Mit der voranschreitenden Globalisierung nimmt nicht nur die produktive Vernetzung wirtschaftlicher Prozesse zu. Auch globale Risiken gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Diplomarbeit betrachtet systemische Risiken aus einer übergeordneten Perspektive und verdeutlicht Interdependenzen innerhalb des globalen Systems. Anschließend werden die identifizierten Risiken in einen Zusammenhang zu Beschaffungsentscheidungen gebracht.
Die stetig zunehmenden Verflechtungen innerhalb und zwischen allen Bereichen der Gesellschaft – beispielsweise in Wirtschaft, Politik, Kultur und besonders im Bereich Medien – haben in den Ländern, die in den Globalisierungsprozess eingetreten sind, zu einer verstärkten Wahrnehmung einer globalen Identität geführt.
Traditionelle Begrenzungen verschwimmen, Zusammenarbeit und Kooperationen über Grenzen jeder Art hinaus nehmen zu. Im wirtschaftlichen Bereich wird dies vor allem an der rasanten Zunahme wirtschaftlicher Verbünde deutlich; als Beispiel seien hier Allianzen zwischen Unternehmen in allen Bereichen der Wertschöpfung und Verbünde zwischen Staaten genannt.
In dem Maße, wie wirtschaftliche Verflechtungen im Lauf der Globalisierung zunehmen, nehmen die Verflechtungen wirtschaftlicher Risiken zu. Vor allem angesichts der engen Verflechtung der nationalen Finanzmärkte können primär nationale Ereignisse globale Auswirkungen auslösen. So würde zum Beispiel ein Staatsbankrott der USA gravierende globale, vor allem wirtschaftliche, Auswirkungen nach sich ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Risiko
2.1.1 Der allgemeine Risikobegriff
2.1.2 Unternehmerische Risiken
2.2 Beschaffung
2.2.1 Grundbegriffe und Aufgaben der Beschaffung
2.2.2 Ziele der Beschaffung
2.2.3 Internationale Beschaffung
2.3 Die Supply Chain und das Konzept des Supply Chain Management
2.4 Risikomanagement
2.4.1 Ursprung des Risikomanagements
2.5 Globale Risiken
2.5.1 Begriffsdefinition
2.5.2 Kategorien Globaler Risiken
2.6 Internationale Unternehmen
3. Internationale Beschaffung und ihre Risiken
3.1 Beschaffungsstrategien
3.2 Beschaffungsrisiken
3.2.1 Herleitung von Supply Risiken
3.2.2 Erläuterung der Supply Risiken
3.3 Globale Risiken
3.3.1 Vorgehensweise des Global Risks Report 2012
3.3.2 Ergebnisse des Global Risks Report 2012
3.4 Globale Risikobewertung
3.5 Globale Top-Risiken
3.5.1 Einführung in die Betrachtung von Einzelrisiken
3.5.2 Massive Einkommensunterschiede
3.5.3 Chronische Ungleichgewichte von Staatshaushalten
3.5.4 Steigende Treibhausgasemissionen
3.5.5 Wasserversorgungskrisen und Nahrungsmittelknappheit
4. Analyse der Auswirkungen globaler Risiken auf die Beschaffungsaktivitäten internationaler Unternehmen
4.1 Analyse der Auswirkungen globaler Risiken auf die Beschaffungsrisiken international agierender Unternehmen
4.1.1 Einführung in die Analyse
4.1.2 Kritische Risikoszenarien in der Beschaffung
4.1.3 Potenzielle kritische Auswirkungen globaler Risiken aus der Sicht international agierender Unternehmen
4.1.4 Analyse der Auswirkungen globaler Risiken auf die Beschaffung
4.2 Ansätze zur Minimierung der Anfälligkeit für die Auswirkungen von globalen Risiken im internationalen Beschaffungsmanagement
4.2.1 Instrumente zur Minimierung potenzieller Auswirkungen globaler Risiken
4.2.2 Supplier Risk Management
4.2.3 Wahl der Beschaffungsstrategien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit analysiert die Auswirkungen globaler Risiken auf die Beschaffungsprozesse international agierender Unternehmen. Das primäre Ziel ist es, ein Bewusstsein für die systemischen Interdependenzen zwischen globalen Risiken zu schaffen und zu untersuchen, wie diese die Stabilität und Effizienz internationaler Lieferketten gefährden sowie welche Strategien zur Risikominimierung beitragen können.
- Systemische Interdependenzen zwischen globalen Risiken
- Einfluss globaler Risiken auf internationale Beschaffungsaktivitäten
- Methoden der Risikoidentifikation und -bewertung in der Beschaffung
- Konfiguration und Optimierung von Beschaffungsstrategien
Auszug aus dem Buch
Die sich öffnende Schere innerstaatlicher Wohlstandsverteilung
Die Konzentration von Vermögenswerten in den Händen weniger Menschen ist grundsätzlich eine natürliche Folge der Gesetze im globalen neokapitalistischen Finanzsystem. Der Ausdruck „Geld arbeitet“ beschreibt eine dieser grundlegenden Regeln: den Zinseszinseffekt. Vermögende Menschen legen ihr Geld bei einer Bank oder an den Finanzmärkten an und erhalten für ihre Einlage fixe oder variable Habenszinsen.
