Ethisch-nachhaltige Investmentfonds


Akademische Arbeit, 2007

60 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen ethisch-nachhaltiger Investments
2.1 Definition „Ethisch-Nachhaltig“
2.1 Die Geschichte der
2.2 Derzeitige Situation ethisch-nachhaltiger Veranlagung

3. Warum ethische Geldanlagen?
3.1 Trends für ethische Investments
3.2 Bedeutung ethisch-nachhaltiger Investments für
3.3 Kritik an ethisch-nachhaltigen Investments
3.4 Argumente pro und contra ethisch-nachhaltiger Investments

4. Ethisch-nachhaltige Anlageformen
4.1 Magisches Viereck der Geldanlage
4.2 Anlageformen und deren Wirkung

5. Ethisch-nachhaltige Investmentfonds
5.1 Ansätze ethisch-nachhaltiger Investmentfonds
5.2 Volumen und Anzahl von ethisch-nachhaltigen Investmentfonds
5.3 „Vice-Funds“ – Investitionen in das Böse
5.4 Arten von ethisch-nachhaltigen Investmentfonds
5.5 Transparenz
5.6 Bewertung von ethisch-nachhaltigen Unternehmen

4. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat die Veranlagung nach ethischen oder nachhaltigen Kriterien – eine Begriffsabgrenzung folgt später – spürbaren Auftrieb erhalten. Nahezu alle großen Kapitalanlagegesellschaften haben Kapazitäten im Bereich des ethisch-nachhaltigen Investmentstils aufgebaut, und der eine oder andere Fonds wurde aufgelegt.
In dieser Arbeit wird versucht, einen umfassenden Überblick über die ethisch-nachhaltigen Investments zu geben, wobei auf die Investmentfonds besonders eingegangen wird.

2. Grundlagen ethisch-nachhaltiger Investments

2.1 Definition „Ethisch-Nachhaltig“

Im Folgenden werden die Begriffe „ethisch-nachhaltig“, „ethisch-ökologisch“ und „SRI[1] als Sammelbegriff für Geldanlagen verwendet, die aus sozialer, kultureller oder ökologischer Sicht stammen. Als Ziel bleibt stets ein verantwortungsvoller, anhaltender Ansatz.[2]

Nachhaltiges Investment[3] beschreibt das Zusammenwirken ökologischer, sozialer und ökonomischer Kriterien, während sich das „ Ethische Investment “ auch um die Einhaltung von kulturell oder subkulturell geprägten Werten bemüht. Religiöse und weltanschauliche Werte werden bei der Geldanlage berücksichtigt, etwa der Verzicht auf Investitionen in Unternehmen, die mit Rüstung, Glücksspiel, Tabak, Alkohol oder Abtreibung ihr Geld verdienen.[4]

Der wesentliche Unterschied der Begriffe „ethisch-nachhaltig“ und „ethisch-ökologisch“ liegt in der Berücksichtigung der ökonomischen Komponente, welche im „ethisch-nachhaltigen“ Ansatz immer enthalten ist. Der „ethisch-ökologische“ Ansatz hingegen ist nicht ausdrücklich auch ertragsorientiert. Die folgende Abbildung soll diese Zusammenhänge veranschaulichen.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Ethische Konzepte

Ein weiterer häufig gebrauchter Begriff ist der der „ Ökoeffizienz“. Ökoeffizienz ist erreicht, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:[6]

- Ressourcenschonende Produkte und Dienstleistungen, die
- menschliche Bedürfnisse befriedigen und
- einen Beitrag zur Lebensqualität leisten,
- werden zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten.

2.1 Die Geschichte der …

2.1.2 …ethisch-nachhaltigen Geldanlage in den USA

Die Geschichte der ethischen Geldanlage geht bis ins Amerika des 19. Jahrhunderts zurück. Christlich motivierte Anleger – vor allem Quäker und Methodisten – verzichteten damals schon auf Investitionen in Unternehmen, die Geschäfte mit Waffen, Glücksspiel, Tabak oder Alkohol tätigten. Von ihnen wurde diese Anlage „Sin Stocks“ genannt – „Aktien der Sünde“. Mit ihrem Verhalten haben sie den Ausdruck des „ Social Responsible Investments “ (SRI[7] ) erstmals geprägt, nämlich die Berücksichtigung sozialer, ökologischer, nachhaltiger und ethischer Kriterien bei der Geldanlage.[8] Bereits im Jahre 1928 wurde der Pioneer-Fund als erster Investmentfonds nach solchen Kriterien aufgelegt.[9]

