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Reform oder Revolution? Das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland

Title: Reform oder Revolution? Das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland

Seminar Paper , 2004 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Heindl (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Summary Excerpt Details

Am 30. Mai 2004 während der Endphase des Wahlkampfes zum Europäischen Parlament
löste eine dpa-Meldung einigen Wirbel in der Öffentlichkeit aus. Danach erwirtschafteten die
im Bundestag vertretenen Parteien mit dem Europa-Wahlkampf eine Rendite von fast 300
Prozent. Laut Meldung wollten die Parteien für den Europa-Wahlkampf zusammen 32
Millionen Euro ausgeben, während die Parteien mindestens 120 Millionen Euro staatliche
Unterstützung erhalten werden. 1 Daraus zeigt sich möglicherweise ein generelles Problem für
das System der staatlichen Parteienfinanzierung. Es stellt sich unter anderem die Frage, ob der
an die Parteien gerichtete Vorwurf der Selbstbedienung im allgemeinen berechtigt ist. Reicht
bei einer möglichen Bejahung der Selbstbedienungsproblematik eine Reform aus oder muß
das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland grundsätzlich überdacht
werden? Die vorliegende Seminararbeit setzt sich mit dem System der staatlichen Parteienfinanzierung
in Deutschland auseinander, diskutiert einige Reformüberlegungen und versucht Antworten
auf die anfangs gestellten Fragen zu finden. Zuerst wird auf die Funktionserfüllung der
Parteien eingegangen und dann erfolgt eine kurze Übersicht der Entwicklung der
Rechtssprechung des BVerfG bezüglich der staatlichen Parteienfinanzierung. Anschließend
erfolgt eine ausführliche Darstellung des Systems der Parteienfinanzierung, insbesondere der
staatlichen. Im 6. und 7. Abschnitt wird ausgehend von wesentlichen Schwachpunkten des
Systems der staatlichen Parteienfinanzierung über verschiede Refomüberlegungen diskutiert,
die das System ersetzen bzw. verbessern könnten. 1 o.V.: Parteifinanzen, in http://www.welt.de/z/newsticker/ticker, 30.05.2004.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionserfüllung der Parteien

3. Entwicklung der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts

4. Das aktuelle System der Parteienfinanzierung

5. Das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland

5.1. Anspruchsvoraussetzungen, Anspruchsumfang und Obergrenzen

5.2. Festsetzung und Verteilung der staatlichen Mittel

5.3. Indirekte und mittelbare staatliche Parteienfinanzierung

6. „Bürgerbonus“ und „Finanzstimme“: Alternative Modelle der staatlichen Parteienfinanzierung

7. Reformüberlegungen innerhalb des jetzigen Systems

7.1. Unabhängige Festsetzung der staatlichen Mittel

7.2. Konzept zur Stärkung der Unabhängigkeit von staatlichen Mitteln

7.3. Verbesserung der zusätzlichen Anreizwirkung

8. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland, beleuchtet die Kritik am Vorwurf der "Selbstbedienung" durch die etablierten Parteien und diskutiert Reformansätze zur Steigerung der Bürgernähe und Unabhängigkeit. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob das bestehende System einer grundlegenden Revolution bedarf oder ob interne Reformen ausreichen, um die Funktionsfähigkeit und Legitimität der Parteien zu sichern.

  • Analyse der Funktionserfüllung von Parteien gemäß Grundgesetz und Parteiengesetz.
  • Aufarbeitung der historischen Entwicklung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.
  • Detaillierte Darstellung der aktuellen Strukturen direkter und indirekter staatlicher Finanzierung.
  • Diskussion alternativer Modelle wie "Bürgerbonus" und "Finanzstimme" zur Stärkung der Politikfinanzierung von unten.
  • Evaluierung von Reformvorschlägen für eine unabhängige Festsetzung staatlicher Mittel.

Auszug aus dem Buch

7.2. Konzept zur Stärkung der Unabhängigkeit von staatlichen Mitteln

Die Parteien sind in erster Linie für ihre Finanzierung selbst zuständig. Die Eigenfinanzierung findet zum größten Teil über die Einnahme von Mitgliedsbeiträgen und Spenden statt. Insbesondere die Einnahme der Parteien von Beiträgen zeichnet das Engagement der Mitglieder aus. Bei fast allen Parteien sind die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen eine der wichtigsten Finanzquellen. Wie bereits beschrieben worden ist, sind die durchschnittlichen Beiträge der Parteimitglieder von den parteiinternen Richtlinien weit entfernt. Wo liegen die Gründe dafür und was kann man für die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge tun? Die Gründe werden im Detail nicht zu klassifizieren sein, da die einzelnen Ursachen einerseits im Detail nicht bekannt sind und andererseits durch Nachforschungen zu hohe Opportunitätskosten entstehen würden.

Oft ist es der Fall, dass man mit Zahlungsaufforderungen sehr zurückhaltend ist, da man dadurch das Risiko in Kauf nimmt, ein Mitglied, auch wenn es sich um eine sogenannte „Karteileiche“ handelt, zu verlieren. Der finanzielle Schaden wäre in vielen Fällen gering, allerdings ist die Anzahl der Mitglieder aus machtpolitischen Gründen für Parteieliten auf einer Organisationsebene, wie z.B. bei der Berechnung von Delegiertenstimmen nicht unerheblich.

