Die Führungs-Philosophie der Moderation. Grundlagen und Arbeitsweisen


Seminararbeit, 2014

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Moderation
2.1 Definition und Ursprung
2.2 Arbeitsweise der Moderation
2.3 Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten
2.4 Nutzen und Ziele der Moderation
2.5 Die wichtigsten Voraussetzungen für TeilnehmerInnen
2.6 Die wichtigsten Voraussetzungen für den/die ModeratorIn

3 Vorbereitung der zu moderierenden Veranstaltung
3.1 Wer sind meine TeilnehmerInnen?
3.2 Was ist Anlass / Auftrag / Ziel der zu moderierenden Sitzung?
3.3 Welche Gruppengröße ist optimal?
3.4 Wie sind positive Rahmenbedingungen zu schaffen?

4 Die Rolle des Moderators / der Moderatorin
4.1 Aufgaben im Überblick:
4.2 Visualisierung während der Moderation
4.3 Konfliktsituationen bewältigen

5 Moderationszyklus
5.1 Moderationszyklus nach Lippmann & Negri:
5.1.1 Einstieg
5.1.2 Sammeln und orientieren
5.1.3 Themenauswahl
5.1.4 Themenausarbeitung
5.1.5 Ergebnissicherung und Maßnahmenergreifung
5.1.6 Abschluss
5.2 Moderationszyklus nach Schawel & Billing
5.2.1 Einführung
5.2.2 Erarbeitung inhaltlicher Beiträge
5.2.3 Analyse
5.2.4 Abschluss

6 Großgruppenmoderation
6.1 Was ist eine Großgruppenmoderation?
6.2 Nutzen der Großgruppenmoderation
6.3 Ziele der Großgruppenmoderation
6.4 Bedingungen für den Einsatz von Großgruppenverfahren
6.4.1 Partnerschaftliche Organisationsstruktur
6.4.2 Willen zur Beteiligung der MitarbeiterInnen
6.4.3 Risikobereitschaft der Leitung

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

„Wieder eine Stunde meiner (Arbeits)zeit mit viel Gerede, aber ohne Ergebnis vertan.“ – wer hatte nicht schon einmal derartige Gedanken, wenn er/sie aus einer Besprechung mit TeamkollegInnen, dem/der ChefIn oder aber auch UnikollegInnen gekommen ist. Langeweile, Ärger, sich unverstanden fühlen – solche Emotionen können bei Veranstaltungen bzw. Zusammentreffen oftmals aufkommen. Eine Möglichkeit dieser Art von Empfinden entgegenzuwirken bietet die Moderation. Dort wo der Einsatz eines Einzelnen nicht ausreicht um eine Lösung zu erreichen, kann die Arbeit in der Gruppe zu einem positiven Ergebnis führen. Gesteckte Ziele können mit geringem Aufwand unter Nutzung von Ressourcen wie Kreativität, Engagement oder Arbeitszeit erreicht werden.

2 Grundlagen der Moderation

2.1 Definition und Ursprung

Oftmals wird der Ausdruck „Moderation“ mit Fernsehen oder Rundfunk in Verbindung gebracht. Im beruflichen Sinne wird Moderation jedoch als Methode verstanden, mit Hilfe deren Arbeitsprozesse und Arbeitsgespräche gesteuert werden können. Ziel ist es, gemeinsam tragbare Resultate zu erreichen. (Vgl. Hausmann & Stürmer, 1999, S. 1)