Danach führte diese Art der Geldanlage jedoch ein Schattendasein, bis in den 1970er Jahren die politischen Ereignisse – wie der Vietnamkrieg oder die menschenverachtende Apartheidpolitik Südafrikas – das Bedürfnis nach alternativen Geldanlagen verstärkten.[10] Kein Geld sollte für Unternehmen die in Südafrika tätig waren oder für die Rüstungsindustrie bereitgestellt werden. Daraufhin begannen sich amerikanische Unternehmen wegen u.a. von ethisch-ökologisch motivierten Geldanlegern aufgebautem politischen und wirtschaftlichen Drucks aus Südafrika zurückzuziehen.[11] Dies wurde als großer Erfolg für die ethisch-ökologische Geldanlage gewertet.[12] Als Resultat wurde im Jahre 1971 der Pax World Fund als erster ethischer Investmentfonds mit Ausschlusskriterien aufgelegt.[13] Der New Alternative Fund folgte 1982 als weltweit erster ökologisch orientierter Fonds, der in Unternehmen investierte, die im Bereich der umweltfreundlichen Energiegewinnung tätig waren.[14]

2.1.3…ethisch-nachhaltigen Geldanlage in Europa

Im europäischen Raum schlugen sich die sozial-ethischen Geldanlagen kaum nieder. Hierzulande war das Anlageverhalten eher ökologisch orientiert. Grund dafür waren in den 1980er Jahren zahlreiche Ereignisse[15], die in der Öffentlichkeit dafür sorgten, dass die Frage des Umweltschutzes mit der Rolle der Industrie und der Finanzwirtschaft in Verbindung gebracht wurde.[16] Es entstanden Öko-Fonds, Öko-Banken und zahlreiche Öko-Produkte, vor allem in Großbritannien, das bis heute als Vorreiter für ethisch-nachhaltige Investments gilt.[17] Auf dem europäischen Festland entstand 1983 in Frankreich der erste Ethik-Fonds, der Nouvelle Strategie 50. Und in England wuchs langsam bereits das Angebot an Social Responsible Fonds, wie der 1981 gegründete Fellowship Trust.[18]

2.1.3…Nachhaltigkeit

Am Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre wurde durch die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung der Aspekt der Nachhaltigkeit – „ Sustainability “ – in die Diskussion eingeführt.[19] Im Brundtland[20] -Report aus dem Jahre 1987 findet man folgende Definition wieder: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ [21] Der Bericht fordert die Vereinbarkeit der drei Ziele

1. wirtschaftliche Entwicklung,
2. wirtschaftliches Wachstum und
3. Erhaltung der Umweltbedingungen.[22]

Daraufhin folgte 1992 der Umweltgipfel in Rio de Janeiro, wo die Agenda 21 – ein mittlerweile von 182 Staaten abgesegnetes Aktionsprogramm für internationale Zusammenarbeit in der Umwelt- und Entwicklungspolitik – verabschiedet wurde. Die Botschaft an alle lautete: „ Erhalten, was Grundlage ist für langfristiges Wachstum. Ökologisches und soziales Vermögen bewahren und vermehren – zukunftsfähig sein.“[23] Wichtig hierbei sind nicht nur Themen wie Umweltschutz, erneuerbare Energien und sparsamer Umgang mit begrenzten natürlichen Ressourcen, sondern besonders auch die ganze Problematik der menschlichen Ressourcen, die durch Fair-Trade, Menschen- und Arbeitsrechte zu schützen sind. Kapitalanlagen, welche die Lebensgrundlagen verantwortungsvoll nutzen, heißen auch „ Suistainable Responsible Investments “ (SRI)[24] Es kamen neue Finanzprodukte auf den Markt, die dem Begriff der Nachhaltigkeit Rechnung trugen. Sie basieren vorwiegend auf einem erweiterten Öko-Effizienz-Konzept und schließen Unternehmen, die z.B. Menschrechte verletzen, von ihrer Veranlagung aus.[25]