In allen Parteien gibt es in den jeweiligen Satzungen festgeschriebene Beitragstabellen, anhand dieser Tabellen sollen die Mitglieder ihren Beitrag je nach Leistungsfähigkeit selbst einschätzen. Das Problem dabei ist, dass diese Eingruppierung eben freiwillig erfolgt und von der Selbstauskunft über das Einkommen abhängig ist. Hier geht es einerseits um die Beitragsehrlichkeit der Mitglieder, aber auch insbesondere um die Handhabung des Problems durch die Schatzmeister der Parteien.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Problematisierung der Parteienfinanzierung vor dem Hintergrund öffentlicher Kritik und der Frage nach der "Selbstbedienungsmentalität".

2. Funktionserfüllung der Parteien: Untersuchung des verfassungsrechtlichen Auftrags der Parteien und der Frage, ob sich daraus ein zwingender Anspruch auf staatliche Unterstützung ableiten lässt.

3. Entwicklung der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts: Historischer Rückblick auf die maßgeblichen Urteile, die zur Einführung und sukzessiven Erhöhung der staatlichen Parteienfinanzierung führten.

4. Das aktuelle System der Parteienfinanzierung: Analyse der Dreiteilung der Einnahmequellen, bestehend aus organisationsinternen Quellen, Spenden sowie staatlichen Zuwendungen.

5. Das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland: Detaillierte Erläuterung der gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen, der Berechnungsmechanismen und der indirekten Finanzierungsformen wie Fraktionszuschüsse.

6. „Bürgerbonus“ und „Finanzstimme“: Alternative Modelle der staatlichen Parteienfinanzierung: Vorstellung radikalerer Konzepte, die die direkte Bürgerbeteiligung bei der Mittelverteilung stärken sollen.

7. Reformüberlegungen innerhalb des jetzigen Systems: Diskussion konkreter Vorschläge zur Professionalisierung der Mittelfestsetzung und zur Erhöhung der Eigenfinanzierungsanreize.

8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Reformoptionen und Plädoyer für einen konstruktiven Prozess zur Steigerung der Transparenz und Bürgernähe.

Schlüsselwörter

Parteienfinanzierung, Parteien, Bundesverfassungsgericht, Selbstbedienung, Reform, Bürgerbonus, Finanzstimme, Mitgliedsbeiträge, Wahlkampfkosten, staatliche Zuschüsse, Politikverdrossenheit, Transparenz, Parteigesetz, Eigenfinanzierung, Chancengleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland und geht der Frage nach, ob der Vorwurf der Selbstbedienung durch die Parteien gerechtfertigt ist und wie das System reformiert werden kann.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die verfassungsrechtliche Rolle der Parteien, die Historie der Finanzierungsurteile, die aktuelle Ausgestaltung des Parteiengesetzes sowie alternative Finanzierungsmodelle.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Reformvorschläge zu erarbeiten, die sowohl innerhalb des aktuellen Systems als auch durch alternative Modelle die Chancengleichheit erhöhen und das Vertrauen der Bürger in die Parteien stärken.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, die rechtliche Rahmenbedingungen mit finanzwirtschaftlichen Daten der Parteien verknüpft und Reformkonzepte im Hinblick auf ihre demokratischen Auswirkungen evaluiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der aktuellen Finanzierungsstruktur, die Untersuchung der staatlichen Mittelverteilung, die Diskussion revolutionärer Konzepte wie des "Bürgerbonus" sowie konkrete Verbesserungsvorschläge für das bestehende System.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Parteienfinanzierung, Selbstbedienungsmentalität, Parteigesetz, staatliche Teilfinanzierung und Reformmodelle.

Wie bewertet der Autor das Konzept des "Bürgerbonus"?

Der Autor sieht im Bürgerbonus ein interessantes Instrument zur Förderung der "Politikfinanzierung von unten", gibt aber zu bedenken, dass die Volatilität der Mittelzuflüsse die Haushaltsplanung der Parteien erschweren und populistische Tendenzen fördern könnte.

Welche Rolle spielt die Unabhängigkeit der Parteien?

Die Unabhängigkeit von Großspendern ist ein wesentliches Argument für die staatliche Finanzierung; der Autor argumentiert jedoch, dass die aktuelle Ausgestaltung zu einer gefährlichen Abhängigkeit vom Staat und einer Entfremdung vom Bürger führen kann.

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Details

Title
Reform oder Revolution? Das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland
College
University of Bamberg  (Professur für Politikwissenschaft, insbes. Politische Systeme)
Course
Die Parteiensysteme Westeuropas
Grade
1,0
Author
Martin Heindl (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V27797
ISBN (eBook)
9783638297462
Language
German
Tags
Reform Revolution System Parteienfinanzierung Deutschland Parteiensysteme Westeuropas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Heindl (Author), 2004, Reform oder Revolution? Das System der staatlichen Parteienfinanzierung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27797
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