Emotionen in Lehr- und Lernumgebungen am Beispiel aggressiver Erregungen


Hausarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Emotionen - eine Definition

3 Aggressive Erregungen

4 Emotionale Kompetenz

5 Emotionen in der Schule
5.1 Allgemein
5.2 Emotionen auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer
5.3 Emotionen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler

6 Konsequenzen

7 Fazit

1 Einführung

„ To be human is to be emotional. “

Freude, Trauer, Angst, Wut, Hass, Neid, Liebe… Das Repertoire der menschlichen Emotionen ist unerschöpflich. Emotionen begegnen den Menschen überall und prägen das alltägliche Zusammenleben, denn, wie das einleitende Zitat bereits ausdrückt, geht Menschsein mit Emotionalität einher. Selten hinterfragt man die verschiedensten Emotionen und ihre Auswirkungen allerdings genauer.

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit Emotionen in Lehr- und Lernumgebungen, um aufzuzeigen, wie relevant sie vor allem in gesellschaftlichen Institutionen - wie der Schule - sind. Ausgehend von einer allgemeinen Definition werden im Speziellen aggressive Erregungen beleuchtet. Daran an schließt die Fähigkeit der emotionalen Kompetenz, die die Überleitung zu den eigentlichen Emotionen in der Schule (allgemein, auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer und auf Seiten der Schülerinnen und Schüler) bildet. Als Konsequenzen werden beispielhafte Möglichkeiten der Schüler- und Lehrerschaft aufgezeigt, an einem produktiven Umgang mit Emotionen zu arbeiten, bevor diese Arbeit mit dem Fazit schließt.

2 Emotionen - eine Definition

Der lateinische Begriff „Emotionen“ (Zusammensetzung aus lat. „ex“ = „heraus“ und „motio“ = „Bewegung, Erregung“) bezeichnet evaluierende Reaktionen eines Organismus, die es ihm physiologisch ermöglichen, auf bestimmte, wahrgenommene oder interpretierte Situationen, schnell und intuitiv zu reagieren. Grundsätzlich hat das Emotionssystem durch emotionale Motivation die Aufgabe, den Menschen zum Handeln anzuregen (vgl. Möller, 1996).

In unserem alltäglichen Leben spielen die verschiedensten Emotionen eine entscheidende Rolle. Sie tragen einen wichtigen Teil zum Überleben des Individuums und zum Menschsein an sich bei. In den unterschiedlichsten Situationen entstehe entsprechende Emotionen, zum Beispiel in Konfliktsituationen Ärger oder in Erfolgssituationen Freude. Diese Emotionen drückt der Mensch aus, um sich auf der einen Seite selbst zu entlasten und andererseits den Interaktionspartner über die eigene, innere Gefühlslage zu informieren. Wenn solche Emotionen entweder unterdrückt oder falsch ausgedrückt werden, kann dies gravierende Folgen haben (vgl. Rost, 2005).

3 Aggressive Erregungen

Eine spezielle Form von Emotionen stellen aggressive Erregungen dar. Assoziiert man heutzutage etwas mit den Begriffen Aggression und Gewalt, so wird man häufig dazu verleitet, sie in erster Linie als körperliche Verletzungen zu definieren. Allerdings ergibt sich durch nähere Auseinandersetzungen mit diesen Themen eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, mit deren Hilfe ein Mensch seinen Mitmenschen bzw. seinem Gegenüber Schaden zufügen kann. Diese breitgefächerte Verwundbarkeit ist darauf zurückzuführen, dass jeder von uns sich individuell mit unterschiedlichen Ideen, Wertvorstellungen, Regeln etc. identifiziert. Ein Angriff auf diese Bereiche kann als allumfassender Angriff auf unsere Person aufgefasst werden und aggressive Erregungen auslösen (vgl. Dollase, 2010).

Beschäftigt man sich wissenschaftlich mit der Frage, wie solche aggressiven Erregungen im Menschen entstehen, so stößt man immer wieder auf das sogenannte „Drei-Stufen-Modell“ (vgl. ebd.). Dieses setzt sich wie folgt zusammen:

Stufe 1: Anregung

Auf der ersten Stufe des Modells dient eine bestimmte Aktion - zum Beispiel eine Frustration oder ein Ereignis - als Auslöser / Anreger der aggressiven Emotion.

Stufe 2: Bewertung

Diese Aktion wird in einem zweiten Schritt vom Individuum negativ - statt neutral oder sogar positiv - bewertet.

Stufe 3: Reaktion

Aus der negativen Bewertung resultiert eine bestimmte Verhaltensweise, die von einer verbalen Unmutsäußerung über eine Intrige, bis hin zu einer körperlichen Verletzung führen kann.

Allerdings muss nicht zwangsläufig jede aggressive Emotion nach außen gelangen und nicht auf jede aggressive Emotion folgt eine Reaktion körperlicher oder verbaler Gewalt. Können die eigenen Emotionen kompetent gehändelt werden, beherrscht das Individuum sie und verfügt demzufolge über emotionale Kompetenz, mit der sich der folgende Abschnitt näher beschäftigen wird (vgl. ebd.).