Heutzutage berücksichtigt „ Nachhaltigkeit “ oder „ Sustainability “ in einer umfassenden Sichtweise die Integration ökologischer, sozialer und ökonomischer Interessen und Anforderungen.[26] Die Unternehmen berücksichtigen das Thema „Nachhaltigkeit“, indem sie sich vermehrt ihrer sozialen Verantwortung [27] stellen und neben Anstrengungen im Umweltschutz auch die Interessen ihrer „ Stakeholder[28] berücksichtigen. Auch der Kapitalmarkt behandelte in den letzten Jahren verstärkt das Motiv der „Nachhaltigkeit“. Die ethisch-nachhaltige Vermögensverwaltung, die neben finanzieller Performance auch gute Leistungen der investierten Unternehmen im Umwelt- und Sozialbereich verlangt, war und ist stark im Wachstum begriffen.[29]

Der Europäische Rat erneuerte im Juni dieses Jahres die EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung. Es heißt: „Nachhaltige Entwicklung bedeutet, dass den Bedürfnissen der heutigen Generation dergestalt Rechnung getragen werden sollte, dass die Fähigkeit künftiger Generationen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, nicht gefährdet wird. Nachhaltige Entwicklung ist ein im Vertrag festgelegtes übergeordnetes Ziel der Europäischen Union, das für alle Politikbereiche und Maßnahmen der Union maßgebend ist.“[30]

Die folgende Abbildung soll die Geschichte der ethisch-nachhaltigen Geldanlage nochmals verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Meilensteine ethisch-nachhaltiger Geldanlage seit 1900

Das ethisch-nachhaltige Investment änderte sich im Laufe der Zeit. Aus dem Gedanken der Wohltätigkeit hat sich ein eigener Managementstil entwickelt, der auf finanzielle Erträge hin ausgerichtet ist und durch Wertorientierung und Risikomanagement gekennzeichnet ist.[31]

2.2 Derzeitige Situation ethisch-nachhaltiger Veranlagung

Der Markt für ethische Geldanlagen, der neben finanzieller Performance auch gute Leistungen der investierten Unternehmen im Umwelt- und Sozialbereich verlangt, befindet sich nach wie vor in einem kräftigen Aufschwung. Eine schon vor Jahren durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup ergab, dass ein erheblicher Teil (42%) der österreichischen Bevölkerung nachhaltigen Geldanlagen aufgeschlossen gegenüber steht. Diese positive Einstellung zu Kapitalanlagen mit sozialen, ethischen und ökologischen Aspekten hat sich seitdem noch verstärkt.[32] Andere Länder wie die Niederlande, Großbritannien und die Vereinigten Staaten zeigen vor, wohin die Reise der ethischen Geldanlagen geht. In den USA werden bereits über 2 Billionen US-Dollar – das sind schon über 10% des gesamten Anlagemarktes – nach ethischen und/oder ökologischen Kriterien angelegt.[33] In Europa werden nach Schätzungen des Sustainable Business Institut der European Business School (EBS) ca. 500 Mrd. Euro unter nachhaltigen Aspekten verwaltet wobei das Marktwachstum in den nächsten Jahren bei 30 biss 40% liegen wird.[34]

2.2.1 Institutionelle Investoren

Das Interesse an ethisch-nachhaltigen Veranlagungsprodukten stammt zunächst vor allem von der Seite der institutionellen Anleger, wie Investment- und Pensionsfonds, Versicherungen und Banken, sowie Kirchen, Gewerkschaften und soziale Verbände.[35] Vor allem Pensionsfonds, die aufgrund von Gesetzen[36] verpflichtet sind darüber zu berichten, ob und wie sie ethische, soziale und ökologische Belange bei der Verwendung der eingezahlten Altersvorsorgebeiträge berücksichtigen, gelten als wichtiger Motor der ethischen Geldanlage.[37] Die Anwendung solcher Kriterien wird jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben, doch werden die Konsumenten aufgrund dieser Berichtspflicht besser informiert und können die Produkte gezielt nachfragen und auswählen. Es wird zumindest Transparenz geschaffen, welcher Anbieter bei der Geldanlage ethische, soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt.[38] Außerdem haben diese Großanleger aufgrund ihres hohen Anlagevermögens einen vergleichsweise hohen Einfluss[39] auf die Unternehmen im Portfolio und ihren ethischen, sozialen und ökologischen Verhalten.[40] So warnte z. B. der amerikanische Pensionsfonds Calpers die Autobauer General Motors (GM) und Ford im Jahre 2005, Kapitalanteile zu entziehen, falls sie nicht die Treibhausgasemissionen offen legten und Klimastrategien entwickelten. Ford kam der Forderung nach, jedoch GM war dazu nicht bereit, woraufhin der Rückzug von Calpers als Investor begann.[41] In Europa ist die Möglichkeit der Aktionäre, die Unternehmensleitung an einer ineffizienten Verwendung von Unternehmenswerten zu hindern, noch nicht so stark ausgeprägt.[42]

