Pantomimische Interpretation im Kunstunterricht der Sekundarstufe I


Studienarbeit, 2014

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernvoraussetzungen

3. Einordnung und Beschreibung der geplanten Stunde im Rahmen der Einheit

4. Sachanalyse

5. Didaktische Analyse

6. Methodische Analyse

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang
I Bildmaterial
II Verlaufsplan
III Arbeitsblatt „Wenn Bilder lebendig werden“

Einleitung

Im Rahmen eines handlungsorientierten Unterrichts findet das szenische Spiel zumeist Anwendung im Fachbereich Deutsch zugunsten des Textverstehens. Auch der Gebrauch von Pantomime im Fremdsprachenunterricht zum Vorteil einer vorerst körperlich statt sprachlicher Annäherung wird immer häufiger angetroffen. Kramer (1982, S.9) betont den Vorteil der Pantomime im pädagogischen Theaterspiel, der darin liege, dass besonders Schüler und Schülerinnen mit eingeschränkten verbalen Mitteln neue Ausdrucksmöglichkeiten erhielten. Dieser Aspekt hat im Rahmen eines differenzierten Unterrichts entsprechend der Heterogenität einer Schulklasse besondere Relevanz. Somit können gerade Kinder und Jugendliche mit sprachlichen Schwierigkeiten, insbesondere Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache Lernende, von der Methodik der Pantomime im Schulunterricht profitieren.

„Indem sich die Fremdsprachenlerner bei der gestischen Vermittlung eines Gedankens um Präzision in der Konzentration auf das Wesentliche bemühen, werden sie es leichter haben, sich auch in einer daran anschließenden sprachlichen Handlung entsprechend klar verständlich zu machen. Dazu kommt, dass im pantomimischen Spiel ein Instrumentarium aktiviert wird, das nicht erst erlernt werden muss, das die Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen unverwechselbar zum Ausdruck kommen lässt und eine allen gemeinsame Kommunikationsgrundlage darstellt.“ (Wolf 1988, S.426)

Zudem nützt die Förderung des Körperbewusstseins und damit dem Wissen um nonverbale Kommunikation allen Heranwachsenden, unabhängig von ihren sprachlichen Fähigkeiten.

Der Einsatz von Pantomime im Kunstunterricht findet allerdings keine Berücksichtigung, trotz der Kongruenz von Bildender Kunst, Ästhetik und Formen des Theaters. Auch dass im Kunstunterricht neben handwerklicher Gestaltung, sprachlicher Ausdruck erforderlich ist, wird zumeist außer Acht gelassen. Dabei bedarf es insbesondere im Rahmen einer künstlerischen Reflexion, im Sinne einer überdenkenden Distanz zum eigenen oder fremden Werk, verbaler Kommunikation.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die hier vorliegende Arbeit mit der Anwendung der Pantomime im Kunstunterricht am Beispiel einer Unterrichtsstunde zum Thema der Werkinterpretation in der Sekundarstufe I. Die Verfassung in Form eines Unterrichtsentwurfes ermöglicht in diesem Kontext eine praxisnahe Übertragung theoretischer Inhalte, was an Zwiefkas Auffassung anknüpft, dass man Pantomime „nicht durch das Reden über Pantomime und Bewegungstheater, auch nicht durch das Lesen [eines] Buches, sondern nur durch ˏTunˊ [lernt]“ (1990, S.5).

Zu Beginn dieser Ausarbeitung werden allgemeine Annahmen zur fiktiven Lerngruppe und damit den Lernvoraussetzungen formuliert, um die Grundlagen für die Durchführung der Pantomime im Unterricht darzulegen. Anschließend wird die hier vorgestellte Stunde im Rahmen der Unterrichtseinheit beschrieben, wodurch Vorwissen der Schüler und Schülerinnen sowie nachfolgende Unterrichtsstunden festgestellt werden können. Das nächste Kapitel behandelt dann inbegriffen in der Sachanalyse sowohl die interpretatorischen Ebenen eines Kunstwerkes, als auch die Pantomime als Unterrichtsgegenstand. Die didaktische Analyse ordnet beide Themen curricular ein und zeigt deren Exemplarität, gegenwärtige und zukünftige Relevanz für die Lernenden und die Zugänglichkeit zum Unterrichtsinhalt auf. Es folgt die methodische Analyse in der die einzelnen unterrichtlichen Schritte und Maßnahmen begründet werden. Schließlich wird im Fazit eine kurze Übersicht über die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit und eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit Pantomime im Kunstunterricht gegeben.