4 Emotionale Kompetenz

Auch „ Nachdenken geht nicht ohne Gefühle “ , so der Bielefelder Pädagoge Heinz Schirp (2003):

„ Häufig sind unsere emotiven Zugänge sogar schneller, als unsere kognitiven. Es gibt nicht nur emotionale Intelligenz, es gibt auch intelligente Emotionen. Wir entscheiden uns und handeln oft nach Gefühl. “

Der erfolgreiche Umgang mit Emotionen wird als „emotionale Kompetenz“ bezeichnet. Unter emotionaler Kompetenz versteht man die Fähigkeit, eigene Gefühlslagen und Stimmungen differenziert zu begreifen und sie nicht mit anderen Gefühlslagen oder Stimmungen zu verwechseln. Ein emotional kompetenter Mensch ist sich also demzufolge in einer bestimmten Situation im Klaren darüber, dass er beispielsweise gerade wütend und nicht traurig ist. Belastende Emotionen können von ihm nachvollzogen, erklärt und flexibel gehandhabt werden. Emotional kompetente Personen lassen sich selten komplett von ihren Gefühlen überwältigen, sondern haben meist die Oberhand über sie. Auch Emotionen, die Mitmenschen zeigen, können verstanden, geteilt und in Gesprächen thematisiert werden. Im besten Falle gelingt es, Emotionen in nützliche Handlungen umzusetzen, um so von ihnen zu profitieren. Emotionale Kompetenz kann demzufolge als Grundvoraussetzung und Entwicklungsziel für alle, die an Erziehungs- und Bildungsprozessen beteiligt sind, verstanden werden ( vgl. Merker, 2009 ).

5 Emotionen in der Schule

5.1 Allgemein

Soeben benannte Erziehungs- und Bildungsprozesse vollziehen sich im Kindesalter unter anderem in der Institution Schule. In Gruppen wie Schulklassen werden moralische Normen und prosoziale Verhaltensweisen durch erwachsene Bezugspersonen - Lehrerinnen und Lehrer - an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden, um sie emotional zu schulen. Ohne pädagogisches Engagement scheint es kaum möglich zu sein, wichtige Verhaltensweisen zu erlernen (vgl. Dollase, 2010).

Gerade die kollektive Unterweisung bzw. Betreuung und Erziehung der Kinder in Schulklassen schafft Bedingungen, die aggressive Erregungen und Gewalt in hohem Maße produzieren, da eine Gruppe - sei es beispielsweise in Form einer Schulklasse - stets Entwicklungs-, Aggressions- und Gewaltrisiken verkörpert und Konflikte provoziert. Der Bielefelder Psychologe Rainer Dollase (ebd.) fasst zusammen: „ Unsere Gesellschaft, unsere Schulen erzeugen zwangsläufig aggressive Erregungen und schädigendes Verhalten. Schulen, Lehrer, Eltern und Schüler können nicht ‘ aus ihrer Haut ‘ . “

5.2 Emotionen auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer

Psychologen und Pädagogen glauben schon seit vielen Jahren zu wissen, dass Lernen nur unter bestimmten Bedingungen dauerhaft erfolgreich sein kann. Aus diesem Grund müssen speziell Lehrpersonen kompetent mit ihren eigenen, aber auch mit fremden Emotionen umgehen und diese nach innen und nach außen kontrollieren und dosieren können ( vgl. Möller, 1996).

Der Umgang, die Kontrolle und die Dosierung der Emotionen erfordert von den Lehrerinnen und Lehrern neben emotionaler oft auch eine Art schauspielerische Kompetenz. Zunächst nehmen die Lehrkräfte ihre eigenen Gefühle wahr und schätzen sie ein, bevor sie diese anschließend an bestimmte „Regeln“ oder „Normen“ angleichen. Beispielsweise stellen sie sich die Fragen „Was darf ein kompetenter Lehrer in einer bestimmten Situation fühlen? Was nicht?“ (feeling rules) oder „Wie kann er diese Gefühle ausdrücken? Wie in keinem Fall?“ (display rules). Ein einfühlsames und verständnisvolles Verhalten den Schülern gegenüber ist elementar wichtig - sei es beispielsweise in Bezug auf von ihnen gemachte Fehler - denn das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der Lehrperson spielen eine sehr entscheidende Rolle während des Unterrichtsgeschehens. Das menschliche Gehirn erfasst innerhalb von nur einer Sekunde, ob und vor allem wie es etwas registriert. Dieser Prozess wird unter anderem durch Blickkontakt, Sprache oder Mimik und Gestik der betreffenden Person beeinflusst. Führt der Lehrer den Unterricht also auf eine Art und Weise, die den Schülern das Gefühl vermittelt, ihre Fehler seien nicht geduldet oder arbeitet er mit Druckmitteln, wie zum Beispiel Strafarbeiten, Nachsitzen oder Bloßstellen vor der Klasse, so können starke negative

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Details

Titel
Emotionen in Lehr- und Lernumgebungen am Beispiel aggressiver Erregungen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V278020
ISBN (eBook)
9783656705789
ISBN (Buch)
9783656710356
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
emotionen, lehr-, lernumgebungen, beispiel, erregungen
Arbeit zitieren
Annika Kailing (Autor), 2010, Emotionen in Lehr- und Lernumgebungen am Beispiel aggressiver Erregungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278020

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