2.2.2 Private Investoren

Die private Nachfrage bleibt vorerst noch moderat, bedingt durch die Befürchtung geringerer Renditen bei ethisch-nachhaltigen Produkten – einem Vorurteil, mit dem später in dieser Arbeit aufgeräumt werden soll.[43] Außerdem liegt das Problem auch bei der Angebotsseite, da die Kreditinstitute die ethische Geldanlage den traditionellen Anlegemöglichkeiten hinsichtlich finanzieller Kriterien als unterlegen erachten. So müssen sie alleine schon wegen der Beratungshaftung bei der Empfehlung entsprechender Anlagen sehr vorsichtig sein. Deshalb berät die große Mehrheit der Kreditinstitute nur auf entsprechende Nachfrage der Anleger nach ethisch-ökologischen Veranlagungen. Die Anleger müssten die Initiative ergreifen und verstärkt Nachfrage nach ethisch-ökologischen Geldanlagen zeigen[44], damit es zu einer Erhöhung des Angebotes und somit zu einer verstärkten Anlegerinformation kommen kann.[45] Auch die Gallup -Umfrage bestätigt: „Ist der Österreicher erst einmal dazu bereit, jenseits des Sparbuches anzulegen, so ist der Schritt zu ethischen Investments durchaus möglich, vorausgesetzt, es gibt ein entsprechendes Anbot von entsprechend gebildeten Finanzberatern.“[46]

Kreditinstitute und Investmentgesellschaften haben die Fähigkeit und die Verantwortung die Märkte, Wirtschaft und Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Durch eine Verringerung der Berührungsängste mit ethisch-ökologischen Geldanlagen – die bei Kreditinstituten stärker als bei Investmentgesellschaften ausgeprägt sind – sollten neben der erhöhten Nachfrage auch eine bessere Information dieser Unternehmen zu einer noch stärkeren Berücksichtigung ethisch-ökologischer Gesichtspunkte bei der Veranlagung führen können.[47]

Der Markt der ethisch-nachhaltigen Veranlagung wird weiterhin wachsen.
Transparenz, Kommunikation, Kompetenz der Berater und Banken und Distribution sind die Schlüsselfaktoren für eine weitere Marktentwicklung.[48]

3. Warum ethische Geldanlagen?

3.1 Trends für ethische Investments

Das Auffinden von Trends in der Gesellschaft samt ihren Auswirkungen auf die Unternehmensebene gehört zu den primären Zielen der Investoren. Die aus ethisch-nachhaltiger Sichtweise formulierbaren Trends werden in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen, und die Haltung der Unternehmen und Investoren von morgen stark beeinflussen.[49]

Einige Faktoren die für eine Zunahme ethisch-nachhaltiger Veranlagung sprechen:[50]