Der Zinseszins führt zu einer automatisierten Vermehrung der vorhandenen Geldmenge, ohne dass unmittelbar Mehrwert geschaffen würde. Schuldner hingegen zahlen einen Sollzins auf ihre aufgenommenen Verbindlichkeiten, welche grundsätzlich höher sind als der an den Anleger im Durchschnitt ausgezahlte Habenszinssatz.
Die Begleichung der Sollzinsen erfolgt in der Theorie durch den Mehrwert, den das Individuum, das schuldet, schafft, in aller Regel durch Arbeit. Der Anleger erhält jedoch das zusätzliche Einkommen in Form von Habenszins ohne die Erbringung von Arbeit. Dieses Einkommen wird allgemein als Kapitaleinkünfte bezeichnet.
Somit erhalten Anleger ein Einkommen, dass unabhängig von ihrer Arbeitskraft ist, während die Begleichung der (höheren) Sollzinsen zumeist zwangsläufig durch Arbeitskraft erfolgt. Diese Ungleichheit, die bereits im globalen Maßstab signifikant ist, wird noch verstärkt durch die Ausrichtung der Steuerpolitik weltweit: In der Regel wird Arbeit zusätzlich deutlich höher besteuert als Kapitaleinkünfte. Am Beispiel Deutschlands lässt sich das gut verdeutlichen: Während Kapitaleinkünfte pauschal mit 25 % besteuert werden, wird Einkommen aus Arbeit gem. des progressiven Einkommenssteuersatzes mit bis zu 42 % besteuert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz globaler Risiken im Kontext der Globalisierung und die Notwendigkeit einer systemischen Betrachtungsweise in der Beschaffung.
2. Begriffliche Grundlagen: Definiert zentrale Konzepte wie Risiko, Beschaffung, Supply Chain und Risikomanagement als Basis für die weitere Analyse.
3. Internationale Beschaffung und ihre Risiken: Systematisiert verschiedene Beschaffungsstrategien und globale Risiken, wobei insbesondere der "Global Risks Report 2012" zur Identifikation herangezogen wird.
4. Analyse der Auswirkungen globaler Risiken auf die Beschaffungsaktivitäten internationaler Unternehmen: Untersucht konkret, wie globale Top-Risiken die Beschaffungsszenarien beeinflussen und stellt Instrumente sowie Strategieanpassungen zur Minimierung dieser Risiken vor.
5. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, angesichts zunehmender Systemrisiken einen flexibleren Mix aus Beschaffungsstrategien zu wählen.
Schlüsselwörter
Globale Risiken, Beschaffungsmanagement, Supply Chain, Risikomanagement, Global Sourcing, Einkommensungleichheit, Staatsverschuldung, Klimawandel, Wasserknappheit, Lieferantenmanagement, Strategische Beschaffung, Supply Chain Risiken, Systemische Risiken, Wirtschaftsrisiken, Risikobewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen globaler Risiken (z.B. Finanzkrisen, Klimawandel) auf die Beschaffungsaktivitäten von Unternehmen, die international agieren und globale Lieferketten unterhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Systematisierung globaler Risiken, die Grundlagen des strategischen Beschaffungsmanagements, die Analyse von Supply-Risiken sowie Strategien zur Risikominimierung durch angepasste Beschaffungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Bewusstsein für die Komplexität globaler Risiken zu schärfen und aufzuzeigen, wie internationale Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien anpassen müssen, um gegen systemische Schocks widerstandsfähiger zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und nutzt Daten aus dem "Global Risks Report 2012" sowie andere internationale Studien, um Risikostrukturen und deren Auswirkungen auf die Beschaffung deduktiv abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Risikoszenarien wie Staatsbankrotte, massive Einkommensunterschiede, Wasserknappheit und Cyber-Attacken und deren direkte Konsequenzen für operative und strategische Beschaffungsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Globale Risiken, Supply Chain Management, Risikominimierung, Global Sourcing und systemische Interdependenzen charakterisiert.
Welche Rolle spielen Lieferanten in diesem Kontext?
Lieferanten bilden kritische Schnittstellen. Die Arbeit zeigt, dass Lieferantenausfälle aufgrund globaler Krisen (z.B. politische Instabilität oder Naturkatastrophen im Lieferland) die gesamte Lieferkette lahmlegen können, was ein erweitertes Lieferantenrisikomanagement erforderlich macht.
Warum wird der "Global Risks Report 2012" als Grundlage genutzt?
Diese Studie bietet eine empirisch fundierte und systematische Aufbereitung von 50 globalen Risiken, die eine detaillierte Analyse der Zusammenhänge und Wechselwirkungen ermöglicht, was für die Untersuchung komplexer Lieferketten essenziell ist.
Welche Empfehlung gibt die Arbeit für die Beschaffungsstrategie?
Die Arbeit empfiehlt eine Abkehr von rein kostenminimalen Strategien wie Single Sourcing in Verbindung mit Just-in-Time, da diese bei Schocks zu anfällig sind. Stattdessen wird ein Mix aus Flexibilität, Lagerhaltung (Pufferlager) und Dual- oder Multiple-Sourcing-Ansätzen empfohlen.
- Quote paper
- Daniel Wittinger (Author), 2012, Globale Risiken und ihre Auswirkungen auf die Beschaffungsaktivitäten international agierender Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277772