In der folgenden Arbeit werden die beiden genannten Lieder vergleichend analysiert. Ein besonderer Fokus liegt bei den personalen Konstituenten und der Figur des Wächters. Die Leitfrage lautet: Welche Rolle spielt der Wächter in den jeweiligen Tageliedern?
Im Gegensatz zu den „normalen“ Minneliedern, in denen die Liebe zwischen zwei Menschen nicht erfüllt wird, wurde im Tagelied die Liebe zwischen zwei Menschen zwar erfüllt, doch muss dies geheim gehalten werden, da die Liebenden in einem Gegensatz zur höfischen Gesellschaft stehen. Ein gemeinsames Leben der „Paare“ beschränkt sich demnach auf Liebesnächte. Tagsüber leben sie ihr normales, ihren Normen entsprechendes, Leben.
Mit der Seminararbeit soll gezeigt werden, was für eine Variationsbreite es innerhalb der Gattung Tagelieder gibt. Zudem kommt hinzu, dass eines der ausgewählten Tagelieder von einem Deutschen, Wolfram von Eschenbach, und eines von einem Schweizer, Jakob von Warte, geschrieben wurde. Ob dies eine Besonderheit für die Analyse der Tagelieder ergeben hat, wird im Fazit erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Tagelied
2.1. Definition
2.2. Die vier Konstituenten
3. Wolfram von Eschenbach
3.1. Tagelieder bei Wolfram
3.2. Inhalt ,Sîne klâwen’
3.3. Analyse der personalen Konstituenten
4. Jakob von Warte
4.1. Inhalt ,Guot rîter’
4.2. Analyse der personalen Konstituenten mit Bezug auf ,Sîne klâwen’
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht und vergleicht die zwei Tagelieder "Sîne klâwen durch die wolken sint geslagen" von Wolfram von Eschenbach und "Guot rîter, merke waz ich sage" von Jakob von Warte mit einem speziellen Fokus auf die personalen Konstituenten und die Rolle des Wächters.
- Vergleichende Analyse von Tageliedern unterschiedlicher Herkunft
- Untersuchung der personalen Konstituenten (Dame, Ritter, Wächter)
- Die Rolle und Funktion des Wächters im Gattungskontext
- Analyse der Figurenkonstellation und der jeweiligen Perspektiven
- Vergleich zwischen einem klassischen und einem untypischen Tagelied
Auszug aus dem Buch
3.3. Analyse der personalen Konstituenten
Schon die Aufteilung der fünf Strophen, wo in zwei Strophen der Wächter spricht sowie in zwei Strophen die Dame und die fünfte Strophe mit erzählendem Charakter zeigt, dass Wolfram von Eschenbach in seinem Lied die drei Figuren „in atypischer Weise behandelt“ (Kühnel, 1993, S.150). Kühnel hebt hervor, dass der Ritter in vier, der insgesamt fünf Strophen, nur aus der Sicht des Wächters und der Dame Erwähnung finde. Kühnel (1993, S.150) merkt an: „Wächter und Dame sehen ihn dabei in sehr unterschiedlicher Weise.“ So sei die Perspektive des Wächters von gesellschaftlichen Normen geprägt. Nach Kühnel, verkörpere er die Werte der höfischen Gesellschaft (1993, S.150). Hierzu lassen sich im Tagelied selbst ansatzweise Andeutungen finden: „dem werden man“ (Strophe I, Vers 7) und „sîn vil manigiu tugent“ (Strophe I, Vers 10). Im Umkehrschluss bedeute dies, dass die Liebe zu der Dame, gegen das gesellschaftliche Normen-System verstoße (Kühnel, 1993, S.150).
Anders sieht die Dame den Ritter. Sie sieht ihn „unter dem Aspekt der Minne“ (Kühnel, 1993. S.151). Darauf weisen, die in dem Text von der Dame verwendeten Bezeichnungen für den Ritter. Denn da nennt sie ihn „geselle“ (Strophe II, Vers 10) und „her nâch minne“ (Strophe IV, Vers 7). Auch die Rollen der Dame und des Wächters, sowie das Verhältnis von Dame und Wächter werden in dem Tagelied nur auf den Ritter hin definiert (Kühnel, 1993, S.151). So nimmt er den zentralen Punkt des Tageliedes ein, ohne dass er selbst auch nur einmal redet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Tageliedvergleichs ein, nennt die Forschungsfrage zur Wächterrolle und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Das Tagelied: Dieses Kapitel definiert die Gattung Tagelied, benennt die zentralen Konstituenten und erläutert die typischen Rollen von Dame, Ritter und Wächter.
3. Wolfram von Eschenbach: Es werden die Tagelieder Wolframs kontextualisiert, der Inhalt des Liedes ‚Sîne klâwen’ dargestellt und die personalen Konstituenten detailliert analysiert.
4. Jakob von Warte: Das Kapitel widmet sich dem Tagelied des Schweizers, klärt dessen Inhalt und führt eine Analyse der personalen Konstituenten im Vergleich zu Wolfram von Eschenbach durch.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Tagelieder zusammen und reflektiert die Ergebnisse zur Figurenkonstellation.
Schlüsselwörter
Tagelied, Wolfram von Eschenbach, Jakob von Warte, Minnesang, Wächter, Konstituenten, Liebesnacht, Abschiedsklage, Mittelhochdeutsch, Figurenkonstellation, höfische Gesellschaft, Minne, Literaturvergleich, personale Konstituenten, Triuwe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Literaturvergleich zweier mittelalterlicher Tagelieder unter besonderer Berücksichtigung der Rollenverteilung der beteiligten Figuren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Genre Tagelied, die Gattungsmerkmale, die Bedeutung des Abschiedsmotivs nach der Liebesnacht und die soziale Funktion der Wächterfigur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche spezifische Rolle der Wächter in den untersuchten Tageliedern einnimmt und wie sich die Figurenkonstellation gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Untersuchung der sogenannten Konstituenten von Tageliedern basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Gattungstheorie und die vier Konstituenten definiert, bevor die Lieder von Wolfram von Eschenbach und Jakob von Warte einzeln inhaltlich und analytisch untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tagelied, Wächter, personale Konstituenten, Minnesang und Literaturvergleich charakterisiert.
Warum wird Wolfram von Eschenbach als besonders für die Tageliedgattung hervorgehoben?
Wolfram von Eschenbach gilt als derjenige, der den Wächter als dritte Person maßgeblich in das Tagelied einführte und somit das Gattungssystem nachhaltig prägte.
Wie unterscheidet sich das Tagelied von Jakob von Warte von dem Wolframs?
Während Wolframs Lied eher untypisch in fünf Strophen aufgebaut ist und eine subjektive Erzählperspektive einnimmt, zeigt sich das Lied von Jakob von Warte als konventioneller in der Struktur mit klassischem Dialogaufbau.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts Christine Konkel (Auteur), 2007, Die Tagelieder Wolfram von Eschenbachs "Sîne klâwen durch die wolken sint geslagen" und Jakob von Wartes "Guot rîter, merke waz ich sage", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277906