In einem ersten Schritt werde ich Humes «skeptischen Zweifel» zunächst aus einer erkenntnistheoretischen Perspektive erörtern und dessen Rezeption in der Sekundärliteratur diskutieren. Dabei werde ich auf das epistemische Prinzip eingehen, welches nach Hume das Fundament unseres Versuches bildet, um über den Umfang der Realität bloss momentaner Sinneseindrücke hinauszugelangen: unser Kausalitätsbegriff.
Auf seiner Grundlage verknüpfen wir bestimmte Ereignisfolgen als «Ursache und Wirkung» und schliessen so von unmittelbar Beobachtetem auf zeitlich oder räumlich Abwesendes. Die Erörterung der Genese des Kausalitätsbegriffes führt dann zur Frage über dessen Geltung. Schliesslich werde ich auf den Kausalitätsbegriff im Zusammenhang mit Voraussagen eingehen und dabei aufzeigen, dass unsere Prognosen auf einer Gleichförmigkeitsprämisse bzw. einem Zirkelschluss basieren.
Im zweiten Schritt dieser Analyse werde ich auf die philosophische Leistung der «Untersuchungen» Humes eingehen. Was sind die Konsequenzen der «skeptischen Zweifel» Humes und welche wissenschaftstheoretischen Probleme hat er damit aufgeworfen? Diese Frage werde ich zuerst anhand der Problematik des Kausalitätsbegriffes bzw. den daraus folgenden Implikationen für die empirischen Wissenschaften angehen. Daraufhin werde ich untersuchen, ob auch unser Wahrscheinlichkeitsbegriff durch die Fragen, die Hume aufwarf, problematisch sein könnte.
Sodann werde ich die lebensweltlichen, d.h., die auf unseren Alltag bezogenen Konsequenzen, von Humes Zweifel beleuchten. In diesem Zusammenhang werde ich auf das Problem der Gewissheitsgrenzen von erkenntniserweiternden Schlüssen eingehen.
Schliesslich werde ich auf die Frage der Gewissheit von induktiven und deduktiven Schlüssen eingehen und dabei untersuchen, inwiefern der «skeptische Zweifel» mit dem Induktionsproblem zusammenhängt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau der Analyse
3. Fragestellung
4. Warum Erfahrung nicht begründen kann, was Erfahrung begründen können soll
4.1. Zwei Erkenntnisarten und deren Gewissheit
4.2. Die Erweiterung des unmittelbaren Realitätsumfanges
4.3. Genese und Geltung des Kausalitätsbegriffes
4.4. Aufdeckung eines ‹selbstverständlichen› Zirkelschlusses
5. Konsequenzen von Humes Überlegungen
5.1. Kausalität und wissenschaftliche Prognosen
5.2. Lebensweltliche Konsequenzen
5.3. Unterminierter Wahrscheinlichkeitsbegriff
5.4. Erkenntnistheorie und Logik: Vom Zweifel zum Induktionsproblem
5.4.1. Was sind induktive und deduktive Schlüsse?
5.4.2. Nutzen und Gewissheit induktiver Schlüsse
5.4.3. Nutzen und Gewissheit deduktiver Schlüsse
6. Fazit
7. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Problematik von Humes skeptischem Zweifel in Bezug auf Kausalität und Induktion und analysiert, inwieweit unser Vertrauen in wissenschaftliche Prognosen und alltagsbezogene Vorhersagen rational begründbar ist.
- Kritische Analyse des Induktionsproblems und der Kausalität bei David Hume.
- Untersuchung der erkenntnistheoretischen Grundlagen menschlicher Erkenntnisgewissheit.
- Herausarbeitung der logischen Zirkelschlüsse bei der Begründung von Erfahrungswerten.
- Bewertung der lebensweltlichen und wissenschaftstheoretischen Konsequenzen von Humes Skepsis.
Auszug aus dem Buch
4.4. Aufdeckung eines ‹selbstverständlichen› Zirkelschlusses
Wir operieren zwar in allen unseren Denkakten über nicht unmittelbar anwesende Sachverhalte mit einem impliziten Kausalbegriff, denn sonst könnten wir nicht über den Umfang der Realität momentaner Sinneseindrücke hinausgelangen. Obwohl diese kognitive Neigung, auf zeitlich und räumlich Abwesendes zu schliessen, überlebensnotwendig ist, ist sie, von einem philosophischen Standpunkt betrachtet, trotzdem problematisch.