- Die Performance von nachhaltigen, ethischen und sozialen Investments war in der Vergangenheit nach der überwiegenden Mehrzahl der unabhängigen Studien an privaten und öffentlichen Forschungseinrichtungen[51] wenigstens ebenso gut, meist sogar besser wie der Durchschnitt anderer Anlageformen.
- Die Anleger bzw. Fondsmanager wollen in der Unternehmenspolitik aktiv mitwirken und mitgestalten und wollen an der nachhaltigen Unternehmensentwicklung teilhaben. Anleger können durch die Zunahmen an ethisch-nachhaltigen Anlagemöglichkeiten über die Geldanlage gesellschaftlichen Druck für soziale und ökologische Verbesserungen in Unternehmen ausüben.
- Die globale Wirtschaftsentwicklung ist durch eine Phase der Ungewissheit geprägt (politische Ereignisse, steigender Ölpreis, Zinserhöhungen etc.). Diese Ungewissheit wird das Entscheidungs- und Planungsverhalten der Anleger weiter verändern und die sich bereits abzeichnenden Trends verstärken (z.B. treten erneuerbare Energieträger als Alternative zu Erdöl immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit).
- Die Unternehmensskandale (Enron[52], Worldcom, Parmalat) und der Crash an den Aktienmärkten haben die Finanzmärkte beeinflusst und das Vertrauen der Anleger für lange Zeit erschüttert.
- Das Problem der ökologischen Unsicherheit durch den Klimawandel. Naturkatastrophen wie Stürme, Unwetter, Überschwemmungen bzw. Perioden der Trockenheit nehmen aufgrund des Auf- und Abbaues von Energie in den Elementen Luft und Wasser stetig zu. Die daraus resultierenden materiellen und finanziellen Belastungen gehen zu Lasten der Volkswirtschaft und werden bislang kaum von den eigentlichen Verursachern getragen. Der amerikanische Wissenschaftler Peter Kinder bestätigt in seinem Vortrag beim internationalen Klimakongress Klima X in Hartberg, dass „Investitionen in saubere Energie und den Klimaschutz in den nächsten Jahren von hohen Energiepreisen, steigendem Bedarf und höherem Bewusstsein für Klimarisiken profitieren werden. (…) Sie bringen ökologisch als auch ökonomisch Profit.“[53]
- Der bedenkliche Trend wachsender sozialer Spannungen. Sie werden durch ungleichmäßige wirtschaftliche Entwicklungen, Armut und Hunger verstärkt. Die Tendenz geht dahin, dass der vermögende Teil der Bevölkerung noch reicher wird und die Benachteiligten immer ärmer.
- Das Misstrauen gegenüber dem Bereich der Lebensmittelproduktion – verursacht durch Seuchen wie BSE und H5N1 oder durch Genmanipulation – verstärkt das Thema des „gesunden Lebens“ und steigert die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln.

Die beschriebenen Tatsachen rücken immer stärker ins öffentliche Bewusstsein und deuten auf veränderte Voraussetzungen für das Anlageverhalten hin. Die Anleger haben aus der Vergangenheit gelernt und haben die Erfahrung machen können, dass sie Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen können, und auch nehmen müssen. Die Tatsachen lassen erkennen, dass Geldanlage ohne ethische Einbettung auch den langfristigen Interessen der Anleger schadet.[54]

3.2 Bedeutung ethisch-nachhaltiger Investments für…

3.2.1…die Unternehmer

Die Vermarktung der Anteile von ethisch orientierten Unternehmen als ethisch-nachhaltige Geldanlage hat zahlreiche positive Effekte:[55]

- Das Image wird gestärkt und der Bekanntheitsgrad erhöht (vor allem durch die Aufnahmen in einen Index).
- Potentielle Erhöhung des Kaufinteresses an den Unternehmensprodukten.
- Die Stakeholder treten in den Vordergrund. Die Motivation und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter wird erhöht und damit auch die Kundenbindung und der Unternehmenserfolg.
- Erhöhung des öffentlichen Ansehens festigt die finanzielle Lage des Unternehmens. Der Zugang zum Kapital wird erleichtert und die Kapitalbeschaffungskosten sinken. Bei den Kreditinstituten wächst die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für Unternehmen auf dem Finanzmarkt wird.[56]

Aus diesen Punkten ist ersichtlich, dass eine nachhaltige Unternehmensentwicklung mit einer profitablen Unternehmensführung gleichgesetzt werden kann, und dies zu einer Erhöhung des ökonomischen Erfolges führen kann.[57] Durch eine Sustainability-Strategie können Chancen ergriffen werden, die zu neuen Geschäftsfeldern (z.B. Anbieter biologischer Lebensmittel), neuen Finanzierungsperspektiven und Wettbewerbsvorteilen an den Finanzmärkten führen.[58] „Zumindest langfristig kann man davon ausgehen, dass Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft stellen, auch wirtschaftlich erfolgreicher sind.“[59]