Der Begriff Moderation leitet sich vom lateinischen Wort „moderatio“ ab was so viel bedeutet wie „das rechte Maß“ oder auch „Harmonie“. Dem/der ModeratorIn kann die Bedeutung zugesprochen werden „Übereifrige“ zu bremsen und „Langsame“ oder „Vorsichtige“ zu aktivieren, Spannungen entgegenzuwirken bzw. aufzulösen und Harmonie wieder herzustellen. (Vgl. Koch, 1988, S. 13) Mit Hilfe der Moderation kann die Meinungsbildung sowie die Entscheidungsfindung in Gruppen unterstützt werden. Merkmale der Moderation sind die Visualisierung des Verlaufs und der Inhalte der Diskussion, ebenso wie der Wechsel zwischen Plenums-, Kleingruppen- und Einzelarbeit. Der Einsatz des/der ModeratorIn soll auch dazu dienen, den Austausch innerhalb der Gruppe zu fördern und zu strukturieren, ohne dabei jedoch inhaltlich einzugreifen. (Vgl. Graeßner, 2008, S. 15)

Die Moderation als Methode findet ihren Ursprung Anfang der siebziger Jahre. Aufgrund ihrer Eigenschaft sich durch gesammelte Erfahrungen stetig weiterzuentwickeln und zu formen, lässt sich die Moderation nicht einheitlich definieren und es kann auch nicht von einer einheitlich gelehrten Methode gesprochen werden. Eine Gruppe zu moderieren bedeutet diese zu fördern und zu entwickeln ohne jedoch die Entscheidungskompetenz bei dem/der ModeratorIn selbst anzusiedeln. Grundvoraussetzng einer gelungenen Moderation bildet eine „Führungs“-Philosophie, die davon ausgeht, dass in der Gruppe kein Hierarchiedenken herrscht, alle Gruppenmitglieder daher einander gleichgestellt sind.

Arbeitsweise der Moderation

Moderation ist

- systematisch d.h. die Arbeitsschritte folgen logisch aufeinander
- strukturiert d.h. jeder Arbeitsschnitt ist in sich sinnvoll gegliedert
- offen d.h. Manipulation jeder Art ist ausgeschlossen

(Edmüller & Wilhelm, 2002, S. 6)

2.2 Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten

Die Moderation ist vielseitig einsetzbar, es müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen und/oder Rahmenbedingungen gegeben sein, damit Moderation auch tatsächlich als wirkungs- und sinnvolle Methode geeignet ist. Die Branche bzw. Art des Unternehmens spielt jedoch keine Rolle. Moderation kann überall dort angewendet werden, wo innerhalb einer Gruppe durch Kommunikation und Austausch ein Ergebnis erarbeitet werden soll, z.B. bei Workshops, Qualitätszirkeln, Teambesprechungen, Konferenzen, Kundengesprächen, Elternabenden etc.

Moderation wird eingesetzt, wenn es darum geht:

- Aufgaben und Probleme zu definieren, Lösungswege aufzuzeigen und gemeinsam zu erarbeiten
- Schwachstellen zu analysieren
- Ziele zu definieren und transparent darzustellen
- Kreative Ideen zu produzieren
- Aufgaben abzugrenzen

(Vgl. Hausmann & Stürmer, 1999, S. 6-7)

Situationen aus dem Berufsleben, bei denen Moderation eingesetzt werden kann, können unter anderem sein:

- Ein neues Projekt wird einer Gruppe vorgestellt und zur Diskussion gestellt.
- Eine Gruppe von Führungskräften möchte die Jahresziele für das kommende Geschäftsjahr je Unternehmensbereich ausarbeiten.
- Zwischen zwei Abteilungen herrscht eine Konfliktsituation und es soll nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden.

(Vgl. Edmüller & Wilhelm, 2002, S. 10)

2.3 Nutzen und Ziele der Moderation

Den TeilnehmerInnen wird die Möglichkeit der Mitarbeit und der Mitbestimmung geboten. Sowohl Aussagekraft, als auch Detaillierungsgrad der Ergebnisse werden von der Arbeitsgruppe bestimmt, der/die ModeratorIn ist für den Prozess zuständig. Darüber hinaus wird durch Einsatz eines/einer Moderators/Moderatorin die Gefahr ausufernder Diskussionen vermindert, da mit seiner/ihrer Unterstützung der Ablauf von außen steuerbar gemacht wird. Die Einbringung kreativer Ideen und die Entstehung von Gruppenprozessen wird gefördert.

