Diese Klausurvorbereitung beinhaltet Interpretationen von Werken verschiedener Gattungen und unterschiedlicher Epochen im Hinblick auf Ihre Gedächtnisfunktion. Das heißt, es wird betrachtet, wie Erinnerung in den Werken verarbeitet wird und wie das Werk selbst erinnert wurde oder noch wird. Dabei wird auf theoretische Grundlagen eingegangen (Gedächtnisarten und ihre Vertreter), anhand derer sich die Funktion bestimmter Werke erklären lässt.
Inhaltsverzeichnis
Jan Assmann: Kulturtheorie des Gedächtnisses
Gedächtnisfunktionen der Literatur
3 Zeitdimensionen eines Gedächtnistextes:
Gedächtnis bei Hesiod
Epik als Gattung der Erinnerung
Gedächtnis bei Homers „Ilias“
Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit:
3 Zeitdimensionen der Ilias:
Gedächtnis bei Hartmann von Aues „Iwein“
Dramatik als Gattung des rituellen Gedächtnisses
Gedächtnis im Theater
Gedächtnis in verschiedenen Dramenformen
Lyrik als Denkmalsgattung
Lyrische Gedächtnisformen
Literatur in der Konkurrenz zwischen Geschichte und Gedächtnis
18. Jh.:
Gedächtnis bei Schillers „Die Götter Griechenlands“
Gedächtnis bei Hölderlins „Brod und Wein“
19. Jh.:
Gedächtnis bei Jeremias Gotthelfs „Die schwarze Spinne“
Gedächtnis bei Theodor Storms „Der Schimmelreiter“
Gattung Autobiographie
Erinnerungsprozess bei Monika Marons „Pawels Briefe“
Vergebenes Vergessen
Religion als Ansporn, zu vergeben und zu vergessen
Vergessen bei Lessings „Minna von Barnhelm“
Scheitern des Vergessens
Scheitern des Vergessens bei Hugo von Hofmannsthals „Elektra“
Umgang mit der Vergangenheit in der Gegenwart
Gedächtnis bei Ruth Klügers „Weiter leben“
Zusammenfassung zu den Funktionen der Literatur im Gedächtnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Wechselwirkung zwischen Literatur und kulturellem Gedächtnis. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie verschiedene literarische Gattungen – von der Epik über das Drama bis zur Lyrik – dazu dienen, Vergangenes zu bewahren, zu konstruieren oder durch gezieltes Vergessen Identität zu stiften.
- Kulturtheoretische Grundlagen des Gedächtnisses nach Jan Assmann und Maurice Halbwachs.
- Die literarische Gestaltung von Gedächtnis in Gattungen wie Epos, Drama und Lyrik.
- Die Spannung zwischen historischer Faktizität und literarischer Fiktion.
- Mechanismen des Vergessens als notwendige Voraussetzung für Identitätsbildung.
- Der Umgang mit Vergangenheit und Traumata in der autobiographischen Literatur.
Auszug aus dem Buch
Gedächtnis bei Hartmann von Aues „Iwein“
- Doppelwegschema: Iwein erlangt Ehre und eine Frau, verliert alles durch eigene Schuld und muss es sich in einem Lernprozess zurückerkämpfen (im Lernprozess verteidigt er Frauen, vorher hat er Laudine im Stich gelassen, er hilft nach einem Kampf noch Lunete, lernt also, Termine einzuhalten)
- Übergang von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit der mhd. Volkssprache (vorher nur Latein der Kleriker, das für kirchliche Texte verwendet wurde) ermöglicht Erzählen von Mystischem, da sie distanzierter ist als die Mündlichkeit, es muss niemand wirklich so erlebt und mündlich erzählt haben
Zusammenfassung der Kapitel
Jan Assmann: Kulturtheorie des Gedächtnisses: Das Kapitel führt in die Unterscheidung zwischen individuellem, kommunikativem und kulturellem Gedächtnis ein und erläutert deren Bedeutung für die Stabilität von Kulturen.
Gedächtnisfunktionen der Literatur: Hier wird analysiert, wie Literatur durch Kanonisierung und verschiedene Gedächtnistypen dazu beiträgt, Erfahrungen über Generationen hinweg zu überliefern.
3 Zeitdimensionen eines Gedächtnistextes:: Es wird dargelegt, wie literarische Texte durch ihre Zeitstruktur – Vorzeit, Gegenwart und Zukunft – eine spezifische Erinnerungsleistung erbringen.
Gedächtnis bei Hesiod: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle des Dichters als Träger des kulturellen Gedächtnisses, der durch göttliche Begabung eine Weltordnung stiftet.
Epik als Gattung der Erinnerung: Die Gattung wird als Medium der Rückwendung analysiert, wobei das „epische Präteritum“ als Mittel der Fiktionalisierung und Gedächtnisbildung dient.
Schlüsselwörter
Kulturelles Gedächtnis, Speichergedächtnis, Funktionsgedächtnis, Literaturtheorie, Identitätsbildung, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Vergessenskunst, Autobiographie, Intertextualität, Erinnerungsprozess, Epik, Drama, Lyrik, Kanonisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen und praktischen Analyse, wie Literatur als Medium des kollektiven Gedächtnisses fungiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Gedächtnistheorie, die Rolle der Literatur bei der Konstruktion von Identität und die Dynamik von Erinnern und Vergessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Literatur durch verschiedene Gattungsmerkmale als Speicher oder als aktives Gestaltungselement der Vergangenheit genutzt wird.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden verwendet?
Es werden maßgeblich kulturwissenschaftliche und literaturtheoretische Ansätze, insbesondere die Theorien von Jan Assmann, Maurice Halbwachs und Harald Welzer, angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische literarische Werke – von Homers „Ilias“ über Hartmann von Aues „Iwein“ bis hin zu modernen Texten – hinsichtlich ihrer gedächtnisstiftenden Funktionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Kulturelles Gedächtnis“, „Konstruktion der Vergangenheit“, „Intertextualität“ und „Funktionsgedächtnis“ geprägt.
Wie unterscheidet sich das „historische Modell“ vom „religiösen Modell“ beim Vergessen?
Während das religiöse Modell auf Vergebung und damit einhergehendem Vergessen basiert, setzt das historische Modell auf die Aufdeckung der Vergangenheit, ohne diese zwangsläufig zu löschen.
Warum spielt die Schriftlichkeit eine entscheidende Rolle für das kulturelle Gedächtnis?
Die Schriftlichkeit ermöglicht eine exakte Tradierung, die unabhängig von der Begrenztheit des individuellen Personengedächtnisses ist und somit komplexe, zeitlose Überlieferungen erlaubt.
Was besagt das Doppelwegschema bei Iwein?
Es beschreibt den Lernprozess des Helden, der durch eigenes Fehlverhalten Ehre und Identität verliert und sich diese durch moralische Reifung und Bewährung neu erkämpfen muss.
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- Franziska Riedel (Author), 2014, Klausurvorbereitung. Gedächtnisfunktion der Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277796