Lernvoraussetzungen

Wie eingangs beschrieben, handelt es sich bei diesen Überlegungen um rein theoretische, die sich aus diesem Grund nur an durchschnittlichen Entwicklungsannahmen orientieren können. Allerdings sollte man bedenken, dass eine Unterrichtsausrichtung nach diesem Maßstab keine „individuelle[ ] und gezielt[e]“ Förderung der Schüler und Schülerinnen mit sich bringt (Schick 2012, S.48).

„Eine nur grobe Orientierung an dem, was altersgemäß zu erwarten ist, geht an der Wirklichkeit vorbei - zu unterschiedlich sind die Kontexte des Aufwachsens und die Eingangsvoraussetzungen, die Kinder [...] in die Schule mitbringen.“ (ebd.)

Entwicklungspsychologisch befinden sich die Jungen und Mädchen einer zehnten Klasse gerade in einer abschließenden „Ausbildung der Identität“, welche nur auf Basis von „Selbstreflexion“ (ebd., S.265) erfolgen kann. Dieser Vorgang wird auf mehreren Ebenen in der Ausführung der Pantomime berücksichtigt: Zum Einen setzten sich die Schüler und Schülerinnen in Begegnung mit einer fremden Rolle kontrastierend mit ihrer eigenen Persönlichkeit in allen Facetten auseinander und zum Anderen erhalten sie im abschließenden Reflexionsgespräch eine Rückmeldung zu dieser intra- und interindividuellen Auseinandersetzung. Gerade letzteres ermöglicht somit zudem eine Selbstreflexion auf Metaebene der zu reflektierenden Person als auch des beziehungsweise der Reflektierenden, da es sich hierbei um „eine Selbstauskunft“ über die eigene Meinung und damit Wahrnehmungsmuster handelt (vgl. Mühlisch 2007, S.12).

Allgemein sollte vor der Durchführung szenischer Interpretationen, unabhängig von welcher Art, eine positive Grundstimmung innerhalb der Klassengemeinschaft und zur Lehrkraft sichergestellt sein (vgl. Rosenberg 1990, S.71). Ein positives Sozialverhalten ermöglicht den Beteiligten sich in ihre pantomimischen Rollen wirklich einzufühlen und diese ohne äußeren Druck ausüben zu können.

Auch sollten die Schüler und Schülerinnen in diesem Zusammenhang mit grundsätzlichen Gesprächs- und Verhaltensregeln vertraut sein und diese einhalten können. Auf diesen aufbauend können spezielle Anforderungen der Pantomime und der Feedbackrunde entweder innerhalb der Stunde neu eingeführt oder wiederholt werden, um sie präsent zu haben. Zudem erfordert Pantomime sowohl von den Darstellenden als auch den Rezipienten ein hohes Maß an Konzentration. Vor dem methodischen Gebrauch sollte daher überlegt werden, ob die Klasse dies leisten kann, damit die Pantomime nicht nur zu einem motorischen Aktivator wird.

