der Galerie Brakl. Hierauf entwickelt er seine eigene Farbentheorie: Blau verkörpert für ihn das männliche Prinzip herb und geistig. Gelb ist für ihn das Weibliche, sanft heiter und sinnlich. Die Farbe Rot stellt für Franz Marc die Materie dar, brutal und schwer. Rot ist die Farbe, welche von Blau und Gelb umkämpft werden muss. Im Jahre 1911 macht er u.a. Bekanntschaft mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter als er eine Ausstellung der „Neuen Künstlervereinigung besucht“. Er schließt sich der Gruppe an und wird schnell 3. Vorstandsmitglied. Die Gruppe spaltet sich jedoch bald, da die „Komposition V“ von Kandinsky, von der Jury für eine weitere Ausstellung der „Neuen Künstlervereinigung“ abgelehnt wurde. So stiegen Marc, Kandinsky und Münter aus dem Zusammenschluss aus und gründeten die Gruppe „des blauen Reiter“, welche im Dezember 1911 ihre erste Ausstellung inszenierte. Zusammen mit Kandinsky gab Marc 1912 den Almanach „der Blaue Reiter“ heraus.

Beeinflusst von dem französischen Maler Robert Delaunay fließen kubistische Elemente in seine Bilder ein zu sehen in „Kühe, gelb, rot, grün“.[5]

Bis kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges ist für Marc die Abbildung der Natur das einzige „Reine“. Der Mensch ist unrein und ist daher nicht würdig, abgebildet zu werden. Er sucht nach dem Unverfälschten, Natürlichen, und findet dies in der Natur und den Tieren. „ Ich suche nach einem guten, reinen und lichten Stil, in dem wenigsten Teil, dessen, was wir Moderne Maler zu sagen haben, restlos aufgehoben werden kann.“[6] Hierin erkennt man seine Beeinflussung durch Nietzsche. Dennoch geht es ihm nicht darum, das Gegebene abzubilden, sondern das Innere das eigentliche Leben.[7] In der dargestellten reinen Natur erhoffte er die Einheit von Gott, Kunst und Religion zu erfüllen.

1913 plant Franz Marc zusammen mit Kandinsky eine illustrierte Bibel herauszubringen. In diesem Jahr heiratet er Maria Franck. Des Weiteren organisiert er gemeinsam mit August Macke, mit dem er seit 1910 befreundet ist, die „erste Ausstellung des Deutschen Herbstsalons“ in Berlin. Dort stellt er zunächst sein Bild „Tirol“ auszieht es aber danach zurück, um es 1914 weiter zu bearbeiten. Dennoch bleibt der materielle Erfolg aus. Überall in Deutschland bildet sich eine Weltuntergangsstimmung, im Sinne der Apokalypse aus. Marc übernimmt diese Thematik für seine Bilder und ringt mit den Formen und Inhalten, wie auch später bei einer genaueren Beschreibung zu „Tirol“ deutlich werden wird. 1914 zieht er gemeinsam mit seiner Frau nach Ried, nahe Benediktbeuern in ein eigenes Haus. Noch im gleichen Jahr wird er zum Kriegsdienst einberufen. Der noch recht junge Franz Marc ließ sich zunächst von der Kriegseuphorie mitreißen. Als es schon zu spät war, empfand er den Krieg als „Fegefeuer“ und „Rassenkrieg“[8] Franz Marc schrieb im Oktober 1914 „ Wir wussten nicht, das so rasend schnell der große Krieg kommen würde, der über alle Worte weg selbst das Morsche zerbricht, das Faulende ausstößt und das Kommende zur Gegenwart macht“[9]. Am 4. März 1916 fiel Franz Marc vor Verdun. Sein Leichnam wurde 1917 nach Kochel am See überführt.

Zur Zeit des Nationalsozialismus 1937 werden 130 Werke von Franz Marc beschlagnahmt und zur entarteten Kunst diffamiert.

