Für Benjamin veränderte die Entwicklung der Technologie im Bereich der Kunst nicht nur deren Form, genauer die Formen, in denen sie sich entäußert, sondern auch die Wahrnehmung ihrer Rezipienten. Dabei forderte jedoch nicht nur die Kunst diese Veränderungen der Wahrnehmung zum Zwecke ihrer durch die Technologie veränderten Rezeptionsprämissen, sondern jene selbst waren ebenso ein Reflex auf veränderte Anforderungen an die menschliche Wahrnehmung, die ihren Ursprung in den gesellschaftlichen Verhältnissen, also Produktionsverhältnissen hatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aura und Chock – Die Veränderung der Wahrnehmungsweise
2.1 Kultwert und Ausstellungswert
2.2 Der Film als Kunstform der Reproduzierbarkeit
3. Chock als Rezeptionsform
3.1 Kontemplation vs. Zerstreuung
3.2 Der Mensch in der Apparatur
4. Die Rolle der Massen und der Film
4.1 Katharsis und Selbstentfremdung
4.2 Das Individuum in der Masse
5. Die Ästhetisierung der Politik
5.1 Der politische Mensch und die Apparatur
5.2 Faschismus, Krieg und Technik
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Transformation der menschlichen Wahrnehmung durch den Einsatz moderner Technologie, basierend auf Walter Benjamins Analysen im Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie technische Reproduktionsverfahren die traditionelle „Aura“ des Kunstwerks auflösen und durch eine neue Rezeptionsweise – den „Chock“ – ersetzen, was tiefgreifende Konsequenzen für die gesellschaftliche und politische Struktur nach sich zieht.
- Die Auflösung der auratischen Einzigartigkeit des Kunstwerks.
- Die Verschiebung von Kultwert hin zu Ausstellungswert.
- Die psychologische Wirkung der Chock-Rezeption und der Film als Medium.
- Der Zusammenhang zwischen technologischer Entwicklung und politischer Instrumentalisierung (Faschismus).
Auszug aus dem Buch
Aura und Chock – Die Veränderung der Wahrnehmungsweise durch Technologie
„Fiat ars – pereat mundus“ sagt der Faschismus und erwartet die künstlerische Befriedigung der von der Technik veränderten Sinneswahrnehmung, wie Marinetti bekennt, vom Kriege. Das ist offenbar die Vollendung des l’art pour l’art. Die Menschheit, die einst bei Homer ein Schauobjekt für die olympischen Götter war, ist es nun für sich selbst geworden. Ihre Selbstentfremdung hat jenen Grad erreicht, der sie ihre eigene Vernichtung als ästhetischen Genuß ersten Ranges erleben läßt.“ (Benjamin GS I·2, S. 469)
Für Benjamin veränderte die Entwicklung der Technologie im Bereich der Kunst nicht nur deren Form, genauer die Formen, in denen sie sich entäußert, sondern auch die Wahrnehmung ihrer Rezipienten. Dabei forderte jedoch nicht nur die Kunst diese Veränderungen der Wahrnehmung zum Zwecke ihrer durch die Technologie veränderten Rezeptionsprämissen, sondern jene selbst waren ebenso ein Reflex auf veränderte Anforderungen an die menschliche Wahrnehmung, die ihren Ursprung in den gesellschaftlichen Verhältnissen, also Produktionsverhältnissen hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Walter Benjamins Thesen ein und skizziert die Veränderung der menschlichen Wahrnehmung durch technologische Fortschritte sowie deren sozio-politische Implikationen.
2. Aura und Chock – Die Veränderung der Wahrnehmungsweise: Dieses Kapitel erläutert den Verlust der künstlerischen Aura und analysiert den Wandel von einem auratischen Kultwert hin zum massentauglichen Ausstellungswert.
3. Chock als Rezeptionsform: Hier wird der Begriff des „Chocks“ definiert und der Kontrast zwischen der versunkenen Kontemplation und der zerstreuten Aufnahme durch moderne Medien wie den Film herausgearbeitet.
4. Die Rolle der Massen und der Film: Das Kapitel untersucht, wie der Film die Massen einerseits unterhält und entfremdet, ihnen andererseits aber eine illusorische Identität und Katharsis bietet.
5. Die Ästhetisierung der Politik: Der Abschlussteil analysiert die fatale Verbindung von technisierter Massenwahrnehmung, der Instrumentalisierung durch den Faschismus und der schließlich im Krieg gipfelnden Ästhetisierung der Politik.
Schlüsselwörter
Aura, Chock, Walter Benjamin, Technische Reproduzierbarkeit, Film, Wahrnehmung, Kultwert, Ausstellungswert, Faschismus, Entfremdung, Massen, Kontemplation, Zerstreuung, Ästhetisierung der Politik, Technologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die radikale Veränderung der menschlichen Wahrnehmung im 20. Jahrhundert unter dem Einfluss technischer Medien wie Fotografie und Film, basierend auf Walter Benjamins Kunstwerk-Essay.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation von Kunstbegriffen (Aura, Kultwert, Ausstellungswert), der psychologischen Wirkung neuer Rezeptionsformen (Chock) und den politischen Folgen dieser Entwicklungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie technologische Entwicklungen die Rezeption von Kunst beeinflussen und inwiefern diese Prozesse zur gesellschaftlichen Selbstentfremdung sowie zur politischen Ästhetisierung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse von Walter Benjamins „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ und setzt dessen Theorien in einen sozio-ökonomischen und historischen Kontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Übergang von kontemplativer Kunstbetrachtung zu einer auf Massen ausgerichteten „Chock“-Rezeption sowie die Rolle des Films als Medium, das sowohl zur Entfremdung führt als auch zur politischen Propaganda instrumentalisiert werden kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Aura, Chock, technisches Reproduktionszeitalter, Entfremdung und Ästhetisierung der Politik.
Warum spielt der „Kultwert“ für das Verständnis der Aura eine so wichtige Rolle?
Der Kultwert verankert das Kunstwerk in seiner Einzigartigkeit und Geschichte. Da Reproduktionen diese historische Echtheit nicht besitzen, führt der Übergang vom Kultwert zum Ausstellungswert zwangsläufig zur Zertrümmerung der Aura.
Inwiefern ist der Film laut Autor eine „kathartische“ Entlastung für die Massen?
Der Film erlaubt es den Arbeitern in der modernen Maschinerie, ihre Menschlichkeit indirekt durch die Identifikation mit Stars und Helden auf der Leinwand zu bewahren, was als kurzfristige, illusorische Entlastung fungiert.
Wie begründet die Arbeit den Zusammenhang zwischen Film und Faschismus?
Der Faschismus nutzt die durch Technik veränderte Wahrnehmung der Massen, indem er Politik ästhetisiert, Massenaufmärsche inszeniert und so die Forderungen nach realen sozialen Veränderungen durch eine rein ästhetische Befriedigung ersetzt.
- Citation du texte
- Dieter Stubbemann (Auteur), 2005, Aura und Chock. Die Veränderung der Wahrnehmungsweise durch Technologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277860