Innerhalb dieser schriftlichen Ausarbeitung wird vom Vorliegen der genannten Kriterien ausgegangen. Zusätzlich wird angenommen, dass die Klasse bereits standardisierte schriftliche Analyse- und Interpretationsverfahren im Fachbereich Kunst an verschiedenen Bildern erprobt und verinnerlicht hat (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2012, S.26). Auch die szenische Darstellung in Form des Rollenspiels wurde bereits mehrfach im Deutschunterricht im Kontext des Textverstehens erfolgreich umgesetzt. Die Schüler und Schülerinnen kennen daher Zweck und Inhalt von Rollenkarten, die Methode des Standbildes und des Gruppenbildes zur soziometrischen Darstellung der Beziehungskonstellation von Personen (vgl. Schaller 2001, S.18ff). Mit dem Wissen über die Bedeutung der „Körperhaltung, [der] Position, [des] Körperausdruck[s] und [der] Mimik“ (ebd., S.24), bringen die Jungen und Mädchen einige Ressourcen zur pantomimischen Darstellung mit, was deren Durchführung nahelegt und begünstigt.

Im Rahmen der Interpretation mithilfe der nonverbalen Aufführung ist zudem die Frage des räumlichen Platzes im Kunstunterricht wichtig. Nur wenn die Schüler und Schülerinnen sich in ihren Kleingruppen zurückziehen können ohne von den anderen Gruppen beeinflusst zu werden, ist eine konstruktive Arbeitsleistung möglich.

Beschreibung und Einordnung der geplanten Stunde im Rahmen der Einheit Wie bereits in der vorangegangenen Analyse der Lernvoraussetzungen beschrieben, ist es von Bedeutung, dass die Schüler und Schülerinnen Erfahrungen im Umgang mit szenischer Interpretation, beispielsweise aus dem Deutschunterricht, haben, damit die Konzeption von Rollenkarten und die allgemeinen Regeln im Umgang mit Pantomime nicht in der geplanten Stunde ausführlich thematisiert werden müssen. Zudem sollte die Klasse bereits die standardisierte schriftliche Interpretation von Werken im Kunstunterricht erprobt haben, um die Umsetzung in das physische Medium bewerkstelligen zu können.

Die Unterrichtseinheit könnte beispielsweise unter dem Titel „Kunst untersuchen und verstehen - Formen der Werkanalyse“ formuliert sein. In diesem Rahmen können die verschiedenen Inhaltsbereiche „Menschendarstellung, Bild des Raumes und Bild der Medien“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2012, S.25) unter Anwendung der fachmethodischen Kompetenzen der Rezeption (vgl. ebd., S.27ff) behandelt werden. Dabei wäre es von Vorteil, wenn die Schüler und Schülerinnen gemäß Kerncurriculum (vgl. ebd., S.30f) bereits erste Ansätze der Werkanalyse am Ende des achten Schuljahres kennengelernt und während der neunten Klasse vertieft haben. Da es allerdings nicht die Regel ist, dass Klassen durchgehend jedes Halbjahr Kunstunterricht erhalten, muss davon ausgegangen werden, dass die Grundkenntnisse in diesem Bereich weit zurückliegen und erneut thematisiert werden sollten.

Für den hier vorliegenden Unterrichtsentwurf wird von einer Einheit ausgegangen, welche insgesamt fünf Stunden von neunzig Minuten umfasst. Dabei gilt das Augenmerk weniger der schriftlichen Werkanalyse, die die Schüler und Schülerinnen bereits kennen, sondern neuen Formen der Bildinterpretation:

1. Wiederholung der strukturanalytischen Bildinterpretation: Bildbeschreibung, Strukturanalyse und Kompositionsskizze sowie Symbole als Bedeutungsträger,
2. Bildinterpretation nach Erwin Panofsky: Vor-ikonographische Beschreibung, ikonologische Analyse und ikonologische Interpretation (vgl. Panofsky 1975, S.6ff),
3. Zeichnerische Bildinterpretation nach Gunter Otto: Percept - Konzept - Allokation (vgl. Otto 1987, S.40ff),
4. Pantomimische Bildinterpretation I,
5. Pantomimische Bildinterpretation II sowie Abschluss der Einheit.

In dieser Arbeit wird die vierte Doppelstunde, der Einstieg und die Erarbeitung der pantomimischen Interpretation, beschrieben, welche aufgrund des Zeitrahmens einer Kunststunde erst in der darauf folgenden Woche präsentiert und reflektiert werden können.

