Eine Analyse im Kontext dependenztheoretischer Überlegungen und Annahmen von Konfliktpotentialen in Abhängigkeit mit innerstaatlichen Policy-Strategien und interkontinentaler Zusammenarbeit im Sektor der Entwicklung von nachhaltigen Energiequellen am Fallbeispiel Marokko.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Annäherung an das Thema und Vorgehensweise
2. Dependenztheoretische Überlegungen
2.1. Klassiker der Dependenztheorie: Prebisch, Frank und Wallerstein
2.2. Transnationale Ebene: Zentrum-Peripherie-Modell
2.3. Innerstaatliche Ebene: Die Rolle der nationalen Eliten
2.4. Zwischenfazit
3. Green Grabbing, DESERTEC und die Konfliktpotentiale
3.1. Green Morocco Plan: Paradigmenwechsel in Marokko?
3.2. Der DESERTEC-Plan im Schatten des Klimawandels
3.3. Ableitbare Konfliktpotentiale für Marokko und die MENA-Region
3.3.1. Umweltaspekte: Wasserprobleme und der Preis der Energieversorgung
3.3.2. Rechtliche Aspekte: Das Marokkanische Landrecht
3.3.3. Soziale Aspekte: Die Interessen der Landbevölkerung
4. Schlussfolgerungen, Anknüpfpunkte und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Wachstum und mangelnder gesellschaftlicher Entwicklung in Marokko, mit einem spezifischen Fokus auf Wüstenstromprojekte wie DESERTEC und das Phänomen des "Green Grabbing". Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich dieser Dualismus aus Modernisierung und ungelösten sozialen sowie politischen Konflikten innerhalb eines dependenztheoretischen Rahmens erklären lässt.
- Dependenztheoretische Analyse von Nord-Süd-Beziehungen
- Konfliktpotenziale durch großflächige Energieprojekte
- Die Rolle der nationalen Eliten bei wirtschaftlichen Transformationsprozessen
- Sozioökonomische Folgen des Green Grabbing in der MENA-Region
- Einfluss von Klima- und Umweltpolitik auf die Landbevölkerung
Auszug aus dem Buch
3.2. Der DESERTEC-Plan im Schatten des Klimawandels
Ein großer Fortschritt im Rahmen des Green Morocco Planes wurde vor allem hinsichtlich der Wasserversorgung gemacht. Interessant sind dabei die Regionen in die investiert wurde. Neben der besseren Versorgung an der Mündung des Loukos, wurde in die Regionen Tadla, Doukkala und Moulouya investiert, jenen Gebieten, die ausländische Investoren als Standorte für Solarkraftwerke ausgewählt haben. Ausländische Investoren, so das Versprechen, bringen Wohlstand in die ländlichen Regionen, obwohl die Sahara und damit weite Teile Marokkos ein lebensfeindlicher Raum sind. Vor allem in Marokko schließt dies aber das Leben in diesen Regionen in keinster Weise aus. Zahlreiche Nomadenstämme haben sich bereits seit Jahrhunderten mit den widrigen Bedingungen angepasst. Diese Strukturen sollen nun aufgebrochen werden, wobei die Investitionen in die Wasserversorgung nur ein erster Schritt für ein regionales Großprojekt ausländischer Investoren namens DESERTEC ist.
Nach Angaben der Dii seien Europa und die MENA-Region auf natürliche Art und Weise verbunden und beide Regionen würden durch das Projekt bezahlbare Energie herstellen, neue Industrien erschließen und die Kosten von CO2-Emissionen senken.