2. Die Epoche des Expressionismus

Mit dem Begriff des Expressionismus wird eine künstlerische Strömung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschrieben. Die Begrifflichkeit stammt aus Deutschland und wurde durch die Wochenschrift „Der Sturm“(1911) geprägt. Im Gegensatz zu den Begriffen Impressionismus, Fauvismus und Kubismus, wird der Terminus nicht ausschließlich für die bildende Kunst sondern auch für eine Erlebensart der sozialen Krisen verstanden. Daher findet er auch seinen Niedergang in der Literatur. Es handelt sich hierbei um eine Reaktion auf den Naturalismus des 19. Jahrhunderts, welcher der Hauptstrom in den Akademien dieser Zeit war. Hauptvertreter des frühen Expressionismus war Vincent van Gogh, der Vorbild für viele seiner Nachfolger wurde.[10]

Es handelt sich um eine Tendenz in der Kunst, die sich eher bemüht, subjektive Gefühle und Emotionen auszudrücken, als die Wirklichkeit oder Natürlichkeit objektiv abzubilden. Die Künstler dieser Epoche versuchen, eine emotionale Erfahrung in seiner zwingendsten Form zu präsentieren. Ferner beschäftigt er sich nicht mit der Wirklichkeit, wie sie erscheint, sondern mit seiner inneren Natur und mit dem, durch das Thema, geweckten Gefühle. Um dies zu erreichen, wird das Thema oft karikiert, übertrieben, verzerrt, oder sonst wie verändert, um die emotionale Erfahrung in seiner intensivsten und konzentrierten Form zu betonen.[11] Das hauptsächliche Mittel zur Ausdruckssteigerung bildet daher die Deformierung von Formen, der Einsatz der Kontur und die intensive Farbgebung. Als die wichtigste Expressionistische Gruppe lässt sich die deutsche Schule benennen. Zusammenschlüsse waren hierbei die Künstlergruppe „die Brücke“ 1905 in Dresden, durch Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckl begründet. Zum zweiten entstand 1912 die Vereinigung um Wassily Kandinsky und Franz Marc „ der blaue Reiter“ in München. Diese Phase des Expressionismus in Deutschland wurde durch die bewusste Darstellung von Gefühlen und einen erhöhten Sinn für die Möglichkeiten des ausdrucksvollen Inhalts gekennzeichnet. Die Brücke wurde 1913 aufgelöst und nach dem ersten Weltkrieg (1914-1918) der Expressionismus in seiner ursprünglichen Form durch die neue Sachlichkeit abgelöst.

[...]


[1] Vgl. Schirmer/Mosel „ Franz Marc, Aquarelle“,Schirmers Visuelle Bibliothek, 1990, S.9

[2] Schirmer/Mosel „ Franz Marc, Aquarelle“,Schirmers Visuelle Bibliothek, 1990, S.10

[3] Schirmer/Mosel „ Franz Marc, Aquarelle“,Schrimers Visuelle Bibliothek, 1990, S.10

[4] vgl http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MarcFranz/index.html am 27.11.08

[5] vgl http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MarcFranz/index.html am 27.11.08

[6] Claus Pese, Franz Marc .Leben und Werk, Stuttgart, Zürich 1989; Franz Marc an Reinhard Piper. Sindeldorf, 10.4.1910 , S.110

[7] vgl Schirmer/Mosel „ Franz Marc, Aquarelle“,Schirmers Visuelle Bibliothek, 1990, S.16

[8] vgl Schirmer/Mosel „ Franz Marc, Aquarelle“,Schirmers Visuelle Bibliothek, 1990, S.19

[9] Claus Pese , Franz Marc .Leben und Werk, Stuttgart, Zürich 1989 S. 44

[10] Vgl.Hrsg. Lothar Günther Buchheim, Lexikon der modernen Kunst, Knaur Verlag 1963

[11] Vgl. http://x43-artshop.com/1-expressionismus.htm am 27.11.08

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Details

Titel
Die Ikonographie im Gemälde "Tirol" von Franz Marc
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Zum Seminar: „Geist ist geil! Die Spuren des Geistigen in der modernen Kunst und Gesellschaft“
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V277613
ISBN (eBook)
9783656726623
ISBN (Buch)
9783656726630
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ikonographie, gemälde, tirol, franz, marc
Arbeit zitieren
Silke Strecker (Autor), 2009, Die Ikonographie im Gemälde "Tirol" von Franz Marc, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277613

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