In den Medien wird oft vom Personalmangel in der Pflege berichtet. Dabei ist diese Tatsache eine Entwicklung, die schon seit vielen Jahren andauert und jetzt innerhalb kürzester Zeit von der Politik behoben werden will. Eine schnelle Behebung dieses Problems ist allerdings fraglich. Wenn Sie in ein Krankenhaus gehen und die Pflegekräfte bei der Arbeit beobachten, sehen sie die Fakten: Das Pflegepersonal ist immer höher werdenden Belastungen ausgesetzt.
Diese wissenschaftliche Ausarbeitung zielt darauf ab, mögliche Folgen aufzuzeigen, die durch den Personalabbau im Pflegedienst der deutschen Krankenhäuser entstehen. Dabei werden die Säulen Qualität, Kosten und die Profession näher beleuchtet. Im ersten Kapitel soll dieses Thema anhand einer Analyse eine Berechtigung erlangen. Dabei soll zunächst der aktuelle Stand des Pflegepersonals sowie dessen Entwicklung in den letzten Jahren näher untersucht werden. Um die Komplexität dieser Problematik zu verstehen, wird anschließend dieser Prozess im Kontext der Bedingungen in den Krankenhäusern wie auch die demografische Entwicklung näher erläutert. Das zweite Kapitel handelt von den Auswirkungen auf die pflegerische Qualität. Dazu wird zuerst der Begriff Qualität und dessen Eingliederung in die Pflege betrachtet. Im Anschluss sollen pflegerische Qualitätsverluste anhand der internationalen RN4CAST-Studie erläutert werden. Das dritte Kapitel behandelt die durch die Personalreduzierung entstehenden Kosten. Dabei wird am vorigen Kapitel angeschlossen, sodass am Beispiel MRSA die Folgekosten durch qualitative Mängel verdeutlicht werden. Hinterher sollen exemplarisch die finanziellen Aufwendungen erhellt werden, die durch berufsbedingte Erkrankungen infolge einer chronischen Überlastung seitens der Pflegekräfte entstehen können. Der letzte Abschnitt des Kapitels widmet sich den Unkosten, welche durch einen möglichen Imageschaden des Krankenhauses entstehen können, wenn zu wenig Personal vorhanden ist. Das letzte Kapitel handelt von den Auswirkungen auf die Berufsgruppe Gesundheits- und Krankenpfleger/-in . Dabei wird anhand einer Studie zunächst der entstehende Imageschaden aufgezeigt. Darauf folgt eine Fokussierung auf die erhöhten Arbeitsbelastungen und auf den daraus resultierenden Berufsausstieg von Pflegekräften. Abschließend werden dann die vier Kapitel zusammengefasst, um die wichtigsten Erkenntnisse nochmal auf den Punkt zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Eine Analyse der vorherrschenden Bedingungen
1.1 Entwicklung und aktueller Stand des Pflegepersonals
1.2 Die Entwicklung in den Krankenhäusern
1.3 Die demographische Entwicklung in Deutschland
2. Qualitätsverluste in der Pflege
2.1 Der Begriff Qualität im Kontext des Gesundheitssystems
2.2 Auftretende Qualitätsverluste
3. Entstehende Kosten
3.1 Folgeerkrankungen von Patienten am Beispiel MRSA
3.2 Kosten von berufsbedingten Erkrankungen am Beispiel Burnout
3.3 Kosten durch unternehmerischen Imageschaden
4. Die Auswirkungen auf die Krankenpflege
4.1 Imageschaden der Pflege
4.2 Erhöhte Arbeitsbelastung und mehr Berufsaussteiger
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen und qualitativen Folgen des Pflegepersonalabbaus in deutschen Krankenhäusern. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich ein verringerter Personalschlüssel auf die Versorgungsqualität, das Image des Pflegeberufs und die finanzielle Situation der Kliniken auswirkt, um zu klären, ob der Rationalisierungsdruck tatsächlich zu den angestrebten Kosteneinsparungen führt.
- Zusammenhang zwischen Personalausstattung und Pflegequalität
- Finanzielle Folgen durch nosokomiale Infektionen und Hygienemängel
- Kosten berufsbedingter Erkrankungen (Burnout) in der Pflege
- Imageschaden des Pflegeberufs und Folgen für den Nachwuchs
- Auswirkungen der Arbeitsverdichtung auf das Personal
Auszug aus dem Buch
3.1 Folgeerkrankungen von Patienten am Beispiel MRSA
Die Studie RN4CAST gibt Hinweise darauf, dass ein Personalmangel auch im Zusammenhang mit Hygienemängeln und daraus resultierend mit Folgeerkrankungen der Patienten/Patientinnen steht. Auch Habermann und Cramer (2010) kommen in ihrer Prävalenzstudie zu dem Ergebnis, dass, nach Meinung des befragten Pflegepersonals, zu wenig Personal eine der größten Ursachen für Pflegefehler ist. Darüber hinaus gaben die befragten Pflegekräfte am vierthäufigsten an, bei sich selbst Hygienefehler beobachtet zu haben. Für den Begriff Pflegefehler gibt es, je nach Fokus, viele Definitionen. Conzen et al. (2009) legen bspw. ihren Schwerpunkt dabei auf den aktuellen und fachübergreifenden Wissensstand: „Ein Pflegefehler liegt vor, wenn die pflegerische Maßnahme nicht dem Stand des aktuellen Wissens und der aktuellen Erkenntnis bzw. der Pflegewissenschaft sowie dem Stand der medizinischen Wissenschaft entspricht.“
Um einen Einblick in die möglichen finanziellen Folgen von Pflegefehlern zu geben, sollen in diesem Kapitel exemplarisch die nosokomialen Infektionen MRSA und MSSA auf ihre Kosten untersucht werden. Unter Nosokomialinfektionen versteht man:
„Infektionen mit lokalen oder systemischen Infektionszeichen als Reaktion auf das Vorhandensein von Erregern oder deren Toxine, die in zeitlichen Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulanten medizinischen Maßnahme stehen, soweit die Infektionen nicht bereits vorher bestanden“ (Pschyrembelredaktion, 2001).