Das DESERTEC-Projekt entstand aus einem Zusammenschluss von Unternehmen der Privatwirtschaft im Oktober 2009 in Deutschland. Zu den 20 Shareholdern gehören neben großen Energiekonzernen auch Banken sowie Versicherungsunternehmen. Darunter auch die Deutsche Bank als Kapitalgeber, deren Sinn für Nachhaltigkeit bisher deutliche Grenzen aufweist. Sinn des Projektes soll die Schaffung tausender Arbeitsplätze und die Verringerung von Emission von Treibhausgasen sein. Dem DESERTEC-Projekt gingen Bemühungen der französischen Regierung voraus, die mit einem ähnlichen Konzept namens ‘plan solaire méditerranéen‘ (MSP), mit Investitionen in Nordafrika bis 2020 nahezu 20 Gigawatt durch Wind- und vor allem Solarkraft abschöpfen wollten. Nur ein Jahr später konterte die deutsche Seite rundum die DESERTEC-Initiative bis 2050 mehrere hunderte Gigawatt produzieren lassen zu wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Annäherung an das Thema und Vorgehensweise: Diese Einleitung führt in die Thematik des Landraubs und der sozioökonomischen Gegensätze in Marokko ein und formuliert die Forschungsfrage zur Analyse von Wüstenstromprojekten.
2. Dependenztheoretische Überlegungen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Abhängigkeit zwischen Zentrum und Peripherie und beleuchtet die Rolle von Eliten bei der Aufrechterhaltung globaler Ungleichheiten.
3. Green Grabbing, DESERTEC und die Konfliktpotentiale: Hier erfolgt die empirische Anwendung der Theorie auf den Green Morocco Plan und das Projekt DESERTEC, wobei Umwelt-, Rechts- und soziale Aspekte kritisch hinterfragt werden.
4. Schlussfolgerungen, Anknüpfpunkte und Ausblick: Das Fazit fasst die Kritik an der neokolonialen Ausrichtung der Energieprojekte zusammen und fordert ein gesellschaftliches Umdenken für eine nachhaltige Nord-Süd-Kooperation.
Schlüsselwörter
Marokko, Dependenztheorie, Green Grabbing, DESERTEC, Landraub, Nord-Süd-Beziehungen, Erneuerbare Energien, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Weltwirtschaftssystem, Zentrum-Peripherie-Modell, Politische Ökonomie, Ressourcenkonflikte, MENA-Region.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch Wüstenstromprojekte in Marokko, insbesondere das DESERTEC-Projekt, und hinterfragt diese vor dem Hintergrund dependenztheoretischer Überlegungen hinsichtlich ihrer entwicklungspolitischen Nachhaltigkeit und potenzieller Konfliktrisiken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Analyse des globalen Kapitalismus, die Auswirkungen großflächiger Energieinvestitionen ("Green Grabbing") auf die lokale Bevölkerung sowie die Rolle nationaler Eliten bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Reformen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Dualismus zwischen wirtschaftlichem Wachstum und mangelnder gesellschaftlicher Modernisierung am Beispiel Marokkos zu erklären und zu prüfen, ob die Dependenztheorie hierfür weiterhin Erklärungspotenzial bietet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen dependenztheoretischen Rahmen und eine induktive Logik, um anhand spezifischer Fallbeispiele (Green Morocco Plan, DESERTEC) die Auswirkungen von Projekten zu beurteilen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung über das Zentrum-Peripherie-Modell und eine empirische Analyse der sozialen, ökologischen und rechtlichen Auswirkungen von Solarenergieprojekten in Marokko.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Marokko, Dependenztheorie, Green Grabbing, DESERTEC, Landraub, Nord-Süd-Beziehungen sowie das Zentrum-Peripherie-Modell.
Warum wird im Kontext der Projekte von "Green Grabbing" gesprochen?
Der Begriff beschreibt Prozesse, bei denen Land für vermeintlich umweltfreundliche Zwecke, wie Solarkraftwerke, angeeignet wird, was jedoch häufig zulasten der lokalen Landbevölkerung und deren traditioneller Nutzungsrechte geht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zu DESERTEC?
Die Arbeit schlussfolgert, dass DESERTEC primär europäische Interessen an einer diversifizierten Energieversorgung bedient, dabei aber das Risiko neokolonialer Ausbeutung birgt und bestehende Nord-Süd-Ungleichheiten eher zementiert als abbaut.
- Arbeit zitieren
- F. Zabel (Autor:in), 2014, Wüstenstromprojekte in Nordafrika mit ungewisser Zukunft. Grüner Fortschritt oder Green Grabbing?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278006