…die Umwelt

Vor allem die direkte Finanzierung von Umweltprojekten und neuer ökologisch orientierter Unternehmen kann zur Verbesserung der Umweltsituation beitragen. Hierbei haben neu ausgegebene Aktien, Direktbeteiligungen und Spareinlagen die stärkste ökologische Wirkung (siehe Kapitel 4.3.2). Zahlreiche ökologisch vorteilhafte Produkte (z.B. im Bereich der regenerativen Energiequellen) wären ohne ökologische Geldanlagen nie auf den Markt gekommen.[60]

3.2.2 … die Anleger

Neben der (möglichen[61] ) Rendite als Grundnutzen, stiften ethische Geldanlagen einen Zusatznutzen in Form von Selbstachtungs - bzw. psychologischen Nutzen.[62] Erträge können durch Investitionen und Veranlagungen erwirtschaftet werden, die mit den moralischen Prinzipien der Anleger übereinstimmen und nicht auf Kosten der Menschen und Umwelt erzielt werden.[63] Die ethisch orientierten Anleger wollen sich jedoch mit ihrer Geldanlage nicht nur identifizieren können, sondern sie aktiv verwenden, um:[64]

- die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien und Produkte zu fördern;
- eine wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen, die sich an einen langfristigen Umweltschutz orientiert (umweltorientierte Unternehmen stärken);
- über Öko-Fonds Einfluss auf ökologisch bedenkliche Unternehmensaktivitäten zu nehmen[65] ;
- an einer Steigerung der allgemeinen Lebensqualität mitzuhelfen.
… die Finanzmärkte

Der Bedeutung der Nachhaltigkeits-Aspekte wird von den Finanzmärkten zwar immer stärker wahrgenommen, jedoch besteht nach wie vor ein großes Potential. Durch die folgenden Faktoren sollte es zu einer stärkeren Berücksichtigung der Nachhaltigkeit durch die Finanzmarktakteure kommen:[66]

- Da die Nachhaltigkeitsaspekte zu einer erheblichen Veränderung der Kosten- und Ertragsstruktur des Unternehmens führen, sind sie finanzmarktrelevant.
- Umweltrisiken tragen das systematische Risiko. Dies ist durch die klassische Portfoliodiversifizierung kaum zu begrenzen.
- Nachhaltigkeitsaspekte (z.B. Umweltprobleme) beeinflussen vor allem Banken und Versicherungen stark, da sie die Effektivität ihrer klassischen Risikomanagementinstrumente verringern.

3.3 Kritik an ethisch-nachhaltigen Investments

Einem Vergleich mit der Realität halten diese Argumente jedoch nicht ganz stand:[67]

- Es ist besonders zu erwähnen, dass ein Großteil der Investments Aktien betrifft, die bereits am Markt gehandelt werden (also keine Neuemissionen sind) und die den Unternehmen nicht direkt zugute kommen. Das Geld erhält, wer das Wertpapier verkauft, und der Anleger erfährt nicht wofür das investierte Geld verwendet wird. Außerdem finanzieren sich erfolgreiche Unternehmen hauptsächlich über Fremdkapital (Anleihen und Darlehen) und/oder über ihre selbst erwirtschafteten Mittel.
- An dem Argument über einen Öko-Fonds auf die Unternehmenspolitik Einfluss nehmen zu können, sind nur wenige Anleger (13,7%) interessiert.[68] Außerdem widerspricht es ja auch teilweise der Anlagestrategie, da ja in bereits „saubere“ Unternehmen investiert werden sollte.
- Die Rentabilität ist und bleibt nach wie vor das wichtigste Kriterium einer Investition. Liegt die Rendite einer Umweltinvestition unter der risikolosen Rendite, so müsste sie unterbleiben. Aufgrund der Kapitalströme, die sich auf deregulierten Finanzmärkten ohne reale Wertschöpfung vermehren können, werden diese Zinssätze künstlich hoch gehalten und erschweren die langfristig sinnvollen Umweltinvestitionen.
- Den Beitrag den ethisch-nachhaltige Investoren zu einer Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit leisten können, wird ziemlich überschätzt. Bei unzähligen Unternehmen ist ein großer Nachholbedarf im Bereich der Ökoeffizienz gegeben.

Abschließend ist zu sagen, dass sich der Widerspruch zwischen moralischem Anspruch und hoher Rendite doch nicht so einfach beseitigen lässt. „Ethisches Investieren ist kein eierlegendes Wollmilchschwein, das alle Stakeholder befriedigt, sondern oft nur ein Kompromiss zwischen Eigennutzen und Gewissen.“[69]

Im folgenden Kapitel werden die Argumente zur Wertentwicklung, die für eine traditionelle Veranlagung bzw. für eine ethisch-nachhaltige Veranlagung sprechen, tabellarisch gegenübergestellt.