Hume erläutert diese Problematik fast nur im Kontext von zeitlich Abwesendem. Auch in der Sekundärliteratur wird das damit zusammenhängende erkenntnistheoretische Problem von räumlich abwesenden Sachverhalten oft übersehen. Um den Gedankengang Humes besser nachvollziehen zu können, gehe ich in diesem Abschnitt ebenfalls vorwiegend auf das Problem von erkenntniserweiternden Schlüssen über zeitlich abwesende Tatsachen ein.
Dass unsere kognitive Neigung, beobachtete Ereignisfolgen als «kausale Wirkungen» auf die Zukunft zu projizieren erstens nicht durch analytisch-deduktive Denkakte aus den Eigenschaften von Gegenständen (a priori) abgeleitet werden kann, wurde oben aufgezeigt. Zweitens kann die Rechtfertigung der Annahme, dass beobachtete Ereignisfolgen sich wiederholen müssen resp. dass die Zukunft der Vergangenheit gleichen wird, nicht durch demonstrativ gewisse Denkakte erfolgen, da deren Negation keinen logischen Widerspruch darstellt. Das heisst, dass es eben widerspruchsfrei denkbar ist, dass die Zukunft der Vergangenheit nicht gleichen wird. Unsere Erwartung, dass beobachtete Ereignisfolgen auch in Zukunft auf gleichförmige Weise als «Kausalgesetze» wirken werden, kann also nicht rational durch eine evidente «Kette von Denkakten» bzw. nicht a priori durch analytisch-deduktive Schlüsse hergeleitet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die anhaltende Relevanz von Humes Thesen zur Induktion und Kausalität im philosophischen Diskurs.
2. Aufbau der Analyse: Erläuterung der zweistufigen Struktur der Arbeit, beginnend bei erkenntnistheoretischen Fragen hin zu praktischen Konsequenzen.
3. Fragestellung: Formulierung der zentralen Forschungsfragen zur Rationalität induktiven Schließens und den Grenzen der Gewissheit.
4. Warum Erfahrung nicht begründen kann, was Erfahrung begründen können soll: Untersuchung der Problematik, dass Erfahrung als Fundament selbst nicht rational begründet werden kann.
5. Konsequenzen von Humes Überlegungen: Analyse der wissenschaftstheoretischen und alltagspraktischen Implikationen des Humeschen Zweifels.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung, wie trotz der Unbegründbarkeit rationaler Induktion ein pragmatischer Umgang mit Wahrscheinlichkeiten möglich ist.
7. Literaturliste: Verzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
David Hume, Induktionsproblem, Kausalität, Erkenntnistheorie, Induktion, Deduktion, Skeptischer Zweifel, Erfahrung, Naturgesetze, Prognosen, Rationalität, Wahrscheinlichkeit, Zirkelschluss, Erkenntniserweiterung, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit David Humes skeptischem Zweifel an der Rationalität von Induktion und Kausalität sowie den Konsequenzen für unser Weltverständnis.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die erkenntnistheoretische Basis von Erfahrungswissen, die Problematik der Zirkelschlüsse bei Voraussagen und die Unterscheidung zwischen induktiven und deduktiven Schlüssen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, warum unsere täglichen und wissenschaftlichen Vorhersagen über die Zukunft letztlich nicht rational, sondern auf einem nicht-rationalen Vertrauen in die Gleichförmigkeit der Natur basieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die exegetische und analytische Auswertung von Humes "Untersuchung über den menschlichen Verstand" sowie auf ergänzende Sekundärliteratur zur induktiven Logik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Geltung des Kausalitätsbegriffs, deckt den darin enthaltenen Zirkelschluss auf und diskutiert, wie sich daraus eine neue Sicht auf Wahrscheinlichkeitsaussagen ergibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hume, Induktionsproblem, Kausalität, Skeptizismus, Erfahrung, Wahrscheinlichkeit und Erkenntnistheorie.
Warum ist das Induktionsproblem auch heute noch relevant?
Da wissenschaftliche Methoden der Empirie weiterhin auf der Annahme basieren, dass zukünftige Ergebnisse den vergangenen gleichen, bleibt die Frage nach der rationalen Begründung dieses Vertrauens philosophisch ungeklärt.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Wissenschaft?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Wissenschaft zwar hochgradig nützlich ist, ihre Grundlagen aber streng genommen nicht als "bewiesen" oder "gewiss" im Sinne der formalen Logik gelten können.
- Citation du texte
- M.A. (Master of Arts) Edwin Egeter (Auteur), 2010, David Humes skeptischer Zweifel und das Induktionsproblem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277671