Durch die Visualisierung der Ideen und Prozesse an Pinnwänden oder Flipcharts werden neue Zusammenhänge und Lösungswege transparent. Gemeinsam erarbeitete Lösungen werden mit mehr Motivation der TeilnehmerInnen umgesetzt, da sie in den Entstehungsprozess miteingebunden waren, an der Entscheidungsfindung mitgearbeitet bzw. diese mitgestaltet haben.

Durch den Einsatz professioneller Moderation kann daher mittel- bis langfristig gesehen die Argumentations- und Kommunikationskultur in einem Unternehmen verbessert werden sowie eine Steigerung der Motivation durch Eliminierung langweiliger, unsachlicher Diskussionen erreicht werden. Weiters erlangen rhetorisch weniger geübte Personen durch die Unterstützung des/der Moderators/Moderatorin ebenso das Wort wie geübte Redner und können unter Zuhilfenahme von z.B Interaktionskarten oder Klebepunkten ihre Meinung deutlich zum Ausdruck bringen.

2.4 Die wichtigsten Voraussetzungen für TeilnehmerInnen

Ein gewisses Maß an Bereitschaft zur Beteiligung an einer Moderations-Veranstaltung sollte jede/r TeilnehmerIn mitbringen. Jemand der sich bewusst gegen eine Teilnahme streubt und dadurch unweigerlich abblockt wird vermutlich auch gegen eine sinnvoll geführte Moderation eines/einer noch so geübten Moderators/Moderatorin resistent sein. Sind Führungskräfte gemeinsam mit Angestellten unter den TeilnehmerInnen ist es besonders wichtig, dass sich die Führungskräfte für die Dauer der Moderation mit allen anderen TeilnehmerInnen gleichstellen und das Hierarchiedenken aufgeben.

2.5 Die wichtigsten Voraussetzungen für den/die ModeratorIn

Dem/Der ModeratorIn obliegt die Aufgabe die Veranstaltung zu steuern, ohne jedoch fachlich oder emotional einzugreifen. Daher ist seitens des/der ModeratorIn ein hoßes Maß an Disziplin gefordert. Stellt sich ein Thema als sehr komplex dar oder finden sich innerhalb der Gruppe „schwierige“ TeilnehmerInnen, ist es sinnvoll eine/n ModeratorIn auszuwählen, die/der keinerlei Bezug zur Aufgabenstellung hat. Die Neutralität gegenüber jeder/jedem TeilnehmerIn ist somit Grundvoraussetzung für eine/n ModeratorIn, ebenso wie die Bereitschaft partnerschaftlich zu arbeiten und alle Beteiligten gleichermaßen zu akzeptieren und zu respektieren.

3 Vorbereitung der zu moderierenden Veranstaltung

Wichtig für das Gelingen einer Moderations-Veranstaltung ist eine gute Vorbereitung. Einen Überblick über die notwendigen Aktivitäten/Fragen gibt Abbildung 1.

Der/die ModeratorIn soll sich darüber hinaus über folgendes Gedanken machen:

- Wer sind meine TeilnehmerInnen, meine Zielgruppe? (Adressatenanalyse)
- Worum geht es, was ist der Anlass / Auftrag / das Ziel der zu moderierenden Sitzung?
- Mit welcher Gruppengröße muss gerechnet werden?
- Wie sind positive Rahmenbedingungen zu schaffen (Arbeitsmittel, Räumlichkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten)?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vorbereitung einer Moderation (http://chemie.mnd.thm.de/Goetz/moderat/Mod4.htm,download 15.10. 2013)

3.1 Wer sind meine TeilnehmerInnen?

Wie in vielen anderen Bereichen auch spielt bei der Moderation die Analyse der Zielgruppe eine zentrale Rolle, denn wer weiß mit wem er/sie es zu tun hat, kann

- für die TeilnehmerInnen adäquate Arbeitsschritte und Gruppenarbeits- und/oder Moderationsverfahren auswählen
- hilfreiche Regeln für den Umgang in der Gruppe festlegen
- eine nützliche Einführung in die Gruppensitzung ausarbeiten, offene Fragen bereits im Vorfeld aufnehmen und möglichst sogar beantworten
- die Rahmenbedingungen der Moderations-Veranstaltung planen und organisieren.