[...]


[1] Social Responsible Investments (SRI) ist der amerikanische Ausdruck für „ethisch-nachhaltige Investments“.

[2] Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S.20.

[3] Siehe 4.1.2.3 Geschichte der Nachhaltigkeit

[4] Vgl. o.V. [Investieren mit gutem Gewissen 2004], S.17.

[5] Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S.20f.

[6] Vgl. hierzu und im folgenden o.V. [Ökoeffizienz 2006], o.S.

[7] Social Responsible Investment ist der amerikanische Ausdruck für „ethisch-nachhaltige Investments“.

[8] Vgl. o.V. [Investieren mit gutem Gewissen 2004], S.15.

[9] Vgl. Weber [Zukunftssicher anlegen 2001], S.18.

[10] Vgl. Gèrard [Börse oder Leben 2002], S 59.

[11] Vgl. Schneeweiß [Kursbuch ethische Geldanlage 2002], S.90.

[12] Vgl. Grieble [Ethisch-ökologische Geldanlage 2001], S.20.

[13] Vgl. Gèrard [Börse oder Leben 2002], S.60.

[14] Vgl. Schneeweiß [Kursbuch ethische Geldanlage 2002], S.91.

[15] Chemieunfall Seveso, Atomkatastrophe Tschenobyl, Angst vor saurem Regen und dem Ozonloch…

[16] Vgl. Gèrard [Börse oder Leben 2002], S.61.

[17] Vgl. o.V. [Investieren mit gutem Gewissen 2004], S.17.

[18] Vgl. Gèrard [Börse oder Leben 2002], S.61.

[19] Vgl. o.V. [Investieren mit gutem Gewissen 2004], S.17.

[20] Gro Harlem Brundtland war norwegische Umweltministerin und später Ministerpräsidentin

[21] Pinner [Etische Investments 2003], S.91.

[22] Vgl. Blank [Sustainable Development 2001], S.374f.

[23] Pinner [Ethische Investments 2003], S.89.

[24] Vgl. Meybom [Zukunftssicher investiert 2002] S.41.

[25] Vgl. Gèrard [Börse oder Leben 2002], S.63.

[26] Vgl. Blank [Sustainable Development 2001], S.374ff.

[27] Soziale Verantwortung wird auch „ Corporate Social Responsibility “(CSR) genannt. Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S.86ff.

[28] Alle, die in irgendeiner Form von den Tätigkeiten des Unternehmens betroffen sein könnten. Z.B. Öffentlichkeit, Mitarbeiter, Konsumente, Lieferanten, Mitbewerber,…

[29] Vgl. Plinke [Aktienperformance und Nachhaltigkeit 2002], S.2ff.

[30] Europäische Union [Die erneuerte EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung 2006], S.2.

[31] Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S.108f.

[32] Friesenbichler/Reithofer [Kriterien ethischer Veranlagung 2001], S.77.

[33] Vgl. BMU [Mehr Wert 2000], S.3, und S.53 und Plinke [Aktienperformance und Nachhaltigkeit 2002], S.3.

[34] Vgl. o.V. [Ethisches Investment 2006], o.S.

[35] Vgl. Pinner [Ethische Investments 2003], S.19 und BMU [Mehr Wert 2000], S.4.

[36] Das in Großbritannien verabschiedete Gesetz im Juli 2000 führte zu einem wahren Boom für ethische

Pensionsfonds. Die deutsche Gesetzgebung hat das per 1. Jänner 2002 und die österreichische im

Jahre 2005 nachvollzogen.

[37] Vgl. Schneeweiß [Kursbuch ethische Geldanlage 2002], S.157.

[38] Vgl. o.V. [Ethisches Investment 2006], o.S.

[39] Eine aktive Einflussnahmen auf ein Unternehmen (z.B. durch Wahrnehmung des Stimmrechts), dessen Aktien sich im Portfolio des Investors befinden wird auch Shareholder Activism genannt; dieser ist in den USA stark ausgeprägt.

[40] Vgl. Vorbach [Der Aufschwung institutioneller Anleger 2001], S.18 und S.28.

