Schreiben kann jeder. Was und wie geschrieben wird, unterscheidet aber schon gründlich Schreibende. Wissenschaftliches Schreiben hebt sich noch als Sondertyp von anderen Typen von Schreiben ab. Ein literatisches Gedicht wiegt schwer, ein Brief an einen Freund leicht. Oder anders ausgedrückt: Einer kann unterwegs den Entschluß fassen, einen kurzen Brief an einen Freund zu verfassen und braucht dafür nicht besonderen Stil oder besonderen Inhalt. Kugelschreiber und Papier reichen aus. Ist es dasselbe für einen Dichter, der die Welt durch seine Schrift belehren und belustigen will? Wir glauben nein. Das Motiv muss erfunden werden, die angewandte Sprache muss zielgerichtet sein und als Sprache der Hoch- oder Trivialliteratur von fachkompetenten Dritten anerkannt werden. Ist dieses literarisches Werk Prosa oder in gebundener Rede, erwartet der Leser oder der Hörer eine bestimmte Tonalität. Gut genug zur Hervorhebung der Besonderheit des Schreibens. Der Promovend ist kein Dichter und kein Briefschreiber. Von ihm erwartet das Publikum Genialität, Kreativität, Objektivität, Originalität und Methode. Wie er dazu, nach mehreren Jahren intensiver Arbeit, gelangt, zeigt die vorliegende Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Geschichte des Dissertationswesens in Deutschland
2 Dissertation als Forschungsarbeit nach Umberto Eco
3 Kriterien der Wissenschaftlichkeit
4 Inhaltliche Struktur der Dissertation als wissenschaftlichen Arbeit
5 Zum Originalitätsbegriff in der wissenschaftlichen Leistung
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Anforderungen an die akademische Textsorte Dissertation und setzt diese in Bezug zu den allgemeinen Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens sowie dem Konzept der Originalität in der Forschung.
- Historische Entwicklung des Dissertationswesens in Deutschland
- Abgrenzung der Dissertation als Forschungsarbeit von kompilatorischen akademischen Arbeiten
- Zentrale Kriterien der Wissenschaftlichkeit
- Struktureller Aufbau einer wissenschaftlichen Dissertation
- Definition und Bedeutung von Originalität in der wissenschaftlichen Leistung
Auszug aus dem Buch
3 Kriterien der Wissenschaftlichkeit
Wie bereits angedeutet brauchen wir Zeit und Methode, um eine adäquate wissenschaftliche Arbeit zu verfassen. Hier gilt Methode – allgemein betrachtet – als Gesamtantwort auf das Wie des wissenschaftlichen Schreibens. Im Anschluss an Eco (122007, 40ff) empfiehlt uns Jele (1999, 17) uns als Grundschritt zum Wissenschaftstreiben vier Kriterien von Wissenschaftlichkeit:
„1. Die Untersuchung soll einen erkennbaren Gegenstand(ein erkennbares Thema) behandeln und so genau umrissen sein, dass er auch für Dritte19erkennbar ist.
2. Die Untersuchung muss über diesen Gegenstand Dinge sagen, die noch nicht gesagt worden sind, oder sie muss Dinge sagen, die bereits bekannt sind, aber unter einem neuen Blickwinkel gesehen werden.
3. Die Untersuchung muss für andere von Nutzen sein.
4. Die Untersuchung muss jene Angaben enthalten, die es einem Dritten ermöglichen nachzuprüfen, ob die vorausgesetzten oder angenommenen Hypothesen sowie die erbrachten Ergebnisse richtig oder falsch sind“.
Diese Empfehlungen können in vier Begriffen zusammengefasst werden: Präzision – Neues – Erkenntnisinteresse – intersubjektive Nachvollziehbarkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des wissenschaftlichen Schreibens ein und definiert die Dissertation als den zentralen Gegenstand der Untersuchung.
1 Geschichte des Dissertationswesens in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung des Promotionswesens vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit, inklusive der Strukturen an den Universitäten.
2 Dissertation als Forschungsarbeit nach Umberto Eco: Hier wird die Dissertation im Gegensatz zu rein kompilatorischen studentischen Arbeiten als eigenständige, forschungsbasierte Leistung definiert.
3 Kriterien der Wissenschaftlichkeit: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Grundanforderungen an wissenschaftliches Arbeiten, darunter Präzision und intersubjektive Nachvollziehbarkeit.
4 Inhaltliche Struktur der Dissertation als wissenschaftlichen Arbeit: Es wird der idealtypische Aufbau einer Dissertation beschrieben, von der Einleitung über den theoretischen Kern bis zum Schluss.
5 Zum Originalitätsbegriff in der wissenschaftlichen Leistung: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der Anforderung nach Originalität und Innovation in der Forschung auseinander.
6 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Dissertation als Bestätigung der wissenschaftlichen Reife des Forschers.
Schlüsselwörter
Wissenschaftliches Schreiben, Dissertation, Forschungsarbeit, Wissenschaftlichkeit, Originalität, Textsorte, Promotionswesen, Forschungsmethode, Akademische Arbeit, Wissensgenerierung, Fachgemeinschaft, Wissenschaftliche Leistung, Strukturierung, Forschungsprozess, Intersubjektive Nachvollziehbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die fachlichen und formalen Anforderungen an Dissertationen im Kontext des wissenschaftlichen Arbeitens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Promotionswesens, die Abgrenzung von Dissertationen zu anderen Textsorten, Kriterien der Wissenschaftlichkeit und den Begriff der Originalität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, DoktorandInnen ein Verständnis für die hohen Ansprüche an eine Dissertation zu vermitteln und den Weg von der studentischen Übung zum professionellen Forschungsprodukt aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine kompilatorische Methode, bei der bestehende Fachliteratur und theoretische Modelle (wie die von Umberto Eco) analysiert und synthetisiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Definition der Dissertation als Forschungsarbeit, Qualitätskriterien sowie inhaltliche und formale Strukturierungsaspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie wissenschaftliches Schreiben, Dissertation, Forschung, Originalität und Wissenschaftlichkeit geprägt.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen "studentischen Arbeiten" und "Dissertationen"?
Die Arbeit betont, dass Dissertationen über den reinen Nachweis von Kompetenzen (wie bei einer Hausarbeit) hinausgehen und einen originellen, innovativen Beitrag zur Forschung leisten müssen.
Welche Bedeutung hat der Begriff der "Originalität" laut dieser Arbeit?
Originalität bedeutet hier nicht zwingend die Erfindung von völlig Neuem, sondern kann auch die Behandlung bekannter Themen unter einem gänzlich neuen Blickwinkel oder in einer anderen Perspektive umfassen.
- Citation du texte
- Eugeune Colinet Tatchouala (Auteur), 2009, Das Schreiben einer Dissertation. Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens und seine Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277802