MRSA ist die Abkürzung für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, welcher infolge eines Penicillin-bindenden Proteins resistent gegenüber bestimmte Antibiotika ist. Man spricht hier auch von einer Oxacillinresistenz. Zumeist ist bei den betroffenen Patienten/Patientinnen und dem Personal die Nasenschleimhaut besiedelt (Pschyrembelredaktion, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine Analyse der vorherrschenden Bedingungen: Dieses Kapitel untersucht die Entwicklung des Pflegepersonals in den letzten Jahren und ordnet den Personalabbau in den Kontext der Krankenhausfinanzierung und des demografischen Wandels ein.
2. Qualitätsverluste in der Pflege: Hier wird der Qualitätsbegriff definiert und anhand der RN4CAST-Studie aufgezeigt, wie Personalmangel zu messbaren Einbußen in der pflegerischen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität führt.
3. Entstehende Kosten: Dieses Kapitel analysiert die finanziellen Folgen des Personalabbaus, insbesondere durch nosokomiale Infektionen, Burnout-Erkrankungen des Personals und einen drohenden Imageschaden für die Kliniken.
4. Die Auswirkungen auf die Krankenpflege: Der letzte Teil befasst sich mit der Attraktivität des Pflegeberufs für den Nachwuchs und analysiert die erhöhte Arbeitsbelastung sowie die steigende Tendenz zum Berufsausstieg unter den Beschäftigten.
Schlüsselwörter
Pflegepersonalabbau, Krankenhaus, Versorgungsqualität, Pflegefehler, MRSA, Burnout, Image, Arbeitsbelastung, Berufsausstieg, Ökonomisierung, Strukturqualität, demografischer Wandel, Personalmangel, nosokomiale Infektionen, Gesundheitsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des zunehmenden Personalabbaus im pflegerischen Dienst deutscher Krankenhäuser auf die Qualität der Patientenversorgung, die Kostenstruktur der Kliniken und die psychische Belastung des Pflegepersonals.
Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf drei Säulen: die Qualität der Pflege, die finanziellen Folgen für das Krankenhaus (direkte und indirekte Kosten) und die Auswirkungen auf die Profession Pflege selbst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, die negativen Folgen des Personalabbaus aufzuzeigen und zu hinterfragen, ob die durch den Abbau angestrebte Wirtschaftlichkeit tatsächlich zu Kosteneinsparungen führt oder durch Folgekosten, wie etwa Hygienemängel oder Personalfluktuation, konterkariert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturbasierte Recherche, bei der Fachliteratur, nationale und internationale Internetquellen sowie wissenschaftliche Datenbanken wie Medline ausgewertet werden, um die Thematik empirisch zu fundieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Rahmenbedingungen, eine Untersuchung von Qualitätsverlusten anhand der RN4CAST-Studie, eine Kosten-Nutzen-Betrachtung von Folgeerkrankungen sowie eine Untersuchung des Images und der Arbeitsbelastung des Pflegeberufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Pflegepersonalabbau, Krankenhaus, Versorgungsqualität, Ökonomisierung, Burnout, nosokomiale Infektionen und Arbeitsbelastung.
Wie beeinflusst das DRG-Fallpauschalensystem laut der Arbeit den Stellenabbau?
Das G-DRG-System erzeugt laut der Arbeit einen enormen wirtschaftlichen Druck auf die Kliniken, der zur Verkürzung der Patientenverweildauer und zur internen Umverteilung von Finanzmitteln führt, was den Abbau von Pflegepersonal seit 2004 teilweise erklärt.
Welche Rolle spielt der Imageschaden im Kontext des Personalabbaus?
Ein Imageschaden, beispielsweise durch Keimausbrüche, kann bei Kliniken zu signifikanten Rückgängen der Patientenzahlen und somit zu hohen finanziellen Verlusten führen, wodurch der vermeintlich eingesparte Betrag durch den Personalabbau schnell wieder verloren geht.
Was ist der sogenannte "Backfire-Effekt" in der Pflege?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass die Rationalisierung durch Personalabbau in der Pflege am Ende höhere Kosten verursacht, als sie einspart, da Komplikationen und Folgebelastungen das ökonomische Defizit weiter vergrößern.
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- Timm-Oliver Lübben (Author), 2014, Der Abbau von Pflegepersonal in den Krankenhäusern und die möglichen Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278002