Die erste Stunde zum Kunstverstehen mithilfe der szenischen Interpretation beginnt nach der Begrüßung mit der Erklärung der Lehrkraft, dass in dieser Stunde die pantomimische Interpretation Unterrichtsinhalt sein wird und das Ziel dieser und nächster Doppelstunde ist, dass die Schüler und Schülerinnen selbst ein Gemälde mithilfe von Pantomime interpretieren. Gemeinsam werden die Tische zur Seite geräumt und ein Stuhlkreis in der Mitte des Raumes gebildet. Innerhalb diesem wird anfangs der Begriff der Pantomime kurz besprochen sowie aus dem Rollenspiel bekannte Verhaltensregeln auf diesen Rahmen übertragen und an der Tafel festgehalten. Anschließend werden nochmals die drei Interpretationsschritte nach Panofsky bestimmt und zusätzlich an die Tafel geschrieben.

Im weiteren Verlauf werden die Schüler und Schülerinnen aufgefordert Kleingruppen von vier bis fünf Personen zu bilden und sich in kleinere Kreise mit ihren Stühlen zu setzen. Innerhalb dieser sollen sie eine viertel Stunde die pantomimische Fortsetzung von Handlungen üben. Dafür beginnt eine Person eine alltägliche Handlung, wie beispielsweise Zähneputzen, nonverbal darzustellen. Der beziehungsweise die Nächste setzt diese Tätigkeit stumm fort und spuckt zum Beispiel die Zahnpasta aus und beginnt sich zu kämmen. Der oder die nächste SchülerIn knüpft mit ihrer Pantomime wiederum an diese Handlung an und immer so weiter.

Nach einer kurzen Reflexionsphase dieses Aufwärmspiels werden die drei Gemälde „Arnolfini-Hochzeit“ (van Eyck 1434), „Briefleserin am offenen Fenster“ (Vermeer 1657) und „Wissenschaft und Nächstenliebe“ (Picasso 1897) als Ausdrucke auf dem Fußboden ausgelegt und die Schüler und Schülerinnen aufgefordert sich dem für die interessantesten zuzuordnen. Nachdem ungefähr gleich große Bildgruppen entstanden sind, teilen sich diese wiederum in Kleingruppen, deren Größe von den Heranwachsenden selbst bestimmt wird. Die Gruppen erhalten mehrere Kopien des ausgewählten Gemäldes sowie das Arbeitsblatt „Wenn Bilder lebendig werden“ (siehe Anhang). Die Lehrkraft weist die Klasse nochmals darauf hin, dass bereits in der nächsten Stunde die Präsentation der pantomimischen Interpretation stattfindet und sie dies in ihrer Organisation berücksichtigen sollten. Die Schüler und Schülerinnen verteilen sich räumlich und erarbeiten bis kurz vor Ende der Stunde selbständig die auf dem Arbeitsblatt formulierten Aufträge.

Schließlich finden sich alle Gruppen wieder zur vereinbarten Zeit im Kunstraum ein und die Lehrkraft erinnert sie daran, ihre Materialien zur nächsten Stunde wieder mitzubringen, um die Präsentationen auszuüben. Die Lehrkraft verabschiedet und entlässt die Klasse.

Sachanalyse

Ein Kunstwerk setzt sich nach Panofsky (1975, S.8ff) aus drei Ebenen zusammen: „1. Primäres oder natürliches Sujet [...], 2. Sekundäres oder konventionales Sujet“ und „3. Eigentliche Bedeutung oder Gehalt“. Zum besseren Verständnis soll dies anhand eines der für die Unterrichtsstunde ausgewählten Bildbeispiele aufgezeigt werden:

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Pantomimische Interpretation im Kunstunterricht der Sekundarstufe I
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V278241
ISBN (eBook)
9783656710899
ISBN (Buch)
9783656711841
Dateigröße
1500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pantomimische, interpretation, kunstunterricht, sekundarstufe
Arbeit zitieren
Lisa Spitze (Autor), 2014, Pantomimische Interpretation im Kunstunterricht der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278241

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