(Vgl. Seifert, 2007, S. 38)

Der/die ModeratorIn hat darauf zu achten, aus den gewonnenen Informationen über die TeilnehmerInnen keine Wertungen der einzelnen Gruppenmitglieder abzuleiten, denn dies würde die Neutralität des/der ModeratorIn beeinträchtigen und schlimmstenfalls eine erfolgreiche Moderation verhindern.

3.2 Was ist Anlass / Auftrag / Ziel der zu moderierenden Sitzung?

Wichtig für eine Arbeitssitzung ist ein klar formuliertes und kommuniziertes sowie nachvollziehbares Ziel. Oftmals sind Sitzungen – unabhängig davon, ob geleitet oder moderiert – aus folgenden Gründen zum Scheitern verurteilt:

- es gibt kein klar definiertes Ziel
- es gibt zwar einen Auftrag, ein Ziel, die TeilnehmerInnen werden jedoch nicht oder nicht ausreichend davon in Kenntnis gesetzt
- das Ziel / der Anlass / Auftrag wurde nur ungenau formuliert
- das Ziel / der Anlass / Auftrag wurde unrealistisch formuliert, sodass in einer kurzen Sitzung kein Lösungsweg gefunden werden kann

Während der Vorbereitung einer Moderation gilt es für den/die ModeratorIn das Ziel / den Auftrag / Anlass für die Sitzung, welche moderiert werden soll, in Vorgesprächen mit dem/der Auftraggeber/In oder wenn möglich mit der Gruppe selbst, abzuklären.

Zentrale Fragen dabei sind:

- Was soll die Gruppe am Ende der Moderationsveranstaltung hinsichtlich des Themas der Sitzung erreicht haben?
- Welches Ergebnis soll nach Beendigung der Sitzung von der Gruppe erreicht worden sein?
- Kommt es zu einem für die Gruppe und/oder den/die Auftraggeber/In erfolgreichen Abschluss der Moderationsveranstaltung, welche Art des Ergebnisses wird als Erfolg eingestuft?

Hierbei geht es nicht um eine inhaltliche Vorwegnahme der Moderation sondern um die Art der Ergebnisse, die erreicht werden sollen. Gibt der/die Auftraggeber/In das Ziel der Moderations-Veranstaltung konkret vor, bemüht sich der/die ModeratorIn während der Vorgespräche um eine möglichst klare Zielerreichung. Fragen zum Ziel / Anlass / Auftrag der Moderation können zum Beispiel sein:

- Sind Informationen und Ideen nur zu sammeln oder bereits in einer bestimmten Form zu bearbeiten?
- In welcher Form sind Informationen aufzubereiten oder gilt es bereits Lösungsvorschläge und/oder weitere Vorgehensweisen auszuarbeiten?
- Ist es gewollt bereits Handlungen und/oder Prozesse zu koordinieren und aufeinander abzustimmen?
- Sind Maßnahmen verbindlich zu vereinbaren bzw. sogar schon konkrete Entscheidungen zu treffen?

(Vgl. Seifert, 2007, S. 38)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Führungs-Philosophie der Moderation. Grundlagen und Arbeitsweisen
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Autoren
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V277902
ISBN (eBook)
9783656726395
ISBN (Buch)
9783656741466
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
führungs-philosophie, moderation, grundlagen, arbeitsweisen
Arbeit zitieren
Mag. Verena Heitzinger (Autor)Manuela Radler (Autor)Agnes Schuster (Autor)Doris Sekot (Autor), 2014, Die Führungs-Philosophie der Moderation. Grundlagen und Arbeitsweisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277902

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