[41] Vgl. Berguis [Nachhaltiges Investment – mehr als eine Nische 2007], S.4.

[42] Vgl. Hellwig [Was leistet das Finanzsystem 1997], S.217.

[43] Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S. 19 und Grieble [Ethisch-ökologische Geldanlage 2001], S.273.

[44] Laut Imug Forschungsinstitut fragen nur 2% der Kunden von sich aus nach Produkten aus dem ethischen Bereich. Werden ihnen jedoch Produkte aus diesem Segment angeboten, sind etwa 50% der Anleger bereit zu mindest Teilbeträge nach sozial-ökologischen Kriterien anzulegen. Vgl. Imug[Bewertung ethisch ökologischer Finanzdienstleistungsprodukte 2003]

[45] Vgl. Grieble [Ethisch-ökologische Geldanlage 2001], S. 240ff und S.273f.

[46] Friesenbichler/Reithofer [Kriterien ethischer Veranlagung 2001], S.77.

[47] Vgl. Grieble [Ethisch-ökologische Geldanlage 2001], S. 274f. und Pinner [Etische Investments 2003], S.71f.

[48] Vgl. Schoenheit [Nachhaltiges Investment als Kommunikationsaufgabe 2004], S.93ff.

[49] Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S.105.

[50] Vgl. hierzu und im folgenden Brodbeck [Gewinn und Moral 2006], S.103ff. sowie Pinner [Etische Investments 2003], S. 105ff., Schneeweiß [Kursbuch ethische Geldanlage 2002], S. 13ff. und Gruber [Ethische Investments liegen im Trend 2001], S.79ff.

[51] Quellen: Stanley Morgan, oekom research, Deutsches Aktieninstitut, software-systems, Bundesministerium BMU, Sarasin, Sustainable Business Institut.

[52] Am Beispiel Enron wurden Bilanzmanipulationen und korrupte Machenschaften die um den gesamten Erdball reichen festgestellt, wobei am Ende 21.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren

[53] Hofer H. [Unternehmen profitieren von Investitionen in Klimaschutz 2006], S.3.

[54] Vgl. Brodbeck [Gewinn und Moral 2006], S.110f.

[55] Vgl. hierzu und im folgenden BMU [Mehr Wert 2000], S.10, und o.V. [Vom Mehrwert des Gutseins 2004], S.24 und Wilke [Ethisch-ökologisches Investment 2002], S.17.

[56] Vgl. Hoffmann/Scherhorn [Saubere Gewinne 2002], S.56.

[57] Vgl. Pinner [Etische Investments 2003], S.96.

[58] Vgl. Rosinski [Sustainable Finance 2001], S.116.

[59] Plinke [Aktienperformance und Nachhaltigkeit 2002], S.4.

[60] Vgl. BMU [Mehr Wert 2000], S.9.

[61] Es können nur die in der Vergangenheit erzielten Renditen betrachtet werden; Aussagen über zukünftige Renditen sind nicht möglich.

[62] Vgl. Möhrle [Erfolgreiche Vermarktung von Öko-Fonds jenseits der Nische 2002], S.56.

[63] Vgl. Berndt/Jiricka [Ethische Veranlagung – wozu? 2001], S.12.

[64] Vgl. hierzu und im folgenden BMU [Mehr Wert 2000], S.9.

[65] „Engagement“ und „Shareholder-Activism“ sind hier die beiden Schlagworte

[66] Vgl. hierzu und im folgenden Schaltegger/Figge [Finanzmärkte 1999], S.296f. zitiert nach Rosinski [Sustainable Finance 2001], S.26.

[67] Vgl. hierzu und im folgenden Poth [Mehr Parfüm als Substanz 2002], o.S.

[68] Lt. einer Umfrage der Online-Zeitschrift Ecoreporter.de Ende 2000

[69] Poth [Mehr Parfüm als Substanz 2002], o.S.

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Details

Titel
Ethisch-nachhaltige Investmentfonds
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
60
Katalognummer
V278284
ISBN (eBook)
9783656707813
ISBN (Buch)
9783656716280
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethisch-nachhaltige, investmentfonds
Arbeit zitieren
Rudi Oberdorfer (Autor), 2007, Ethisch-nachhaltige Investmentfonds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278284

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